Schlagwort-Archive: Yvonne Zeich

Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Bad Endorf: „Diejenigen, die beim Vaterunser auf einer wörtlichen Übersetzung beharren, müssen eigentlich auch bereits den ersten Satz des Vaterunser, wo es heißt: „… der Du bist im Himmel“, infrage stellen. Laut der Übersetzung aus dem Altgriechischen: „… en tois ouranois“, müsste es heißen: in den Himmeln, in den Lüften. Damit soll vermittelt werden, dass Gott nicht in einem fernen himmlischen Ort thront, sondern überall da ist, was auch dem hebräischen Wort Jahwe für Gott – ich bin das Sein – entspricht. Hier wäre eine getreue Übersetzung höchst notwendig und sinnvoll, wenn auch für eine klerikal bestimmte Kirche äußerst unbequem.
Jesus selbst hatte immer wieder deutlich gemacht, dass das Gottesreich bereits da sei und wir uns als Söhne und Töchter Gottes verstehen sollten. Deswegen hat er auch keine Gottesdienste und Hohe Priester nötig. Im bekannten Weihnachtsevangelium hat der Evangelist Lukas seine Erfahrungen mit Jesus dramatisch dargestellt. Letztlich will er uns damit auch sagen, dass unsere Welt im neuen Licht erscheint, wenn das Göttliche im Menschen wie in der ganzen Schöpfung angenommen wird. Wohl deshalb hat der Autor der frohen Botschaft Engel, Hirten und Schafe eindrucksvoll mit ins Spiel gebracht.
Dass sich in dieser Weltsicht viel verändern kann, haben viele Jesus-Nachfolger wie zum Beispiel der Heilige Franziskus eindrucksvoll bestätigt. In diesem Denken kann Frieden wachsen, und so können auch unnötige Trennwände zwischen profan und sakral wie zwischen Laien und Klerus fallen.“

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Schein und Wirklichkeit

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Bremen: „Diana Spencer wurde vor zwanzig Jahren nachgewiesenermaßen vom britischen Geheimdienst unter Mithilfe der Franzosen getötet. Dies nicht nur aufgrund ihres erfolgreichen internationalen Engagements gegen Landminen und die Rüstungsindustrie, sondern auch weil die Briten nicht zulassen konnten, dass sie das Kind des Muslims Dodi Fayed zur Welt bringen könnte. Der Mord wird zwar in den Medien immer noch ‚Unfalltod‘ genannt, aber die Resultate der Untersuchungskommission waren eindeutig. Man muss sich nur die Mühe machen, sie zu lesen und zu analysieren (was inzwischen verschiedene unabhängige Buchautoren getan haben). Diana dann in einer Karikatur posthum als 'Jetset-Schlampe' zu bezeichnen, ist ausgesprochen pietätlos, auch wenn man das ihrem Ex in den Mund legt. We are not amused.“

Einheit oder Zwietracht

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Germering: „Es st das Recht eines jeden Volkes, so auch der Türkei, nach Wohlstand zu streben. Dies ist auch europäisches Verständnis. Andererseits soll das Leben der Menschen, so wollen es dort die Führungen, an ein bestimmtes Religionsbild und an den Fundus seiner Traditionen gebunden bleiben, soweit es dem Machterhalt dient. Dies jedoch ist kein europäisches Verständnis. Dem Wohlstandsstreben sollte die EU eindeutig mit einer Zollunion (Muster Nafta) nachkommen. Dieses Volk ist unser guter Nachbar. Nafta ist das Modell der Wahl. Aber höre man auf, immer von einem Weg in die Vollmitgliedschaft zu sprechen. Schluss damit. Wäre es denn im europäischen Interesse gelegen, diesem realen Religionsbild und diesen Traditionen in der EU über Parlament und Kommission ein Aktionsfeld zu eröffnen? Mit dem Austritt Großbritanniens und seinem Wunsch, wirtschaftlich engstens der EU verbunden zu bleiben, wurde/wird – wenn ach unfreiwillig – endlich der Status einer privilegierten Partnerschaft geschaffen, der über jeden Diskriminierungsverdacht erhaben ist und der für viele Nachbarländer beziehungsweise Aspiranten Vorbild sein kann. Was wären dies für entkrampfte Partnerschaften ohne den ewigen Streit um die Frage, wer denn letztlich zu Europa gehört und wer nicht.“

Gesund oder krank

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Heusenstamm: „Him-, Heidel- und fast alle besonders leckeren Beeren wachsen in Deutschland, während der Saison schmecken sie dann auch echt gut! Seit Jahren schon werden diese auf viel Wasser und Schatten angewiesenen Früchte in den Halbwüsten Südspaniens mit afrikanischen illegalen und halbillegalen Landwirtschaftshelfern angebaut und Tausende von Kilometern mit Lkws, von denen es auch längst zu viele gibt, in unsere angeblichen ‚Super‘-märkte – ich nenne sie Lebensmittelvernichtungszentren – gebracht.
Seit einem Monat esse ich fast nur Äpfel (vorher viele Brombeeren), ein paar Zwetschgen, Aprikosen, Mirabellen, demnächst heimische Trauben, bald sind die heimischen Kastanien reif! Geht mir dadurch Genuss verloren? Vice versa!
Ich esse ganzjährig Schokolade und trinke grünen Tee und manchmal auch Kaffee, nur damit klar ist, dass ich nicht nur heimische Produkte verzehre. Nur diese Perversionen, die niemandem etwas bringen, selbst wenn sie schmecken würden, sie schaden allen Beteiligten außer den Konzernspitzen!“

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Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Schriesheim: „Es ist dringend an der Zeit, die Stimme zu erheben gegen diesen Raubtierkapitalismus, der nur dem Profit der Banken und Konzerne verpflichtet ist, weite Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge kommerzialisiert und sich in menschenverachtender Weise gegen die Bürger richtet. Doch hier beginnt das Problem: Während in südlichen Ländern mehrere hunderttausend Menschen auf die Straße gehen, kann man hierzulande froh sein, wenn sich gerade mal 25 000 Menschen engagieren, während ein einziges Fußballspiel 50 000 Leute mobilisiert und der doppelte Titelgewinn eines Bundesligavereins von 260 000 Menschen bejubelt wird. Als Teilnehmer der genehmigten Blockupy-Demonstration am 19. Mai in Frankfurt habe ich erlebt, wie schwierig es ist, ein paar Leute zum Mitmachen zu motivieren.
Das Motto seit Urzeiten: Gib dem Volk Brot und Spiele. Mit dem Brot könnte es zwar in absehbarer Zeit kritisch werden, aber Spiele gibt es immer. Schuhmacher, Vettel & Co starten im repressiven Bahrain, zahlen ihre Steuern im günstigeren Ausland, und unsere völlig entpolitisierte Fußballnationalmannschaft wird nun in einer Diktatur unter der Regie eines korrupten Fußballweltverbandes dem Ball nachjagen. Der deutsche Michel aber sitzt im Garten vor dem Fernseher, den Grill neben sich und ruft wieder bierselig >Dschland<. Es gäbe noch viel zu sagen."

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