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Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Berg/ Starnberger See: „Seit ca. vier Jahren sind wir unmittelbar dem Einfluss des Internet auf unsere Kinder (14 und 16 Jahre) betroffen. Ich wünschte, sie hätten die Chance gehabt, ohne digitale Medien aufzuwachsen. Sie könnten den Morgen beginnen, ohne die ersten Chateinträge zu lesen und verzweifelt ein Ladegerät zu suchen. Sie würden sich auf dem Weg zur Schule unterhalten, statt mit >KnopfNot< heraus oft besonders gute Ideen entstehen. Ohne ständigen Austausch via Chat würde der Wunsch nach dem Zusammensein mit Familie und anderen Menschen wieder wachsen und die gemeinsamen Treffen würden noch häufiger Aug in Aug stattfinden. Die digitale Welt ist unbestritten ein wissenschaftlicher Geniestreich mit vielen Innovationen, Lösungen und Chancen für Gegenwart und Zukunft, jedoch nur, wenn wir Nutzer nicht zulassen, dass wir ständig fremdbestimmt werden. Wir sollten uns trotz dieser Faszination das lebenswichtige Bewusstsein für unsere Umgebung zurückerobern und bewahren.“

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Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Schriesheim: „Es ist dringend an der Zeit, die Stimme zu erheben gegen diesen Raubtierkapitalismus, der nur dem Profit der Banken und Konzerne verpflichtet ist, weite Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge kommerzialisiert und sich in menschenverachtender Weise gegen die Bürger richtet. Doch hier beginnt das Problem: Während in südlichen Ländern mehrere hunderttausend Menschen auf die Straße gehen, kann man hierzulande froh sein, wenn sich gerade mal 25 000 Menschen engagieren, während ein einziges Fußballspiel 50 000 Leute mobilisiert und der doppelte Titelgewinn eines Bundesligavereins von 260 000 Menschen bejubelt wird. Als Teilnehmer der genehmigten Blockupy-Demonstration am 19. Mai in Frankfurt habe ich erlebt, wie schwierig es ist, ein paar Leute zum Mitmachen zu motivieren.
Das Motto seit Urzeiten: Gib dem Volk Brot und Spiele. Mit dem Brot könnte es zwar in absehbarer Zeit kritisch werden, aber Spiele gibt es immer. Schuhmacher, Vettel & Co starten im repressiven Bahrain, zahlen ihre Steuern im günstigeren Ausland, und unsere völlig entpolitisierte Fußballnationalmannschaft wird nun in einer Diktatur unter der Regie eines korrupten Fußballweltverbandes dem Ball nachjagen. Der deutsche Michel aber sitzt im Garten vor dem Fernseher, den Grill neben sich und ruft wieder bierselig >Dschland<. Es gäbe noch viel zu sagen."

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