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Oben und unten. Koeppen/Unseld

Stephan Wackwitz

Constantly fawning on his employer, humble Uriah Heap was a servile creature. „I am well aware that I am the ‚umblest person going“, he used to say. „My mother is also a very ‚umble person. We live in a ‚umble abode.“ Charles Dickens, „David Copperfield“

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Die spezifische Mischung aus eigennütziger Unverschämtheit und demonstrativer Selbstverkleinerung, die Dickens in der Romanfigur des „demütigen, demütigen“ Uriah Heep auf den Punkt gebracht hat (den ganzen „David Copperfield“ hindurch übervorteilt er alle, die ihm nahekommen), kann Lesern seit der Publikation dieses Romans 1849 die Augen öffnen für manches, was in den engeren und weiteren Umkreisen ihres Lebens vor sich geht. Stephen Karpmans transaktionsanalytisches Modell des „Dramadreiecks“ zum Beispiel hat noch hundert Jahre später die erstaunliche, literarisch schon lang belegte und lebenspraktisch millionenfach ausgearbeitete Erfahrung auf den Begriff gebracht, wie schnell die drei pathologischen Rollen und Kommunikationsstile des Opfers, des Täters und des Retters ineinander umschlagen können. Das Opfer wird dann plötzlich zum Verfolger. Oder der Retter, dessen gute Ratschläge lang genug zurückgewiesen oder unterlaufen worden sind, findet sich plötzlich in der Opferrolle wieder. Er ist vom Elend, das er beseitigen wollte, abhängig, angesteckt und schließlich besiegt worden. The ‚umblest person going, der servile Uriah Heep, triumphiert. Abgerechnet wird am Schluß. Das Opfer hat Verfolger wie Retter souverän ausgenutzt. Es lacht zuletzt. Oben ist jetzt plötzlich unten.

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