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Von der Haßliebe

Sankt Neff

Du schmerzt mich wie der Gallenstein der Weisen.
Du bist der Arsch und Nabel meiner Welt,
und aus dem Glashaus wirfst du heiße Eisen
nach mir, der dich für Pech und Frevel hält.

Du rufst mich nachts im Wald vor lauter Bäumen,
bis Marmor, Stein und jedes Bild zerbricht.
In meinen Träumen sehe ich dich schäumen,
seh deinen Mund, der Blaues mir verspricht

vom Himmel hoch, der hängt mal voller Geigen,
dann bist du wieder Taube auf dem Dach.
Den Spatz in meiner Hand bringst du zum Schweigen.
Auf unsre Liebe reimt sich Ach und Krach.

Du liegst mir wie ein Klotz am Bein im Magen.
Du bist nicht Fisch, nicht Cholera, bist Pest.
Ich muß dir klippundkloßbrühklar mal sagen:
Du gibst mir schwer zu denken und den Rest.

Du tust nicht gut, du fügst mir Wunden, Schrammen.
Du fährst mir übern Mund mit einem Kuß.
Mein Herz schlägt laut und schlägt dich gleich zusammen:
Du bist für mich der Bosheit letzter Schluß.

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Kleines Gedankenspiel in der Großbuchhandlung

Sankt Neff

Also, wenn ich das machte wie der kleine Junge da,
der sich niedergelassen hat
gleich an Ort,
gleich an Stelle,
mitten im Gang,
neben dem Tisch mit den Büchern für Kinder,
der da sitzt wie ein Schneider,
hingepflanzt auf den Boden,
wie selbstverständlich,
selbstvergessen,
versunken in Bilder und Buchstaben
und nicht achtend der Großen, die ihn umkurven,
gleichgültig, amüsiert oder auch neidvoll
angesichts dieser hemmungslosen Versenkung
– also, wenn ich das machte:
Wie säh das wohl aus?

Kalter Abend im November

Sankt Neff

Es war ein kalter Abend im November.
Ich lief leicht fröstelnd durch Charlottenburg
und mußte eine Stunde überbrücken.

So suchte ich das Warme und ich fand es
in einem angesagten Restaurant.
Bestellte Hühnersuppe,
bestellte Ingwertee
bei einer furchteinflößend schönen Kellnerin.

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Im Krankenhaus

Sankt Neff

Ein Krankenzimmer, drei Männer drin,
drei Männer drin in drei Betten,
alle drei alt, alle drei schwach,
können sich kaum mehr bewegen,
drei kranke Männer, Kopfhörer auf,
schauen auf einen Bildschirm,
auf dem sind junge Frauen zu sehn,
insgesamt zweiundzwanzig,
spielen Fußball und werden beschaut
von drei kranken Männern mit Kopfhörern auf.