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Organisch und anorganisch I

Sandra Kellein

Neuerdings Klatschmohn in Massen – Matière plastique, c’est fantastique. Damit heiraten Paare in all ihrer Hoffnung wie am Spieß, samstags besonders gern und direkt im Rathaus Schöneberg. Neben einer halben Nussschale, die vielleicht ein Eichhörnchen oder eine Krähe fallen ließ, neben unterschiedlichem anorganischen und organischen Müll, später an der Haustür des Standesamtes stehend. Mittlerweile wurde Reis-streuen als auch Reis-auf-das-Brautpaar-werfen verboten, Tanzen jedoch nicht. Fast wie im richtigen Leben auch, dachte sich Autorin K. an einem Dienstag, nach einem kalten Mai, da laut letzter Medienberichte Lebensmittel nicht mehr verschwendet werden sollen. Freuen wir uns also auf den Sommer, was ist schon so ein kleiner Vogelschiss auf Kunstmohn.

Unbekannte Flugobjekte

Sandra Kellein

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Aus oberen Stockwerken in eher untere Luftschichten gezoomt, fiel dieses Objekt ins Auge und ins Objektiv. Ein zeppelinförmiger Auswuchs einer alltäglichen Erscheinung, einer gequollenen, wattierten Kohlroulade nicht unähnlich. Eine entartete Cumuluswolke, sagte sich Autorin K. flüchtig an einem Sonntag, während die Kirchenglocken draußen zu läuten begannen. Ein harmloses Etwas, das aus Wassertröpfchen besteht, einer Substanz, die abgesehen von der Jungfernzeugung in der Bibel, einst zur Entstehung und Erhaltung von Leben unumgänglich gewesen war.

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Immer wieder Halloween

Sandra Kellein

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Die zunehmend sexualisierten Aliens im Zuge der allgemeinen Retro-Moden begann manche bereits vor Halloween 2014 und seinen üblichen Kürbissen, mitsamt all ihren vielfältigen und manchmal wunderbar vulgären Rundungen, zu irritieren. Schließlich hatte schon 1975 mit der Verfilmung der Rocky Horror Picture-Show von Richard O´Brian ein Höhepunkt stattgefunden, der im Glam-Rock fast wieder im Sande zu verlaufen drohte und als Zitat und mehr und mehr zerfasert, später weiter den Pop bereicherte.

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Reiselust

Sandra Kellein

Eine der ausufernden Installationsmoden, dachte Autorin K. am Mittwochvormittag zunächst eher lapidar und en passant, an einer der vielen Hauptverkehrsstraßen der großen Stadt. Kulturelle Zwischennutzung oder etwa ein Objet trouvé – und das recht voluminös. Bald würden an dieser alltäglichen Ecke mehr Touristen und noch mehr Getränke to go folgen, mitsamt Performance als Prêt-à-porter. Die Immobilienhändler waren allerdings lange vorher da gewesen, um völlig normalen Geschäften nachzugehen. Und dann, dank eines Zettels ein Schaufenster weiter, kam ihr die Erkenntnis, dass es sich um eine ganz alltägliche Metamorphose handeln musste, nämlich die von einem Reisebüro zu einem künftigen Kosmetikstudio. Wahre Reisen finden auch immer noch im Kopf statt. Kaum eine Kunst, aber mitten im Leben.

reiselust

nature fast morte

Sandra Kellein

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Im Schöneberger Ententeich trotzt seit ungefähr sechs Monaten ein mittelgroßer Goldfisch mit erheblichen Verletzungen dem Hecht, Reihern, unlängst auch dem Eis. Seine Artgenossen, darunter ein Koi-großes Exemplar, das ein Vater mit seiner Tochter `Dickie´ taufte, scheinen inzwischen auf Abstand zu gehen. Gestern schwebte der Fisch mit kaum wahrnehmbarer Bewegung der Flossen über einer Zeitung, heute neben einem Lieferschein. Zentimeter weiter, reglos, ein Junghecht. Derzeit wartet Autorin K. auf die ersten Sportangler, mit oder ohne EasyJet. Die Hechte waren auch hierher gelangt, als Fischlaich an Vogelkrallen.

Kunststoff im November

Sandra Kellein

Manche trägt man mit den Füßen vielleicht hinaus, andere schiebt man hier einfach so hinein. Heute zum Glück aber nur Puppenjungs, fand Autorin K. zunächst, um dann aber wunderweise an jedem der Beine belebende Eigenheiten zu entdecken. Das, während eine Asiatin Meter weiter in der Halle vor einem improvisierten Altar ihre Andacht verrichtete und ein Hund trotz der schlechten Luft und den speziellen Ausdünstungen der textilen Ware in Berlin-Lichtenberg gut bellen konnte.

Kunststoff im November

Schwarz und Weiß

Sandra Kellein

Schwarz und Weiß

Wie sich manche Gegensätze doch noch annähern. Schlichtes Schwarz-Weiss konkurriert heutzutage mit Biederbeige-Black. Das fand Autorin K. mitten im Sommer und nutzte neben dem Marktreiben einen abgeschabten Zebrastreifen, um die Straßenseite zu wechseln.

Stoff zum Träumen

Sandra Kellein

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Der zerbröckelnde Schaumstoff war schon nach ein paar Tagen neu verputzt und überstrichen, in einem etwas quasigen Gelb, das in seiner Flächigkeit eher leer wirkte. Aber auch wieder ein Stoff zum Träumen, fand Autorin K.

Sonst eher vegetarisch

Sandra Kellein

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Dieses Reh hatte sicher schlimm zugebissen, so derart im Sack gelandet, das glaubte Autorin K. zunächst an einem Freitag. Nach dem Kugelhagel bei einer Batman-Filmpremiere fand sie das eher naiv. Und obwohl sie vegetarisches und besser Durchgebratenes bevorzugte, aß sie dann ein halbrohes Steak.

Jemand murmelte etwas von “schnelllebiger Zeit”, was in der Mahlzeit unterzugehen drohte. Vielleicht hatte aber auch keiner etwas gesagt.