Schlagwort-Archive: Michael Rutschky

Hier und dort

Michael Rutschky

Sonntag, 13. November 16
In der Brandenburger Niederlausitz leben ungefähr 20 000 Sorben, berichtet Sandra Dassler im Tagesspiegel, die sich auch Wenden nennen. In der sächsischen Niederlausitz sind es dagegen ungefähr 40 000 – eine Volkszählung, die genaue Zahlen ergäbe, verbietet sich von selbst, Erinnerung an den Völkermord. Aber es gibt eine Initiative für ein sorbisch-wendisches Lokalparlament, den Serbski Sejm. Doch steht die Domowina, der Dachverband der sorbisch-wendischen Institutionen, der Idee skeptisch gegenüber; er hat ca. 7300 Mitglieder. Wenn man bedenkt, wie viele deutsche Bürger sorbisch-wendische Wurzeln haben, kommt man auf Hunderttausende. Allerdings sind sie in der deutschen Bevölkerung gleichsam verschwunden; dass Namen wie Wendt, Wende, Windisch, Wünsche, Konzack oder Noack diese Herkunft aufbewahren, weiß kaum jemand.

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Einst und jetzt

Michael Rutschky

Freitag, 23. September 16
Vor zwei Jahren triumphierte der IS, als er das Dorf Dabiq im Norden Syriens erobert hatte, berichtet Moritz Baumstieger in der SZ. Denn unter den Verlautbarungen des Propheten Mohammed findet sich eine, die dieses Dorf zum Austragungsort der Entscheidungsschlacht zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen erklärt, eine Schlacht, mit der die Zeit endet. „Sie werden sich gegen euch unter 80 Flaggen vereinen, und unter jeder Flagge sind 12000.“ Zwar werde während des Kampfes ein Drittel der Muslime fliehen, ein zweites Drittel getötet, aber dann erringen die Gläubigen einen strahlenden Sieg, der die Apokalypse einleitet. Eine entsprechend gloriose Bedeutung maß die IS-Propaganda Dabiq zu. Als Jihadi John vor laufender Kamera den Entwicklungshelfer Peter Abdul-Rahman Kassig enthauptete, verkündete er: „Heute beerdigen wir den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabiq. Wir warten sehnsüchtig auf das Eintreffen des Restes eurer Armeen.“
Jetzt stehen in der Tat Armeen vor Dabiq, um das Dorf vom IS zurückzuerobern, muslimische Truppen, türkische und Soldaten der Freien Syrischen Armee.

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Gesund oder krank

Michael Rutschky

Freitag, 9- September 16
Während die eigentlichen Sommermonate in puncto Wetter durchwachsen waren, berichtet Ralf Nestler im Tagesspiegel, imponiert der September durch Sonne, schöne Wärme, Trockenheit, was die Bürger genießen. (Das Foto zeigt einen Mann im Park, der genießerisch seinen nackten Oberkörper der Sonne darbietet.) Noch kann man nicht sagen, dass dieser September der wärmste der aufgezeichneten Wettergeschichte sei; am 3. September 1911 maß man in Jena 36,5 Grad, und auch in den Jahren 1947, 1949 und 1953 herrschten im September Sommertemperaturen.
Aber die Hitze in diesem Jahr macht bereits der Landwirtschaft zu schaffen; die Ernte beginnt früher, und die Erträge schrumpfen. Die Elbe musste an verschiedenen Stellen für den Güterverkehr gesperrt werden wegen allzu niedriger Wasserstände. In Brandenburg und in Sachsen-Anhalt drohen Waldbrände.

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Oben und unten

Michael Rutschky

Mittwoch, 20. Juli 16
Das Wetter ist oben, die Menschen sind unten. Laut einer Allensbach-Umfrage von 2013, berichtet Andreas Oswald im Tagesspiegel, sind 50 Prozent der Deutschen der Überzeugung, dass das Wetter irgendwie ihre Allgemeinbefinden beeinflusse, vor allem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen. Inzwischen gibt es Medizinmeteorologen; sie sprechen von Wetterfühligkeit, die beispielsweise auf den Aufzug/Abzug eines Hochdruck/Tiefdruckgebietes reagiere. Sich selbst positionieren kann man unter www.dwd.de7gesundheit.
Zugleich ein Beitrag zum Kapitel gesund oder krank.

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Einheit oder Zwietracht

Michael Rutschky

Sonntag, 10. Juli 16
Der Tagesspiegel. Micah Taylor hat in Dallas fünf Polizisten erschossen (um die in letzter Zeit von Polizisten unschuldig erschossenen Schwarzen zu rächen), was David C. Schmidt als Symptom für die anhaltend tiefe Spaltung der US-Gesellschaft deutet. In einem Leserbrief macht sich Renate Rychlik aus Berlin-Mitte schwere Sorgen über die zunehmende Spaltung der (deutschen) Gesellschaft in Junge und Alte (die womöglich in der Zukunft zur Aussonderung, ja Liquidierung der Alten führe). Armin Lehmann beschreibt anlässlich des Parteitags in Nauen, wie tief Frauke Petry und ihre Machtansprüche die AfD spaltet.

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Eltern und Kinder

Michael Rutschky

Montag, 30. Mai 16
In der iranischen Stadt Qazvin, berichtet Martin Gehlen in der Berliner Zeitung, sprengte die Polizei eine Party von Studenten. 30 junge Männer und Frauen verhafteten sie – die Frauen seien schamlos entblößt gewesen und das Tanzen ohnehin sittenwidrig. Einen Tag später wurden sie zu 99 Stockhieben verurteilt. In der Stadt Kerman wurden 23 junge Leute, in Semnan 97 verhaftet wegen derselben Vergehen. Und zwei Schriftsteller, die bei einer Lesung in Schweden Frauen die Hand gegeben hatten, wurden ebenfalls zu Gefängnis und Prügel verurteilt. Zuvor hatte die Obrigkeit zwei Modedesigner verfolgt, die im Netz Fotos von Models ohne Kopfbedeckung veröffentlicht hatten

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