Schlagwort-Archive: Inga Richter

Olga zwischen Hier und Dort, Einst und Jetzt

Inga Richter

Olga in der Stadt

Olga wohnt in der Stadt
Es ist wie verhext. Kürzlich hat Olga sich aufgeregt, weil eine Immobilienagentur damit warb, dass „dieses Haus Geschichten erzählen könnte…“. Häuser erzählen jetzt also Geschichten. Man muss nur einziehen und lauschen. Wieso regt Olga sich darüber auf? Weil sie das Gefühl hat, die Makler hätten sie erkannt und entlarvt? Mietet jemand eine Wohnung in einem Haus, weil es Geschichten erzählen kann?

Weiterlesen

Advertisements

Olga will von hier nach dort

Inga Richter

dichterin3

Jetzt bildet sich Olga auch noch ein, Schriftstellerin zu sein. Jedenfalls benimmt sie sich so, wie sie gehört hat, dass sich Schriftsteller benehmen. Sie steht in aller Herrgottsfrühe auf, macht sich einen Kaffee, raucht ihre erste Zigarette (natürlich schiebt sie sich vorher was Essbares rein) und setzt sich an ihren überdimensionierten Schreibtisch. Paradox, aber den hat sie sich aus Platzmangel angeschafft, er hat sehr große Schubladen auf beiden Seiten, in denen sie ihren gesamten Papier- und Schreibkram verstauen kann. Manchmal schreibt sie mit der Hand, manchmal tippt sie sofort in ihren Mac. Sie schaut aus dem Fenster und sieht die Kastanie mit ihren inzwischen stark braungeränderten Blättern. Die Kastanien sind längst gefallen. Immer noch Spuren der mazedonischen Miniermotte.

Weiterlesen

Olga ist der Stadt böse

Inga Richter

Olga ist der Stadt böse. Sie sucht bereits im Internet nach Wohnungen in Berlin. Das Café, das Hanna demnächst aufmachen will, findet sie aber klasse. Es soll nur bitte wirklich kein jüdisches Café sein, sondern muss natürlich ein Wiener Kaffeehaus sein. (Olga kommt aus Österreich). Wien ist ja auch irgendwie jüdisch. Nein, sagt Olga entschieden, eine andere Mischung. Immer stellt Olga ihre Bedingungen. Und wenn die dann nicht stimmen, ist sie böse oder beleidigt. Die Bedingungen scheinen ganz selten zu stimmen, denn immer ist sie sofort wieder draußen, wenn sie irgendwo drin war. Also, dass die neu eröffnete Jüdische Schule sich nun mit dicken Pollersteinen und Polizeischutz, einem Wachhäuschen an der Straße abschirmen muss und dabei außerdem ungefähr mindestens 30 Parkplätze (sie fährt nicht Auto) wegfallen, das macht sie schon sehr sauer. Überall, wo man hinschaut, war Olga schon da und was auch immer man aus dem Kulturleben der Stadt antippt, sie weiß längst Bescheid und wirklich besser als irgendjemand sonst.

Weiterlesen