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Oben und unten

Henry Klee

Die Eltern, bitterarme Farmer im US-Staat Missouri, wollten ihrem Sohn William den Weg nach oben eröffnen (in John Williams’ Roman „Stoner“). Er darf sich an der Universität für Agrarwissenschaft einschreiben, und er macht sich schüchtern und fleißig ans Studieren, das ihm die Farm seiner Eltern auf einem höheren Niveau zu betreiben erlauben würde. Zu diesem Studium der Agrarwissenschaft gehört aber auch ein Grundkurs in englischer Literatur. Der ironisch-asketische Professor Archer Sloane hält ihn. Einmal ist ein Sonett von William Shakespeare dran, das Archer Sloane mit erhellendem Charisma vorträgt – um im Anschluss William Stoner direkt zu fragen: „Was bedeutet dieses Sonett?“ Stoner setzt zu einer Antwort an, bleibt aber stumm, und Professor Sloane beendet die Seminarsitzung.
Damit erkennt er an, dass William Stoner gerade durch sein Verstummen angesichts von Shakespeares Sonett den Durchbruch nach oben, nach weiter oben geschafft hat. Er gibt die Agrarwissenschaft auf und studiert englische Literatur. Irgendwann übergibt ihm Professor Sloane den Einführungskurs, in dem er seinerzeit sein stummes Erweckungserlebnis hatte.

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