Archiv der Kategorie: gesund/krank

Brief an Kohlhammer

Kurt Scheel

Lieber Siegfried,

um 4.08 Uhr verließ ich die Xantener Straße auf dem braven Raleigh, sechs Wochen hatte es unbenutzt im Kellerverlies gestanden, nach dem verhängnisvollen Unfall bzw. Umfall, bei dem ich mir die Schulter prellte, oh, wie schmerzhaft das gewesen war, und wie unheroisch, geradezu lächerlich ich es erlebt hatte, ein weiterer Tief- bzw. Höhepunkt in meinem an Tief- und Höhepunkten reichen Leben, aber das weißt Du ja alles bereits, ich habe es Dir zierlich erzählt und dann hier im Blog einer praktisch unbegrenzten Leserschaft kundgetan (Brief an Kohlhammer, 14. Juni 2018), aber das ist eine andere, abgetane Geschichte, nun also on the road again, hinter dem Jagdschloss in den Grunewald hinein, es ist noch dunkel, und so soll es auch sein, denn der Grundgedanke dieser Ausfahrt ist es, den Sonnenaufgang tatsächlich live an der Havel zu erleben, kurz vor halb sechs soll das sein, es müsste also klappen.

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Kranker Tag

Steffen Brück

Der Himmel hatte Mundgeruch,
und ich roch auch nicht besser.
Ein Tag wie ein verdammter Fluch,
ich stumpf wie stumpfes Messer.

Wie Falschgeld lief ich durch die Stadt,
ganz ohne Ziel und Pläne,
erreichte den Kanal sehr matt.
Und auf dem Wasser: Schwäne.

Ich setzte mich vors Krankenhaus
und sah ein paar Patienten.
Sie rauchten volle Kraft voraus,
ihr Rauch zog zu den Enten.

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Gesund oder krank

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Heusenstamm: „Him-, Heidel- und fast alle besonders leckeren Beeren wachsen in Deutschland, während der Saison schmecken sie dann auch echt gut! Seit Jahren schon werden diese auf viel Wasser und Schatten angewiesenen Früchte in den Halbwüsten Südspaniens mit afrikanischen illegalen und halbillegalen Landwirtschaftshelfern angebaut und Tausende von Kilometern mit Lkws, von denen es auch längst zu viele gibt, in unsere angeblichen ‚Super‘-märkte – ich nenne sie Lebensmittelvernichtungszentren – gebracht.
Seit einem Monat esse ich fast nur Äpfel (vorher viele Brombeeren), ein paar Zwetschgen, Aprikosen, Mirabellen, demnächst heimische Trauben, bald sind die heimischen Kastanien reif! Geht mir dadurch Genuss verloren? Vice versa!
Ich esse ganzjährig Schokolade und trinke grünen Tee und manchmal auch Kaffee, nur damit klar ist, dass ich nicht nur heimische Produkte verzehre. Nur diese Perversionen, die niemandem etwas bringen, selbst wenn sie schmecken würden, sie schaden allen Beteiligten außer den Konzernspitzen!“

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Gesund oder Krank

Kurt Scheel

Warum ist Hanya Yanagiharas Roman „Ein wenig Leben“ so ein widerwärtiges Buch? Weil es eine Art von Kinderpornographie ist, die vor Päderasten zu warnen vorgibt. Die Autorin hat erklärt, dass sie sich über das Thema Missbrauch nicht ernsthaft kundig gemacht, es ist in diesem Roman so etwas wie eine Metapher, die allgemein für das Böse steht, und das ist insofern geschickt, weil Kindesmissbrauch in unseren Zeiten das ultimative Böse ist; was der Holocaust für die Vergangenheit, ist Kindesmissbrauch für die Gegenwart: nicht zu überbieten. Und so wird uns also die Geschichte eines bei der Geburt ausgesetzten und in einem Kloster aufgezogenen Babys erzählt, das von Kindesbeinen an von den Klosterbrüdern vergewaltigt und gefoltert wird (Höhepunkt ist die Schilderung einer mit Olivenöl eingeschmierten Hand des Kindes, die dann in Flammen gesetzt wird; die Vergewaltigungen werden nur konstatiert, nicht ausgemalt). Als Achtjähriger wird unser Hiobsheld Jude St. Francis (!) dann von einem Päderasten, der im Kloster als „Bruder Luke“ Unterschlupf gefunden hat, entführt und auf einer monatelangen Reise durch die USA als Stricher vermietet, mehrfach täglich, gerne auch Gruppenvergewaltigung (wir befinden uns NICHT im 19. Jahrhundert, sondern Mitte der 1970er Jahre).

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