Archiv der Kategorie: Sowohl als auch

Unbekannte Flugobjekte

Sandra Kellein

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Aus oberen Stockwerken in eher untere Luftschichten gezoomt, fiel dieses Objekt ins Auge und ins Objektiv. Ein zeppelinförmiger Auswuchs einer alltäglichen Erscheinung, einer gequollenen, wattierten Kohlroulade nicht unähnlich. Eine entartete Cumuluswolke, sagte sich Autorin K. flüchtig an einem Sonntag, während die Kirchenglocken draußen zu läuten begannen. Ein harmloses Etwas, das aus Wassertröpfchen besteht, einer Substanz, die abgesehen von der Jungfernzeugung in der Bibel, einst zur Entstehung und Erhaltung von Leben unumgänglich gewesen war.

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Schwarz und Weiß

Sandra Kellein

Schwarz und Weiß

Wie sich manche Gegensätze doch noch annähern. Schlichtes Schwarz-Weiss konkurriert heutzutage mit Biederbeige-Black. Das fand Autorin K. mitten im Sommer und nutzte neben dem Marktreiben einen abgeschabten Zebrastreifen, um die Straßenseite zu wechseln.

Stoff zum Träumen

Sandra Kellein

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Der zerbröckelnde Schaumstoff war schon nach ein paar Tagen neu verputzt und überstrichen, in einem etwas quasigen Gelb, das in seiner Flächigkeit eher leer wirkte. Aber auch wieder ein Stoff zum Träumen, fand Autorin K.

Sonst eher vegetarisch

Sandra Kellein

reh

Dieses Reh hatte sicher schlimm zugebissen, so derart im Sack gelandet, das glaubte Autorin K. zunächst an einem Freitag. Nach dem Kugelhagel bei einer Batman-Filmpremiere fand sie das eher naiv. Und obwohl sie vegetarisches und besser Durchgebratenes bevorzugte, aß sie dann ein halbrohes Steak.

Jemand murmelte etwas von “schnelllebiger Zeit”, was in der Mahlzeit unterzugehen drohte. Vielleicht hatte aber auch keiner etwas gesagt.

Kunst oder Leben III

Sandra Kellein

kleingott

Aus Mangel an anderen Ideen oder sogar aus Liebe erwog der Mann von Frau K. ihr die Beseitigung eines Graffito zum Geburtstag und zu Weihnachten zugleich in Aussicht zu stellen. Gelegentlich war er Klagen über einfallslose Pieces und die einem so verschandelte Aussicht ausgesetzt. Eine entsprechende Genehmigung vom Bezirksamt und ein erfahrener Sandstrahler oder effektiver Gebäudereiniger hätten ihn sicher Lauferei, Geduld und Geld gekostet, aber vorübergehend Abhilfe bis zum nächsten Graffito und von weiterem Genöle geschaffen. Doch in der Nacht vor Sylvester 2012 zeigte ein offensichtlich höheres Wesen mit dem Paar Erbarmen: Ein Teichgott wuchs inmitten der schönen Aussicht heraus. Seitdem schwärmt Autorin K. von Wasserspiegelungen und übersieht tolerant die vielen anderen Zeichen. Und der Mann hat Geld, Zeit und Geduld gespart – oder auch einfach Glück gehabt.