Archiv der Kategorie: einst/jetzt

Zeitgeschichten

Einst und jetzt

Michael Rutschky

Donnerstag, 19. Oktober 17
Stanislaw Tillich, berichtet Jens Schneider in der SZ, wird am 9. Dezember als Landesvorsitzender der CDU und Ministerpräsident von Sachsen zurücktreten. Bei der Bundestagswahl am 21. September überholte die AfD die CDU. Einst, unter dem Ministerpräsidenten Biedenkopf, erreichte die CDU auf Landesebene wie bei Kommunalwahlen absolute Mehrheiten. „Wir dürfen nicht im Gestern und Heute gefangen sein“, erklärte Tillich kryptisch. „Nach 27 Jahren in aktiver Verantwortung fällt mir das sehr schwer. Ich weiß , dafür braucht es neue und frische Kräfte.“
Aber die AfD, spottet Onkel, ist doch bloß die alte CDU im Exil. Wenn sie sich mit der neuen CDU zusammentut, haben sie wieder die satte Mehrheit.

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Stadt der Katzen

Igor Arslan

Dieses Katzenfoto von 2014 stammt nicht von irgendwo, sondern aus Istanbul, der Stadt der Katzen. Doch leider berichtet die türkische Presse nicht mehr über diese Geschöpfe, sondern schweigt sie tot. Warum? Weil sie nicht die AKP und Erdogan gewählt haben? Werden auch sie verdächtigt, Gülenisten oder sonstige Terroristen zu sein?

Nichts erfährt man darüber, wie es ihnen nach dem großen Regen in Istanbul geht. Der Habertürk-TV-Wetterexperte Hüseyin Öztel hatte gewarnt: „Alle, die kleiner als 1,60m sind, sollten möglichst nicht auf die Straße gehen.“ Das trifft ja wohl auch auf Katzen zu.

Brief an Kohlhammer

Kurt Scheel

Lieber Siegfried,
als ich heute um 7 Uhr – keine Bange, da hatte ich bereits abgewaschen – die Blumen schnitt und ihnen frisches Wasser gab, da überkam mich wieder so eine physikotheologische Stimmung und ich murmelte bzw. es murmelte „Flieder, Malven – und Pfingstrosen!“ aus mir. Was aber sollte das bedeuten? Nun, mit „Flieder“ (Syringa) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Ölbaumgewächse gemeint, dessen schöne Blüten, sie strömen einen betörenden Duft aus, wir im Frühling gerne in Vasen stellen, wo sie dann, hastdunichtgesehen, allzuschnell verwelken; aber sie sind so schön und riechen so gut, dass wir es im nächsten Jahr genauso halten. „Malven“ (Malva) wiederum sind Pflanzen aus der Familie der Malvengewächse, deren Blüten den Sommer ankündigen, so rot und weiß und zart, so zerrisslich, möchte ich fast sagen, dass schon beim Kaufe das Vergehen zu spüren ist als leiser, schöner Schmerz. Und die „Pfingstrose“ ist eben eine Rose, die man zu Pfingsten – kleiner Scherz: Die Pfingstrose“ (Paeonia) ist eine Pflanze aus der Familie der, Überraschung!, Pfingstrosengewächse, die so wunderschön und prachtvoll ist, dass man es kaum beschreiben kann.

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Einst und jetzt

Kurt Scheel

Im FAZ-Magazin war gestern ein interessanter Artikel, der den 75. Geburtstag Paul McCartneys zum Anlass nimmt, an die Berichterstattung der Zeitung über die Beatles zu erinnern – ich stelle mir das so vor, dass der Autor Jörg Thomann (sagt mir nichts), als er am Gedenkartikel saß, das Archiv zum Thema konsultiert hat und in eine tiefe Krise geriet. Denn es ist kaum zu glauben, wie uninformiert, herablassend, dümmlich diese Beiträge sind. Im ersten FAZ-Artikel von 1963 ist die Rede von „kreischenden Teenagern“, die „Eintrittskarten für ein Jazzkonzert der ‚4 Beetles’ (Käfer) zu ergattern“ versuchen. 1964 schreibt die FAZ den Namen „Beatles“ immerhin richtig, muss aber kritisch anmerken: „Selbst die fanatischsten Anhänger der Beatmusik bestreiten nicht, dass ihre Texte und Melodien ziemlich minderwertig sind.“

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