Archiv der Kategorie: einst/jetzt

Zeitgeschichten

Einst und jetzt

Kurt Scheel

Im FAZ-Magazin war gestern ein interessanter Artikel, der den 75. Geburtstag Paul McCartneys zum Anlass nimmt, an die Berichterstattung der Zeitung über die Beatles zu erinnern – ich stelle mir das so vor, dass der Autor Jörg Thomann (sagt mir nichts), als er am Gedenkartikel saß, das Archiv zum Thema konsultiert hat und in eine tiefe Krise geriet. Denn es ist kaum zu glauben, wie uninformiert, herablassend, dümmlich diese Beiträge sind. Im ersten FAZ-Artikel von 1963 ist die Rede von „kreischenden Teenagern“, die „Eintrittskarten für ein Jazzkonzert der ‚4 Beetles’ (Käfer) zu ergattern“ versuchen. 1964 schreibt die FAZ den Namen „Beatles“ immerhin richtig, muss aber kritisch anmerken: „Selbst die fanatischsten Anhänger der Beatmusik bestreiten nicht, dass ihre Texte und Melodien ziemlich minderwertig sind.“

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Einst und jetzt

Michael Rutschky

Freitag, 23. September 16
Vor zwei Jahren triumphierte der IS, als er das Dorf Dabiq im Norden Syriens erobert hatte, berichtet Moritz Baumstieger in der SZ. Denn unter den Verlautbarungen des Propheten Mohammed findet sich eine, die dieses Dorf zum Austragungsort der Entscheidungsschlacht zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen erklärt, eine Schlacht, mit der die Zeit endet. „Sie werden sich gegen euch unter 80 Flaggen vereinen, und unter jeder Flagge sind 12000.“ Zwar werde während des Kampfes ein Drittel der Muslime fliehen, ein zweites Drittel getötet, aber dann erringen die Gläubigen einen strahlenden Sieg, der die Apokalypse einleitet. Eine entsprechend gloriose Bedeutung maß die IS-Propaganda Dabiq zu. Als Jihadi John vor laufender Kamera den Entwicklungshelfer Peter Abdul-Rahman Kassig enthauptete, verkündete er: „Heute beerdigen wir den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabiq. Wir warten sehnsüchtig auf das Eintreffen des Restes eurer Armeen.“
Jetzt stehen in der Tat Armeen vor Dabiq, um das Dorf vom IS zurückzuerobern, muslimische Truppen, türkische und Soldaten der Freien Syrischen Armee.

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Einst

Harry Nutt

1972 war ein Jahr mit enormer Prägekraft. Das mag eine Frage des Alters sein, ich war damals 13 und sportinteressiert. Viele erinnern sich an das Jahr, als Deutschland im eigenen Land zum zweiten Mal nach 1954 Fußball-Weltmeister wurde. Das war 1974. Zwei Jahre zuvor aber fand so etwas wie die mythische Geburt dieser Mannschaft statt. Beckenbauer, Maier, Hoeneß, Breitner, Netzer und Co. wurden Europameister. Der Sieg von 1974 war der größere Triumph, aber der von 1972 war das reinere Ereignis. 1974 wurde mit einiger Mühe vollzogen, was 1972 in großer Eleganz und Leichtigkeit zelebriert worden war. 1974 war Arbeit, 1972 Kunst. Oder Pop. Es ist kein Zufall, dass Netzer, Breitner und sogar Beckenbauer sich zu dieser Zeit wie Popstars kleideten und sich gern vor und in ihren schnellen Autos fotografieren ließen.

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Einst

Harry Nutt

Über einige Fotos des Berliner Stadtfotografen Fritz Eschen

Die Haltung des Mannes strahlt bürokratische Gewissenhaftigkeit aus. Mit strengem Ernst scheint er das Papier zu prüfen, das die elegant gekleidete Dame mit Hut ihm vorgelegt hat. Sie hat ein erwartungsvolles, aber zurückhaltendes Lächeln auf den Lippen, als gäbe es noch einen letzten Vorbehalt abzuwarten. Das Foto ist aus dem Innenraum eines Pavillons heraus aufgenommen, die hell reflektierenden Blätter der Bäume im Hintergrund deuten auf einen sonnigen Tag hin.

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Einst und jetzt

Harry Nutt

Meinem Gedächtnis zufolge war es irgendwann Anfang der 80er-Jahre. Aber schon eine kurze Recherche im Internet korrigiert die Erinnerung. Es war der 14. Mai 1987, an dem ich mich mit zwei Freunden entschloss, nach dem Sport noch auf ein Bier in den Berliner Kellerclub Quasimodo zu gehen. Wir kamen gerade noch zu den letzten Stücken einer Live-Band, die dort öfter auftrat. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Sängerin der Band Joy Rider hieß. Vielleicht war es auch der Name der Band. Das Internet weiß aber nichts davon. Wir waren etwas müde vom Sport, wehrten uns aber nicht lange, als die Bedienung uns nach einer weiteren Bestellung fragte.

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