Auf den Müll

Whateverfuckinggenderzeiten, ist es denn schon wieder soweit?  250.000 Menschen wie Abfall auf einer Mülldeponie entsorgen zu wollen, wie Hengameh Yaghoobifarah (Freunde nennen sie zärtlich „Hoobi“) in der taz-Kolumne vom 15.06.2020 phantasiert, erinnert an finstere Zeiten, wo Menschen mit Fascho-Mindset tatsächlich viele hunderttausend Menschenleben als unnütz und unwert eingestuft und sich ihrer wie Müll und Ungeziefer entledigt haben. Wir lernten noch, dass es Unmenschen waren, die mit Gedanken, Worten und Werken diesen ungeheuerlichen Zivilisationbruch herbeigeführt hatten. Die Kolumne in der taz, als Satire deklariert, darf natürlich über die Stränge schlagen, den Tabubruch mit Rettungsleine erproben und sich in sicheren Satire-Gummiwänden austoben. Außerdem Pressefreiheit, klaro! Da darf man nicht dran zwacken. Aber was bewegt H.Y. dazu, einen solchen Dreck, der es auch der taz nicht wert sein sollte, gedruckt zu werden, zu schreiben? Attention? Hate? Lulz? Könnte man in die Welt gestreute Ideen, egal wie gspaßig sie gemeint sind, nicht auch ernst nehmen? Kinder zum Beispiel tun sowas. Erst neulich konnte man lesen, dass Kinder sich von einer Giftspinne beißen ließen, um wie Spiderman zu werden.  Ja, wie doof ist das denn, bitte? Ziemlich doof, aber passiert! Gut, Kinder lesen in der Regel wohl keine taz. Die taz wird in der Regel von Erwachsenen gelesen. Die wissen, dass man nicht zur freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft wird, wenn man sich von einer total verstrahlten Giftspritze was injizieren lässt. Deswegen ist die Kolumne vielleicht doch nicht gleich so schlimm, dass man die taz oder H.Y. verklagen müsste. Aber was dann? Die Frage einer Alternativbeschäftigung für H.Y. stellt sich umso dringender, da davon auszugehen ist, dass eher alle taz-Autor_Innen ihren Job verlieren als alle Polizisten. Ein Praktikum bei der Afd? Eher nicht! Coach bei Weight Watchers? Wohl kaum! Warum dann nicht ein FSJ bei der Polizei, wo sich die Kolumnistin ebenso für Gleichberechtigung, Antidiskriminierung und Antirassismus stark machen könnte, denn auch dort gibt es Frauen, Schwule und Menschen mit Migrationshintergrund, die Unterstützung benötigen. Also, warum nicht einfach mal wirklich etwas Gutes tun? Aber ob die Expertin für Medienästhetik dazu bereit wäre? Sieht schwierig aus. Spontan fällt mir nur eine Option ein: auf den Müll –  mit besagter Kolumne. Und Hengameh Yaghoobifarah kann man nur wünschen, dass sie oder jemand, der ihr am Herzen liegt, niemals in eine Situation gerät, in der sie der Polizei dafür dankbar sein müsste, dass es sie gibt. Das könnte peinlich werden! Aber zum Trost sei gesagt: Irren ist menschlich und Einsicht nichts Schlechtes. Sie führt bekanntlich zur Besserung.