Rutschky/Scheel-Träume

11. August 2019
Kathrin Passig

Im Traum sitze ich mit einer Frau, vielleicht ist es Iris Hanika, an Rutschkys Küchentisch. Nicht an seinem echten Küchentisch, die Wohnung sieht ganz anders aus, eigentlich ist es die Merkur-Redaktion, in der Kurt Scheel früher gewohnt hat. Wir wollen ins Kino und reden über Rutschky, als sei er schon tot. Erst kurz vor dem Aufbruch denke ich daran, dass er ja nebenan in seinem Bett liegt und es unhöflich wäre, nicht noch kurz bei ihm reinzuschauen. Im Bett liegt er, weil er am Krebs stirbt. Dabei leistet ihm ein schwarzer Dildo Gesellschaft, der auf einer Art Schreibtischlampengestell montiert ist. Das ist ihm nicht peinlich, was mir einleuchtet, denn wozu soll einem noch irgendwas peinlich sein, wenn man demnächst sterben muss.
Dann fällt mir ein, dass es genau dieselbe Situation – zwei Frauen, Kinobesuch, Küchentisch, sterbender Mafiaboss, bis hin zu dem schwarzen Dildo – in einer Serie gibt, die wir beide gesehen haben. Ich will ihm davon erzählen, scheitere aber, weil mir kein einziger Name einfällt, nicht mal der der Serie. “Also die eine Frau, ich komm gerade nicht auf den Namen, aber es ist die, die in dieser Serie … na, Dings …” Das ist eine ziemlich typische Gesprächssituation, und Rutschky hätte jeden dieser Namen gewusst, wenn mir nur irgendein Anhaltspunkt eingefallen wäre.
Wach muss ich dann erst mal eine Weile die Welt sortieren, bis mir wieder einfällt, dass das alles gar nicht stimmt und Rutschky schon lange tot ist.

März 2019
Igor Arslan

Ein Sommertag. Ich sitze an einem Tisch auf einer Wiese, die Wiese umgeben von Wasser, die weiße Tischdecke bewegt sich im Wind. Ein kleiner Junge sitzt links von mir; möglicherweise mein Vater, nur als Kind. Auf der Wiese steht ein weißes Haus mit einer Küche, die zum Garten hinausgeht. Ich sehen Kurt Scheel wie er vergnügt die selbstgemachte Limonade holt und denke, hier wohnt Kurt jetzt.

7. April 2018
Kathrin Passig

Heute Nacht träumte ich, es sei nicht Herr Rutschky gestorben, sondern Herr Scheel, und Wolfgang Herrndorf war für die Nachlassverwaltung zuständig. Zum ersten Mal sah ich das riesige, lichtdurchflutete Haus direkt an einem See im Umland, das Herr Scheel besessen hatte. Das habe er aber gleich als Erstes verkauft, sagte Herrndorf, es sei nicht mehr gut in Schuss und werde nur Probleme bereiten. Warum hatte Herr Scheel so ein Haus und ich nicht! Und hätte Herrndorf es nicht vielleicht behalten und an uns alle vermieten können? Da tauchte Scheel selbst noch einmal aus dem Totenreich auf und stand am Esstisch in seinem schönen Riesenhaus. Ich überlegte, ob man auch die Toten siezt, und fragte dann „Das Haus haben Sie bestimmt, weil Sie schon ewig in Berlin sind und damals alles noch ganz billig war, oder?“ Herr Scheel bestätigte das. Ich sagte dann zu Herrndorf, dass ich bei der Haushaltsauflösung an allem interessiert sei, was die Form von Murmeltieren habe, egal in welcher Größe, „auch Teelöffel“. (Eigentlich waren es Murmeltiere und noch eine weitere, zum Aufschreibezeitpunkt wieder vergessene Tierart.) Herrndorf guckte so, und ich wusste, dass er mich durchschaute und lächerlich fand in meiner Murmeltiergier.

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