Erst später, dann früher

Steffen Brück

Früher als die Luft noch rein war und die Flüsse krumm,
blies der liebe Gott die Wolken, blieb ansonsten stumm.

Früher als die Zeit noch echt war und die Liebe wahr,
folgte höchstens sehr allmählich Jahr auf Jahr auf Jahr.

Früher als ich nie von früher, nur von später sprach
und mir Onkel Paul beim Fußball meine Schulter brach.

Früher als der Schnee noch weiß war und der Russe rot,
lag der Wald im Sterben, Elvis Presley war schon tot.

Früher als das Netz noch fest war und das Geld noch hart,
rauchte Karl-Heinz Kette und trug Oberlippenbart.

Früher als das Gras noch grün war und der Himmel blau,
küßte Gaby David und nicht mich, die dumme Sau.

Früher als das Licht noch hell war und die Welt so weit,
ahnten wir fast nichts von unsrer Ahnungslosigkeit.

Lieber Gott, Karl-Heinz, der Russe, Gaby, Onkel Paul –
all das war und noch viel mehr. Das Leben ist nicht faul.

Festnetz, Hartgeld, Echtzeit, Elvis, David, kranker Wald –
all das habe ich erlebt, Mensch, scheiße, bin ich alt.