Schein und Wirklichkeit

Igor Arslan

In der Süddeutschen Zeitung vom 23. Juli 2019* schreibt Willi Winkler auf Seite 3 über die Tagebücher von Michael Rutschky, dass „ein Requiem für das letzte Fin de siècle“ entstanden sei. Der Selbstmord des Herausgebers des letzten Bandes und Freundes, Kurt Scheel, lässt sich darin einfügen. „Schlichten Gemütern“ könne einfallen, er habe sich aus Gram über das, was er über sich lesen musste, das Leben genommen.  Oder: „Kurt Scheel, ‚mutterseelenallein‘ ohne ihn (Michael Rutschky), wie Ina Hartwig meint, seine ‚Witwe‘, wie andere sagen, er starb ihm bald nach. Ein qualvoll langer Suizid.“

So wird der selbstbestimmte Tod Kurt Scheels, der die Kränkungen des Freundes melancholisch-ironisch hinnahm, allmählich zur Legende, er habe den Verrat nicht ertragen oder ohne den Freund nicht leben können und post mortem zum düsteren Triumph Michael Rutschkys über den Freund. Die Erzählung ist stärker als der Bericht, hätte Michael Rutschky wohl kommentiert und ein Schema ausgemacht.

*Online-Artikel vom 22.07.2019 hinter der Pay-Wall

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