Alles muss sich wandeln!

Überlegungen zu einem alternativen Karnevalsschlager

Kuratiert von Kurt Scheel

Der herkömmliche Karnevalsschlager ist ein Trink-, ja Sauflied, in dem in kitschiger, oft auch latent frauenfeindlicher Weise das Rheinland („Kölle“, „Määnz“, „Vadder Rhein“) und Alkoholabusus gefeiert wird, nicht selten findet man dort auch die Verharmlosung übergriffigen Verhaltens („Meechens“, „Bützchen“, „Funkenmariechen“ mit finalem Spagat!). Aus diesen Gründen hat die Arbeitsgruppe „Für einen klimaneutralen Karneval“ (FKK) einen alternativen Karnevalsschlager entwickelt, der in mehrfacher Hinsicht innovativ und nahezu schadstofffrei ist. Dabei trägt er durchaus der traditionellen Feierlust Rechnung (vor allem Strophe 1), er ist kritisch („stinkt“) und dezidiert klimafreundlich (Strophe 2), schließlich schlägt er eine solidarische Brücke zwischen Norden und Süden, zwischen „Deutschen“ und „Migranten“ (Strophe 3).

Und so ganz nebenbei erleben wir eine kleine Lehrstunde in Landes- und Kulturkunde (Mainz, München, Rheinland, Bayern, Nordsee, der Unterschied zwischen Regionen, in denen man Karneval bzw. Fasching bzw. Fasnacht sagt). Dass es sich nur auf den ersten Blick um einen schlichten Schlager handelt, dass hier ein erstaunliches Niveau von ästhetischer Selbstreflexivität erreicht ist, scheint in den struktur- und gattungsanalytischen Kategorien (Schlager, Hit, Refrain) auf.

Der Höhepunkt unseres Projektes jedoch, auf den wir ein bisschen stolz sind, ist der Refrain: Hier wird in klarer, aber auch humorvoller Weise das Alleinstellungsmerkmal des Klimawandels betont, denn entgegen dem generellen ÄnderungsGEBOT der Moderne liegt hier die große Ausnahme vor, ein ÄnderungsVERBOT. Dies ist in einfacher Sprache formuliert, so dass sogar Kinder (ab drei Jahre) und Betrunkene es verstehen. Wir haben in besonderer Weise darauf geachtet, dass der Refrain in einem hämmernden Rhythmus sozusagen „mitgegrölt“ werden kann.

Wir würden uns freuen, wenn über „Das Schema“ ein baldiger Kontakt zu ausgewiesenen oder auch unbekannten, aber talentierten Schlagersängern und deren Agenturen hergestellt werden könnte. Mit Dank und als Sprecher der FKK: Kurt Scheel

Der Klimawandelsong

Im Rheinland wird jetzt nachgedacht,
worüber man im Karn’val lacht.
Vor allem braucht man einen Hit,
den singen alle Narren mit.
Auch der Refrain, der ist ganz prima,
nimmt Rücksicht aufs bedrohte Klima.

Refrain:
Alles muss sich wandeln, nur das Klima nicht,
das Klima nicht, das Klima nicht!
Alles muss sich wandeln,
nur das Klima, das Klima keinesfalls!

Die einen lieben Tradition,
die andern nicht: Det ham wa schon.
Doch Mainz bleibt Mainz, wie’s lacht und singt
und manchmal nach Verwesung stinkt.
Hilft da ein Dieselfahrverbot?
Feinstaubemission heißt unsre Not.
(Refrain)

In München tanzen die Marktfraun,
wie schön ist das doch anzuschaun.
Ob Fasching oder auch Fasnacht
da sind wir um den Schlaf gebracht.
Vom Nordseestrand bis hin nach Bayern,
„Deutsche“, „Migranten“: Lasst uns feiern!
(Refrain)

Advertisements