Schein und Wirklichkeit

Caspar Müntzer

Dann verließen die Spaghetti, träumt das Kind, heimlich ihr Tassenversteck.

Jetzt verdient er also hier sein Geld, spottet Onkel, der alte Zyniker. Ausgerechnet beim Familiengericht auf RTLplus: Mohammed Mursi, der ehemalige Präsident von Ägyptenland.

Kafka!, schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Der Jüngling hat „Das Urteil“ gelesen und entdeckt ihn allüberall.

Im Altertum die Strafe, träumt der Jüngling, für Sexismus: Man wird kopfüber in Mutter Erde gerammt…

In der Schneewüste, träumt das Kind, suchen vier Cevapcici einander zu wärmen.

Unbekannter Geschlechtsverkehr. Aus der Sammlung von Dr. B.

Eine Fabrik, träumt das Kind, aus der Abwasser herausläuft…

Seltsame Schatten, träumt das Kind, werfen die Aliens im Sonnenschein…

Fröhlich verschwinden die Räuber, schimpft Dr. B. im Stillen, und die Siedlung schläft weiter.

Über dem Stadtpark, träumt das Kind, ein Ufo…

Da sieht man’s doch!, ruft der Pflanzenfeind, wie sie den Lebensraum des Menschen erobern.

Baudelaire! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), scheinheiliger Leser, – Meinesgleichen, – mein Bruder!

Romantischer Ort! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), dort lebt gewiss ein Dichter!

Unbekannter Geschlechtsverkehr. Aus der Sammlung von Dr. B.

Der junge Frank Schirrmacher, schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), in einer Folge von Law & Order bei RTLNitro.

Unbekanntes Geschlechtsorgan, Aus der Sammlung von Dr. B.

Bei RTLplus, in einer alten Folge von Das Familiengericht – schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel) – : unverkennbar der Kollege Jörg Drews in jüngeren Jahren!

Unbekannte Geschlechtsorgane, Aus der Sammlung von Dr. B.

szondi

Bei Vox, in einer alten Folge von „Criminal Intent“, schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), unverkennbar der Literaturprofessor Szondi!

Sibylle Lewitscharoff! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), bei Richter Alexander Hold.

zeug

Ungeregelter Geschlechtsverkehr. Aus der Sammlung von Dr. B.

vaterstad

Vater, träumt das Kind, verwandelt sich in ein Gespenst.

lyrischscheitern

Das Gedicht wird nicht fertig, sagt der Dichter Paul Valéry – schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel) – der Dichter gibt die Arbeit daran auf.

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Proust! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Madame Verdurin und ihre Getreuen besichtigen in Berlin den ehemaligen Todesstreifen.

käfer

Nein, protestiert Dr. B. im Stillen, das ist ein Insekt. Das kann man nicht unter exotische Geschlechtsteile verbuchen

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Da laufen der Tür, träumt das Kind, die dicken Tränen aus den Augen.

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Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll, schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), Goethe! Des Menschen Seele gleicht dem Wasser…

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Jules Verne! kichert der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Die Reise zum Mittelpunkt der Erde.

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Schon wieder – seufzt Dr. B. – Geschlechtsverkehr…

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Frisch springt der Jüngling, träumt nächtens der Dichter Chasalla, morgens in seine Stiefel und reitet in den neuen Tag.

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Lemminge beim Marathon!, tobt Dr. B. im Stillen. Ahnungslos zum großen Absturz unterwegs. Und wir schauen zu…

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Tränenblind beobachtet Anna aus dem Zugfenster, schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), wie Wronski sich abwendet und verschwindet.

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Ein leeres Bierglas, zwei Flaschen, ein zerwühltes Bett – moniert der Kritiker Eckert – das reicht nicht hin als Sinnbild einer Orgie.

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Auch auf dieser Strecke, sinniert die Kuratorin S., passiert der Zug vielschichtige Kunstwerke, die gar keine sind.

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Gewiss stammen die peruanischen Brüllsänger, spottet Kommissar Dommermuth, sämtlich aus Rumänien.

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Liebend gern erkennt die Poesie, träumt der Dichter Chasalla, das bunte Blumenbeet in einem Haufen Müll.

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Hier schaut der Herbst aus, träumt das Kind, als wollte es Frühling sein.

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Aus der Sexualsammlung von Dr. B.

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Führer befiehl!, zetert Dr. B. im Stillen, und die Touristen folgen…

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Diesen Sommer, klagt Dr. B. im Stillen, schauen manche Waden direkt essbar aus…

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Im Hinterhof, schwärmt der Dichter Chasalla, hängt eine schwarze Sonne. Samt Finsternis.

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Zu Zeiten der Französischen Revolution, doziert der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), zeigte eine dicke Männerwade starke Virilität an, vgl. Georg Büchner, Dantons Tod.

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Wieder quält der Sommer Dr. B. mit den nackten Waden der Mitbürger.

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Hinter der fest verschlossenen Tür, träumt Kommissar Dommermuth, findet sich gewiss Diebesgut.Oder ein Todesfall.

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Wenn sie über die Grenze ins Licht tritt, träumt der Dichter Chasalla, verwandelt sich die Dickmadam in eine Elfe.

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Die Amokfahrt, doziert Kommissar Dommermuth, beginnt einen Augenblick später.

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Exotische Geschlechtsteile. Aus der Sammlung von Dr. B.

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Man sieht den Scheitel, träumt das Kind, hätte die Erde hier einen Kopf mit Haaren.

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Seit ich die Palme, träumt das Kind, auf die Garagenwand gemalt habe, leben wir in der Südsee.

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Ungeordneter Geschlechtsverkehr auf kleinem Raum. Aus der Sammlung von Dr. B.

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Wer prompt das Bild verlässt, doziert Kommissar Dommermuth, macht sich schon mal verdächtig.

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Wer hier gräbt, sinniert Kommissar Dommermuth, entdeckt womöglich einen Kriminalfall.

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Fontane! träumt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Gleich entrückt in die Wanderungen durch die Mark Brandenburg…

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So könnte man sich mit dem Brötchen, träumt das Kind, einschiffen auf dem Weißen Meer. Womöglich als Unterseebötchen.

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Die grüne Linie, sinniert der Literaturprofessor Dammelt (oder Dappelt), führt direkt in ein Buch. Aber welches?

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So haben sie sich vom Kaukasus zum Anhalter Bahnhof durchgeschlagen, klagt Dr. B. im Stillen, und niemand will sie hier aufnehmen.

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Diesen Schrei der Verzweiflung stößt er hervor, träumt der Dichter Chasalla, wenn Weißrussland Cottbus erobert.

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Immer mal wieder erschreckt Dr. B. der Gedanke, in der Pfanne brate Menschenfleisch.

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Immer wieder hebt sie das Fernglas ans Auge, behauptet Kommissar Dommermuth, auch wenn gar nichts zu beobachten ist.

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Diese Touristen! sinniert Dr. B. (heute in Naumburg), immer müssen sie ihre Signatur hinterlassen.

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Diese hübsche Installation, doziert Kommissar Dommermuth spöttisch, hat den Räubern manch lukrativen Überfall ermöglicht

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Jeden Morgen radelt sie über das Kopfsteinpflaster, schimpft Dr. B. im Stillen, wegen der erotische Erregung.

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Unter all diesen Leuten, träumt der Dichter Chasalla, heißt doch gewiss jemand Aule Feluske?

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Zuweilen bringt das Wirtschaftsleben, träumt der Dichter Chasalla, die unsichtbare Hand zum Erscheinen.

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Allgemein bewundert wird das neue Werk des Malers Bickel, eine Hausfassade in Mitte.

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Exotische Geschlechtsteile. Aus der Sammlung von Dr. B.

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An manchen Stellen, klagt Dr. B. im Stillen, spürt man die Einsamkeit in der Großstadt körperlich.

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Das reicht als Steckbrief nicht aus, doziert Kommissar Dommermuth, um nach der Frau zu fahnden, die im Reinhardswald verschwunden ist.

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Nachdem wir tagelang durch den Wald geirrt waren, träumt der Dichter Chasalla, erreichen wir endlich den Rand der Stadt.

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Der Augenkratzer geht wieder um! kreischt Dr. B. im Stillen. Gleich bin ich dran.

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Samtkondom. Aus der Sammlung von Dr. B.

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Unbeirrbar befasst Dr. B. sich mit der nackten Wade des jungen Menschen.

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Allüberall erteilt die große Stadt, flüstert Dr. B., den Bürgern erotische Anweisungen.

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Warum müssen die jungen Menschen, klagt Dr. B. im Stillen, die Alten mit ihren nackten Waden befassen?

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Unbeirrt setzt Kommissar Dommermuth seine Recherchen in der U-Bahn fort.

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Da muss man sich den Verkehrslärm hinter dem Horizont hinzudenken, flüstert der Dichter Chasalla, damit man weiß, wir sind in der Großstadt.

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Ohne es zu merken, grübelt Dr. B. bitter, versorgt sich der Bürger auf den zahllosen Flohmärkten mit den notwendigsten Utensilien für die nächste Nachkriegszeit.

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Der Kriminalist lernt also, doziert Kommissar Dommermuth, diverse Objekte in ganz unterschiedlicher Entfernung gleichzeitig zu observieren.

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Manche Touristen, spottet Kommissar Dommermuth, studieren sogar die Mülleimer, um sich ein genaueres Bild von den Einheimischen zu machen.

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Da hockt der Bürger, schmäht Dr. B. im Stillen, inmitten seiner schönen Stadtlandschaft und meditiert über einem Schienenstrang.

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Vom Westen her, träumt der Dichter Chasalla, zieht Dämmerung auf über der Zeitungslandschaft.

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Auch Berlin erweist sich, triumphiert Dr. B. im Stillen, beim näheren Zusehen als sterbende Stadt…

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Zunehmend, so heißt es – träumt der Dichter Chasalla -besiedeln wilde Tiere die Hauptstadt.

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In seinen schwarzen Socken erkennt der Dichter Chasalla die Füße des Toten, der er einmal sein wird.

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So versucht Pirmasens, klagt Dr. B. im Stillen, das weite Meer und seine Brandung zu beschwören.

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Wie die Verelendung voranschreitet! klagt Dr. B im Stillen, aufgelassene Geschäfte sogar in der Fußgängerzone! Während der Dichter Chasalla sich an eine Installation von Christo Javacheff erinnert fühlt, die er auf der Documenta 1972 bewundert zu haben meint.

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Hier schaut Pirmasens, träumt der Dichter Chasalla, aus wie Chicago, South Loop.

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Bannig freut sich der dicke Brocken, frisch eingetroffen aus Bad Segeberg – schimpft Dr. B. im Stillen – auf den Geschlechtsverkehr im nächsten Eroscenter.

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Gerade in fremden Städten, kommentiert Kommissar Dommermuth, musst du den potentiellen Tatort auch zur Nachtzeit sorgsam überwachen.

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Immer wieder hat Dr B. den Narzissmus, der den modernen Bürger beseele, zu missbilligen.

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Bannig freut sich der dicke Brocken, frisch eingetroffen aus Bad Segeberg – schimpft Dr. B. im Stillen – auf den Geschlechtsverkehr im nächsten Eroscenter.

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Dort drüben, klagt der Dichter Chasalla, auf dem anderen Bahnsteig führen sie wieder ein Drama auf, das ich nicht verstehe.

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Feindselig verbirgt sich Dr. B. unter den Kunstfreunden in der Galerie.

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So lässt sich im Vorfrühling, träumt der Dichter Chasalla, der Park einen Busch hartes, grünes Schamhaar wachsen.

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Manche Philosophen dekonstruieren die Zentralperspektive, spöttelt der Philosoph Eidelstaedt, als eine Erfindung der florentinischen Renaissance. In der Natur entspreche ihr nichts..

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Er träumt sich als blaue Blume der Romantik, spottet der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel), wie er da froh durch Walter Benjamins Zentralpark radelt.

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Die Toastinsel mit der Butterwüste, träumt der Dichter Chasalla, misst von West nach Ost und von Nord nach Süd exakt zwölf Werst…

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So sind sie, die Leute! schimpft Dr. B. im Stillen. Statt sich der Schönheit draußen hinzugeben, verkriechen sie sich in ihrer Zeitung…

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Alice in Wonderland! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Die Cheshire-Katze, die allmählich verschwindet und nur als Grinsen im Raum übrig bleibt…

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So nähert sich der Hubschrauber, träumt der Dichter Chasalla, von weit oben der Knäckebrotinsel im Weißen Meer…

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So sind sie, die Leute! schimpft Dr.B. im Stillen. Statt hier draußen die Einsamkeit zu genießen,. treiben sie sich drüben massenhaft in der Großstadt rum.

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„Ich denke“, tröstet sich der Philosoph Eidelstaedt, soll laut Kant eine jede meiner Vorstellungen begleiten können.

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Dies da, tröstet sich der Philosoph Eidelstaedt. Nach Hegel das einfache, unvermittelte Abstraktum.

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Statt den Radlern ihre Wege frei zu halten, schimpft Dr. B. im Stillen, lassen sie Lastwagen und Lieferwagen darüber brettern!

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Jeremias Gotthelf! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Die schwarze Spinne…

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Der Winter besteht nicht aus Qualitäten, tröstete sich der Philosoph Eidelstaedt, die unauflöslich an den Dingen haften. Keine Sache der Ontologie. Bald sieht dieselbe Welt ganz anders aus.

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Nachts rollen sie ihre kleinen Kinder durch die Straßen, schimpft Dr. B. im Stillen. Zunehmend schwindet bei den Eltern das Verantwortungsgefühl.

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Wenn heutzutage im Stadtbild ein Schlapphut erscheint, spottet Kommissar Dommermuth, weiß jeder, dass das kein Geheimagent ist.

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Schulz und Lehmann (Namen geändert) trafen sich in einem abgelegenen Hotel, erzählt Kommissar Dommermuth. Nachdem sie einander fotografiert hatten, schlachtete der Schulz den Lehmann auf dessen Wunsch und verzehrte ihn in Teilen.

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Welcher Dichter ist das denn? sinniert der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Max Goldt?

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Zeile um Zeile, phantasiert neidisch der Dichter Chasalla, wirft die junge Autorin ihren nächsten Bestseller aufs Papier…

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Oft bleiben die Indizien, doziert Kommissar Dommermuth, und ihr Zusammenhang vollkommen rätselhaft.

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Thomas Mann? grübelt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Nächtens nimmt hier ein Hans Castorp Platz, um heimlich die Welt zu regieren?

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Rilke! seufzt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben…

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James Fenimore Cooper! schwärmt der Literaturprofessor Dammel (oder Dappel). Lederstrumpf in der U-Bahn nach Marienfelde.

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In jeder anonymen Menge, doziert Kommissar Dommermuth, verbergen sich diverse Missetäter.

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