Lokkige jierdei!

Kurt Scheel

Die acht besten Friede-Springer-Anekdoten – ein Geburtstagsgruß

Wie Friede Springer zu ihren Vornamen kam
Anfang August 1942 besuchte Adolf Hitler die Nordseeinsel Föhr, um dort einmal nach dem Rechten zu sehen und vielleicht auch einige Drückeberger und Wehrverweigerer auszuheben. Als ihm der Gärtnermeister Riewerts aus Oldsum vorgestellt wurde, wollte ihn der Führer versuchen, und er fragte ihn, ob er sich eher als Deutscher oder als Friese fühle. Der brave Gärtner, nicht faul, bemerkte die Falle und antwortete geistesgegenwärtig: „Als Föhrer!“ Da aber erboste sich Hitler, der gänzlich humorlos war, und sprach: „Schweigen Se! Öch bünn der einzigste (sic!) Föhrer!“ Erst dachte der wackere Gärtnersmann, der Führer mache einen Witz, als er aber bemerkte, dass dem nicht so war, beschloss der aufrechte Friese im Geheimen, sollte ihm seine Frau, die war schwanger, eine Tochter gebären, so würde er sie „Friede“ nennen, dem alten Kriegstreiber Hitler zum Trotze. Und so kam es dann auch.

Wie Axel Cäsar Springer einmal den Teufel überlistete
Anfang der fünfziger Jahre versuchte der Teufel den Hamburger Jungverleger Axel Cäsar Springer und bot ihm im Austausch für seine Seele die Herrschaft über den mächtigsten Pressekonzern Deutschlands an: Dafür müsse sich der umtriebige Altonaer aber mindestens fünfmal verehelichen und Liebschaften sonder Zahl eingehen. Sünde, wo ist dein Stachel?, griente der bibelfeste Womanizer in sich hinein, und siegesgewiss und um den Einsatz zu erhöhen versprach er dem Bösen, einem guten Freund die Ehefrau auszuspannen und diese dann selber zu heiraten, „und das sogar zweimal!“. Vom Charme und Wagemut des blendend aussehenden Hanseaten verführt, schenkte ihm der arglose Teufel daraufhin die Idee zu einer Boulevardzeitung ganz neuen Typs, „einer Art Bild-Zeitung“. Springers Schicksal aber sei es, unkte der Satan, immer verrückter zu werden und viel Hass auf sich zu ziehen, Friede jedoch könne er nur finden, wenn er der Welt und ihren Eitelkeiten entsage …

Wie Friede Springer zu ihrem Nachnamen kam
Im Frühjahr 1965 kam Friede Riewerts als Kindermädchen ins Haus Axel Cäsar Springers in Hamburg-Blankenese. Von dem Liebreiz der blutjungen Friesin aus Oldsum auf der Nordseeinsel Föhr, die „to hüüs“ Fering, einen Dialekt der nordfriesischen Sprache, gesprochen hatte, war der Verleger, auch sonst kein Kostverächter, so angetan, als hätte ihm die blonde Inselschönheit einen heidnischen Liebestrank aus Walfischtran und Robbenblut eingeflößt. Da er jedoch verheiratet war – zum vierten Mal, und zweimal hatte er demselben Freund die Ehefrau ausgespannt und sie dann geheiratet! –, blieb diese Liebe, so schwer es den beiden fiel, platonisch. Erst viele Jahre später, 1978, heirateten sie, und so wurde aus dem Fräulein Riewerts – Friede Springer! Die kirchliche Trauung aber wurde in Fering und nach dem Ritus der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) abgehalten: „As uun’t punskop ääb an flud? Kön’f a hiale welt wat hooste!“ (Willst du diesen Mann heiraten? Ja, und das soll die ganze Welt wissen!)

Wie der Hanseat die Insulanerin umwarb
Im Frühjahr 1967 hatte sich Friede Riewerts beim Skilaufen in Gstaad das Kniegelenk verdreht, und da es nicht besser wurde, war sie zu ihrer Familie auf die Nordseeinsel Föhr gefahren, um den Unfall auszukurieren. Da rief sie plötzlich der vielbeschäftigte Verleger von seinem Anwesen auf Sylt an und bat um ein Rendezvous: Er werde mit dem Hubschrauber einfliegen, wo er sie treffen könne? Da war das schüchterne Inselmädchen so perplex, dass es auf die Schnelle nichts zu sagen wusste, der weltmännische, allmächtige Pressezar aber bemerkte sogleich die Irritation und schlug galant vor: am Glockenturm in Wyk auf Föhr, was seines Altonaer Akzents wegen jedoch wie „Fick auf Wöhr“ klang: Da konnte sich sogar die naive Insulanerin das Lachen nicht verbeißen, und das Eis war gebrochen. Als die beiden sich dann am Nachmittag kreuz und quer über das flache Eiland fahren ließen, bot ihr der elegante Tycoon das Du an, was ihr anfänglich schwer über die Lippen kam. Dann bestieg er den Hubschrauber und entschwand, die blonde Friesin aber blieb verwirrt und aufgeregt zurück.

Wie Axel Friede schließlich freite
An einem Adventswochenende des Jahres 1977 hatte der kunstsinnige Medienkönig mehrere Freunde zu einem großen Konzert in die Lübecker Marienkirche eingeladen. Als die beiden Liebesleute nun aber traulich in der großräumigen Suite des Strandhotels Maritim in bequemen Fauteuils saßen, fragte der geniale, doch wankelmütige Großverleger fast beiläufig: „Friede, wollen wir nicht heiraten?“ So surreal, wie Springer sie damals, vor gut zehn Jahren, auf der Nordseeinsel Föhr besuchen kam, mit dem Hubschrauber, so unwirklich erschien der vor Aufregung wie gelähmten Gefährtin dieser Heiratsantrag. War das nicht der Traum ihres Lebens gewesen? Und könnte sie dann nicht auch die unsterbliche Seele des tiefgläubigen Mannes retten, die dieser unvorsichtigerweise dem Teufel versprochen hatte? Denn mit ihr, der schüchternen Friesin, hätte der tollkühne Tycoon ja buchstäblich Friede gefunden, und wäre der Pakt dann nicht erfüllt und somit auch juristisch erledigt? Das gab den Ausschlag, und sie sagte ja!

Wie der Teufel einmal Axel Springer überlistete
Der machtbewusste, aber zutiefst empfindsame Superverleger betrübte sich Mitte der achtziger Jahre sehr über die zum Teil ja total übertriebenen öffentlichen Anfeindungen und beschloss, Anteile seines Konzerns zu verkaufen. Dies rief den Teufel auf den Plan, und im Verbund mit dem Münchner Medienunternehmer Leo Kirch wollte er dem gebürtigen Altonaer zehn Prozent seiner Aktien abkaufen. Dabei bediente sich der Versucher des listenreichen Chefs der Deutschen Bank, und auch die Springer-Vertrauten Tamm (Spitzname: „Tamm-Tamm“) und Prinz (Spitzname: „Der kleine Prinz“) spielten eine unrühmliche Rolle bei der satanischen Transaktion. Die abschließende Sitzung aber fand auf Patmos statt, der Insel des Heiligen Johannes (Apokalypse!), und die ganze Zeit hatte Friede ein ganz schlechtes Gefühl, und sie dachte: Mach es nicht! Da es jedoch vinkulierte Namensaktien sein sollten, wäre der fast völlig erblindete Kirch (vor dem Strauß Springer eindringlich gewarnt hatte!) völlig einflusslos und quasi angeschmiert, versicherte der aalglatte Banker, als er diabolisch lachend mit seinem Hubschrauber die Mittelmeerinsel Patmos verließ. Dies aber geschah am 17. Juni (!) 1985!

Wie Friede Springer den Verlag rettete
Als der visionäre Pressetitan 1985 völlig unerwartet das Zeitliche segnete, war seine Witwe am Boden zerstört, der Teufel jedoch rieb sich die Hände, denn er glaubte, mit der unerfahrenen Haupterbin nun leichtes Spiel zu haben, denn die wusste ja nicht einmal, was vinkulierte Namensaktien waren! Wenn die Burda-Brüder und der luziferische Kirch, denen der arglose Konzernchef kurz vor seinem Tode 52 Prozent der Aktien verkauft hatte, sich zusammentäten, könnten sie das Vermächtnis des großen Verlegers endgültig zerstören, freute sich der Böse. Das aber war der zierlichen Friesin ein Greuel, und sie schwor in ihrer Muttersprache, in die sie immer verfiel, wenn sie aufgeregt war, einen heiligen Eid: „Naan, uu naan! Wat skal wel skä!“ Und so kaufte sie 1988 für den doppelten Preis die Aktien von den Burda-Buben zurück, der Teufel aber und Kirch machten lange Gesichter. Die schüchterne Witwe jedoch beschloss, sich nie mehr von den nur auf den eigenen Vorteil bedachten Beratern und Springer-Schranzen für dumm verkaufen zu lassen.

Wie die Großaktionärin die Konzernspitze umbaute
Und so wurde aus dem scheuen Friesenmädel die stahlharte Businesslady. Tamm-Tamm jedoch, der kleine Prinz oder „Servilius“ (Servatius) waren Gestalten von gestern, Speichellecker und Hintersassen eines titanischen Verlegers, der leider zu oft Schmeichlern und Schleimern seine schön geformten Ohren geliehen hatte, wie die grimme Großaktionärin nun deutlich erkannte. Was also tun? Der große Verleger hatte immer ein Faible für große Männer gehabt, und da war doch dieser baumlange und promovierte Musikkritiker, der schon zwei Zeitungen ruiniert hatte, freilich aus Charakterstärke, denn diese Linksblätter und seine zutiefst wertkonservative Grundhaltung passten eben überhaupt nicht zusammen! Die berühmten Springerschen Essentials hingegen würden dem gutaussehenden Zwei-Meter-Mann perfekt anliegen, wie ein teurer Maßanzug bester englischer Qualität – eine weitere Wahlverwandtschaft mit dem visionären Gründer! Diese Leuchtturmwärter und Wattwürmer im Konzernvorstand, schmunzelte die Witwe in sich hinein, sollten sich noch wundern über einen neuen Chef, der sich auch farblich so gut in das holzgetäfelte Verlegerbüro im 19. Stock des Axel-Springer-Hochhauses einfügte, edel und wertbeständig, als sei er selber aus Mahagoni. Und so kam es dann auch.

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