Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Essen: „Es ist eine Riesensauerei, dass wir Verbraucher jetzt über höhere Wasserpreise die Nitrat-Belastung des Grundwassers zahlen sollen. Hier gehört konsequent das Verursacher-Prinzip angewendet! Und nicht erneut, wie bei Banken- und Dieselkrise, die Sozialisierung der Verluste. Die Gesetze sind so zu verschärfen, dass alle, die wissentlich (!) gesundheitliche Risiken durch Überdüngung in Kauf genommen haben, in den Knast wandern, ebenso die Behördenmitarbeiter, die das gedeckt haben. Alle Übrigen müssen durch strengere Gesetze, Hilfe bei der Umstellung des Düngeregimes und Aufklärung auf den korrekten Weg gebracht werden. Vor allem aber muss die völlig korrupte und unter ökologischen, Gesundheits-, Kulturlandschafts- und Bauernhofgesichtspunkten völlig verfehlte rein quantitative Subventionspolitik gestoppt werden und auf den Müllhaufen der Geschichte. Dass ich mit meinen Steuern eine völlig verfehlte Agrarpolitik mitfinanzieren muss, die mich tendenziell vergiftet, und jetzt auch noch die Folgen in Form eines erhöhten Wasserpreises zahlen soll, ist ein Skandal, Deshalb hiermit: Aufruf zum Volksaufstand und Steuerstreik!“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Putzen im Privathaushalt ist eine Dienstleistung, die eingekauft wird von Menschen, die sich das leisten können und wollen. Wenn haushaltsnahe Dienstleistungen außerhalb der eigenen vier Wände in Anspruch genommen werden, gibt es kaum moralische Aufschreie: der Bangladescher, der bei meinem Lieblingsitaliener für wenig Geld in der Küche schuftet, bekommt vermutlich einen Hungerlohn und den schwarz. Die Wäscherei, die die Oberhemden wäscht und bügelt, beschäftigt vermutlich auch zu sehr prekären Bedingungen. Und was ist mit dem Pizza-Lieferanten, der mir die Pizza ins Haus bringt, weil ich sie selber nicht backen will? Im Büro, wo ich arbeite, darf eine Putzfrau meinen Müll wegräumen, zu Hause nicht. Das scheint alles irgendwie in Ordnung zu sein – weil ich ja nicht persönlich ausbeute. Wenn man und frau selber nicht ausbeuten will, so bleiben zur Zeit nur wenig Alternativen. Aber es gibt sie, die Agenturen, die tarifliche Löhne zahlen und ordentlich die Beiträge zu den Sozialversicherungen abführen. Privathaushalte können viele Arbeitsplätze schaffen und damit viele Menschen davor bewahren, Hartz IV in Anspruch nehmen zu müssen. Die Anzahl von Hausangestellten spiegelt auch immer die Ungleichheitsverhältnisse wider. In skandinavischen Ländern gibt es kaum welche – oder oft nur solche, die als Care-Arbeiterinnen von den Kommunen angestellt sind. In Mexiko haben reiche Haushalte dagegen gleich mehrere Hausangestellte. Es geht nicht um die Arbeit, sondern um die Arbeitsbedingungen. Und das sind nicht nur die Löhne, sondern auch die Arbeitszeiten, Zugang zu den Sozialversicherungen, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub und ähnliche Absicherungen.
Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Nicht gänzlich, aber es gibt Abstufungen.“

Ein Leserbrief aus München: „Bald kann man jr noch mit Maske auf die Straße gehen, wenn man auf geschützte Privatsphäre Wert legt – da Vermummung verboten ist, mit einer Feinstaubmaske gegen den Diesel-Dreck. Damit ist die Gesichtserkennung auch ausgehebelt. Schlimmer als die Rechtsverletzung von ‚oben‘ ist die Tatsache, dass viele Bürger*innen das gar nicht schlimm, sondern sogar gut finden. Diese Leute sind geistig noch im Metternichschen Feudalstaat zu Hause. Die Mehrheit der im 20. Jahrhundert geborenen Deutschen hat Angst vor der Freiheit. Sie sind lieber grundversorgte oder ausgebeutete Sklaven, solange sie, je nach Schichtzugehörigkeit, jede Woche Fußball im TV anschauen oder Golf spielen dürfen. Irgendwann bekommen alle Chips implantiert. Aus Sicherheitsgründen. Dann leben wir, beziehungsweise unsere Nachkommen, endgültig in der Matrix-Welt.“

Ein Leserbrief auf Freiburg: „Dass ‚Essstörungen Menschen jeden Geschlechts, jeden Alters, jeder Klasse betreffen‘, stimmt einfach nicht. Die Magersucht bei Männern ist extrem selten – und das hat psychodynamische Gründe. Die wenigen magersüchtigen Männer sind in ihrer Persönlichkeit meist schwerst gestört, während es bei den Frauen sehr große Unterschiede im Ausmaß ihrer Persönlichkeitsstörung gibt. Auch das Alter spielt eine erhebliche Rolle. Je früher die Magersucht bei Frauen (Mädchen) auftritt, umso schwerwiegender die zugrundeliegende Persönlichkeitsstörung und auch die Gefahr eines tödlichen Verlaufs. Eine in der frühen Pubertät auftretende Magersucht ist lebensbedrohlicher als eine, die, sagen wir, mit 27/18 Jahren oder später auftritt. Diese ‚Älteren‘ werden vielleicht chronisch magersüchtig, sind aber kaum lebensbedroht.
Magersucht gibt es nur dort, wo ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Anders ausgedrückt: Wo gehungert wird (ob in der Dritten Welt oder bei uns im und nach dem Krieg), gibt und gab es keine Magersucht. So ist auch Bulimie, ein diagnostisch neuerer Begriff als Magersucht, eine Symptomatik in der Überflussgesellschaft.
Wenden wir diese Fakten an, müssen wir auch die Frage der Klassen und der ‚Hautfarbe‘ einbeziehen. Sind nicht vielleicht ‚Schwarze‘ und Angehörige bestimmter Klassen mehr von Hunger betroffen als Weiße aus hochindustriellen Ländern? Mithin wäre das Auftreten von Magersucht auch wieder klassen- und ethnienbezogen unterschiedlich.“

Ein Leserbrief aus Schwalmstadt: „Mehr als doppelt so viel Gewalt- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen als zunächst erwartet – und der Bruder ‚unseres‘ Papstes sowie andere Bischöfe mittenmang. Dabei ist dies ja nur die Spitze von vielen Eisbergen (nur ein weiteres Beispiel: die Bischöfe in den USA). Wo ist der Unterschied zu den Vorgängen in der Odenwaldschule? In Regensburg wurde von Zölibatären und/oder Sadisten die Fassade spirituell-musischer Weltkultur (!) gepflegt und genutzt zum Verstecken brutalster Triebbefriedigung. Blicke in die Geschichte lehren uns zudem, dass dies schon seit Jahrhunderten so läuft. Die katholische Kirche muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht eine potenzielle Verbrecherorganisation ist.“

Ein Leserbrief aus Latendorf: „Gleich welche Fehler Polizei und ihre Einsatzleitung gemacht haben, die Verantwortung für das Tun auf der Straße tragen die selbst, die daran beteiligt waren. Sie haben jetzt erreicht, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf ihre Gewalthandlungen fokussiert. Viele haben wohl gar nicht mitbekommen, dass insgesamt 100 000 Menschen friedlich gegen die G20 demonstriert haben. Und wer fragt noch, wieso und warum? Frau Merkel, schicken Sie einen dicken Blumenstrauß in die Flora! Ach ja, die leidige Gewaltfrage – in dem ständigen politischen Ringen der Schwachen gegen die Mächtigen ist die schärfste Waffe das beharrlich angewandte kluge und mutige Wort. Das fürchten die Mächtigen. Mit Gewalt kennen sie sich ja bestens aus und schlagen zurück.“

Ein Leserbrief aus Ismaning: „Wann begreifen wir, dass Rente nicht vorrangig Rechenwerk, sondern politische Kampfzone ist? Am besten bringt es frei übersetzt der bekannte Spruch aus den USA auf den Punkt: ‚Es sind immer die Interessen der Wirtschaft – Dummkopf‘. Als Erstes war die Teilprivatisierung der gesetzlichen Renten ein Riesengeschäft für die Maschmeiers der Finanzindustrie; und zweitens mit der Senkung der Lohnnebenkosten durch beidseitig niedrige Rentenbeiträge von 9,35 Prozent ein Geschenk an die Wirtschaft. Um Altersarmut zu vermeiden, war der Arbeitnehmer aufgefordert, weitere vier Prozent seines Einkommens, alleine also 13,3 Prozent, aufzuwenden und in Riester oder ähnlichen Flops zu verbrennen. Damals wurde der Druck auf die Lohnkosten mit der Volksverdummung vom ‚Kranken Mann Europas‘ begründet. Das sieht heute mit unseren Exportüberschüssen nochmals ganz anders aus. Zum Nachdenken: Warum gibt es in dem in Wirtschaft und Demokratie absolut vergleichbaren Österreich eine Mindestrente von fast 1000 Euro und eine Durchschnittsrente von1820 Euro, und damit doppelt so hoch wie in Deutschland?“

Ein Leserbrief aus Berg/ Starnberger See: „Seit ca. vier Jahren sind wir unmittelbar dem Einfluss des Internet auf unsere Kinder (14 und 16 Jahre) betroffen. Ich wünschte, sie hätten die Chance gehabt, ohne digitale Medien aufzuwachsen. Sie könnten den Morgen beginnen, ohne die ersten Chateinträge zu lesen und verzweifelt ein Ladegerät zu suchen. Sie würden sich auf dem Weg zur Schule unterhalten, statt mit >KnopfNot< heraus oft besonders gute Ideen entstehen. Ohne ständigen Austausch via Chat würde der Wunsch nach dem Zusammensein mit Familie und anderen Menschen wieder wachsen und die gemeinsamen Treffen würden noch häufiger Aug in Aug stattfinden. Die digitale Welt ist unbestritten ein wissenschaftlicher Geniestreich mit vielen Innovationen, Lösungen und Chancen für Gegenwart und Zukunft, jedoch nur, wenn wir Nutzer nicht zulassen, dass wir ständig fremdbestimmt werden. Wir sollten uns trotz dieser Faszination das lebenswichtige Bewusstsein für unsere Umgebung zurückerobern und bewahren.“

Ein Leserbrief aus Starnberg: „Die Bundeswehr unserer Republik bewegt sich weitgehend in traditionellen Bahnen. Für die obere Schicht war sie ein hochdotierter Druckposten und für die Waffenindustrie ein gutgedüngtes Feld. Gottseidank wurde unsere Bundeswehr nicht ernsthaft benötigt, außer in weitgehend gefahrlosen Bereichen. Die Bundeswehr muss, um es militärisch zu sagen, ‚auf Vordermann gebracht werden‘. Kriege mit erkennbaren Fronten zwischen den Parteien sind strategisch überholt. Aber wir befinden uns im Krieg, im Krieg mit Terroristen, zivilkleidertragenden Kämpfern, bestens ausgebildeten Kennern der neuen Informationstechnik. Da helfen keine Panzer und Jets, es ist eine neue Form der Kriegsführung. Zerbombte Städte, Hunderttausende von getöteten Zivilisten, weitgehend Frauen und Kinder sind die Opfer dieser veralteten großflächigen Zerstörung und Tötung gegen einen verdeckten mobilen Gegner. Zu vergleichen mit einem Kampf zwischen Ameisen und Elefanten.
Eine totale Neuorientierung auf die momentanen Gefahren sowie die zukünftigen Entwicklungen auf dem ‚Kriegssektor‘ ist nötig.“

Ein Leserbrief aus Kirchhoven: „Allein in der Bundesrepublik hat man zig Millionen Lizenzen vergeben, die die Benutzung eines so gefährlichen Geräts wie des PKWs erlauben. Ein Wust an Gesetzen, Vorschriften und Regeln soll den Wahnsinn steuern. Nun will man mit irrsinnigem technischem Aufwand die Geräte autonom fahren lassen und schafft parallel dazu einen neuen Wust an Vorschriften. Eine schwarze Kontrollkiste soll helfen, alles zu überwachen.
Bei einer früher ‚drohenden‘ Geschwindigkeitsbeschränkung ging der Aufschrei ‚Freie Fahrt für freie Bürger‘ durchs Land. Heute ersetzen die Datenschützer den ADAC und trommeln gegen die Bevormundung mündiger Bürger. Dabei böte ich hier die Gelegenheit, den Autoverkehr zu drosseln und in vernünftige Bahnen zu lenken. Wie eine Eier legende Wollmilchsau könnte die Kontrollkiste Milliarden in die öffentlichen Kassen spülen. Statt nur 0,001 Prozent Verstöße und Vergehen der Autofahrer zu erfassen, gelänge eine 100-prozentige Ausbeute. Ganz schnell würde es angenehm ruhig auf den Straßen, weil in kürzester Zeit 50 Prozent der Leute oder mehr ihren Führerschein einbüßten. Paradiesische Zukunft.“

Ein Leserbrief aus Kempten: „Vielleicht ist die fehlende Trauer in den Kreisen der Kirchenverantwortlichen das deutlichste Anzeichen des fortschreitenden Verfallsprozesses in der katholischen Kirche. Die Zerschlagung vieler Gemeinden wurde von den Verantwortlichen angeordnet, mehr oder weniger verständlich begründet, bestenfalls korrekt verwaltet – aber nicht betrauert. Dort, wo es noch ein Gemeindeleben zu verlieren gab, fand die Trauer der Gemeindemitglieder keinen Widerhall auf den übergeordneten Ebenen. Im Gegenteil, sie lief ins Leere, blieb ungehört und unbeantwortet.
Die wesentlich auf dem Priestertum aufbauende katholische Kirche zieht Männer heran, die darin geübt sind, dem rituellen Vollzug Vorrang zu geben vor einer gelebten Glaubenspraxis. Die auf diese Weise Trainierten haben keinen Zugang zu einer Spiritualität, die sich in erster Linie aus dem wachen Vollzug des Lebens speist, welche die Nähe zum Herzen des Anderen nicht nur sucht, sondern braucht, um sich immer wieder erneuern zu können.
Die in der Kirche tätigen Frauen erfahren täglich, dass die ihnen übergeordneten Priester kein Verständnis haben für eine Spiritualität, die jenseits der eigenen liegt. Sie erleben die Entwertung und Herabwürdigung dessen, was sie für sich als lebendigen Vollzug des Glaubens erfahren. Nach leidvollen Jahren der Trauer willigen sie ein in den Sterbeprozess einer Kirche, der sie sich weder weiterhin zugehörig fühlen können noch wollen. Ähnlich geht es den engagierten Laien. Diese Kirche wird von immer weniger Menschen traurig vermisst.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Eigentlich ist es doch ganz einfach: Solange es nicht allen Menschen auf der Welt annähernd ähnlich gut geht, nicht die Grundrechte aller Menschen geachtet und Vergehen gegen diese geahndet werden, nicht alle Menschen sauberes Trinkwasser, Nahrung, sicheren Wohnraum, Zugang zu Bildung, Selbstverwirklichung und Gesundheit, Recht auf Selbstbestimmung ihrer Identität, Liebe und Sexualität haben, ja, so lange gibt es auch keine Sicherheit. Weder hier in unserer schönen BRD noch sonst irgendwo. Denn mit der Globalisierung des Neuliberalismus, der Ausbeutung und der grenzenlosen Geldströme ist auch die Unsicherheit global geworden und grenzenlos. Eigentlich auch nur ‚gerecht‘.
Und wer dann postkoloniale Strukturen aufrechterhält und wer dann Waffen exportiert und wer dann unter dem Deckmantel von Geheimdienst und Sicherheit und schlecht gemeinter oder gemachter ‚Entwicklungshilfe‘ Regionen und ganze Kontinente destabilisiert, mit Krieg, Waffen, Terror und willkürlicher und kurzsichtiger Unterstützung von radikalen Akteur:innen und Regimen, um damit eigenen nationalen und wirtschaftlichen Interessen unter dem Deckmantel der Humanität nachzukommen, und wer dann noch nach Sicherheit und Überwachung schreit: Der ist ein Heuchler, ein Hetzer und ein Spalter. Der ist dann einer der größten Gefährder dieser Erde.“

Ein Leserbrief aus Stockach: „Ein verantwortungsvoll denkender Politiker muss dem Volk der Palästinenser den notwendigen Freiraum zur eigenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entfaltung in einem fairen Verhältnis zugestehen. Nur so wird auch das Volk Israel selbst mit seinen vorwiegend jüdisch geprägten Bewohnern in dauerhaftem Frieden leben können. Das Schaffen von ständigen Fakten wie dem Siedlungsbau und die sonstigen Einschränkungen wie der Landnutzung ist mit gesundem Menschenverstand und auch politischem Verstand schon lange nicht mehr nachzuvollziehen. Das lässt wenig, besser gesagt, keinen Raum für eine echte Friedensperspektive.
Die Glaubwürdigkeit des Judentums, hinsichtlich eines überzeugenden, friedlichen Verhaltens, wie es oft interpretiert wird, wird so mehr denn je fragwürdig. Jeder Mensch weiß, unabhängig von jeder Religion: An ihren Taten sollt ihr das Denken, Beten und Handeln messen. Israel pflegt eine Kriegslogik statt einer zeitgemäßen Friedenslogik, die sich in Verständigung, fairem, gerechtem Ausgleich und Versöhnung spiegeln müsste. Scharfe Kritik am Verhalten der israelischen Politik auch aus Deutschland ist wichtiger und dringender notwendig denn je, gerade wegen des am jüdischen Volk millionenfach begangenen Völkermords und zwar nicht aus einer antisemitischen Einstellung heraus. Sie ist vielmehr als dringende, freundschaftliche Warnung und aus Sorge vor einer dann selbst verschuldeten und möglichen selbstmörderischen Auslöschung des jüdischen Volkes in Israel oder zumindest einer lang anhaltenden mörderischen Intifada mit vielen Opfern auf beiden Seiten zu verstehen.
Einen wirklich verantwortungsvollen Ministerpräsidenten Israels , der sein Volk liebt und auch dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump, der noch größere Verantwortung für den Frieden in der Welt trägt, gilt es mit Nachdruck zuzurufen: Rückkehr zur Vernunft und zum Mitgefühl! – Höchste Zeit zur Versöhnung! Nur so sind beide ihrer Ämter würdig.“

Ein Leserbrief aus Straßburg: „Im Jahr 1943, ich war acht Jahre alt, begannen die schweren Angriffe auf Berlin. Wir wohnten in der Nähe des Bayerischen Platzes, der besonders stark bombardiert wurde. Zunächst (also vor 1943) wurde der Keller des Hauses mit Pfeilern verstärkt und ein Durchbruch zum Nachbarhaus geschaffen. Ich erinnere mich, meine Mutter gefragt zu haben, warum man nicht Fenster in abgebrannte Häuser anbringe, die Ruinen sähen dann besser aus. Wir Kinder gingen mit Kleidern ins Bett, da fast allabendlich Alarm gegeben wurde. Ich erinnere mich nicht, irgendwelche Erklärungen bekommen zu haben. Meiner Frau, als kleines Mädchen, erging es ebenso. Abend für Abend rannte ihre Familie zum Bunker, zurück dann im Feuerschein der brennenden Häuser. Als Zugabe erlebte ich das Bombardement auf Potsdam: Fast 500 Flugzeuge warfen am 14. April 1945 1750 Tonnen Sprengstoff auf die Stadt. Ich lag als Zehnjähriger auf schwankendem Boden und schrie: ‚Lieber Gott, hilf uns doch!‘ Wir nahmen die Bombardements als etwas Natürliches hin.“

Ein Leserbrief aus München: „Eine Gesellschaft, die Argumente für völlig irrelevant hält, die Vorzüge der Aufklärung nicht akzeptiert und von sich weist, gleicht einem Kleinkind, das sich entgegen den Mahnungen und Erklärungen der Eltern unvernünftig bis zerstörerisch verhält. Diese Phase gehört ins Leben eines Kindes und ist normal. Aber wenn sich eine erwachsene Gesellschaft so verhält, ist dies eine schwerwiegende Verzerrung, eine Regression, ein Rückfall in eine präaufklärerische Gemütslage. Im Kern waren die sechziger Jahre mit ‚Flower Power‘ und ‚California dreaming‘ ebenfalls ein Ausdruck dieser Sehnsucht. Auch damals war die neue politische Kraft gegen das ‚Establishment’gerichtet, nur kam diese von links und hat der Welt in Folge mehr Freiheit und Freizügigkeit beschert.
Dass die heutige voll-infantilisierte, postfaktische Gesellschaft keine Verantwortung mehr übernehmen will, dass sie die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nicht berücksichtigen mag – das ist eine große Gefahr, und diese lauert nicht nur in den USA.“

Ein Leserbrief aus Erlangen: „Hartz IV könnte eine ganz gute Sache sein, wenn man etwa 200 Euro drauflegen würde. Im derzeitigen Zustand nötigt es die Empfänger zu einem unwürdigen Baumeln über dem Abgrund: Haare schneiden? Kino? Parmesan zu den Spaghetti? Abschminken? Und wer länger Hartz bezieht, merkt, dass er auf Kosten der Substanz lebt: Dann sind nämlich die Sohlen von sämtlichen Schuhen abgelatscht und alle Hosen zerschlissen und man bräuchte etwa 250 Euro, um auch nur den Status quo ante wiederherzustellen.
Die Ämter sind zudem nicht imstande, die Leute wieder in die Arbeit zu bringen, weil die Sachbearbeiter vom Arbeitsmarkt so entfernt sind wie die Kuh vom Seiltanzen. Das Amt für Wohnen und Soziales in Erlangen beispielsweise rühmt sich regelmäßig seiner ‚fruchtbaren‘ Zusammenarbeit mit dem Amt in Ingolstadt. Wenn zwei Ämter ihre realitätsfernen Blasen zusammenlegen, kommt zwar eine größere Blase heraus, aber nix Gescheites: würde man sich stattdessen mit den Personalverantwortlichen der weiß Gott zahlreichen ortsansässigen Firmen zusammensetzen, ließe sich ein Effekt erzielen. Zudem sollte man die Zuverdienste großzügiger ermöglichen. So wird insbesondre bei wechselnden Zuverdiensten vor allem ein unsäglicher Papierwust erzeugt. Aus eigener Anschauung erinnere ich mich an gut 100 Seiten Amts-Blabla pro Vierteljahr – was man dennoch sorgfältig durchlesen muss, obwohl je Bescheid etwa 90 Prozent aus dem PC-Baukasten stammen, sich aber jederzeit irgendwelche Fallen verbergen können, die man mit dem Widerspruch angreifen muss, damit Falsches nicht bestandskräftig wird.“

Ein Leserbrief aus Unterwössen: „Jahrelang wurde ich vor jeder Dienstreise in die USA von den Kollegen bestürmt: Bring uns Aspirin mit! Die Preise in den USA lagen bei 20 Prozent der deutschen Preise. Ähnliche Verhältnisse galten für Ibuprofen, für Multivitaminpräparate und viele andere Pillen. Inzwischen hat die Pharmaindustrie diese ‚Gewinnbremsen‘ mithilfe unserer Abgeordneten ausgeschaltet. Begründung war, dass ja die Medikamente gepanscht und damit gesundheitsgefährdend sein könnten. Für den Eigenbedarf ist jedoch eine Dreimonatsmenge erlaubt.
Glaubt etwa jemand, dass von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassene Medikamente schädlicher sind als die in Deutschland zugelassenen? In anderen Ländern der EU können diese problemlos eingeführt und dann ebenso problemlos nach Deutschland gebracht werden.“

Ein Leserbrief aus Marktheidenfeld: „Josef Ratzinger war seit 1981 zunächst als Vorsitzender der Glaubenskongregation und seit 2005 als Papst umfassend über die weltweiten Sexualverbrechen katholischer Priester informiert. Er hat aufgrund dieser Informationen gehandelt, indem er Schweigegebote erließ, Verfahren an sich zog oder verfahren stoppte, Urteile unterer Instanzen aufhob und die Versetzung von straffällig gewordenen Priestern in andere Pfarreien und andere Länder billigte.
Dadurch hat er dafür gesorgt, dass die Sexualverbrechen nicht bei den staatlichen Strafverfolgungsbehörden angezeigt wurden. Er hat zunächst keinerlei wirksame Maßnahme gegen die Fortsetzung der ausgedehnten Sexualverbrechen seiner Priester eingeleitet, sondern rechtlich und faktisch eine Situation geschaffen, in der es Priestern leichtfiel Kinder zu missbrauchen, denn sie mussten keine ernsthafte Bestrafung erwarten. Diese Situation hielt er jahrelang auch als Papst aufrecht und begünstigte dadurch neue Sexualverbrechen, die weiter vertuscht wurden und entweder überhaupt nicht oder erst am Sankt Nimmerleinstag aufgeklärt werden.“

Ein Leserbrief aus Gröbenzell: „Wir Kleinrentner brauchen wirklich eine Revolution, nicht nur für uns, sondern auch für die nachfolgende Generation von Armutsopfern. Wo steht geschrieben, dass bei den immer steigenden Steuereinnahmen des Staates nicht ein Teil der Finanzierung für eine Steigerung der Kleinstrenten verwendet werden kann? Bevor Grundsicherung mit viel Bürokratie und Verwaltungskosten beantragt werden muss. Der Prozentsatz für die gerade groß angekündigte größte Rentenerhöhung aller Zeiten gilt für kleinste und größte Renten gleichermaßen. Hätte man das nicht staffeln können?
Nach lebenslanger Arbeitszeit, 25 Jahre davon selbständig mit kleinem Geschäft, konnte ich mir die Beiträge für die staatliche Rente nur unter Mühen leisten. Somit fehlt der Arbeitgeberanteil. Jetzt bekomme ich 754,89 Euro Rente. Gottseidank war ich freiwillig bei der AOK versichert, sonst würde ich nun eine private Krankenversicherung zahlen müssen.
In München ist es unmöglich, mit diesen Einkünften sozial, geschweige denn kulturell nicht zu vereinsamen. Alleine die Münchner Verkehrsbetriebe, Ihre Zeitung oder mal einen Espresso im Café kann man sich davon unmöglich leisten.“

Ein Leserbrief aus Rietberg: „Jammern bringt nichts, aber einen ehrlichen Umgang haben die Menschen, die ihr Auskommen aus der Landwirtschaft erzielen müssen, schon verdient. Für manch einen Betrieb geht es mittlerweile um die Existenz.
Die Errichtung von Produktionseinheiten als Familienkolchose in Bankbesitz mit zwei statt mit 20 Mitarbeitern läuft schon seit Gründung der EWG, heute EU. Unternehmerisches Verhalten ist gefragt, wird den Bauern suggeriert, aber Rechnungen schreiben traut man den Bauern nicht zu, und die Vorgaben, wie sie zu wirtschaften haben, sind immens und werden immer größer. Sie dürfen nur abliefern. Dies ist Verstaatlichung einer anderen Art. Der internationale Casino-Kapitalismus versklavt die Bauern. Die Vergabe neuer Kredite als Hilfsmaßnahme zu erklären, ist eine Sprachverdrehung par excellence. Das führt nur zur Ausplünderung landwirtschaftlicher Betriebe. Betriebserweiterungen jeder Art und viele Alternativen führen zu einer starken Verschuldung.
Diese Entwicklung geht in die Richtung fremdkapitalfinanzierter, bankgesteuerter, großkapitalhöriger Landbewirtschaftung. Wo dann ehemalige Bauern oder günstige Zeitarbeiter die Arbeiten als Tagelöhner verrichten. Nach amerikanischem Vorbild. Weiter lassen sich bei dieser Entwicklung die Eigentumsflächen im landwirtschaftlichen Bereich einfacher und entschädigungslos überplanen und günstiger erwerben und gehen ins Eigentum der öffentlichen Hand und des Kapitals über.
An die Landwirte gerichtet, vielleicht doch nicht jede ‚empfohlene‘ Entwicklung seines Betriebes mitmachen, sondern schon nüchtern abwägen, was unter den jetzigen und zukünftigen Rahmenbedingungen geht oder nicht geht. Um nicht unnötig später benötigtes Eigenkapital zu verspielen und nicht in den beschriebenen Kreislauf der Belastungen zu kommen.“

Ein Leserbrief aus Leimen: „Heutzutage kann man die frühe Grundschulentscheidung über den voraussichtlichen Bildungsweg beziehungsweise Erfolg eines Kinds/Jugendlichen in unserem Schulsystem nachträglich gut korrigieren: berufliche Gymnasien, Fachoberschulden, höhere Berufsfachschulen etc. sorgen zahlreich dafür, dass auch ehemalige Real-, Gesamt-, Gemeinschafts-, Werkreal-, Berufsfachschüler etc. nach ihrem mittleren Berufsabschluss mit entsprechendem Notendurchschnitt doch noch eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben können. Dies ist insbesondere für sogenannte Spätzünder wichtig und ermöglicht obendrein das Abitur nach 13 Jahren abzulegen – wodurch für diese Kinder und Jugendlichen der nach wie vor von vielen Eltern und Schülern beklagte hohe Stresslevel der allgemein bildenden Turbo-Gymnasien entfällt, in denen das Abitur nach bereits zwölf Jahren abgelegt werden muss. Dadurch bleibt mehr Raum für andere, nicht nur interessehalber ebenfalls wichtige Dinge wie das Erlernen eines oder gar mehrerer Musikinstrumente oder Vereinssport. Dass beides positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen und damit den Bildungserfolg hat, ist seit Jahren hinreichend bekannt. Die Finanzierung eines Studiums betreffend, ermöglichen Bafög, Stipendien etc. heutzutage auch jungen Menschen aus einkommensschwachen Familien adäquate Möglichkeiten. Und auch Bafög-Empfänger dürfen in bestimmtem Rahmen, beispielweise in den Semesterferien, erwerbstätig sein, um sich etwas Geld hinzuzuverdienen.“

Ein Leserbrief aus Köln: „Vor der Wahl eines neuen Bundespräsidenten/einer neuen Bundespräsidentin wird in steter Regelmäßigkeit die Forderung erhoben, das Volk wählen zu lassen. Was dadurch wirklich erreicht werden soll, bleibt meistens in der romantischen Vorstellung hängen, das Volk übe dadurch Macht aus. Wie illusorisch diese Vorstellung ist, zeigt ein Blick auf die Realität. Zum Beispiel die Wahlen zum Deutschen Bundestag. Hier ist ein Einfluss möglich, gleichwohl sinkt die Wahlbeteiligung angesichts der Einstellung, ‚wir bewirken ja doch nichts.‘
Ganz am Schluss des Grundgesetzes, als wolle man kein Aufsehen erregen, ihn nicht besonders hervorheben, ist Artikel 146 platziert worden. Er sieht vor, dass nach der Einheit und Freiheit Deutschlands eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen worden ist. Durch diese Bestimmung wird den Bürgern und den Bürgerinnen eine elementare Beteiligung an der Struktur der Bundesrepublik Deutschland, nämlich die Entscheidung über die Verfassung eingeräumt. Leider findet diese Vorschrift im politischen und auch gesellschaftlichen Raum kaum Beachtung. Warum nicht einmal über die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland abstimmen, so wie es Artikel 146 des Grundgesetzes vorsieht?“

Ein Leserbtief aus Leimen: „Allein mit bessere Bildungschancen für alle lässt sich die zunehmende Spreizung zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft nicht beheben. Denn es arbeiten längst nicht nur Menschen ohne Berufsabschluss zum gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde, sondern auch viele Menschen mit staatlich anerkanntem Berufs- oder Studienabschluss, deren erlernte oder studierte Berufsrichtungen auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreichend nachgefragt werden. Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen stellt schon seit Jahren regelmäßig fest, dass mindestens 70 Prozent der Erwerbstätigen im Niedriglohnsektor einen staatlich anerkannten Berufsabschluss und/oder gar ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorzuweisen haben. Diesen Menschen hilft zum Entkommen aus ihrer wirtschaftlichen Armut nur mehr Umverteilung von oben nach unten, solange der Arbeitsmarkt für sie trotz vorhandener Bildung nicht genügend adäquate Jobs bereitstellt. Eine Berufs- beziehungsweise Studienwahl primär oder gar ausschließlich nach der Arbeitsmarktlage nützt weder den betroffenen Menschen noch deren zukünftigen Arbeitgebern, zumal gerade Letztgenannte heutzutage von ihren MitarbeiterrInnnen eine hohe Identifikation nicht nur mit der ausgeübten Berufstätigkeit, sondern auch mit der jeweiligen Unternehmensphilosophie erwarten. Beides lässt sich nicht durch äußeren Druck erzwingen.“

Ein Leserbrief aus Aarbergen: „Die Milchbauern haben die Ausbeutung des Rindes bis hin zur Turbokuh maximiert und wundern sich nun, dass die Preise für Eutersekret implodieren. Die Menschheit braucht keine für Kälber (die dann perverserweise mit Milchpulver großgezogen werden) gedachte Milch zu ihrer Ernährung, mit bis zu 400 000 Eiterzellen pro Milliliter. Die Bilder der Rinder auf dem Weg zur Ermordung sind extrem verstörend. Die Zukunft ist vegan = gewaltfrei, und es sollte kein Cent unserer Steuern zur Erhaltung dieser Ausbeutung verwendet werden.“

Ein Leserbrief aus Kronshagen: „Nicht nur die Kanzlerin lässt jede Kenntnis ökonomischer Zusammenhänge vermissen, auch in der Wahlanalyse zu den letzten Wahlen habe ich, insbesondere bei Politikerinnen, den Eindruck mangelnder Wirtschaftskenntnisse.
Was in Sachsen das kommende Rentendesaster wird und für Robert Habeck die Milchschwemme ist, erlebt NRW gerade in der erneuten Zuspitzung der Stahlkrise. Dabei ist das Bundesland schon so abgewirtschaftet, insbesondere im Revier, wo die Städte regelmäßig vor dem Konkurs stehen. Nur das Beispiel Opel: Heute produziert der Autokonzern in Eisenach mit erheblich kleinerer Belegschaft mindestens doppelt so viele Fahrzeuge wie einst in Bochum. Und konnte die neuen Automaten sogar noch mit Staatshilfe finanzieren. Proletarier kann nur werden, wer noch im Produktionsprozess steht. Die Herausbildung eines Klassenbewusstseins wurde auch durch jahrzehntelange SPD-Herrschaft verhindert. Funktionäre besetzten Rathäuser und Aufsichtsräte und ließen sich gut alimentieren. Mir ist nicht bekannt, dass Grüne sich besonders um die Kollateral-Geschädigten kümmern. Inzwischen ist ein sehr großer Teil der Fallengelassenen auch nicht mehr für herkömmliche Politik erreichbar, da braucht es wenig Anstrengung für rechte Sprüchemacher, um die Unzufriedenen einzufangen. Politische Ökonomie sollte Pflichtfach werden.
Wenn ich höre, dass die NRW-Grünen die innere Sicherheit zum Thema machen wollen, muss ich mit Abscheu an die Polizeieinsätze des letzten Sommers in Garzweiler denken – auch ein unterdrücktes Wirtschaftsthema!“

Ein Leserbrief aus Erftstadt: „Angesichts der Ungerechtigkeiten in unserem Rechtsstaat könnte man sich die Finger wund schreiben. Auch wenn die drohende Altersarmut derzeit bei drei Prozent der Rentnerhaushalte schon keine Drohung mehr ist, lässt sich hier die Entwicklung ablesen: Es trifft die Mittelschicht und damit die Wähler der politischen Mitte. Merkel und Schäuble haben das erkannt und wollen das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten. Es könnte Wählerstimmen kosten, wenn klar wird, dass bei den kommenden Rentenerhöhungen die kalte Progression dazu führt, dass immer mehr Rentner besteuert werden und dadurch die Beamtenpensionen bezahlt werden – und auch, wenn sich die Behauptung als glatte Lüge entpuppt, dass der Staat Abermilliarden Rücklagen nachträglich einzahlen müsste, falls man die Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung eingliedern würde. Im Gegenteil: Müssten die Pensionen aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze, die es heute schon für die gesetzliche Rente gibt, gedeckelt werden, würde der Staat Milliarden sparen. Das Urteil des Bundesfinanzgerichts von 2002 zur Besteuerung der Renten wurde mit Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz begründet. Ein Treppenwitz: Es handelt sich um zwei vollkommen unterschiedlich finanzierte Systeme, die man hätte zusammenführen müssen, um den Fehler zu beseitigen.“

Ein Leserbrief aus Schwabmünchen: „Es geht nicht um Glyphosat allein: Es geht um die Gesamtheit der in der Agrarindustrie eingesetzten Herbizide und Pestizide, sowie des verwendeten Saat- und Pflanzengutes, und um ihre Wirkung auf den Konsumenten. Es geht darum, ob es der Politik und der konventionellen Landwirtschaft gelingt, sich aus den Fesseln der Agraroligopole zu befreien, die bestimmen, was auf europäischen und bundesdeutschen Ackern gepflanzt, gesät und während seines Wachstums wie behandelt wird. Denn selbst wenn Glyphosat in Europa wider Erwarten seine weitere Zulassung verweigert werden sollte, wird es mit Sicherheit einen – vielleicht sogar patentierten – neuen chemischen Renner im Bereich Unkraut- und Schädlingsbekämpfung geben, von dessen Verwendung die Landwirte, vielleicht sogar in ihrer Existenz, abhängig sein werden. Monsanto, dessen Glyphosat-Patente weitgehend abgelaufen sind, lauert mit Sicherheit darauf.“

Ein Leserbrief aus Aachen: „In Zeiten von angekündigten Radarkontrollen, mangelnder Überprüfung und im internationalen Vergleich deutlich zu niedriger Ordnungsgelder und Strafen muss man sich über rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr nicht wundern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Möglichkeit gibt, zum Beispiel Überholabstände zu überprüfen. Da braucht es Phantasie jenseits des Streifenwagens. Wie wäre es mit zivilen Fahrradstreifen, mit unauffällig angebrachten Kameras, die sich dem Verkehr mal selbst aussetzen? Ich bin mir sicher, dass man so Einiges finden wird. Und dann auch mal außerstädtisch fahren, gern auf Straßen ohne Radweg und Schutzstreifen. Prekäres Überholen in den
Gegenverkehr, Überfahren von Sperrflächen, durchgezogenen Linien und Abbiegespuren ist dort nach meiner Erfahrung die Regel.“

Ein Leserbrief aus Donauwörth: „Der AfD-Kurs verleiht einem Bürger mit islamischem Glauben die erschreckend traurige Gewissheit: Du gehörst nicht zu uns. Wir lehnen nicht nur deine Religion ab, sondern auch als Mensch bist du uns genauso nicht willkommen. Jede Person, die der spalterischen Behauptung erliegt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, hat auch keinen richtigen und aufrechten Bezug zu Muslimen in Deutschland. Ich finde es sehr schade, dass sich dieser aggressiven Partei etliche Leute zuwenden, die aus sogenannten gutbürgerlichen Häusern kommen und eine relativ ‚gute Bildung‘ genießen durften. Bedauerlicherweise sagt dies wenig über innere Ressentiments des Einzelnen aus, die womöglich seit sehr langer Zeit nur unterdrückt wurden.“

Ein Leserbrief aus Göttingen: „In der Sache TTIP eine kurze Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort: Wie nennt sich korrekt die Regierungsform, in der wir uns zur Zeit befinden? Demokratien sind politische Systeme, in denen Macht und Regierung vom Volk ausgehen, indem dieses an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt ist: Hierzu benötigt es (das Volk) natürlicherweise Kriterien zur Wahlentscheidung. Bei TTIP sind diese offenbar zukunftslenkenden wichtigen Kriterien dem Volk verborgen, selbst von uns zu wählenden Entscheidungsträger (Landtagsabgeordnete) erhalten keine Einsicht in diese geheimen Papiere, obwohl die Landesregierungen im Bundesrat über TTIP abstimmen sollen. Wen aber Wahlen ohne Wahlkriterien keinen Sinn ergeben, wird als unmittelbare Folge auch keine Demokratie mehr praktiziert. Wie also nennt sich jetzt unser System? Mir fiel Wirtschaftsautonomie ein; aber dazu habe ich nichts gefunden. Wer hilft weiter?“

Ein Leserbrief aus Schorndorf: „Der US-Autobauer Tesla, zumeist hochgejubelt, hat mit seinem Konzept der Kombination der besten verfügbaren Speicher elektrischer Energie, mit einem elektrischen Antrieb und einer ansprechenden Formgebung eine Art von ‚Erfolg‘ erreicht. Vor allem in den Medien. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass die absolute Stückzahl verschwindend ist, demgegenüber der Preis im obersten Bereich angesiedelt. Die Folge: Der ‚Markterfolg‘ Tesla ist ein exklusives Spielzeug für eine geringe Anzahl von Käufern, für die der Tesla eher Statussymbol ist.“

Ein Leserbrief aus Schwabach: „In seinem von vielen begrüßten Schreiben ‚Amoris laetitia‘ (Freude der Liebe) macht Papst Franziskus deutlich, dass nicht alle kirchlichen Diskussionen durch lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssten. In jedem Land und jeder Region könnten Lösungen gefunden werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. In Simbabwe stößt beispielsweise die durch Rom erlaubte Fußwaschung von Frauen am Gründonnerstag auf kulturelle Barrieren, während sie in Deutschland teilweise schon seit Jahren ohne offizielle Erlaubnis praktiziert wird. Bischofskonferenzen dürften also in so manchen Fragen durchaus eigene Regelungen treffen und müssten nicht immer auf weltkirchliche Regelungen warten. Ob dies aufgrund des Priestermangels in vielen Ländern Europas nicht auch auf Fragen wie ‚viri probati‘ und Diakonat der Frau gelten dürfte, etwa um übergroße Pfarrverbände zu vermeiden? Die Akzeptanz im Kirchenvolk wäre ja gegeben. Etwas mehr Wagemut bei den Bischöfen wäre wünschenswert.“

Ein Leserbrief aus Oldenburg: „Markige Slogans à la ‚Wir müssen einfach den Reichtum umverteilen‘ nehme den Linken auf Dauer keiner ab, heißt es. Bin ich naiv oder ewig gestrig, wenn ich mich nach wie vor von dieser Idee begeistern lasse? Nachdem die SPD alle Möglichkeiten verstreichen ließ, in Hessen oder im Bund eine rot-rot-grüne Koalition zum Regieren und sozialen Gestalten zu bilden, sehe ich in den Mitte-rechts-Parteien (das schließt die SPD ein) keine Alternative.
Wenn der Reichtum gleichmäßiger verteilt wird, werden auch die (Verteilungs-)Kämpfe auf allen Ebenen weniger. Als Exportweltmeister strengen wir uns über alle Maßen an, billig an Rohstoffe zu kommen, sie zu Niedrigpreisen weiter zu verarbeiten und anschließend die Produkte in der ganzen Welt zu verteilen. Und stellen am Ende fest, dass etwa der Milchbauer in Deutschland genauso arm dasteht wie der Bauer in Afrika.
Und wer profitiert davon? Einige wenige, deren größte Sorge es ist, eine Anlagemöglichkeit zu finden, wo sich das Geld weiter vermehren kann.
Wie viel weniger Wochenstunden müsste sich arbeiten, wenn ich nicht für soviel Export sorgen müsste? Was für ein schönes Leben für viele, wenn Geld und Zeit etwas gleichmäßiger verteilt wären. Ich werde weiterhin linke Parteien wählen.“

Ein Leserbrief aus Bonn: „Ich lehne es grundsätzlich ab, dass Lehrerinnen an staatlichen Schulen Kopftuch tragen, da dies nicht im Geringsten einer Geschlechtergerechtigkeit oder dem Ausdruck einer gleichberechtigten Sexualität entspricht. Trotz aller Versuche der Gegenseite, mich davon zu überzeugen, dies könnte auch als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung gesehen werden, überzeugen mich diese Argumente überhaupt nicht. Frankreich ist in diesem Punkt schon wesentlich weiter. Dort ist an staatlichen Schulen auch Schülerinnen das Tragen eines Kopftuchs aus Gründen der Laizität verboten.“

Ein Leserbrief aus Duisburg: „Die Staatsanwaltschaft hat von Anfang an auf jämmerlichste Art versagt. Es fing schon damit an, dass nicht verfügt wurde, das Duisburger Ratshaus zu versiegeln, gleich nachdem die Katastrophe passiert war. So hätten an der Vorbereitung Beteiligte der Stadt Duisburg in aller Ruhe eventuelle Beweismittel zur letztgültigen Genehmigung der Parade schreddern oder löschen können. Kein Dezernent der zuständigen Ämter der Stadt, geschweige denn der damalige Oberbürgermeister, ist bezeichnenderweise strafrechtlich belangt worden (immerhin haben die Bürger ihn später mittels Bürgerabstimmung zum Teufel gejagt). Zum Vergleich: Vor einigen Jahren hat in einer sizilianischen Kleinstadt ein Oberbürgermeister ein paar Tausend Euro unterschlagen. Daraufhin hat die dortige Staatsanwaltschaft ihm umgehend den Zugang zum Rathaus verweigert.“

Ein Leserbrief aus Kirchseeon: „Die Hauptursache für die Verarmung des Prekariats ist die notorische Übervorteilung der Geringverdiener bei prozentualen Lohnerhöhungen. Dadurch bekommt der Geringverdiener jedes Mal nur minimal mehr, der Gutverdiener dagegen reichlich. So geht die Einkommensschere bei uns immer weiter auf. Lohnerhöhungen sollten in Eurobeträgen erfolgen. Und sagen Sie ja nicht, das sei eine Sache der Gewerkschaften – es ist eine Sache der Regierung. Siehe Einführung des Mindestlohnes.“

Ein Leserbrief aus Lutzhorn: „Ja, eine Sprache lernt man nicht ohne Mühe, ja, wer im Sprachkurs sitzt und lernt, muss unterdessen die Kinder unterbringen und hat weniger Zeit, Freunde zu treffen. Und ja, Jobs liegen nicht auf der Straße. Und deshalb ist es Lebenszeitverschwendung Deutsch zu lernen?
Im Deutschkurs lernen die Teilnehmenden, sich als Individuen und gesellschaftlich Handelnde zu begreifen, sie durchbrechen ihre häusliche Isolation und kommunizieren gleichberechtigt in einer Gruppe Erfahrungen, die weit über das >Verben pauken< hinausgehen. Diese Erfahrungen sind für die Teilnehmenden ein Aspekt der Persönlichkeitsbildung und auch dann wertvoll (aber natürlich nicht mühelos) wenn sie Deutschland schon nach kurzer Zeit wieder verlassen müssen.“

Ein Leserbrief aus Starnberg: „Es ist sicherlich interessant zu erfahren, was sich auf dem Mars tut. Aber wem nutzt dies? Weltweit werden x-Milliarden an Geldern für Forschung im Weltall versenkt, doch zur Linderung und Lösung von Erdproblemen ist wenig oder kein Geld vorhanden. Sind wir Erdbewohner vom All so geblendet, dass wir nicht sehen, dass unsere Erde, der Menschheit Heimat, kollaborieren [sic] wird? Der Blick vom Mars wird die Probleme nicht lösen. Die Unsummen für diesbezügliche Forschungen sollten, zumindest in Europa, umgehend zur Linderung der weltweiten Not, für Bildung, Aufklärung und effektive Methoden zur Nachhaltigkeit verwendet werden.“
In unserem Blatt, triumphiert Chefredakteur Thalmayr, hätte man das falsche Wort stillschweigend korrigiert und dem Schreiber die Demütigung erspart! So etwas sind wir unseren Lesern schuldig.

Ein Leserbrief aus Preetz: “in dem geplanten Abkommen über die Rückführung von Flüchtlingen aus Marokko wird die Bundesregierung der marokkanischen Regierung ihre Unterstützung in der Westsahara-Frage zusichern.
Sie unterläuft dabei die Anstrengungen der dort heimischen Bevölkerung, der Sahauris, die um Autonomie ihres von Marokko besetzten Gebietes kämpfen. Seit Entlassung der ehemaligen spanischen Kolonie und der Annexion der rohstoffreichen Westsahara betreibt Marokko dort eine Bevölkerungspolitik, die die Grundsätze der Vereinten Nationen verhöhnt.
Die geplante Annäherung an die Türkei zur Behebung des Flüchtlingsdilemmas stärkt die Innenpolitik Erdogans und rechtfertigt dessen Kampf gegen die kurdische Bevölkerung, die um Anerkennung ihrer Identität ringt. Diese Auseinandersetzung wird in Ostanatolien mit militärischen Mitteln geführt und dient ausschließlich der Verfestigung des demagogischen Herrschaftsanspruchs einer Partei über ethnische Minoritäten im eigenen Land.
In beiden Fällen verscherbelt unsere Regierung das Völkerrecht. Das mit ‚Kuhhandel‘ zu bezeichnen, wird unserem Milchvieh nicht gerecht, das überwiegend unter würdigeren Umständen gehalten wird.“

Ein Leserbrief aus Klanxbüll: „Mich schockiert, wie Kinder und Eltern leiden bei dem Flüchtlingsdrama, und zeitgleich werden teure Kreuzfahrten angeboten mit unnötigem Luxus. Das ist nicht zusammenzubringen. Warum holt man keine großen Passagierschiffe und transportiert die Flüchtlinge direkt in unsere europäischen Länder, statt ihnen diesen Stress über Meer und Land zuzumuten? Warum sind wir so borniert und schauen weg und reden von Obergrenzen… Das ist unakzeptabel. Wir müssen mehr organisieren.“

Ein Leserbrief aus Taufkirchen: „Die Ereignisse in Clausnitz und Bautzen sind für die Täter beschämend, für die Opfer entwürdigend und angsteinflößend, und für viele von uns unvorstellbar. Wir, die wir den vor Krieg, Hunger und Armut Geflohenen helfen, sie auf ihrem Weg in unseren deutschen Alltag unterstützen , mit Kleiderspenden, Sprachkursen, Begleitdiensten und Handreichungen aller Art – wir müssen uns aber auch fragen, was wir versäumt haben in den vergangenen Jahrzehnten bei der Integration der Menschen, die Unterkünfte anzünden und den Brand bejubeln So schwer es auch fällt, wir müssen hinarbeiten nach beiden Seiten – den Geflohenen und den Hiesigen entgegen – in allen 16 Bundesländern. Die Politik würde helfen, indem sie nicht im Weg steht und sich die immer gleichen, immer heftiger werdenden Verurteilungen spart. Ein offenes, direktes und vor allem ein häufiges Wort beizeiten an die Bewohner der Dörfer und Stadtteile wäre ein Mittel der Wahl.“

Ein Leserbrief aus Dachau: „Wenn in Syrien gleichzeitig fünf Kliniken und zwei Schulen bombardiert werden, sind es sicher keine Kollateralschäden , sondern geplante Kriegsverbrechen. Die Verantwortung dafür trägt Russlands Präsident Wladimir Putin, der gerissene Stratege. Putins Aktionen in Syrien dienen offenbar auch dazu, den Flüchtlingsstrom weiter aufrechtzuerhalten und damit einen Keil zwischen die Staaten der Europäischen Union zu treiben. Offenbar hat er mit seiner Strategie großen Erfolg, denn die von ihm verhasste EU – Ukraine! – befindet sich in der Auflösung. Anscheinend kann kein europäischer Politiker um zwei Ecken denken und die wahre Absicht Putins erkennen und entsprechend einig dagegenhalten. Wo führt das noch hin?“

Ein Leserbrief aus Leer: „Vor vielen Jahren war ich beruflich länger im Königreich Saudi-Arabien. Damals herrschte eine Aufbruchstimmung in diesem faszinierenden Land. Wenn man etwa in die Asir-Gebirgsregion fuhr, begegnete man einer positiven Bevölkerung. Das Königshaus wurde respektiert und jeder Saudi konnte eine Audienz beim König beantragen. Was hat sich seitdem geändert? Die Königsfamilie sitzt heute nicht mehr so sicher in den Palästen. Es gibt große politische Versäumnisse im Inneren und ohne den militärischen Beistand der USA gäbe es dieses Königreich heute wohl nicht mehr. Im Syrienkonflikt spielen sich diese ‚Hüter der heiligen Stätte‘ von Mekka auf, als läge das Geschick des Nahen Ostens in ihren Händen. Nein – Assad, der Iran und die Russen werden nicht auf Riad hören. Dass schon viele islamistische Terroristen aus Saudi-Arabien stammten, und auch die finanzielle Unterstützung von Privat-Saudis an Terrorgruppen, ist ein Armutszeugnis für das Land. Auch wenn ich mich immer wieder an das >Felix Arabia< erinnere, so fordere ich heute die deutschen Behörden auf, in Zukunft saudische Geldmittel für Moscheebauten in Deutschland zu beschlagnahmen. Wenn ich zurückdenke, packt mich die Wehmut."

Ein Leserbrief aus Kassel: „Es versetzt mich nach wie vor in Erstaunen, was für eine europaweite Hysterie wegen der Flüchtlingskrise herrscht. Sicher, dies ist eine große Herausforderung, aber mit Blick auf die zukünftigen globalen Krisen und die sonst fast lethargischen Reaktionen des deutschen Bürgertums auf vergangene Entscheidungen von Angela Merkel und ihrer jeweiligen Regierung gegen das Wohl und die Interessen der Mehrheit überrascht dieser Volksaufstand jetzt schon. Beeindruckend, wie die EU-Mitgliedstaaten auf den Druck der Wähler reagieren. Schade, dass der Wähler bei der solidarischen Aufnahme von Kriegsflüchtlingen ’streikt‘, ihm aber echte Schandtaten der Regierungen in der Sozial-, Wirtschafts-, Finanz- und Steuer-, Außen-, Umwelt-, Bildungs-, Verteidigungs- sowie Innenpolitik sonst sehr egal sind. Was für Möglichkeiten hätten wir, als aufgeklärte Bevölkerung Einfluss zu nehmen auf ‚die da oben‘?! Aufwachen tun wir aber nur bei diffuser Angst vor den Fremden.“

Ein Leserbrief aus Marburg: „Ich bin in der absurden Situation, dass man mir in der Lehrerausbildung vor fünf Jahren beigebracht hat, dass Noten ein Hindernis für den Lernprozess sind, weil sie keine wirklich hilfreiche Rückmeldung über den Lernstand der Schüler*innen ermöglichen. Da macht es besonders viel Spaß, jedes halbe Jahr mit Schüler*innen über Zeugnisnoten zu diskutieren.
Ich engagiere mich neben meiner Lohnarbeit in der Freiwilligenarbeit für Geflüchtete und bei Attac für globale Gerechtigkeit und eine solidarische Ökonomie. Und daher weiß ich, was wir für die ökosoziale Revolution viel dringender brauchen als Leistung und Arbeitsdisziplin: Menschen mit Spaß an kreativen Ideen und an solidarischem Zusammenleben und guter Kommunikation. Noten und Leistungsdruck sind da kontraproduktiv. Wirklich schön ist in der Schule vor allem das, was die Schüler*innen und wir freiwillig neben unseren Pflichten auf die Beine stellen. Leider wird die Zeit dafür, dank Leistungsdruck und Spardiktat, immer knapper.“

Ein Leserbrief aus Weimar: „Wie ist es möglich, dass Einzelne sich dermaßen bereichern, während die, welche die Arbeit leisten, leer ausgehen? Die Schere zwischen Arm und Reich hat eklatante Formen angenommen. Dieser Zustand ist nicht nur ungerecht und menschenverachtend, sondern auch politischer Sprengsatz. Wenn ich darüber diskutiere, hören die Leute nicht zu, wenn ich Zahlen nenne wie: Deutschland hat zwölf Millionen Menschen, die in Armut leben, weil sie arbeitslos oder Niedriglöhner sind. Aber diese Zahl beeindruckt ebenso wenig wie jene, die besagt, dass es mehr als 3,5 Millionen arme Kinder in Deutschland gibt, Tendenz steigend. Kann es sein, dass das ewige Mantra, den Deutschen gehe es gut, Deutschland sei ein reiches Land, seine Wirkung zeigt?“

Ein Leserbrief aus Sigmarszell: „Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt täte gut daran, den Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die zusammen mit vielen Bauern gegen die Agrarindustrie demonstrieren und vor den Folgen der Massentierhaltung warnen, genau zuzuhören. Es geht immerhin um die Bewahrung der Lebensgrundlagen in Deutschland, in Europa und weltweit, denn die Agrarindustrie hat das Potenzial, Boden, Wasser, Klima und die bäuerliche Landwirtschaft zu vernichten. Weitere Anreize zur Produktionssteigerung durch noch mehr Tierfabriken und noch höhere Zuchtleistungen sind ein eklatanter Widerspruch zum versprochenen Ziel, die Probleme der Bauern und des ländlichen Raumes zu lösen. Schmidt scheint ganz auf der Linie des Bauernverbands, der die Interessen der Agrar-Konzerne vertritt, eine katastrophale Entwicklung in Kauf zu nehmen.“

Ein Leserbrief aus Hildesheim: „Die polnische Pis (Partei für Recht und Gerechtigkeit) bastelt sich einen autoritären Staat zurecht, der mit unseren Vorstellungen von parlamentarischer Demokratie nichts zu tun hat. Das ist ein Rückfall in die Vergangenheit und ein Verlust an politischer Kultur. Zwar läuten die Alarmglocken in Brüssel, aber sie läuten nicht laut genug. Polen ist immerhin einer der großen Empfänger von EU-Strukturhilfen. Die jetzige polnische Regierung stellt nicht nur die demokratischen Grundprinzipien der EU in Frage, sie verweigert sich auch der europäischen Solidarität in der Flüchtlingskrise. Wie kann eine solche Regierung erwarten, dass die europäischen Staaten sich ihr gegenüber solidarisch zeigen und sie finanziell unterstützen? Sollten die Spannungen zwischen Russland und dem Westen tatsächlich einmal zunehmen, wer wäre bereit ein nationalistisch und autoritär geführtes Polen zu verteidigen?“

Ein Leserbrief aus Rheinberg: „Patriarchalische, monotheistische Religionen zementieren grundsätzlich Männermacht. Immer! Wenn nämlich Gott ein Mann ist (und auch ständig so dargestellt und gedacht wird), fühlt sich dann nicht im Umkehrschluss der Mann als Gott? Diese Vorstellung scheint überall auf der Welt mehr oder weniger tief zu sitzen, selbst noch bei religionsfernen Gruppen. In eine wirklich aufgeklärte, tolerante, friedliche und demokratische Gesellschaft passt diese Männermacht einfach nicht mehr. Nirgendwo auf der Welt!“

Ein Leserbrief aus Schlehdorf: „Das war offensichtlich ein Flashmob Irgendwelche Asylbewerber sind auf die Idee gekommen, an Silvester Randale zu machen, Feuerwerke zu zünden und Frauen anzugrabschen (die Diebstähle waren wohl eher Gelegenheiten), kurz: die Sau rauszulassen. Diese Idee haben sie über Smartphone an andere arabische junge Männer geschickt, die sie wiederum weiterverbreitet haben. Sexuell frustriert, in der Warteschleife des Asylantrags (es könnte sich aber auch um nicht registrierte Migranten handeln) und in muslimischen Gesellschaften aufgewachsen (aber nur selten fromme Moslems), haben sie ihre zivilisierten Manieren für eine Nacht fallen gelassen. Und sich in letzter Konsequenz an denen vergriffen, die sie am meisten begehren und mit den geringsten moralischen Bedenken abgreifen können: nichtmuslimische junge Frauen ohne männliche Begleitung.
Erste Maßnahme zur Verfolgung bzw. Verhinderung weiterer solcher Aktionen wäre der Einsatz der viel gescholtenen Vorratsdatenspeicherung, die eigentlich für organisiertes Verbrechen gedacht ist. Sie dürfte sich am besten zum Aufspüren der beteiligten Personen eignen. Diesen sollte das Handy für beispielsweise eine Woche abgenommen werden – eine ziemlich gravierende Strafe für Menschen, die ständig mit ihrer fernen Familie oder nahen Freunden kommunizieren.“

Ein Leserbrief aus Wiesbaden: „Wie kann es sein, dass so viele Brandstifter unerkannt bleiben? Brüsten sie sich wirklich nirgends ihrer Taten? Wissen die Nachbarn wirklich so wenig? Rund zwei Drittel der Taten bleiben unaufgeklärt. Wie sieht dieses erschreckende Ergebnis bei ’normalen‘ Brandanschlägen aus? In wie viel Prozent der fremdenfeindlich motivierten Brandanschläge lag der Brandherd im Dach oder Obergeschoss?“

Ein Leserbrief aus Rheine: „Ich klopfe mir immer wieder selbstgefällig auf die viel zitierte Schulter, denn ich gehöre zu den wenigen Menschen in Deutschland, die absolut nichts, aber auch gar nichts glauben, was gemeldet wird und gewisse Relevanz – in welcher Form auch immer – besitzt. Insbesondere wenn es um Geld oder politische Macht geht, wird in Deutschland (andernorts auch, aber wir sind nun mal in Deutschland) gelogen, dass sich die Balken biegen. Speziell Fußball ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr ‚die schönste Nebensache der Welt‘, sondern überall da, wo Geld im Spiel ist, ist Lug und Trug an der Tagesordnung. So auch im Fußball.“
Die Feuilleton-Redaktion schlug vor, diesen Text als Der Absolute Leserbrief auszuzeichnen; er könne einmal im Monat abgedruckt werden, wobei die Exempel – hier ist es Fußball – nach der Aktualität wechseln müssten: Beate Tschäpe oder der Balkan, Donald Trump oder der Euro, Helene Fischer oder das Weltklima und so fort. Was gerade absteht.
Der Chefredakteur lehnte ab: Man dürfe die Leserbriefschreiber nicht veräppeln; sie seien besonders treue Abonnenten.

Ein Leserbrief aus Celle: „Siebzig Jahre Deutschland ohne Krieg! Das sind ja zwei Generationen! Da fangen ja die Waffenhändler an zu maulen! Die >Krake Weltkrieg< wurde immer durch Beistandspakte gefüttert. Hat Frau von der Leyen vielleicht im Geschichtsunterricht gefehlt? Also: Auf in den Kampf nach Syrien, ist ja um die Ecke, junge Soldaten! Zurückkommen werden ein paar Leute weniger. Sie hatten die Ehre, sich vom Vaterland unter ‚die Mutter Erde‘ bringen zu lassen. Das schreibt eine 91-Jährige, die als 20-Jährige 1944 helfen musste, die durch Phosphorbomben auf Kindergröße zusammengeschmorten Leichen an einer U-Bahn-Station in Berlin zu bergen. Ich habe einfach Angst.“

Ein Leserbrief aus Riedlhütte: „Glauben die Staats- und Regierungschefs dieser Welt wirklich ernsthaft, mit ein wenig regenerativer Energiekosmetik, die im Übrigen auch nicht nur ’sauber‘ ist, sondern ebenfalls Nebenwirkungen für die Umwelt haben wird, die Welt retten zu können? Solange die Bevölkerungsexplosion auf Erden anhält, solange im großen Stil Wälder zum Beispiel für Palmöl abgeholzt werden, das dann unter anderem als ‚E10‘ im Tank und als Nutella auf dem Brot landet, solange wir massenhaft Billigfleisch, Billigmilch und Billigeier konsumieren, für die nicht nur die sogenannten Nutztiere lebenslänglich gequält, sondern auch das Klima enorm belastet wird, solange gefühlt jedes zweite Auto ein SUV ist – man könnte die Aufzählung ausgiebig fortsetzen – , also solange wir nicht von der Konsum- und Wachstumsideologie Abschied nehmen, wird sich nichts ändern auf der Welt. Diese ganzen Konferenzen kommen mir vor, als würde man auf eine Wand zurasen und immer mal wieder einen anderen Gang einlegen, statt stehen zu bleiben.“

Ein Leserbrief aus Tempelhof: „Den Zugewanderten muss unverzüglich deutlich gemacht werden, wie eine offene, demokratische Gesellschaft funktioniert. Ihnen muss erklärt werden, dass Religionsfreiheit Teil des Konzepts der Freiheit ist, das jedem das Recht gibt zu sagen und zu schreiben, was man will, solange man nicht zu Gewalt und anderen Straftaten aufruft. Freiheit bedeutet, dass Frauen schwimmen, arbeiten, lieben und heiraten dürfen, wie es ihnen gefällt. Freiheit bedeutet auch, dass niemand gegen Kritik und Satire immun ist. Diese Prinzipien machten Europa stark und sind auch ein Grund, warum Millionen Muslime nicht nach Ägypten oder Saudi-Arabien flüchten.“

Ein Leserbrief aus Bad Homburg: „Der unaufhaltsame Aufstieg des Lepenismus in Frankreich kann Deutschland überhaupt nicht gleichgültig sein. Denn wenn Marine Le Pen etwa in den Präsidentschaftswahlen 2017 ganz vorne liegen sollte und gar im Präsidentenamt landen würde, müsste die Bundesrepublik ihr Verhältnis zu Frankreich einer generellen Überprüfung unterziehen. Die Gründe für den Erfolg des Lepenismus haben sehr viel mit dem scharfen Kontrast zwischen den Lebensverhältnissen in den Großstädten Frankreichs und der ‚France profonde‘, also dem tiefen, kleinbürgerlich und bäuerlich geprägten Frankreich zu tun. Hinzu kommt, dass die ‚republikanische Idee‘ in ihrer jakobinistisch-zentralistischen Ausformung sich immer mehr als eine Art Selbstverblendung erweist. Die Unfähigkeit, große Teile der in Frankreich lebenden muslimischen Bevölkerung zu integrieren, ist allerdings ein Manna für Marine Le Pen. Alles in allem ist es aber doch eher unwahrscheinlich, dass ein Frankreich unter Marine Le Pen aus der EU austreten würde, eher schon aus dem Euro.“

Ein Leserbrief aus Gladbeck: „In Anbetracht der progressiven Erderwärmung, die Naturkatastrophen wie immer heftiger werdende Unwetter und häufiger auftretende Dürren sowie einen permanenten Anstieg des Meeresspiegels nach sich zieht, sollte die Einleitung einer neuen Epoche angesagt sein. Die Prioritäten wären eindeutig anders zu setzen: erheblich weniger Materialismus – stattdessen weitaus mehr Umwelt- und Klimaschutz. Ein dahin gehender Mentalitätswandel ist sowohl national als auch global dringend erforderlich. Einen hohen gesellschaftlichen Status hätte demzufolge nicht mehr der Kapitalkräftige, sondern derjenige, der sich für den Erhalt unseres Lebensraumes einsetzt.
Zudem müssten, ebenfalls weltweit, geeignete umwelt- und klimaschutzfreundliche Maßnahmen in sozialverträglicher Ausgestaltung unbedingt zur Norm werden. Jede Umweltsünde hingegen sollte zulasten des Betreffenden zu einer extrem ehrenrührigen Angelegenheit werden, selbstverständlich versehen mit einer konsequenten strafrechtlichen Verfolgung. Die Nachwelt begehrt erst in zweiter Linie die Hinterlassenschaft von Materiellem, prioritär jedoch die eines intakten Lebensraumes.“

Ein Leserbrief aus Oberursel: „Das Problem, dass Verhandlungen jedweder Art, nicht nur die gegen die Erderwärmung, hauptsächlich von Männern dominiert werden, ist leider allgegenwärtig. Solange auch hierzulande die obersten Bundesbehörden großenteils frauenbefreite Zonen bleiben, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Das novellierte Bundesgleichstellungsgesetz, nach dem für jede Führungsebene konkrete Zielvorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils vorgesehen sind, ist der Regierung wohl nicht besonders umsetzungsrelevant. Dazu passt, dass Deutschland dem Entwurf des Europäischen Kommission von 2012, nach dem ab 2020 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratspositionen in börsennotierten Unternehmen mit dem ‚unterrepräsentierten Geschlecht‘ besetzt sein sollten, nicht zustimmen will.“

Ein Leserbrief aus Warstein: „Nicht jeder gute Fußballspieler ist charakterlich geeignet für höhere Aufgaben in der Gesellschaft. Dies gilt auch für Franz Beckenbauer. Ich denke mir, dass nur Analphabeten etwas blind unterschreiben. Da dies die angebliche Lichtgestalt Beckenbauer nicht ist, sagt er meines Erachtens nicht die Wahrheit. Ich habe schon 2006 den damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, stark kritisiert, dass er Franz Beckenbauer den Landesverdienstorden von Nordrhein-Westfalen verliehen hat. Meine damalige Forderung war: keine Orden an Steuerflüchtlinge. Meine heutige Forderung an Franz Beckenbauer ist: Geben Sie den Orden zurück und beenden Sie ihr Schweigen in der Debatte über den Stimmenkauf zur Erlangung der Fußballweltmeisterschaft.“

Ein Leserbrief aus Burladingen: „Ständig reiht sich ja eine ‚Bedrohung‘ an die nächste. BSE. Ebola, Schweine- und Vogelgrippe, Wirtschaft-, Banken-, Griechenlandkrise; Terroranschläge, wie jetzt, und Kriege weltweit. Medien schlachten diese nicht aufhören wollende Folge von teils grausamen Ereignissen oft wochenlang aus. Unser ‚Innerstes‘ muss dann irgendwie damit zurechtkommen, was oftmals misslingt. Übrig bleiben diffuse Ängste.
Egal welche Auslöser ‚Schwarmängste‘ innerhalb unserer Gesellschaft bewirken, es gibt immer Einzelne, Lobbys, Unternehmer und Politiker, die sich diese Ängste ohne Scham zu Nutze machen. Angst lähmt unsere Denkfähigkeit, und sie lenkt unser Volk auch ganz erheblich von anderen Themen ab (wie zum Beispiel Kürzungen im Sozialbereich). Somit nützt sie auch Regierenden und ‚Mächtigen‘ im Land. Grippe- oder andere Viren nützen auch der Pharma-Industrie, Kriege den Waffenhändlern und Legionären, marode Banken den Aktionären und Boni-Managern, weniger Rente indirekt den Reichen, weit überzogener Abbau von Grundrechten mit Bezugnahme auf ‚Terror‘, wie jetzt in Paris wohl geschehen wird, fördert autoritäre Strukturen. Wem diese letztendlich nützen, weiß man wohl.“

Ein Leserbrief aus Köln: „Seit Tagen höre ich vorwiegend Klassik Radio, einen Sender, den ich sonst im Traum nicht einschalten würde. Seit Tagen denke ich darüber nach, warum ich die Reportagen und Berichte über die Attentate in Paris und ihre Folgen nicht ertragen kann. Und dann geht auf einmal Musik aus den ‚Tributen von Panem‘ über den Äther, und ich denke: Genau das ist es, was ich nur grauenhaft finde – mit Pathos die eigene Befindlichkeit zelebrieren und den Feind draußen im Gebüsch suchen oder wo immer er mir auflauern mag. Eine Vernetzung von außen und innen findet einfach nicht statt. Und so beleuchten wir unsere Gefühle von Angst und Bedrohung, lassen zu, dass wir in den Nachrichten schauerlich bedient werden, und fragen nicht nach den Gefühlen von Demütigung und Erniedrigung, die unsere Politik in anderen Teilen dieser Erde, oft auch im eigenen Land, auslösen.
Vielleicht haben die ‚Tribute von Panem‘ deshalb so durchschlagenden Erfolg: Sie beschwören eine Wertegemeinschaft, die immer da zusammenhält, wo es ums eigene Überleben geht, und die nur durch permanente Ausgrenzung funktioniert. Und so bleibt auch bei den meisten Journalisten in diesen Tagen das draußen, was diese innere Befindlichkeit vernetzt mit der Außenwelt. Das wäre mal Globalisierung at its best!“

Ein Leserbrief aus Buchholz: „Diese Terroranschläge sind weder ein Angriff auf unsere Demokratie noch auf unsere Offenheit. In erster Linie sind sie die Antwort auf die französische Einmischung in Mali und in Syrien. In beiden Ländern haben die übermächtigen Kampfflugzeuge den Terrorstaat das Fürchten gelehrt. Mit Religion haben sie so viel zu tun wie der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima mit dem Christentum.
Auch wenn wir wenig davon mitbekommen: Frankreich befindet sich in diesen Ländern im Krieg. Erst vor wenigen Wochen töteten französische Bomben innerhalb von wenigen Minuten in Syrien mindestens 30 IS-Dschihadisten. Aber es ist immer leichter, einen simplen Zusammenhang herzustellen. Wer Terrorismus effektiv bekämpfen will, muss ihm den Teppich unter den Füßen wegziehen. Ohne die Fehlpolitik im Irak nach der amerikanischen Invasion und in Syrien mit dem grausamen Assad-Regime wären wir sicherer gewesen. Immerhin agiert Frankreich gegen den Terrorstaat. Dass Terrororganisationen sich aber nicht aus der Luft besiegen lassen, sollten wir aber doch langsam kapiert haben.“

Ein Leserbrief aus Münster: „Ein Großteil der allein oder zu zweit in Deutschland ankommenden syrischen Flüchtlinge, gerade der Jugendlichen und jungen Männer, ist von ihren Familien hierher geschickt worden, um nach ihrer Anerkennung als Bürgerkriegsflüchtlinge ihre Familienangehörigen nachzuholen. Dabei zeigt sich, dass die Syrer über die Gesetze in Deutschland bestens informiert sind, auch dass
Jugendliche es besonders leicht haben, als schutzbedürftige Flüchtlinge anerkannt zu werden. Es handelt sich hier also um eine strategisch geplante Einwanderung nach Deutschland, nicht um eine Flucht vor Bürgerkrieg. Letztere hat lange vorher in ein Nachbarland Syriens stattgefunden, wo Syrer vor dem Bürgerkrieg sicher waren und sind.“

Ein Leserbrief aus Fürth: „Syriens Präsident Baschar al-Assad muss weg – und alles wird gut in Syrien: So lautet die moralisch einwandfreie öffentliche Meinung. Bei allem Unbehagen über das Assad-Regime: Die Konsequenzen müssen realistisch gesehen werden. Die Strukturen in seinem Machtbereich zerfallen. Die völlig zerstrittenen sogenannten moderaten Milizen, auf die unglücklicherweise die USA setzen, können das Machtvakuum nicht ausfüllen, Minderheiten, wie Alawiten, Christen, Schiiten, wären endgültig schutzlos dem IS ausgeliefert. Kein westlicher Staat will im Moment ja Bodentruppen schicken. Allmählich scheint sich die Erkenntnis in der Diplomatie durchzusetzen: Syrien braucht Stabilität. Auch wenn dazu übergangsweise Assad im Boot sitzt. Ideologien und Machtspielchen müssen zurücktreten. Im Interesse der Menschen, gleich welcher Ethnie und Religion. Letztlich hat ein stabiles und unabhängiges Syrien Vorteile für alle beteiligten Staaten.
Nur schade, dass dies erst nach vielen vertanen Jahren ernsthaft angegangen wird. Und erst nachdem uns die Flüchtlinge die Bude einrennen. Und was geschieht mit dem ‚Rest‘ des Nahen und Mittleren Ostens?“

Ein Leserbrief aus Göhrde: „Ich komme gerade von einem ärztlichen Einsatz aus Banjkateri in Westnepal zurück und habe das Land in einem wirtschaftlichen Chaos versinken sehen. Aufgrund des Grenzboykotts nach Indien (Nepal importiert einen Großteil seiner Güter aus Indien) gab es in ganz Nepal kein Öl, vor den Tankstellen standen Hunderte Fahrzeuge zum Teil mehrere Tage lang. Kathmandu war totenstill, die Stromausfälle waren noch länger als sonst, Krankenhäuser mussten wegen Medikamentenmangels schließen. Ausländische Flugzeuge wurden nicht mehr betankt. Die Trinkwasseraufbereitung begann schwierig zu werden. In den Restaurants gab es nur noch einige einfache Gerichte, da kein Gas zum Kochen da war. Ursache des Ganzen: In der vor ungefähr fünf Wochen neu verabschiedeten Verfassung fühlte sich die im Teral an der Grenze zu Indien lebende Bevölkerungsgruppe nicht ausreichend berücksichtigt und boykottierte die Grenzübergänge. Inwieweit Indien eine Rolle spielt, ist umstritten.“

Ein Leserbrief aus Stockach: „Es wirkt, als hätte unsere Regierung ‚aus Versehen‘ Rüstungsgüter in den Golfstaat Katar geliefert. Ich frage mich: Was haben wir in Deutschland denn für ein Kriegswaffenkontrollgesetz, das veränderte politische Rahmenbedingungen nicht vorab mit einbezieht? Für mich trägt in jedem Fall sowohl die ehemalige als auch die aktuelle Regierung bis ins oberste Glied die Verantwortung. So etwas kann nicht einfach auf andere Ebenen delegiert werden. Statt der Türkei Wohltaten zur Linderung der Flüchtlingskrise auch in Form von Geld zu versprechen, hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auch den Schadensersatz an die Firma Kraus-Maffei Wegmann zahlen können. Wie schön wäre es, wenn Rüstungsfirmen ihre Mitarbeiter für friedliche und den Menschen zum Wohle dienende Zwecke – im Sinne einer Konversion – ‚umrüsten‘ würden. Die Verbindung von Rüstungsgütern, die auch von Deutschland aus in nicht zweifelsfrei friedliche Länder gehen, und Flüchtlingsströmen in unser vermeintlich friedliches Land sind ja offensichtlich. Es gibt tatsächlich viel zu tun, um künftigen Mitbürgern, die durch Flucht zu uns kommen, in die Augen schauen zu können.“

Ein Leserbrief aus Jülich: „Man scheint es nicht wahrhaben zu wollen, dass es die Falken in der US-Administration nach dem nach den 18-monatigen Geheimverhandlungen erreichten ‚Tauwetter‘ zwischen den USA und Kuba jetzt auf einen Regime-Change à la ‚arabischer Frühling‘ in Kuba angelegt haben. Zuerst korrumpiert man die Unzufriedenen des jeweiligen Landes mit höheren Gehältern zu subversivem Journalismus, um damit aus den begrenzten Möglichkeiten ihres Heimatlandes aussteigen zu können, und danach mit Waffen und militärischem Training.
Und dies alles, nachdem man es mit völkerrechtswidriger Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade nicht geschafft hat und nachdem man den Kubanern den Zugang zu den nahe vor der Küste verlaufenden Untersee-Internetkabeln verweigert hat, so wie man es auch mit Terroranschlägen auf seine Inselbevölkerung und auf Touristeneinrichtungen versucht hat, die von U.S.-Boden ausgingen, um die Insel in die Knie zu zwingen. Die Kubaner brauchen nur nach Haiti zu blicken, um zu sehen, was ihnen blüht, wenn sie ihre revolutionären Errungenschaften ausgeben.“

Ein Leserbrief aus New York: „Ich gebe als Historiker hier Lehrveranstaltungen zum europäischen Faschismus und zur Geschichte des Antisemitismus, und auch manche meiner amerikanischen Studenten fragen nach Gründen für die Dinge, die sie im Fernsehen oder im Internet über die Pegida-Demonstrationen und ihre Begleiterscheinungen verfolgen.
Zu vielen Dingen, die ich dazu sagen muss, gehört auch, dass ich vor 25-26 Jahren in Leipzig und zum Teil auch in Dresden Teil der sich radikalisierenden Demonstrationen wurde, in denen nicht nur ein sofortiger Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gefordert wurde. Ich sah auch Demonstranten mit Galgen, an denen aber damals Köpfe von Erich Honecker, Hans Modrow und Gregor Gysi hingen – gegen Gysi gab es zudem Schmährufe wegen seiner jüdischen Herkunft. Oft waren es sehr junge Leute, die solche Galgen trugen und entsprechende Losungen skandierten. Nicht alle, aber wohl doch manche von ihnen dürften heute das rechtsradikale Element bei Pegida-Demonstrationen bilden.
Ich frage dann meine Diskussionspartner in New York, ob Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Verachtung demokratischer Werte nicht auch mit Antisozialismus Hand in Hand gehen? Die Brandsätze, die in Sachsen heute gegen Parteibüros der Linken wie der SPD geschleudert werden, haben wohl doch eine Vorgeschichte. Oder irre ich mich?“

Ein Leserbrief aus Leimen: „Dass Frau Merkel zwei Gesichter hat, die unterschiedlicher nicht sein können, ist aufmerksamen Politikbeobachtern nicht verborgen geblieben. Wie lässt sich beispielsweise ihre gegenüber Flüchtlingen offenherzige Haltung trotz der durch den nach wie vor ungebremsten Flüchtlingsstrom immensen Mehrkosten für unseren Sozialstaat mit einer vom Bundeskabinett und damit unter ihrer Regierungsverantwortung abgesegneten, nur minimalen Erhöhung der bekanntlich schon seit Jahren laut nachgewiesener Berechnungen der unabhängigen Wohlfahrtsverbände nicht armutsfesten Regelsätze staatlicher Grundsicherungsleistungen für das Jahr 2016 in Einklang bringen? Auch die Kinderarmut in Deutschland bleibt nach wie vor hoch. Wären internationaler Frieden und wirksame Armutsbekämpfung für Frau Merkel wirklich ernsthafte Themen, würde sie sich für deutliche Verbesserungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge in Form eines sofortigen Stopps deutscher und internationaler Waffenlieferungen in Kriegsgebiete sowie einer Stärkung der Entwicklungshilfe inklusive der Bekämpfung und Vermeidung ihres Missbrauchs in den Empfängerländern ebenso einsetzen, wie für die armutsfeste staatliche Grundsicherungen, nicht nur bei uns in Deutschland. Auch würde sie sich in diesem internationalen Zusammenhang gegen TTIP in der aktuell vorliegenden Fassung auflehnen, denn nicht grundlos finden schließlich nicht nur bei uns in Deutschland nach wie vor öffentliche Demonstrationen gegen TTIP statt. Doch von alldem keine Spur!
Kein Wunder, dass ihre Umfragewerte zuletzt gesunken sind, denn ein solch zwiespältiges und damit unberechenbares Vorgehen ist weder glaubwürdig noch zielführend.“

Ein Leserbrief aus Neumünster: „Da haben sie alle schön beisammengesessen und schön getrunken und gegessen und nebenbei von einer schöneren, besseren Welt geträumt. Und alle haben sich vorgestellt, wie schön die Welt sein könnte, wenn in nur zehn bis fünfzehn Jahren unsere geschundene Welt plötzlich in ein Paradies verwandelt sein wird. Und dann haben sie der schönen Liste ihrer schönen Ideen zugestimmt und reisen schön und selbstzufrieden nach Hause – denn es muss sich ja Gott sei Dank niemand verpflichtet fühlen. Gut, dass sie mal drüber geredet haben.
Und alles geht schön weiter wie bisher. Eigentlich wie bei den vorangegangenen Gipfeltreffen. Wie oft müssen wir uns noch für dumm verkaufen lassen?
Wann kommen unsere Politiker endlich mal in der Realität an und begreifen, dass der Wachstumszug und die Ausbeutung sowohl der Erde wie auch der Menschen so nicht mehr zu bremsen sind?
Hat man nur die unrealistischen Ziele gesteckt oder gibt es auch einige realistische Lösungsansätze?
Und alle bemühen sich um Nachhaltigkeit. Nachhaltig ist hier allenfalls das Festhalten an bestehenden Strukturen, die unsere Welt so weit in Bedrängnis gebracht haben.“

Ein Leserbrief aus Schwabmünchen: „In Deutschland tanzen die Politik und die Umweltbehörden nach der Pfeife der Automobilindustrie. So darf sie Verbrauchs- und Abgaswerte laborähnlich unter günstigsten Bedingungen ermitteln und sie potenziellen Käufern als Alltagswerte verkaufen. Und die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß werden nach ihren Wünschen festgelegt. Ist es bei so viel legalisierter tricksender Gestaltungsfreiheit verwunderlich, dass mit krimineller Energie ausgestattete Manager bei VW glaubten, sie könnten mit US-Umweltbehörden und den politisch Verantwortlichen genauso verfahren wie mir den deutschen, und ihr Verhalten würde sogar noch gedeckt?“

Ein Leserbrief aus Mülheim: „Manchmal hilft es weiter, sich die Frage zu stellen, wem Folgendes nützt: 1.) die Destabilisierung des Nahen Ostens und Libyens durch die Zerstörung der immerhin funktionierenden Verhältnisse unter Zuhilfenahme von dreisten Lügen (Massenvernichtungswaffen im Irak), 2.) die Destabilisierung von Europa durch Erzwingen von Massenflucht von Millionen Menschen zu uns, 3.) die Destabilisierung der Anrainerstaaten von Russland inklusive der massiven Aufrüstung wegen der Eroberungssucht von ‚Moskau‘, 4.) schließlich das Embargo gegen Russland. Etwa Putin?

strong>Ein Leserbrief aus Gießen: „Im Mainstream der veröffentlichten Meinung zum Flüchtlingsstrom dominiert die Willkommenskultur. Kritische Töne und warnende Stimmen vor den sozialen Folgen für die Gesellschaft gehen unter. Der Unterschied zwischen Asylrecht und Einwanderung wird verwischt. Immer werden die großen Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt in den Vordergrund gestellt. Da heißt es dann, viele der Flüchtlinge seien gut ausgebildet und hoch motiviert. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Mehr als 50 Prozent der Flüchtlinge haben keine Berufsausbildung, nicht wenige sind gar Analphabeten. Deutschland hat zwar einen Mangel an Fachkräften, aber keinen Mangel an Ungelernten. In dieser Berufsgruppe herrscht Massenarbeitslosigkeit, jeder fünfte ist arbeitslos, jeder dritte armutsgefährdet. Ein starker Zuwachs an Hartz-IV-Beziehern ist deshalb vorhersehbar. Und Motivation zur Arbeit ist zwar eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung dafür, um eine Arbeitsstelle zu bekommen. Die Gefahr ist groß, dass viele Flüchtlinge eben nicht den von ihnen gewünschten Platz in der Mitte der Gesellschaft finden, sondern in einem abgehängten Prekariat landen werden.“

Ein Leserbrief aus Freiberg am Neckar: „Manch einer erinnert sich noch an das ‚Sommermärchen‘ der WM 2006, als ein neuer, weltoffener Patriotismus das Land überzog und unter einem schwarz-rot-goldenen Rausch begrub. Motto: ‚Die Welt zu Gast bei Freunden.‘ Da hörte man des Öfteren: Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, obwohl auch damals schon No-go-Areas in den neuen Bundesländern ausgewiesen wurden – also Zonen, die so sehr von Rechtsradikalen geprägt sind, dass sich Ausländer nicht öffentlich zeigen können, ohne gewalttätige Übergriffe zu riskieren.
Jetzt hat sich das Bild vom weltoffenen, freundlichen Deutschen zum Schlechten gekehrt. Wir vermitteln der Welt wieder die alten Ängste, die zu Kriegen und Massenmorden geführt haben. Darauf kann man nicht stolz sein. Wir müssen uns wieder für die Deutschen schämen.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Mitte: „Es kann für eine Volkswirtschaft durchaus förderlich sein, wenn der Staat für wichtige ‚gute‘ Investitionen Schulden macht, d. h. Kredite aufnimmt. Wer kann sich z. B. auch als Privatmann schon ein Haus kaufen, ohne ein Darlehen aufzunehmen? Jeder Privatmann weiß allerdings, dass er das Darlehen im Lauf der Jahre wieder zurückzahlen muss, und zwar so lange, bis das Haus schuldenfrei ist.
Im staatlichen Bereich ist das offensichtlich anders: Hier liegt das Problem in der mangelnden Bereitschaft, die Schulden wieder abzubauen. Selbst in Zeiten wie den jetzigen, in denen die Steuereinnahmen sprudeln wie selten, meint der Finanzminister stolz darauf sein zu dürfen, die Neuverschuldung nicht ansteigen zu lassen (’schwarze Null‘). Eine Schuldenreduzierung scheint außerhalb seines Denkhorizonts zu liegen.
Bisher haben die Staaten, wenn ihre Schulden ein untragbares Maß angenommen hatten, das Problem immer durch eine mehr oder weniger große Inflation (welche die alten Schulden, aber auch den Wert des ’neuen‘ Geldes im Laufe der Jahre stark entwertet) oder durch eine Währungsreform ‚gelöst‘. Das ist in Deutschland derzeit zwar nicht absehbar, aber was in zehn oder zwanzig Jahren ist, bleibt abzuwarten.
Die Leidtragenden sind in beiden Fällen (Inflation und Währungsreform) die armen Leute, die ihre Ersparnisse in Geld angelegt haben: Sie trifft die Entwertung in vollem Umfang. Reiche Leute hingegen, die ihr Vermögen in Immobilien, Aktien oder Gold angelegt haben, bleiben weitgehend ungeschoren. Darin liegt das eigentliche Problem.“

Ein Leserbrief aus Quickborn: „Seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahre 1974 ist es keiner griechischen Regierung gelungen, Strukturen für ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. Griechenland hängt seit seinem Eintritt im Jahre 1981 am Tropf der EU. Selbst große Summen aus dem EU-Strukturfonds haben ihren Adressaten verfehlt und sich in dubiosen Kanälen in Luft aufgelöst. Vetternwirtschaft, Korruption und Steuervermeidung prägen noch heute den Alltag in Griechenland. Die Einführung des Euros im Jahre 2001 wurde mit gefälschten Daten erreicht, und in der Folgezeit wuchs die Schuldenlast dieser kleinen Volkswirtschaft von Jahr zu Jahr. Erst die Finanzkrise 2008 hat das Ausmaß dieser selbst verschuldeten griechischen Tragödie aufgedeckt.
Nein, nicht Wolfgang Schäuble muss sich ändern, sondern die Mentalität
vieler Griechen, die sich trotz obiger Fakten gern als Opfer sehen. Griechenland umzubauen ist eine Generationsaufgabe und kann nur mit Hilfe von außen gelingen. Mit der jetzigen Vereinbarung ist ein Anfang gemacht, aber es bedarf eines langen Atems aller Beteiligten, speziell bei der Umsetzung wichtiger Strukturreformen.“

Noch ein Leserbrief aus Mörfelden-Walldorf: „Das Leben Jesu bestand unter anderem darin, die Bedeutung des menschlichen Erdenlebens zu relativieren – zugunsten eines ewigen Lebens, welches über die Endlichkeit der kurzen Lebensepisode auf Erden hinausgeht. Das ist eine radikale Botschaft und passt in der Tat so gar nicht zum vorherrschenden Zeitgeist. Der Zeitgeist konzentriert sich völlig auf das Hier und Jetzt. Unter diesen Umständen bleibt für eine Kirche wenig Raum, es sei denn als verweltlichte Institution, die agiert und funktioniert wie eine von vielen. Oder sie schlägt den Weg der evangelischen Kirche ein und bringt sich in die Tagespolitik ein und sieht ihre Hauptaufgabe darin, für eine gerechtere Welt (im Hier und Jetzt) zu kämpfen. Aber da ist man auch wieder eine Institution unter vielen. Die Lehre von Jesus war jedoch einzigartig, radikal, kompromisslos.“

Ein Leserbrief aus Mörfelden-Walldorf: „Wütende Bauern sperren Landesgrenzen, wütende Taxifahrer demolieren Autos und entzünden Feuer auf der Straße. Der linke Staatspräsident lädt darauf alle zum Gespräch, äußert Verständnis und ruft alle Franzosen auf, im Sinne patriotischer Bürgerpflicht, nur französische Produkte zu kaufen. So geht Frankreich. Undenkbar in Deutschland. Die Nummer mit dem Patriotismus könnte sich kein deutscher Politiker erlauben, ohne als europafeindlich bis latent rechtsextrem gebrandmarkt zu werden. Vom Feueranzünden und Autodemolieren mal abgesehen, würde ein Tick vom revolutionären und gleichzeitig nationalistischen Charakter der Franzosen den Deutschen vielleicht ganz guttun.“

Ein Leserbrief aus Regenstauf: „Ich bin katholischer Pfarrer, jetzt im Ruhestand (73), und war 35 Jahre Pfarrer in Kohlberg bei Weiden in der Oberpfalz, dem Wahlkreis von August Lang.
Als es 1985 mit der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf konkret wurde, haben mich Bekannte aus dem Arbeitskreis ‚Theologie und Kernenergie‘ in Regensburg gebeten, mich doch auch im Widerstand zu engagieren. Ich weigerte mich zunächst, da ich ja kaum eine Ahnung von Chemie und Physik hatte.
Eines Tages bot Gustl Lang Sprechstunden im Zottbachhaus an. Ich dachte mir, bevor du dich öffentlich zur WAA äußerst, gehst du zu lang und informierst dich. Er ist ja christkatholisch und gescheit, da er – wie wir später sagten – ‚Allzweckwaffe‘ von Franz Josef Strauß ist. Mich hat dieser Mann bis dahin beeindruckt; ich war ja ’schwarz‘ wie die Nacht groß geworden wie viele Oberpfälzer. 1969, als die SPD an die Macht kam, war ich in die CSU eingetreten, um zu verhindern, dass wir von den Roten an Moskau ausgeliefert werden.
Eine halbe Stunde war ich bei August Lang in der Sprechstunde, wollte ihn näher kennenlernen und auch seine Argumente für die WAA erfahren. Ich brauchte nicht viel zu sagen, lehnte mich zurück und hörte ihm zu. Zwischendurch klopfte er mir auf die Schulter und sagte: ‚Hams a gourde Haushälterin, Herr Pfarrer, kochts Ihnen gourd.‘
Nach einer halben Stunde wusste ich, dass ich mich auf einen solchen Mann nicht verlassen kann und dass ich mich in Sachen WAA engagieren muss.
Lang sagte einmal: ‚Wenn die WAA nicht in der Oberpfalz gebaut werden kann, dann kann sie nirgends gebaut werden!‘ Er hat recht behalten.“

Ein Leserbrief aus Leimen: „Der durch den Straßenbau primär geförderte motorisierte Individualverkehr ist doppelt schädlich: in Bezug auf den Klimawandel und weil er einkommensschwache Menschen in der Regel ausschließt – denn ein eigenes Kraftfahrzeug, um neue oder nach Renovierung wieder befahrbare Straßen nutzen zu können, muss für den Einzelnen wirtschaftlich erschwinglich sein.
Der öffentliche Personennahverkehr, der insbesondere auch in Bezug auf den Klimawandel vergleichsweise umweltfreundlich ist und bislang auch für einkommensschwache Menschen dank regionaler Sozialticketangebote oftmals vor Ort noch erschwinglich ist, soll hingegen bundespolitisch deutlich beschnitten werden: Gutachten im Auftrag des Bundes und der Länder zeigen, dass der Sanierungsbedarf für die Infrastruktur im kommunalen Nahverkehr inzwischen auf vier Milliarden Euro angewachsen ist; jedes Jahr kommen weitere 330 Millionen Euro dazu. Statt – wie in dieser Situation erforderlich – zusätzliche Mittel für den ÖPNV bereitzustellen, sollen die für den kommunalen ÖPNV so wichtigen Bundesmittel nach dem sogenannten Entflechtungsgesetz, nach dem bisher pro Jahr 1,335 Milliarden Euro für den ÖPNV bundesweit bereit gestellt werden, Ende 2019 auch noch wegfallen.
Fahrpreiserhöhungen in der erforderlichen Größenordnung werden vermehrt zu sozialer Selektion der Fahrgäste auch im ÖPNV führen, das heißt einkommensschwache Menschen werden dann auch bezüglich ihrer Mobilität endgültig gesellschaftlich abgehängt.“

Ein Leserbrief aus Marienfelde: „Das Nafta-Abkommen hat mit seinen Folgen schon bewiesen, wie verheerend sich solche Vereinbarungen auf die breite Bevölkerung auswirken. Die großen Konzerne haben klotzig profitiert, aber Normalbürger und der Mittelstand in den USA, in Kanada und Mexiko waren hart von Nachteilen betroffen, und die Arbeitslosigkeit ist gestiegen.
Neulich las ich den Ausspruch von Heinrich Laube: ‚Die Menschheit hätte alle Möglichkeiten, wenn sie nur die Möglichkeit hätte, die Macht der Beschränkten zu beschränken.‘
Für die Hardliner wird es ein Pyrrhussieg werden, denn wenn die Bevölkerung verelendet, kann sie nichts Teures mehr kaufen, an dem man verdienen will. Die dramatische Entwicklung bei solcher Schieflage ist seit Jahrhunderten bekannt. Damals hatte der Wissenschaftler und Theologe Johann Peter Süßmilch im Auftrag des Alten Fritz, dem am gedeihlichen Wachstum der Bevölkerung gelegen war, erforscht und herausgefunden, dass die Gesellschaft sich am besten entwickelt, wenn die Reichtümer eines Landes nicht zu ungleich verteilt sind. Verhängnisvoll war dementsprechend z. B. auch die Agenda 2010 von Gerhard Schröder. Was können wir tun? Ein unschätzbarer Wert ist das Anprangern dieser Missstände. Uns fehlt jetzt eine umfassende Organisation Gleichgesinnter weltweit. Ideales Instrument wäre das Internet. Aber auch die Tageszeitungen können die Menschheit umfassend über die wachsende Gefahr informieren und sie auf die Notwendigkeit des Zusammenwirkens hinweisen.“

Ein Leserbrief aus Sursee, Schweiz: „Gerade als Schweizer Bürger ist mir die direkte Demokratie ein Anliegen, und ein demokratischer Volksentscheid ist zu akzeptieren, dies gilt auch für das griechische Oxi. Trotzdem bleibt die Frage, was hat die Mehrheit in Griechenland überhaupt entschieden? In der Interpretation scheiden sich die Geister. Ist es ein Votum für den Alleingang, also für den Grexit, oder ist es die generelle Absage an die Sparpolitik? Und wenn es ein Nein zur Sparpolitik ist, was erhoffen sich die Griechen? Letztlich hängt das Land am Tropf der anderen Geldgeber aus der EU, egal, ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht. Die Griechen haben also entschieden, dass sie in Abhängigkeit unabhängig sein wollen. Ob dieser Entscheid das Verhandlungsmandat von Premierminister Tsipras gegenüber EU-Staaten tatsächlich stärkt, ist zu bezweifeln. Objektiv betrachtet bleibt Griechenland abhängig von weiteren Krediten der EU. Der Referendumsentscheid dürfte sich darum im griechischen Alltag alsbald als Pyrrhussieg erweisen. Denn in der Realität des einzelnen Griechen hat sich mit dem Entscheid nichts verbessert. Die EU wird in jedem denkbaren Szenario helfen und auch helfen müssen, aber sie kann und wird sich von der griechischen Regierung nicht erpressen lassen.“

Ein Leserbrief aus Köln: „Dieser Schulsport macht uns krank! Körper in gute und schlechte, in leistungsfähige und nicht leistungsfähige einzuteilen und zu benoten, ist menschenverachtend, passt allerdings prima in das kapitalistische Leistungssystem. Anstatt den jungen Leuten Lust an der Bewegung zu vermitteln, werden sie mit überkommenen pädagogischen und militaristischen Inhalten aus dem 19. Jahrhundert gequält. Dabei heißt es in den Lehrplänen, die Schüler zum und durch Sport zu erziehen. Über die Hälfte der Bundesbürger treibt überhaupt keinen Sport, bewegungsbedingte Erkrankungen haben ein Rekordhoch erreicht. Schuld ist in der Hauptsache der Sportunterricht! Wann werden diese sogenannten Pädagogen, die willfährig über Gedeih und Verderb von Gesundheit entscheiden, endlich öffentlich zur Verantwortung gezogen und selbst einmal benotet. Wann werden sich Eltern endlich die Mühe machen, Sportunterricht zu begutachten?

Ein Leserbrief aus Münster: „Sicherlich besteht ein volkswirtschaftliches Interesse an dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums im herkömmlichen Sinn. Doch sind sowohl die StudentInnen als auch die SchülerInnen nicht nur wirtschaftliche Akteure, und Erfolg ist nicht immer mit wirtschaftlichem Erfolg gleichzusetzen. Die SchülerInnen, die ihr Abitur unter der Reform G8 abschließen müssen, stehen von jeher unter Druck, wirtschaftlich rentabel zu sein. Sie sind gehalten, in verkürzter Zeit einen Zettel mit der Aufschrift ‚Abiturzeugnis‘ in den Händen zu halten, und sollen sich trotz der ihnen gestohlenen Zeit immer früher auch schon beruflich orientieren. Wo bleibt da das Moratorium Schule als Ort, an dem sich ausprobiert werden kann, an dem quergedacht werden kann. Und wo bleibt der Ort, wenn die Universität es auch nicht bietet? Wenn die Schule nur noch als Ort der Berufsorientierung gedacht wird, stellt sich mir die Frage, an welchem Ort dann die Reflexion der eigenen Individualität steht, die der Berufsorientierung vorausgeht.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Wannsee: „Vom Standpunkt des älteren und gelegentlich gangunsicheren Fußgängers, dessen Wahrnehmungsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen infolge innerer Probleme (irgendwo zwickt es immer) eingeschränkt ist, und der Geräusche insbesondere ‚von achtern‘ schlecht hört, stellt der Fahrradverkehr bereits in seinem jetzigen Umfang eine ernst zu nehmende Bedrohung dar. Beispiel 1: Wie inzwischen sogar polizei-amtlich bemerkt, hat die Anzahl der Autofahrer, die noch bei Dunkelgelb statt auf die Bremse aufs Gaspedal treten, dramatisch zugenommen. Dieses Verhalten ist zwar kriminell und sollte stärker geahndet werden, gegen die Folgen kann man sich jedoch einfach schützen, indem man bei Grün einige zehn Sekunden wartet, bevor man die Fahrbahn betritt, dann ist die Gefahr durch Autos i. A, vorbei. Radelnden Rotsündern (inzwischen Mainstream) ist man dagegen zu jeder Zeit hilflos ausgesetzt. ‚Vor dem Gesetz sind alle gleich‘ – gilt dieser rechtsstaatliche Grundsatz nicht im Straßenverkehr?
Beispiel 2: Auf (reinen) Gehwegen ist der Fußgänger vergleichsweise sicher vor (fahrenden) Autos, nicht aber vor Radlern. In letzter Zeit ist es nur einmal vorgekommen, dass mich ein Auto an einer Ausfahrt zum Stehenbleiben zwang: mit Radlern kam es zu einem halben Dutzend solcher Zwischenfälle – von der Häufigkeit, von einem von hinten kommenden Radfahrer, den ich nicht gehört hatte, (s. o.) in Zentimeterabstand passiert (und erschreckt) zu werden, gar nicht zu reden.“

Ein Leserbrief aus Unna: „Hier oben im Norden der Insel Lesbos kommen die Flüchtlinge an drei Stränden/Häfen an. Es gibt keinerlei Erstversorgung durch die Behörden vor Ort, im Gegenteil: Die durchnässten, dehydrierten Menschen werden, kaum ihren armseligen Schlauchbooten entstiegen, genötigt, so schnell wie möglich die touristisch relevanten Orte wie Eftalou, Molyvos und Sikamenias zu verlassen, und zwar zu Fuß!
Sechzig Kilometer Asphaltstraße bis zum Registration Camp in Moria/Mytilini. Das ist ein dreitägiger Fußmarsch, mit Kindern und Babys und oft in Schlappen oder sogar barfuß. Warum werden die Flüchtlinge nicht dort, wo sie ankommen, versorgt? Kein Geld für ‚Neubauten‘ von der EU? In Molyvos gibt es einen sehr gut gelegenen Campingplatz mit funktionierenden sanitären Anlagen, der seit zwei Jahren nicht mehr genutzt wird. Warum die Flüchtlinge nicht hier erstversorgen? So überlässt man die dringend nötige Hilfe der einheimischen Bevölkerung, die tut, was sie kann, und sich nicht einschüchtern lässt – aber auch ihre Kräfte haben Grenzen. Das Verhalten der Behörden/der Regierung hingegen ist schikanös.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Wedding: „Viele Frauen in den meisten muslimischen Ländern müssen dort immer noch das frauenverachtende Kopftuch tragen und verstehen die europäischen Muslime nicht. Hier in Europa müssen sie nicht das Kopftuch tragen und tragen es trotzdem immer mehr. Hier ist eindeutig der Rechtsstaat gefordert und muss dem Islam in Deutschland Grenzen aufzeigen. Das hat nichts mehr mit Religionsfreiheit oder anderem zu tun. Es müsste in allen öffentlichen Gebäuden das Tragen von religiösen Symbolen verboten werden. Das gilt vornehmlich für das Kopftuch und jegliche Verschleierung. In der Öffentlichkeit muss das Tragen von Nijab, Tschador und Burka verboten werden. Wir wollen doch ein Miteinander anstatt ein Gegeneinander. Im Grunde genommen spalten Religionen nur die Menschen und ziehen tiefe Gräben zwischen ihnen.“

Ein Leserbrief aus Korschenbroich: „Wenn anlässlich dieses G-7-Treffens keine konkreten Beschlüsse zur baldmöglichsten Beendigung der Flüchtlingskatastrophe und zur wirkungsvollen Bekämpfung der Fluchtursachen beschlossen wurden, dann war diese Veranstaltung nur ein Stammtisch der Spitzenvertreter der Wirtschaft, insbesondere der Rüstungsindustrie. Nur wenn keine Waffen mehr in alle Welt mit hohen Profiten geliefert werden und auch die korrupten, undemokratischen Regierungen nicht mehr mit fadenscheinigen Begründungen unterstützt werden, dann kann eine gerechtere und friedlichere Welt geschaffen werden. Dann können alle Menschen in ihren Ländern ohne Not und Elend und auch ohne Gefahren für Leib und Leben existieren und müssen nicht mehr in Länder fliehen, welche selbst auch die weltweite Misere aus Profitgier verursachen.“

Ein Leserbrief aus Türkenfeld: „Alles lief bunt bis lustig ab und meist schweigend. Und das ist die eigentliche Bedrohung für die wenigen, die glauben, uns alle zu beherrschen, gegen uns alle Krieg führen zu müssen. Folglich drehen wir den Spieß um. Die, die Angst vor den Bürgern haben, sitzen eingesperrt im >goldenen Käfig< im kommerziellen Elmau. Denn ein Käfig ist ein Käfig ist ein Käfig. Möglicherweise haben sie übertrieben mit ihrer Macht und ihrer Ignoranz gegenüber Erde, Wasser, Luft und Kreaturen. Möglicherweise ist das der Anfang ihres Begreifens, dass sie selbst von den Falschen beraten und getrieben werden. Möglicherweise ist das der Anfang vom Ende der Einschläfermethoden der Massen durch manipulierende Medien, verführende Technologien, durch chemische Beeinflussung der Natur am Himmel wie auf Erden und Verführung der Massen durch Brot und Spiele. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber unmöglich ist die Kehrtwende nicht.“

Ein Leserbrief aus Itzehoe: „Der bayerischen Landesregierung und gewissen Landräten fehlt es offensichtlich an Demokratieverständnis. Kein Wunder in einem Land, wo Amigo-Politik und Vetternwirtschaft nur lässliche Sünden sind und die ‚Preußen‘ als unliebsame Ausländer gelten. Die Gewaltbereiten sind die Staatsoberhäupter selbst, die in Elmau zusammenkommen: In der Asylpolitik soll demnächst mit kriegerischen Maßnahmen die ‚Bedrohung‘ durch die Flüchtlinge abgewiesen werden; die atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten wird auf besonderen Wunsch der BRD neben den USA, Frankreich, Großbritannien verhindert; gegenseitiges Wettrüsten ist weiterhin angesagt; Demonstrationen der systematisch arm gehaltenen Bevölkerung zugunsten profitorientierter Multis werden gewaltsam aufgelöst und vieles mehr. Hier wird viel Steuergeld für die Zelebrierung der eigenen Wichtigkeit verschleudert. Konsequente Lösungsansätze der weltweiten Probleme darf man allerdings nicht erwarten, wie die bisherigen Veranstaltungen gezeigt haben.“

Ein Leserbrief aus Fischen: „Die Flüchtlingsdramen, die sich immer wieder im Mittelmeer abspielen, sind eine einzige Schande für das christliche Europa. Das vereinte, auf seine Werte stolze Europa war zwar bereit, marode Banken mit Milliarden Euro vor dem Untergang zu retten, es versagt aber bereits bei der Forderung nach wirksamen Maßnahmen zur Rettung von Schiffbrüchigen. Mit Worten wie ‚Wir sind nicht das Sozialamt der Welt‘ (Bayerns Ministerpräsident Seehofer) werden Flüchtlinge schon im Ansatz diffamiert, verschweigen Politiker mit Blick auf diffuse Stimmungen (Pegida) und den nächsten Wahltermin die Ursachen von wirtschaftlich motivierten Wanderungsbewegungen.
Auch hier ist Differenzierung notwendig. Sie reicht von hausgemachten Problemen und Korruption in manchen afrikanischen Eliten über mehrjährige wetterbedingte Ernteausfälle bis hin zur Außenhandels- und Exportpolitik der EU. Solange der seit Jahrzehnten betriebene subventionierte Export von Agrarüberschüssen bäuerliche Existenzen in Afrika vernichtet und europäische Fischfangflotten die Meere vor den afrikanischen Küsten leerfischen dürfen, werden Menschen weiter mit den Füßen abstimmen und versuchen, dorthin zu gelangen, wo man ihnen helfen könnte.“

Ein Leserbrief aus Tannheim: „So sehr mir die Gier der Reichen oder jener, die reich werden wollen zuwider ist, so lange unsere öffentlichen Vertreter dieser Gruppe angehören und trotzdem wieder gewählt werden, werden wir nichts Grundlegendes daran ändern. Eine untere Schicht wird es zwangsläufig geben müssen. Ich selbst bin in Umständen aufgewachsen, die sowohl ärmlich waren als auch von uns so empfunden wurden. Trotzdem haben von sechs Kindern fünf studiert, zwei promoviert. Ich bin fast 67 und arbeite als Freiberufler.
Es muss ein Aufschrei durch die Nation gehen, dass wir weder unsere Schulden an Griechenland begleichen oder unsere wirklich reichen Bürger oder Firmen an der Steuerlast angemessen beteiligen. Stattdessen demonstrieren Bürger gegen Ausländer, weil sie um ihren Obolus fürchten. Wir sind in weiten Teilen eine unmoralische Gesellschaft, das ist die eigentliche Schande. Um die verfilzten Strukturen zu entflechten und mehr Gerechtigkeit, Demokratie, Gemeinsinn wachsen zu lassen, müssen die Bürger ihren Bildungsnotstand beenden, zur Wahl gehen und anders wählen. Dazu braucht es Vorbilder, die fallen nicht vom Himmel.“

Ein Leserbrief aus Staufen, dem die Redaktion den Josef-Joffe-Ehrenpreis für den leitartikelähnlichsten Leserbrief des Monats verleiht: „Als 1989 die Mauer fiel, die Russen sich aus Afghanistan zurückzogen, als 1990 das Sowjetimperium zusammenbrach, hatte die Aufteilung der Welt in eine Erste, Zweite und Dritte ein Ende. Der Liberalismus westlicher Prägung hatte über den Kommunismus sowjetischer Prägung gesiegt. Die Welt war überzeugt – jedenfalls die westliche – , die Fortschreibung der materialistisch-liberalistischen Anschauung führe – jetzt global ausgerichtet – zum Paradies auf Erden (im Prinzip identisch mit dem marxistischen Ansatz, nur mit anderem Vorzeichen). Sehr bald haben wir aber gemerkt, dass dies ein Irrtum war. Geändert hat dies freilich nichts. Um einen Tanker zum Umkehren (oder Sinken) zu bringen, bedarf es mindestens eines Eisbergs.
Dem globalen Ansatz inhärent ist der kulturelle Faktor. Die Erste Welt ist im Wesentlichen auf das christliche Abendland beschränkt, ergänzt durch Nordamerika. Mit dem Zusammenbruch der Zweiten Welt werden plötzlich Kulturen mit dem materialistischen Liberalismus der Ersten Welt konfrontiert, die zuvor durch den Eisernen Vorhang ‚geschützt‘ waren. Dies führt zu heftigen Reaktionen, die in der Ersten Welt kaum wahrgenommen, geschweige denn verstanden werden. Die Maximierung der Gewinne führt zum Primat der Quantität gegenüber der Qualität. Möglichst viel möglichst preisgünstig zu produzieren (und zu verkaufen) ist die Maxime. Dies hat zur Folge, dass Produktionsstätten in Regionen mit extrem niedrigem Arbeitslohn verlegt werden. Die dort produzierte Ware ist jedoch ausschließlich für die Märkte im Westen bestimmt.
Auf diese Weise soll auch in den sogenannten Drittländern der Wirtschaftskreislauf angekurbelt werden: Die Leute verdienen Geld, kaufen Waren, investieren etc. Dies ist das moralische Mäntelchen, das dem Vorgehen umgehängt wird. Doch dies Mäntelchen wärmt niemanden.“

Ein Leserbrief aus Espelkamp: „Ich bin inkompletter Tetraplegiker, sitze im Rollstuhl und werde von Assistenten/Assistentinnen begleitet. Regelmäßig erlebe ich, dass in Geschäften, Einrichtungen des Gesundheitswesens und anderen öffentlichen Einrichtungen meine jeweilige Begleitung angesprochen wird, anstatt mit mir zu sprechen. Selbst wenn ich klar und deutlich darauf hinweise, dass ich sprechen kann, ‚und das sogar in ganzen, zusammenhängenden Sätzen‘, wird dies häufig ignoriert. Die Gesellschaft muss noch auf vielen Feldern lernen.“

Ein Leserbrief aus Kassel: „Es ist traurig, wie bestimmte Politiker immer wieder versuchen, tragische Ereignisse oder bestimmte Verbrechen zu nutzen, um unsere Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz auszuhöhlen. Nach den erfolgreichen Rufen zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung soll nun sogar die ärztliche Schweigepflicht gelockert werden. Natürlich nur, um solche Katastrophen wie in den Pyrenäen zu verhindern, nicht um zum Beispiel Arbeitgebern eine weitere Möglichkeit in die Hand zu geben, unliebsame Angestellte loszuwerden. So wie die Vorratsdatenspeicherung nur dazu dient, schwere Kriminalität zu bekämpfen und nicht Wirtschaftsunternehmen und deren Anwälten es zu erleichtern, kleinste Urheberrechtsverletzungen überteuert abzumahnen. Ganz sicher ist das so!“

Ein Leserbrief aus Kassel: „Es ist traurig, wie bestimmte Politiker immer wieder versuchen, tragische Ereignisse oder bestimmte Verbrechen zu nutzen, um unsere Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz auszuhöhlen. Nach den erfolgreichen Rufen zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung soll nun sogar die ärztliche Schweigepflicht gelockert werden. Natürlich nur, um solche Katastrophen wie in den Pyrenäen zu verhindern, nicht um zum Beispiel Arbeitgebern eine weitere Möglichkeit in die Hand zu geben, unliebsame Angestellte loszuwerden. So wie die Vorratsdatenspeicherung nur dazu dient, schwere Kriminalität zu bekämpfen und nicht Wirtschaftsunternehmen und deren Anwälten es zu erleichtern, kleinste Urheberrechtsverletzungen überteuert abzumahnen. Ganz sicher ist das so!“

Ein Leserbrief aus Feldkirchen: „Ein Flugzeugpilot kann also über Notschalter ganz verhindern, dass die Tür zum Cockpit sich von außen öffnen lässt. Man begründet dies seit 2001 mit der Abwehr von Entführern. Aber wehrt man damit wirklich einen Flugzeugentführer ab? Jeder zuschlagende Täter aus dem Kreis der Passagiere wird ja wohl bewaffnet sein (was soll er sonst ausrichten?). So kann er seine Entdeckung durch die Kamera vermeiden, indem er eine Stewardess mit einigen Metern Schussabstand zwingt, die Tür selber zu öffnen, damit es die Piloten zu spät merken. Und wenn ihm das nicht hilft: Er hat doch die Passagiere und die Stewardessen als Geiseln und kann dem Kapitän durch die Tür mit Geiselerschießung drohen, wenn er die Tür nicht öffnet. Was soll der Kapitän dann tun? Man kann nicht sagen, bei Öffnung der Tür kommen alle anschließend zu Tode. Davon kann man nicht ausgehen, denn die wenigstens Flugzeugentführungen dienen dazu, das Flugzeug kaputtzufliegen.“

Ein Leserbrief aus Wernigerode: „Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mit ihrem Riesen-Tower ist das neue Symbol für Armut und Arbeitslosigkeit innerhalb der Europäischen Union. Brennende Barrikaden am Protesttag zeigen, dass Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gegen die Demonstranten im Einklang mit der restriktiven Sparpolitik stehen, die verantwortlich für die Verarmung in Teilen Europas ist. Heute steht Griechenland am Pranger. Morgen kann es Italien, Spanien, Portugal, Frankreich oder ein anderes Land der EU treffen, das unter der Last einer kapitalistischen Finanz- und Währungspolitik der EZB zu leiden hat. Vom Millionenheer der Arbeitslosen in Europa ganz zu schweigen.“

Ein Leserbrief aus Erlangen: „Natürlich kann auf allen freien Plätzen, in religiösen Stätten und in der Familie das Kopftuch oder die Kippa getragen werden. Aber in der Schule besteht eine andere Spannungssituation, die sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis von Schülerin und Lehrerin ergibt. Ein Kind empfindet anders und hat eine andere Sicht der Dinge als der verfassungsrechtlich urteilende Erwachsene. Versetzen wir uns in die Lage eines muslimischen Mädchens mit und eines ohne Kopftuch und beiden steht eine kopftuchtragende Lehrerin gegenüber. Wem, glaubt das Kind, gehört eine größere Sympathie? Sind die schulischen Leistungen des nicht kopftuchtragenden Mädchens nicht ausreichend, wird aus der Sicht des betreffenden Kindes genau diese Differenzierung thematisiert. Die allgemeine Behauptung, dies alles spiele keine Rolle, ist aus Erfahrung schlichtweg falsch. Eltern werden vor diesem Hintergrund geneigt sein, ihre Kinder dieser Situation nicht auszusetzen und solche Schulen zu meiden. Ein weiterer Schritt in die nicht gewollte Parallelgesellschaft ist die Folge.
Das speziell gebundene Kopftuch ist nicht nur ein Kleidungsstück wie Hose und Rock, wie es muslimische Lehrerinnen aktuell bekunden. Es ist in den meisten Fällen ein religiöses Kleidungsstück. Mit Schrecken denke ich an die Nachkriegsjahre in unseren Schulen, wo wir uns als Schüler auch Gedanken machten, welche politische oder religiöse Gesinnung unsere Lehrer hatten. Waren sie noch politisch braun geprägt wie in den meisten Fällen oder schon aufgeschlossen und tolerant, was selten der Fall war. Was taten wir Kinder: möglichst nicht anecken, schon gar nicht mit gegensätzlichen Gedanken. Die besonderen psychologischen Aspekte, die bei Kindern in solchen Situationen zu berücksichtigen sind, werden vom Verfassungsgericht nicht gewürdigt.“

Ein Leserbrief aus Tervuren/Belgien: „Die Teilnehmerstaaten der Kongo-Konferenz beriefen sich fadenscheinig auf einen rassistisch und herrenmenschlich motivierten ‚zivilisatorischen Entwicklungsauftrag‘ um ihre Habsucht und Bereicherungsabsichten zu verschleiern. Sie hatten keinerlei Skrupel, zur Durchsetzung ihrer Ziele gegenüber den von ihnen als Untermenschen angesehenen schwarzen Einwohnern massenhaft Gräueltaten und Völkermord zu begehen. Es ist nicht abwegig, dass die heutige politisch instabile und explosive Lage in Afrika – zumindest teilweise – auch eine Spätfolge der auf die Berliner Kongokonferenz folgende brutale Kolonialpolitik ist. Wir Europäer sollten den Mut haben, die Erinnerung an die Konferenz und insbesondere an ihre Folgen wachzurufen. Es wäre verhängnisvoll, die Folgen vor den unmittelbaren ‚Risiken afrikanischer Instabilität‘ für Europa und die Welt zu verschließen und die weltweiten Chancen, die dieser Kontinent bietet, nicht wahrzunehmen.“

Ein Leserbrief aus Freiberg am Neckar: „Es ist in unserer Gesellschaft schon mal ein Plus, wenn sich überhaupt noch jemand für Geschichte und die Kulturgüter früherer Generationen interessiert und darüber berichtet. So war jetzt von Attacken islamischer Extremisten auf unersetzliche Kulturgüter in einem Museum in Mossul zu lesen. Manch einer erinnert sich noch an die Sprengung der Buddha-Statuen im afghanischen Bamian durch die Taliban. Auch hier wurde mit den allein selig machenden Lehren des Islam argumentiert. In den malischen Wüstenstadt Timbuktu zerstörten Islamisten jahrhundertealte Gräber, welche ebenfalls den Status eines Weltkulturerbes hatten. So weit, so schlecht.
Schauen wir aber einmal nach Deutschland oder Europa. Wie sieht es dort mit dem geschichtlichen Erbe aus? Die Reste unserer vom Krieg übrig gebliebenen historischen Städte und Dörfer werden den Investoren geopfert und abgerissen. in Baden-Württemberg hat der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel das Landesdenkmalamt aufgelöst. Das Verhökern von Kunstschätzen zur Geldbeschaffung ist en vogue. Und was Kunstdiebe, Schatzsucher und Grabräuber übrig gelassen haben, verkommt, weil die Mittel für den Erhalt fehlen oder fehlgeleitet wurden – Pompeji lässt grüßen. Museen, die Unesco oder Regierungen sind wegen Geldmangels, mangels Macht oder Interesse ohnehin nicht in der Lage, das geschichtliche Erbe der Menschheit zu konservieren. Dann lieber gleich weg damit! So geriert sich der Denkmalschutz auch hierzulande. In politischen Programmen oder Parteitagsreden kommt das Thema ohnehin nicht vor.“

Ein Leserbrief aus Kerpen: „Ein Problem Griechenlands ist, dass der schon erfolgte Schuldenschnitt von 50 Prozent nicht zu einer massiven Schuldenreduzierung geführt hat. Der wesentliche Grund: Mit der wichtigste Gläubiger des griechischen Staates waren griechische Banken. Die wären nach dem Schuldenschnitt alle bankrott gewesen, wenn sie der griechische Staat nicht massiv rekapitalisiert hätte mit Mitteln, die er sich über das europäische Hilfspaket geholt hat.
Eine an die Erfahrung Islands angelehnte Alternative wäre gewesen, die Einleger der griechischen Banken mit einer Halbierung ihrer Guthaben heranzuziehen. Dann wären die Bilanzen der Banken wieder ausgeglichen gewesen, und Griechenland hätte 30 bis 40 Milliarden Euro weniger neue Schulden gebraucht, und eine solche Maßnahme wäre unterm Strich sicher auch ein großer Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit in Griechenland gewesen. Europa hätte zu so einer Maßnahme sicher nicht Nein gesagt, es wurde ja auch wenig später in Zypern so verfahren. Aber da müssen sich die Griechen zunächst an die eigene Nase fassen und nicht immer die Schuld für ihre Probleme bei den anderen Europäern suchen.“

Ein Leserbrief aus Moosburg: „Der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft ist immer dann unanständig, wenn die aus Steuermittel erworbenen Erfahrungen, Kontakte und ein gewisses Manipulationswissen oder Herrschaftswissen genutzt werden, um einseitig die Interessen der stärkeren Seite zu vertreten. Deshalb sollte es zeitlichen Abstand und Transparenz über die neue Lobbyarbeit geben.
Ideal wäre es, wenn Volksvertreter angebotene Posten nur dann annähmen, wenn es zu ihren Aufgaben gehörte, für faire Kompromisse zwischen dem Gemeinwohl und der Wirtschaft zu sorgen. Dazu müsste die Öffentlichkeit aber über alle relevanten Arbeitsergebnisse informiert werden. Selbstverpflichtungen von Ärzten, Ingenieuren, Refa-Fachleuten usw. zeigen, dass es Berufsgruppen gibt, die sich seit langem gegen einseitige Berufsauffassungen stemmen.“

Ein Leserbrief aus Bad Griesbach: „Die invasive Wucht des Drüsigen Springkrautes, ihre explosive Arealeroberung erklärt sich aus ihrer Nitrophilie, ihrem Hang zum Stickstoff, mit dem unsere Böden überlastet werden. Zunehmend agroindustrielle Produktionsmethoden, vor allem die Massentiermast, überfrachten Äcker, Wiesen und Wälder seit Jahrzehnten mit ihren Gülleüberschüssen. Waldökosysteme können pro Hektar und Jahr bis zu zehn Kilogramm Reinstickstoff aus der Luft >verarbeiten<. Seit Langem aber werden Einräge von mehr als 50 Kilogramm gemessen. Unsere Wälder sind hoch gefährdet, sie können eine ihrer Hauptaufgaben, Grund- und Trinkwasserreinhaltung, nicht mehr erfüllen. Wasserversorgungsunternehmen kämpfen mit steigenden Kosten für die Verbraucher um die Einhaltung der Nitratgrenzwerte. Das Springkraut ist keine gelassen hinzunehmende floristische Bereicherung. Es ist eine Signalart, die als mahnender Aufruf zur Umkehr begriffen werden muss.“

Ein Leserbrief aus Sulzbach-Rosenberg: „Die Absicht von Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande, einen weiteren engagierten Vorstoß zur diplomatischen Einhegung des Konflikts zu starten, halte ich für richtig und dringend geboten. Dass dabei das Risiko des Scheiterns in Kauf genommen wird, zeugt von der Brisanz der Lage und darf dem Versuch deshalb nicht im Wege stehen. Denn im Angesicht der weitgehend vorherrschenden Meinung, dass westliche Waffenlieferungen an die Ukraine den Konflikt nicht beenden, sondern vielmehr intensivieren und ausweiten würden, bleibt die diplomatisch-politische Option die einzige. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir folgerichtig, dass die deutsch-französische Diplomatie-Mission auf der Prämisse beruht, dass Kiew zu Zugeständnissen gegenüber den Separatisten (respektive Russland) zu bewegen und, angesichts fehlender Alternativen, die bittere Realität der ungleichen Kräfteverhältnisse in den Kriegsgebieten anzuerkennen. In einem größeren geopolitischen Kontext gesehen, wird die langfristige Herausforderung zur dauerhaften Befriedung und Stabilisierung der Verhältnisse in Osteuropa darin liegen, eine gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur zu implementieren, die westliche und russische Interessen ebenbürtig und konkurrenzlos vereint. Momentan erscheint dies kaum möglich, doch erfolgreiche Politik braucht Visionen.“

Ein Leserbrief aus Villingen: „Laut neueren Statistiken verlieren wir (Weltbürger) jährlich etwa drei Tonnen fruchtbaren Boden pro Kopf. Nicht weiter tragisch, unsere Wirtschaft wächst ja. So ein bisschen Humus, wenn es nichts Weiteres ist. Bodenschwund wird bis heute hauptsächlich als eine der negativen ‚Externalitäten‘ unserer Wirtschaft angesehen. Anstatt Umweltschäden als bedauerliche Nebeneffekte wirtschaftlichen Wachstums zu betrachten, wird es Zeit, dies aus einer menschenrechtlichen Perspektive zu analysieren. Wir haben alle ein Recht auf Humus (Artikel 11.2 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der UNO). Wenn Humus schwindet und unsere Agrarpolitik nachhaltiger Landwirtschaft weiterhin nicht den angemessenen Stellenwert gibt, ist dies eine Menschenrechtsverletzung.“

Ein Leserbrief aus Tangstedt: „Jedes Mal, wenn wieder Tote durch multiresistente Keime in deutschen Krankenhäusern gemeldet werden, kommt schon fast rituell von allen Seiten, besonders aus der Politik, die Forderung nach mehr und strikterer Einhaltung der Hygienevorschriften. Leider kommt aber seit Jahren nicht viel mehr als das, obwohl man weiß und es sich nur in den Niederlanden abgucken muss, wie sich Kliniken vor unerwünschten Keimen schützen können: durch eine strikte Kontrolle aller eingelieferten Patienten. Nur leider erlässt unser durch Parteienproporz zu seinem Posten gelangter Gesundheitsminister keine entsprechende Verfügung, weil es zu teuer und aufwändig ist und natürlich den vielen heute privatwirtschaftlich betriebenen Krankenhäusern nicht zugemutet werden kann – dann schon lieber alle vier bis sechs Monate etwas Aufregung über Todesfälle durch multiresistente Keime.
Anscheinend ignoriert man auch, dass die Bedrohung durch diese nicht beherrschbaren Keime erst am Anfang steht. Auch der für die Landwirtschaft zuständige Minister weigert sich, sinnvolle Maßnahmen gegen Massentierhaltung und damit verbundenen Massen-Einsatz von Antibiotika zu ergreifen – es könnte ja der Landwirtschaftsindustrie schaden. Haben unsere Minister nicht bei Amtsübernahme geschworen. ‚Schaden vom deutschen Volk abzuwenden‘. Aber auch das wohl nur ein Ritual. Lieber verteidigt man mit Milliardenbeträgen die deutsche Freiheit am Hindukusch, als dass man im Lande die Gesundheit mit dem gleichen Eifer und den gleichen Mitteln verteidigt. Ich bin ratlos, was noch geschehen muss, damit unsere sogenannten Volksvertreter endlich in die Gänge kommen und wirksame Maßnahmen ergreifen.“

Ein Leserbrief aus Buchenberg: „Als Arzt war ich in den vergangenen zwei Jahren zweimal in den Slums von Manila tätig und habe erlebt, wie Frauen unter Machotum und Doktrin leiden. Niemand wird von der Kirche verlangen können, Abtreibung als Form der Familienplanung zu akzeptieren. Aber solange der Einsatz von Kondom, Pille, Tubenligatur und Vasektomie nicht in die Verantwortung der Paare gestellt wird, haben Frauen nicht die Chance, auf Augenhöhe mit ihren Männern zu sprechen. Sie werden weiter heimlich nach Wegen der Familienplanung suchen, gezwungen durch die Uneinsichtigkeit der Männer und die Doktrin der Kirche. Ja, sie hätten viel zu sagen, es wird nur kein Gewicht bekommen.“

Ein Leserbrief aus Eichendorf: „Den Griechen kann man nur empfehlen, sich aus dem Euro-Verbund zu lösen und nach dem Muster der Schweiz oder Luxemburgs ein Bankensystem aufzubauen, in welchem Schwarz- und Drogengelder absolut diskret versteckt werden können. Ein autonomes Griechenland könnte Steuerfreiheit für alle Steuerflüchtlinge gewähren. Ein guter Start für das neue Finanzeldorado wäre schon gesichert, wenn die reichen Griechen ihre ins Ausland transferierten Milliarden wieder in ihr Heimatland zurückholen würden. Um das Projekt fachlich auf die Reihe zu bringen, sollte man allerdings einen absoluten Fachmann, wie den pensionierten Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, anheuern, und gleichzeitig mit dem versierten Schirmherrn der Gewinn verschleiernden Briefkastenfirmen, Jean-Claude Juncker, einen Beratervertrag abschließen.“

Ein Leserbrief aus Verl: „Wer darf in Deutschland demonstrieren? Linke, Grüne, Sozialdemokraten, die ganze Bandbreite der Gewerkschaften (vor allem Verdi) und die beiden Kirchen (die, anstatt ihren seelsorgerischen Aufgaben nachzukommen, lieber mit ihren politischen Parolen Linkspartei und Grüne noch links überholen). Wenn Linksextremisten, die sich selbst beschönigend ‚Autonome‘ nennen (und die Medien dann auch noch brav deren Bezeichnung in ihr offizielles Nachrichtenvokabular übernehmen) alljährlich auf ihren Maidemonstrationen Hunderte Autos und anderes Mobiliar demolieren, dann ist das den Medien noch nicht einmal mehr eine Randnotiz wert.
Wenn aber die Mitte der Gesellschaft demonstriert, ob berechtigt oder nicht, ihren Ängsten und Befürchtungen Ausdruck verleihen möchte, dann sieht sich selbst die Bundeskanzlerin genötigt, ihnen hinterherzurufen: Macht das nicht! Dann holt das ‚breite Band der Demokraten‘ die Moralkeule ‚Neonazi‘ aus dem Köcher, und der Fall ist erledigt. Wir leben in keiner Meinungsdemokratie mehr, sondern in einer Meinungsdiktatur.“

Ein Leserbrief aus Puchheim: „Nach 40 Berufsjahren als Schauspielerin habe ich während einer nur zeitweilig unterbrochenen, mehrjährigen Krankheitsphase erschütternde Erfahrungen mit Hartz IV und diversen ‚Mobcentern‘ gemacht. Auch viele andere Kolleginnen und Kollegen haben kein Anrecht auf Arbeitslosengeld I oder Krankengeld, werden also schon bei berufstypischen Pausen in Hartz IV gekickt. Da hungern und frieren einige lieber ohne staatliche Schikane, weil sie wissen, dass man auch mit Hartz IV oft genug hungert und friert.
In gewisser Weise ist Hartz IV schlimmer als offener Strafvollzug. Kein Krimineller darf vor seiner Verurteilung bestraft werden und die Lebensgrundlage (ein Bürger- und Menschenrecht!) wird nicht einmal einem Mörder genommen, ‚Hartzern‘ dagegen schon, denn der ‚Entzug des Lebensminimums‘ wird unter dem Schönsprechtitel ‚Sanktion‘ oft auch grundlos verhängt. ‚Widerspruch‘ oder Klage haben keine aufschiebende Wirkung, doch wer nach dem (oft mehrjährigen) Prozess noch Obdach hat und lebt, hat gute Chancen, ihn zu gewinnen. Kindern gesteht Hartz IV weder einen Weihnachtsbaum zu noch einen einzigen Euro für Geschenke. Hartz IV ist gut nur für die, die am Schmieren der Armutsmaschinerie gut verdienen – im Übrigen ist ‚Heart’s Fear‘ ein erbarmungsloses, furchterregendes, menschenverachtendes, grundgesetzverletztendes und demokratiegefährdendes Werkzeug der Macht zwecks Ausbeutung von Menschen. Wer’s nicht glaubt, dem sei ein Hartz-Praktikum empfohlen.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Ich bin im Friseurbereich tätig. Trinkgeld gibt bzw. empfängt Frau oder Man(n) für gute Leistung und Service. Wir Friseure haben es beispielsweise in der Hand, ob der Besuch bei uns zum Wohlbefinden oder zum Psychiater führt. Das ist nicht vom Tip abhängig, kommt aber sicher hie und da vor. Egal ob Taxi, Friseur oder Kellner. Gottseidank müssen nicht alle Dienstleister vom Tip leben. Viele Verbraucher und Leistungsempfänger glauben doch tatsächlich, bei einer auf ihre Person zugeschnittenen Arbeit, ihr Tip sei großzügig und bekunden dies von sage und schreibe: 50 Cent! Ihre Argumentation: Ich bekomm‘ ja auch kein Trinkgeld! Ich betreibe seit über 40 Jahren einen sehr erfolgreichen Betrieb. In der Lehre (1962) habe ich von meinem Ausbilder Folgendes vermittelt bekommen: Almosen nehmen wir nicht (hört sich vielleicht arrogant an, erhöht aber ungemein das Selbstwertgefühl)“.

Ein Leserbrief aus Tiergarten: „Es ist zum Verzweifeln! Auch Ihr Chefredakteur weist darauf hin, dass die ungleiche Verteilung des Wohlstandes keine gute Voraussetzung für ein friedliches Miteinander in der Zukunft sein kann und die schamlose Anhäufung von riesigen Vermögen bei wenigen und die damit verbundene unzureichende Beteiligung an der Finanzierung des Gemeinwohls ein sozialer Sprengsatz ist. Das haben vor ihm schon andere nachdenkliche Zeitgenossen getan. Und was geschieht? Nichts! Diese Hinweise scheinen bei den politisch Verantwortlichen, bei denen, die von uns Wählern den Auftrag bekommen haben, unser Gemeinwesen so zu gestalten, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder noch gerne hier leben wollen, auf taube Ohren zu stoßen. Wenn schon ein Vertreter eines Wirtschaftsverbandes die dringend nötige Reform unseres Steuersystems anmahnen muss, damit der Staat seine Aufgaben erfüllen kann, hat die sozialdemokratische Partei in unserem Land wohl versagt. Das belegen auch die Zahlen bei den jüngsten Wahlen und Meinungsumfragen: Die SPD kann keine Wähler dazugewinnen und die Wahlbeteiligung sinkt generell. Welche Partei wagt endlich den Ausbruch aus dieser Abwärtsspirale durch eine mutige, dem Gemeinwohl verpflichtete Politik? Ich sehe keine.“

Ein Leserbrief aus Mörfelden-Walldorf: „Es gibt wohl zwei Arten von Nichtwählern. Auf der einen Seite diejenigen, die sich durchaus für Politik und das gesellschaftliche Leben interessieren, jedoch nicht wählen, etwa, weil sie finden, dass sich die Parteien eh kaum noch voneinander unterscheiden, ihre Wahlbeteiligung also ohne Bedeutung bliebe, und es gibt auf der anderen Seite die, die an Politik völlig desinteressiert sind. Diese zweite Gruppe hat keine Meinung, weiß eigentlich gar nicht, worum es geht, und bleibt deshalb der Wahl konsequenterweise fern.
Beide Gruppen sind mit >Wahlerleichterungstricks< nicht zu erreichen. Zur zweiten Gruppe gehören auffällig viele junge Wahlberechtigte. Ist diesen jüngeren Generationen in ihrer Kindheit möglicherweise ein Übermaß an Verwöhnung zuteilgeworden, sodass sie hauptsächlich auf sich und auf ihre möglichst direkte Bedürfnisbefriedigung fixiert sind? Sollte man sie in dem Fall nun weiterverwöhnen durch Wahlerleichterungen? Oder ist es nicht eher so, dass eine Wahlteilnahme ihnen, aus ihrer Sicht, ja zunächst keinen persönlichen Vorteil bringt und sie Politik einfach langweilig finden? Solchen Fragen nachzugehen, wäre unter Umständen sinnvoller als eine Reform des Wahlverfahrens ins Auge zu fassen.“

Ein Leserbrief aus Frohnau: „Wer gibt den Damen und Herren Innenministern eigentlich das Recht, Pauschalurteile über Menschen zu fällen, die sich Sorgen machen angesichts dessen, was auf Deutschland (wieder einmal) zurollt? Die Gebrauch machen von ihrem im Grundgesetz verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung? Die es satt haben, offiziell geschönte Berichte zu hören über die tolle Integration unserer moslemischen Mitbürger und täglich mit den Problemen konfrontiert zu werden, die Asylantenheime mit sich bringen?
Wahrscheinlich sind auch Neonazis unter denen, die gegen die verfehlte Ausländerpolitik unserer Regierung demonstrieren. Neonazis befinden sich aber auch unter Fußballfans, Tierschützern und Beamten. Sind diese nun alle rechtsextrem?
Wohl kaum! Die Demokratie ist ein schützenswertes Gut. Grundlage dieses Gutes ist die Meinungsfreiheit. Wenn wir nur noch Meinungen zulassen, die einigen wenigen >da oben< genehm sind, wenn nur noch Meinungen gesagt oder geschrieben werden dürfen, die unseren selbsternannten Gutmenschen passen, dann zerstören wir diese Demokratie.“

Ein Leserbrief aus Sieverstedt: „Was die Untersuchung des US-Senats erst jetzt – trotz vieler Schwärzungen – zur Veröffentlichung freigegeben hat, war seit vielen Jahren bekannt. Da lässt der mächtigste Staat der Welt auf Geheiß seines Präsidenten systematisch schwer foltern – in einigen Fällen bis zum Tode – und die Bundeskanzlerin spricht von einer Wertegemeinschaft mit den obersten Folterern, schon als diese Herren (Bush jr. und Cheney) noch amtierten. Und jetzt besitzt der Expräsident noch die Unverfrorenheit, für seine CIA-Folterknechte eine besondere staatliche Anerkennung einzufordern, anstatt sich bei den Opfern zu entschuldigen.
Was ist das nur für ein Land, in dem ein Präsident an die Macht kommen kann, der derartige Verbrechen ungestraft anordnen kann. In dem rassistische weiße Polizisten grundlos Schwarze erschießen können, ohne ein Gericht fürchten zu müssen. In dem mehr Schwarze als Weiße in den Gefängnissen sitzen, obwohl sie nur 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen. In dem mehr Schusswaffen in Umlauf sind, als das Land Staatsbürger hat. Das Gefangene über 12 Jahre ohne Prozess im Knast schmoren lässt. Das seit 1945 auf allen Kontinenten (außer Australien) Kriege geführt hat. Ist dies noch ein Rechtsstaat? Oder trifft hier auch schon die Bezeichnung Unrechtsstaat zu?
Aber eines ist tröstlich – George W. ging und geht regelmäßig zum Gottesdienst
und erbittet bei jeder Gelegenheit Gottes Segen. Das machen übrigens die Mafia-Bosse auf Sizilien genauso.“

Ein Leserbrief aus Bad Endorf: „Papst Franziskus bewundere ich. Er ist als >Bischof von Rom< ein kluger Jesuit geblieben, der weiß, was möglich ist und was nicht. Er hält sich nicht für allmächtig und unfehlbar, aber er weckt mit sanften und bescheidenen, sehr bestimmten Worten die europäischen Parlamentarier. Doch nicht nur Europa, auch die katholische Kirche krankt an so vielem: Die allgemeinen Menschenrechte sind nicht unterschrieben, zölibatär leben sollende Pfarrer werden in anonymen Großraumpfarrverbänden verheizt, Frauen haben nur gleiche Würde, allerdings keine Hochwürdigkeit und keine gleichen Rechte aufs kirchliche Amt. Des Papstes Worte wären noch eindringlicher, wenn man nicht sagen könnte: Kehr doch mal erst vor der Tür deiner todkranken Kirche! Nach wie vor haben Zölibatäre das Sagen und sind von ihrer einzementierten Meinung kaum abzubringen. Franziskus ist kein Herkules, der alleine schultert, was seine Bischöfe nicht in Angriff nehmen wollen.“

Ein Leserbrief aus Weßling: „Nach den zu Adenauers Zeiten installierten gesetzlichen Regelungen zum Subsidiaritätsprinzip werden soziale Projekte, die von der öffentlichen Hand durchgeführt werden müssten, von freien Trägern vorrangig unter Einsatz der dafür vorgesehenen öffentlichen Mittel bearbeitet, wenn diese Träger Angebote dafür machen. Ich denke zum Beispiel an Erziehungsberatungsstellen, Heimprojekte, Kindergärten und vieles andere mehr. Die kirchlichen Träger wenden, wo sie Projekte übernehmen, ihre kirchlich vorgegebenen Regelungen an. Es dürfte, entsprechenden Willen des Gesetzgebers vorausgesetzt, möglich sein, im Falle der Annahme staatlicher oder sonstiger öffentlicher Mittel darauf zu bestehen, dass auch arbeitsrechtlich weltanschaulich neutrales Arbeitgeberverhalten zur Anwendung kommt. Es ist einfach dubios, dass öffentliche Aufgaben im der Verfassung nach weltanschaulich neutralen Staat aus dessen Steueraufkommen unter Anwendung kirchlicher oder sonstiger weltanschaulicher Regularien finanziert werden. Wird hier nicht real die Verfassung gebrochen? Der Nebeneffekt, dass Mitarbeiter zum Erhalten eines Arbeitsplatzes oder zu dessen Sicherung opportunistische oder gar verlogene Zugehörigkeiten demonstrieren müssen, ist unwürdig.“

Ein Leserbrief aus Mörfelden-Walldorf: „Wäre ich Muslim in Palästina, würde ich wohl Juden hassen, wäre ich Jude in Israel, würde ich wohl Muslime hassen. Wäre ich Somalier, würde ich wohl versuchen, in Deutschland Asyl zu finden, wäre ich Rom, würde ich wohl betteln, wäre ich Bielefelder, wäre ich wohl ein Armine, wäre ich ein Amerikaner, wüsste ich wohl nicht, wo Deutschland liegt, wäre ich Franzose, wäre ich wohl stolz auf die Grande Nation, wäre ich Deutschtürke, führe ich wohl einen BMW, käme ich aus einer Favela in Rio, würde ich wohl Drogen verkaufen, wäre ich sunnitischer Iraker, befände ich mich womöglich im Heiligen Krieg, wäre ich Syrer, wäre ich wohl auf der Flucht. Wäre mir die Zufälligkeit des Wo und Wann meiner Geburt bewusst, käme ich vielleicht zur Vernunft.“

Ein Leserbrief aus Waiblingen: „Wer hat den IS-Terror denn in Wahrheit zu verantworten? Wesentlich doch wohl die USA und ihre Lakaien innerhalb der Nato. Der IS wurde und wird durch das Geld der Emirate und der CIA lange Zeit finanziert (ebenso wie seinerzeit die Taliban) und zum Angriff auf die Staaten des ‚fruchtbaren Halbmondes‘ animiert. Nach der weiterhin probaten Maxime ‚Divide et impera‘ kommt der IS-Terror dem geostrategischen Kalkül der US-dominierten Nato doch sehr entgegen. Es gehört mit zu dem Kalkül, die europäischen Staaten durch die zu erwartenden Flüchtlingsströme längerfristig ebenfalls politisch zu destabilisieren und deren politische Einigung zu verhindern.
Diese Einschätzung ist nicht Ausdruck einer Verschwörungstheorie, sondern nüchternes Ergebnis der Analyse des Nahostgeschehens der vergangenen Jahre. Die imperiale Ostpolitik einer US-dominierten Nato ist nicht im Interesse der Bürger Europas, sodass in der Tat die Alternative ‚Raus aus der Nato, Aufbau eines politisch und geistig starken Europa‘ ist, aus dem Russland nicht ausgeschlossen werden darf.“

Ein Leserbrief aus Niebüll: „Auf Sylt ist es egal, ob die Baukosten steigen oder sinken, Wohnraum für die Menschen, die hier arbeiten, ist so knapp, dass sogar Kellerwohnungen vermietet werden. Mein Sohn lebte bis in der letzten Woche in einem Kellerloch von 35 Quadratmetern und bezahlte knapp 700 Euro Miete plus Strom. Keine richtigen Fenster, im Bad gar keine Fenster. So geht es vielen, die in der Nacht oder in den Morgenstunden arbeiten müssen.
Aber Wohnraum auf Sylt wird nicht geschaffen. Obwohl das Vermieten von Kellerräumen verboten ist, wird hier der Mangel schamlos ausgenützt. Bei Neubauten muss der Eigentümer eine Einheit für den freien Markt bereithalten. Da das keiner kontrolliert, macht er es auch nicht.“

Ein Leserbrief aus Malsch: „Es ist völlig gleich, wer wo in der Welt verantwortlich ist für das Erstarken des Terrorismus. Ob die USA im Irak und Syrien oder Russland in Tschetschenien, Israel in Palästina und >der Westenzivilisiert< nennen, hinter den Menschenrechten versammeln und endlich ihre Durchsetzung erreichen müssen. Ja, es gibt Menschen, denen man nur mit der Waffe in der Hand entgegentreten kann (und ja, es sind Menschen!). Aber das Ziel dieses Entgegentretens darf weder Gebietsgewinn noch Zugang zu Ressourcen sein – sondern alleine die Sicherung unschuldiger Menschenleben. Und das kann nur, wer keine Interessen hat oder die Interessen aller im Blick hat. Zeit für eine Reform, eine Demokratisierung und eine Wehrhaftmachung der UN.“

Ein Leserbrief aus Gutenstetten: „Asien ist für die Kirche ein Wachstumsgebiet. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung einerseits, die geistige Verwüstung durch die Kommunisten andererseits haben viele Asiaten verunsichert. Die christliche Religion steht hier für Modernität und Freiheitlichkeit, auch für soziale Verantwortung. Das klare Bekenntnis zu Christus, das mutige Auftreten vieler asiatischer Christen können uns im skeptischen und manchmal auch selbstgefälligen Europa zum Vorbild dienen. Auch in Südamerika und Afrika geht es mit dem Christentum voran, erstaunlicher- oder typischerweise gerade mit den sehr frommen Gemeinschaften. Natürlich hat auch die westeuropäische Nüchternheit viel für sich, denn religiöse Euphorie kann auch in Zwanghaftigkeit und Weltfremdheit umschlagen. Aber wir brauchen in Westeuropa christliche Mission im eigenen Land, denn längst missionieren dubiose Kräfte bei uns, radikale Moslems, Sektierer jeder Art.“

Ein Leserbrief aus Hemsbach: „Noch haben alle Griechen, und mit ihnen auch alle Besucher Griechenlands, freien Zugang zum Meer. Dies garantiert ihnen bislang das Gesetz. 2971/2001, das nun zugunsten wirtschaftlicher Zwecke radikal verändert werden soll. So weit ist es aber zum Glück noch nicht gekommen, oder etwa doch?
Auf der Insel Samos, meiner absoluten Lieblingsinsel und zweiten Heimat, ist man bei der Privatisierung der Strände der Zeit bereits ein Stück voraus. Glücklicherweise nicht überall, aber in einem Hotel in der Nähe in der Nähe von Pythagório auf jeden Fall. Dort werden Strandbesucher, die nicht bereit sind, 15 Euro pro Strandliege zu bezahlen, ohne zu zögern des Feldes verwiesen. So wird man nach wenigen Minuten, nach einer Beschwerde eines Hotelgastes, vonseiten der Rezeption freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Hotel um ein 5-Sterne-Luxushotel handelt, in dem die Gäste ihre Ruhe haben wollen und aus diesem Grund Kinder unter zehn Jahren am hauseigenen Hotelstrand (wie bitte?) nicht erwünscht seien. Da ich meinen Sprössling, auch wenn er die griechische Hitze gewöhnt ist, nicht im heißen Wagen einsperren wollte, habe ich mich ohne weitere Diskussion vom Strand entfernt. Für immer! Übrigens, wer die 30 Euro für die Liegen bezahlt, darf natürlich bleiben; mit Kind!“

Ein Leserbrief aus Bremen: „Angenommen, die >Separatisten< haben MH17 tatsächlich abgeschossen. Könnte es nicht sein, dass es schlicht ein Versehen war, ein Irrtum mit grässlichen Folgen? Eine tragische Verwechslung des Zivilflugzeugs mit einer Militärmaschine? Denn MH17 überflog ein Kriegsgebiet, in dem die ukrainische Luftwaffe Einsätze fliegt. Und auch nach dem Absturz der Maschine der Malaysia Airlines setzte die ukrainische Armee ihre Offensive gegen Lugansk fort – und jetzt offenbar auch gegen Donezk. Der Bürgerkrieg in der Ostukraine mit seinen schrecklichen Folgen auch für die Zivilbevölkerung wäre im Handumdrehen beendet, wenn die Regierung in Kiew (und ihre amerikanischen Berater) das Schicksal der Ostgebiete in die Hände ihrer Bewohner legen würde: durch eine international überwachte und nach den Regeln der Kunst durchgeführte Volksabstimmung über die staatliche Zukunft der Regionen. Was gibt es demokratischeres als ein Referendum durch die Betroffenen?“

Ein Leserbrief aus Ravensburg: „Bei aller Empörung und notwendigen Kritik im Zusammenhang mit dem Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine und den skandalösen Behinderungen bei der Aufklärung der Ursachen sollte die himmelschreiende Heuchelei, insbesondere der US-Regierung, nicht völlig ignoriert werden. Im Juli 1988 wurde eine iranische Linienmaschine vom Typ Airbus A 300 von einer amerikanischen Flugabwehrrakete abgeschossen. Dabei kamen 290 Menschen zu Tode. Die damalige Bush-Regierung verharmloste dies mit dem zynischen Hinweis, dass es sich um einen Zwischenfall in Kriegszeiten gehandelt habe. Acht Jahre später erst kam es zu Entschädigungszahlungen, die vor dem internationalen Gerichtshof erstritten werden mussten. Eine formale Verantwortung und eine Entschuldigung hierfür aber hat die US- Regierung bis heute abgelehnt.“

Ein Leserbrief aus Heidelberg: „Das Burka-Verbot zielt nicht auf die Vollverschleierung an sich, sondern auf die dahinter stehende Attitüde, die Frau durchgängig an der vollen Expression ihrer Persönlichkeit, ihrer Individualität außerhalb der eigenen vier Wände zu hindern und sie somit von der Teilhabe am selbstbestimmten öffentlichen Leben zumindest partiell auszuschließen. Visibilität und unverschleierte Kommunikation bleiben für die Familie beziehungsweise den Mann reserviert, und die Frau wird so in gewissem Ausmaß zu seinem persönlichen Verfügungsgegenstand degradiert. Die Werte einer Gesellschaft bestimmen die Regeln des Zusammenlebens. Die durch das Burka-Gebot realisierte >Gender-Apartheid< aber ist mit unseren demokratischen und humanistischen Grundwerten nur schwer zu vereinbaren. Welche Akzeptanz hätte eine Gemeinschaft, die allen ihren Mitgliedern bestimmter Hautfarbe verbieten würde, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen? Ob ein Burka-Verbot tatsächlich ein angemessenes und wirksames Instrument sein kann, die ursächliche patriarchalische Geisteshaltung aufzuweichen, bleibt ungewiss. Die Diskussion darüber aber wird erst dann überflüssig, wenn die männlichen Befürworter der Vollverschleierung sich entschließen, sich selbst einem Burkazwang zu unterwerfen.“

Ein Leserbrief aus Eisenach: „Wie Christian Wulff nach ‚ganz oben‘ kam, kann ich mir ungefähr vorstellen und auch erahnen, wie es dort oben gewesen sein muss, da er sich danach ‚ganz unten‘ wähnte. Er weiß halt nicht, dass es Schlimmeres gibt als Rücktritt mit lebenslangem Ehrensold. Und ach ja, die böse Journaille, die ihn für seinen mutig-monumentalen Satz, der Islam gehöre zu Deutschland (so erfreulich ausländerfreundlich wie daneben), erbarmungslos aus dem Amt jagen und hinrichten wollte! Wo er doch ‚der Richtige‘ war. Ein bisschen ist der Bundespräses (erzwungenermaßen a. D.) ja dann doch zu bemitleiden, weil er über die Klinge springen musste wegen vermuteter Vorteilsnahme. Hört jedoch endlich auf, den Wulff zu geben! Eine Parteikarriere, die mir weder Ehrfurcht noch Bewunderung abgenötigt hat, und das peinliche Selbstmitleid, aus dem schon wieder der Größenwahn lugt, als ‚Beitrag zur politischen Kultur im Lande‘ zwischen zwei Buchdeckel zu klemmen und mit dem Erlös die Staatsrente aufzubessern, ist einfach nur dreist.“

Ein Leserbrief aus Angermünde: „Die Sicherheitstests, die zur Zulassung von Pestiziden, sogenannten Pflanzenschutzmitteln, also Substanzen, die Pflanzen, Insekten, Nager oder Pilze töten, waren noch bis in die 90er Jahre fast nur auf den Menschen bezogen. Untersuchungen zur Umwelttoxizität fanden praktisch nicht statt. Wenn die Substanz als abbaubar eingestuft wurde, konnte sie eingesetzt werden. Viele Substanzen mit solchen rudimentären Daten sind noch heute auf dem Markt. Inzwischen ist die Zahl der im Zulassungsverfahren erforderlichen ökotoxikologischen Tests erheblich gestiegen. Für eine Neuzulassung ist ein Datenpaket zu erarbeiten, das die Hersteller Millionenbeträge kosten kann. Dennoch sind die Aussagen zur Wirkung der Pestizide auf die Umwelt nach meinem Urteil höchst unzureichend. Warum?
Die neu eingeführten Tests an Modell-Ökosystemen liefern Daten, die schwer interpretierbar sind und sich kaum auf die realen komplexen Ökosysteme übertragen lassen. Denn in der Natur gibt es eine riesige Zahl unterschiedlicher Biotypen mit Tausenden von Arten. Jede Art hat im Stoffkreislauf ihre Funktion. Dazu kommen Hunderte verschiedene Pestizide. Wie will man da Effekte einzelner Substanzen erkennen? Bewiesen ist, dass national und global die Artenvielfalt dramatisch schrumpft, je geringer die Artenvielfalt, desto instabiler das Ökosystem, Massenvermehrung von Schädlingen ist die Folge. Beeinträchtigt durch Pestizide sind aber auch die Kleinstlebewesen im Boden, die organische Subtanz zersetzen und eine Rückführung der Nährstoffe zu den Pflanzenwurzeln ermöglichen. Wenn der Abbau organischer Substanz und von synthetischen Chemikalien nicht mehr vollständig ist, landen immer mehr Fremdstoffe im Grundwasser. Im Stoffkreislauf der Biosphäre hat der belebte Boden die Funktion von Leber und Niere zugleich! Artenschutz ist kein Luxus für Naturliebhaber, sondern Grundvoraussetzung für das Überleben der Menschheit in der Zukunft.“

Ein Leserbrief aus Bonn: „Mein Mann war Lehrer und als solcher Angestellter des Landes NRW. Wir als hinterbliebene Familie haben drei Monate auf eine erste Pensionszahlung warten müssen. Da wir neben der privaten Krankenkasse beihilfeberechtigt sind, haben wir nach weiteren zwei Wochen schon die neue Personalnummer der Beihilfe erhalten! Nun konnten die inzwischen für uns Hinterbliebene angefallenen Anträge für die Kostenerstattung zum Beispiel von Arztrechnungen gestellt werden. Nach vier Wochen ohne jede Rückmeldung der Beihilfe wagte ich eine telefonische Anfrage, ob denn alles bei der Beihilfestelle angekommen und von mir richtig angekreuzt worden sei (wir mussten natürlich für jeden einzelnen von uns einen sechsseitigen Neuantrag stellen, obwohl wir als Familie seit Jahren mit beihilfeberechtigt sind!). Nachdem ich Stunden in der Warteschleife verbracht hatte, waren alle zuständigen Sachbearbeiter bis zur Dezernentin nicht erreichbar. Mir wurde noch mitgeteilt, dass es nicht sein könne, dass mein Mann vom Landesamt NRW jemals Gehalt bekommen habe. Und woher ich überhaupt die Telefonnummer, die Beihilfepersonalnummer und meine neue Behördenpersonalnummer habe.“

Ein Leserbrief aus Villingen-Schwenningen: „Natürlich bietet jede Krise auch Chancen. Vor allem für die Gewinner der Krise. Denn so, wie jeder Krieg Kriegsgewinnler und Kriegstote hat, gibt es auch in jeder Krise Nutznießer. Im Falle der >FinanzkriseMärkte< und die internationalen Finanzspekulanten gewesen sein. Bestanden doch die Bankenrettungen vor allem darin, etliche Milliarden öffentlicher Gelder in Privateigentum zu überführen. Für diese Finanzspekulanten dürfte die Krise also kaum den Beigeschmack einer Bedrohung gehabt haben. In die Krise gerieten hier weniger die Finanzen als vielmehr die öffentlichen Institutionen – die Staaten. Für diese bestand die Krise vor allem darin, dass sie ihren Staatssubjekten, ihren Bürgern, nicht schnell genug verständlich machen konnten, dass die neuen Einschnitte in deren Besitzstände notwendig und angemessen waren. Insofern wäre es vielleicht sogar passender, von Staatskrise statt von Finanzkrise zu sprechen.
Für die Profiteure der Krise war es ein völlig normaler Vorgang. Sie haben einfach einen Gang hochgeschaltet. Wenn sich die Geschwindigkeit, mit der öffentliche Gelder privatisiert werden, permanent erhöht, ist das nun mal notwendig. Wer darin eine Krise erkennt, hat vielleicht nur noch nicht bemerkt, wer bei dieser Fahrt ins (finanz-)spekulative Nirwana die Geschwindigkeit bestimmt und in wessen Einfluss es liegt, den Gang hochzuschalten. Aber welche Chancen bietet die Krise denn dann jenen, die zu den Verlierern gehören? Abspringen, wenn sich das Karussell zu schnell dreht, und einfach nicht mehr mitfahren? Ohne Geld leben, wenn alles verfügbare Geld schon anderen gehört? Hört sich ziemlich schwierig an. Aber wer hat behauptet, dass die Chancen, die aus einer Krise entstehen, einfache Chancen wären?“

Ein Leserbrief aus Glinde: „Ich bin als Medizintechniker im Außendienst für zu beatmende Patienten und Sauerstofftherapie unterwegs. Wer einen Sauerstoffkonzentrator verschrieben bekommt, der 24 Stunden arbeitet oder auch mal weniger, wird von seiner Kasse generell nicht unterrichtet, dass sie sich an den Stromkosten (ca. 2 kWh in 5 Stunden) beteiligt. Dazwischen liegt eine bürokratische Hürde, die mit dem Arztbrief nicht überwunden wird. Wenn es um einen Patienten in Dauerbehandlung geht, können Mitarbeiter der Kassen es kaum glauben, dass für die Fortführung der Therapie Filter, Schläuche, Masken, Absaugkatheter, Nasenbrillen etc. notwenig sind, um den Rest Gesundheit zu erhalten. Es herrscht ein Kontrollwahn, der jedwede Menschlichkeit vermissen lässt. Und wenn man mal so ein junges Huhn vom medizinischen Dienst erlebt hat, das einem ALS-Patienten in fortgeschrittenem Stadium Fragen stellt, die der gesunde Menschenverstand von selbst beantwortet, fragt man sich, welche Geister hier arbeiten und zu wessen Wohl.“

Ein Leserbrief aus Burladingen: „Wie unter bestimmten Herrschaften üblich, soll auch für die weiteren zu erwartenden Verluste, sprich Abrissarbeiten etc. der Kernkraftwerke mal wieder der Michel geradestehen. Wir Steuergequälten bezahlen zum Beispiel bereits die Erkundungen der Endlagermöglichkeiten. Jetzt soll >Das Volk< auch noch eine Ewigkeit für den sehr gefährlichen, krank machenden anfallenden Strahlendreck haften, Eigentlich verantwortliche und viel zu hoch bezahlte Vorstände, Aufsichtsräte, Aktionäre und Politiker möchten eben mal die roten Zahlen der Müllmeiler vergesellschaftet haben, wobei man deren Börsengewinne sehr gern für sich behalten hat.“

Ein Leserbrief aus Hemsbach: „Ich hab’s schon immer gewusst! Der Hunger ist schuld an Gewalt! US-Forscher haben in – vermutlich sauteuren und langwierigen Studien herausgefunden, dass in Paaren die Aggressionen steigen, wenn deren Blutzuckerspiegel sinkt. Also mal ehrlich! Das hätte man einfacher haben können. Das Problem kennt nämlich nahezu jede Familie, deren Wonneproppen nach dem ausschließlichen Genuss von extrem >gesundem< und gerecht gehandeltem Obst und Gemüse aus rein biologischem Freilandanbau aus dem Kindergarten nach Hause kommen und dort auf pappsatte Eltern treffen, die zur Mittagszeit mit Essen aus der Kantine, angereichert mit reichlich Glutamat, abgefüttert wurden, das gegen vier Uhr morgens von kurz eingewiesenen Laienköchen aufgetaut und erwärmt wurde. Gut, dass jetzt wieder die Grillsaison mit reichlich Steaks und Würstchen beginnt. Was das Familienleben ein Stück weit friedlicher macht, kann vielleicht auch die Lösung für die Konfliktherde dieser Welt sein. Brot für die Welt und grillen gegen den Krieg. Wer weiß…“

Ein Leserbrief aus Seelze: „Der Abbau von älteren Arbeitskräften wird doch seit langem u. a. über die Altersteilzeit vollzogen. Ich habe in einem weltweit tätigen Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie gearbeitet. Im Bereich der Angestellten wird die Personalabteilung tätig, sobald der 60. Geburtstag ansteht. Die Mitarbeiter werden mehr oder weniger stark dazu gedrängt, in die Altersteilzeit zu gehen, obwohl dies normalerweise gegenüber den Schichtarbeitern über das Punktesystem der Metallindustrie unmöglich ist. In unserer recht großen IT-Abteilung sind bisher alle Mitarbeiter über die Altersteilzeit abgewickelt worden. Es hat niemand die normale Altersrente mit 65 erreicht.
Bei unseren Volksvertretern ist das etwas anders. Nach zwei Legislaturperioden (acht Jahre) erhalten sie Anspruch auf 1650 Euro Altersbezüge, zahlbar ab dem 67. Lebensjahr. Aber mit jedem weiteren Lebensjahr reduziert sich der Rentenbeginn um ein Jahr. Das geht für maximal 18 Jahre. Hier wird merkwürdigerweise nie auf Jahrzehnte hochgerechnet, wie hoch die Kosten sind. Und von eventuellen Abzügen bei früherem Bezug dieser Altersbezüge habe ich nichts gefunden. Ähnlich verhält es sich mit den Bezügen der Aufsichtsräte.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Als ich 2001 morgens halb neun ein Reh im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses in der Berlepschstraße in Zehlendorf vorfand und daraufhin den Amtstierarzt anrief, weil mehrere Nachbarn älteren Semesters leider nichts Besseres zu tun hatten, als das >gefährliche Wildtier< nicht einfach bis zur nächsten Nacht in Ruhe zu lassen, nein, sondern das arme, völlig verschreckte Tier nach vorne raus auf die befahrene und an beiden Seiten zugeparkte Straße zu treiben, musste ich mich vom Amtstierarzt auslachen lassen: Ich solle mal bei der Polizei anrufen, er sei dafür nicht zuständig. Also wusste ich nicht, wen ich sonst anrufen sollte. Endeffekt: mehrere verschrammte, geparkte Autos und ein Reh, das fast einen Verkehrsunfall ausgelöst hatte, als es wie von Sinnen versuchte, den mit den Armen wedelnden und klatschenden Rentnern zu entkommen. Das zeigt, dass Berliner dringend Hilfe im Umgang mit Wildtieren brauchen. Würde mich nicht wundern, wenn das arme Vieh an einem Herzinfarkt krepiert ist.“

Ein Leserbrief aus Lahnstein: „Ich unterstütze ein Verbot von Pferdekutschen in Städten sehr. Auch in Rom habe ich in brütender Sommerhitze die armen Tiere in der prallen Sonne auf glühendem Asphalt stehen sehen. Zudem ist es sehr zweifelhaft, inwieweit die Pferde in den Städten die Möglichkeit der Flüssigkeitsaufnahme haben. Ein Pferd benötigt an heißen Tagen im Schnitt bis zu 50 Liter Wasser. Dass einige Tiere da einfach tot umfallen, weil sie kollabiert sind, ist kein Wunder.
Aber auch in anderen Bereichen gehören diese sensiblen und fluchtorientierten Tiere nicht in eine Stadt. Ich kenne beispielsweise einige ausgemusterte Polizeipferde, die bei Demonstrationen und anderen lärmenden Polizeieinsätzen über Jahre im Einsatz waren. Diese Tiere sind alle extrem verhaltensgestört und kaum noch in ihrer artgerechten Haltung als Herdentiere zu resozialisieren. Oft führt ihr Weg in viel zu jungen Jahren zum Schlachter, weil keiner mehr mit ihnen klarkommt.
In unserer heutigen, hoch technisierten Zeit halte ich Pferdekutschen und Polizeipferde für absolut überholt. Ein Tier ist kein Spaßobjekt. Es gibt schöne andere Alternativen, zum Beispiel Elektromobile, um sich eine Stadt anzugucken. Auch bei den Kutschbetrieben ist ein Umdenken angesagt.“

Ein Leserbrief aus Niebüll: „Bisher mussten Abgeordnete ihre Nebeneinkünfte nur in drei Stufen offenlegen, wobei die dritte Stufe alle Einkünfte über 7000 Euro erfasste. Die nun geltende Zehnstufenregelung macht Einkünfte ihrer Größenordnung nach bis zu 250 000 Euro sichtbar. Doch die Abgeordneten können weiterhin Geld dazuverdienen und Lobbyarbeit für die Industrie und Verbände machen. So ist zu erklären, dass Gesetze immer wieder verwässert und verzögert werden. Wie beim Mindestlohn will die CDU immer mehr Ausnahmen. Oder beim Tierschutz in Mastställen gibt es kaum Verbesserung, durch Blockade von CDU/CSU.
Zum Glück haben die Bundestagsabgeordneten auch etwas Gemeinsames geschafft. Sie haben sich die Diäten erhöht. Skrupellosigkeit ist unter dieser Berufsgruppe besonders verbreitet.“

Ein Leserbrief aus Stephanskirchen: „… wenn 8.50 Euro Mindestlohn die Regel werden würde. Mit diesem Stundenlohn kommt man im Jahr auf etwa 17 600 Euro brutto. Das entspricht in etwa dem Tageseinkommen vieler Vorstände. Da in der Wirtschaft ja immer von Effizienz die Rede ist, fände ich es viel effektiver, wenn diese Großverdiener einen Tag im Jahr auf Bezahlung verzichten würden und das Geld den >notleidendenFacharbeiterinnen< bin, nach denen Unternehmen angeblich händeringend suchen. Wahrscheinlich habe ich nur Pech, dass seit meinem 60. Lebensjahr kein Personalchef mehr nach mir kräht und ich daher 18 Prozent Abschläge auf meine Rente hinnehmen muss, um überhaupt eine zu bekommen.“

Ein Leserbrief aus Wildau: „Es ist gut, dass wir gegenwärtig eine Kampagne für mehr Steuerehrlichkeit erleben. Aber die Gedankenlosigkeit und Arroganz, mit der Steuergeld ohne Nutzen für die Bürger verschwendet wird, passt nicht dazu, dass Menschen ins Gefängnis gehen müssen, wenn sie ihrer Pflicht zum Entrichten der Steuern nicht nachkommen. Wir benötigen als Nächstes dringend eine Kampagne, in der eine breite, informierte Öffentlichkeit den Respekt und die Ernsthaftigkeit beim Umgang mit Steuergeldern einfordert, die der Vehemenz entspricht, mit der Steuern eingetrieben werden.
Nach dem ökonomischen Prinzip des Grenznutzens müsste im Grunde jeder Euro in öffentlichen Haushalten darauf geprüft werden, ob er den Bürgern mehr nutzt, wenn er in öffentliche Güter und Dienstleistungen wie Bildung, Justiz und Infrastrukturausbau gesteckt wird, oder ob er mehr Segen stiftet, wenn ihn die Menschen selbstbestimmt für eigene Zwecke verwenden.“

Ein Leserbrief aus Bad Homburg: „Ich bin inzwischen sehr vorsichtig damit geworden, von außen zu beurteilen, was die Mehrheit eines anderen Volkes tatsächlich will. Das gilt auch für die Ukraine und speziell für die Krim.
Russland hat zwar nicht bereitwillig, aber trotzdem überwiegend friedlich, einen beträchtlichen Teil seiner bisherigen Machthemisphäre abgegeben, während die USA schon allein die Tatsache als existenzielle Bedrohung ansah, dass ein Land in seiner unmittelbaren geografischen Nähe, wie Kuba, ein anderes politisches System hatte und dies zu einer der gefährlichsten militärischen Krisen der Nachkriegszeit führte. Von den weltweit großen Mächten hat vielleicht sogar die USA nach dem Zweiten Weltkrieg die meisten Kriege geführt. Das ist das eine. Das andere ist, dass diese Kriege selten den vorgegebenen uneigennützigen Zwecken dienten. Länder wie die Ukraine oder Georgien gehörten nicht nur zum ehemaligen militärischen und politischen Block, in den Russland die Führerschaft hatte, die beiden Länder gehörten zur Sowjetunion selbst, also zum Kernland. Insofern sind beide Fälle noch differenzierter zu beurteilen. als die Abspaltung von Ländern wie Polen oder der CSSR. Die Separationsentwicklungen und -bewegungen im ehemaligen Ostblock sind mittel- und unmittelbar auch vom Westen gesteuert und eventuell teilweise sogar initiiert worden. Ich würde das auch im aktuellen Fall der Ukraine vermuten. Es geht dem Westen auch hier nicht um Menschenrechte, sondern um geostrategische Machtinteressen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich Russland nicht immer sehr charmant verhalten hat. Man muss Putin nicht gleich als lupenreinen Demokraten beschönigen, um die Interessen Russlands grundsätzlich zu respektieren.“

Ein Leserbrief aus Aschaffenburg: „Es ist bezeichnend, mit welcher Eile die EU jetzt ein Assoziierungsabkommen mit der neuen Führung in Kiew anstrebt. Die neue Führung in der Ukraine ist ja noch überhaupt nicht demokratisch legitimiert. Hier zeigt sich wieder die Doppelmoral der meisten westlichen Staaten. Befreundeten Regierungen gegenüber sieht man deren demokratische Legitimierung für zweitrangig an, zum Bespiel bei den arabischen Golfstaaten und bei Saudi-Arabien. Während man bei den nicht befreundeten Regierungen sehr darauf achtet, ob es dort demokratisch zugeht. Das eine Mal spricht man vom legitimen Autonomie- und Selbstbestimmungsrecht der Völker, das andere Mal von terroristischen Separatisten.“

Ein Leserbrief aus Heidelberg: „Bei Prostitution geht es nicht um Kauf, sondern sozusagen um Miete. Bei Kauf geht die ‚Sache‘ in den Besitz des Käufers über. Die Prostituierte behält ihren Körper, sie gibt ihn nicht her, sie verleiht ihn auch nicht. Keine Frau verkauft sich, sie verkauft ihre Arbeitskraft. Kein Mann kauft den Körper einer Frau! Das Wort klingt ’sauber‘, klingt nach: ‚Das gehört jetzt mir, damit kann ich machen, was ich will.‘ Ein Sexkäufer (Freier ist ein so niedliches Wort) mietet für eine gewisse Zeit den Körper einer Frau! ‚Mieten‘ klingt nicht so fein wie ‚kaufen‘. ‚Miete‘ klingt schon eher nach dem, was es ist: nach Benutzung und Befriedigtwerdenwollen.
Ob eine Frau ihren Körper für die Lust anderer vermieten will, kann nur sie selbst entscheiden. Diese Entscheidung muss sie jederzeit ändern können. Dazu muss sie sich frei bewegen können, ihren Pass in der Hand haben, ein Konto eröffnen können, Hilfe in Anspruch nehmen können. Zu einem normalen Beruf wird es erst, wenn ihr Kind in der Schule den Beruf der Mutter angeben kann und die Mutter hoch erhobenen Hauptes zur Elternsprecherin gewählt werden kann. Vorher nicht.“

Ein Leserbrief aus Eisenach: „Wer die (Roman-)Literatur beobachtet und bewertet, muss sich immer klar darüber sein, dass er lediglich ein Marktgeschehen beobachtet, das von Renditeerwartungen geprägt ist, die wiederum stark das Ästhetische beeinflussen. Wo wirtschaftlicher Erfolg das einzige Kriterium für Verlage ist, muss der Literaturmarkt immer mainstreamiger werden. Die Masse des Publikums ist nie Avantgarde. Darum haben wir – auch im >linkenspannendAufmerksamkeitBetrachtungReflexionzwingt< niemand, das funktioniert ganz von allein.“

Ein Leserbrief aus Feldafing: „Mit Recht erzeugt die Tötung der Giraffe Marius im Zoo von Kopenhagen Abscheu und weltweite Empörung und ist ethisch nicht zu akzeptieren. Natürlich ist es sinnvoll, die Bestände so zu halten und zu erhalten, dass ein Zoo sie verkraften kann. Dazu kann aber nicht die Tötung als >Standardverfahren< gehören, weil man nicht im Stande war, Vorsorge zu treffen. Das ist ein scheinheiliger Vorwand. Zur Vor- und Fürsorge gehört – wie man das schon bereits in den Achtzigerjahren im Hannoverschen Zoo unter der Leitung des Tierarztes Dr. Peter Brandt praktizierte – , dass man, um Inzuchtschäden zu vermeiden, die Tiere sterilisiert. hormonell oder operativ.“

Ein Leserbrief aus Bremen: „Ich hoffe, dass das Turbo-Abitur überall bald abgeschafft wird. Ich erlebe als Nachhilfelehrer im Fach Mathematik, welchem Stress Schüler heutzutage ausgesetzt sind. Immer stärker werden sie von der Schule mit allem Dazugehörigem (5. Prüfungsfach, Referate, Nachhilfe etc.) beansprucht, was durch das >G8< noch gesteigert wird. ExpertInnen haben herausgefunden, dass SchülerInnen der Oberstufe mehr Zeit mit Schulischem verbringen, als durchschnittliche ArbeitnehmerInnen in ihrer Firma arbeiten. Das kann nicht gut sein für die Entwicklung der Jugendlichen, die unter dieser Belastung leiden, zumal der dringend nötige und für die Entwicklung nötige Ausgleich im privaten Sektor zunehmend zurückgedrängt wird.“

Ein Leserbrief aus Lichtenrade: „Es ist ein Irrtum, dass die Flüchtlinge aus den armen Ländern wegen der Millionäre nach Deutschland wollen. Sie kommen, weil wir ein Rechtsstaat sind, weil hier noch einigermaßen Ordnung und Gerechtigkeit herrscht. Wie es ist, wenn keine Steuergerechtigkeit herrscht, können wir an dem demokratischen Griechenland sehen. Und wenn wir im öffentlichen Dienst immer mehr kürzen müssen, weil das Großkapital sich nicht am Gemeinwohl beteiligt, dann wird es in der Mitte Europas auch bald so aussehen wie in diesen Ländern. Denn die Beteiligungen an Militäreinsätzen und die paar Milliönchen für die Entwicklungshilfe, die dann auch noch aus dem Steuertopf bezahlt werden, dienen doch auch nur den Waffenherstellern und den übrigen Exportfirmen.“

Ein Leserbrief aus Fürth: „In unseren Städten liegen die Elektrokabel unter der Erde. Warum kann man die Überlandkabel nicht auch unter die Erde legen? In harten Wintern oder bei Stürmen knicken die Hochspannungsmasten ein – siehe zur Zeit im Osten. Wenn sie unter der Erde liegen, knicken sie nicht ein. Oberirdische Stromtrassen haben einen gewaltigen Landverzehr, unter der Erde nur ein paar Meter. Die Verschandelung unserer Landschaft in gigantischem Ausmaß können wir unseren Kindern nicht zumuten. Unter der Erde ist nichts verschandelt. Oberirdische Strommasten stellen eine längst überholte Technik dar. Das ist voriges Jahrhundert. Unter der Erde wäre der Würde unserer Zeit und unserer modernen Technik entsprechend.“

Ein Leserbrief aus Schwerin: „In ganz Deutschland sind viele Bauern daran, Weiden und Wiesen umzubrechen und Mais für hochsubventioniertes Biogas anzubauen. Diese Landwirte dürfen plötzlich alles vergessen, was sie beruflich über Bodengüte und Artenvielfalt wissen und outen sich sogar als ‚Energiewirte‘. Für sie gibt es offenbar kein besseres Geschäft auf dem Acker, als mit relativ wenig Arbeit und viel Verbraucher- und Steuerzahlergeld das ganze Land vollzupflastern mit Maisfeldern, die für Kleintiere, Vögel und Wiesenblumen fast flächendeckend das Ende bedeuten und die Vielfältigkeit unserer Landschaften zerstören. Wenn nun offenbar die Bundesregierung die Förderung dieses ökologischen Kahlschlags etwas reduzieren will und sich für die Erhaltung der Artenvielfalt einsetzt, tauchen ausgerechnet die Bayern auf und wollen ihr ach so gottgesegnetes Land außerhalb von Stachus, Neuschwanstein und Zugspitze als profitable Maiswüste erhalten und noch weiter abwickeln.
Hoffentlich knickt die GroKo nicht vor der staatsgeldgierigen Bauernlobby ein, sondern setzt deutschlandweit ein Zeichen gegen diesen umstrittenen Bereich der Stromgewinnung und gegen die abartige Verödung der deutschen Landschaften durch subventionierte unendliche Monokulturen.“

Ein Leserbrief aus Boos: „Neulich traf ich eine alte Bekannte. Da standen wir also an der Supermarktkasse, Ende 50, Anfang 60, hübsch, sportlich, gut gekleidet, als sie mir nach kurzem Smalltalk besorgt in die Augen sah: ‚Und was macht dein Freund so?‘ ‚Keine Ahnung‘, antwortete ich vergnügt, ‚er ist schon seit zwei Jahren in der Wüste. Jedenfalls habe ich ihn dorthin geschickt, und das war der beste Einfall meines Lebens.‘ Ihr Gesicht entspannte sich. ‚Ich bin auch Single‘, sagte sie zufrieden. Und dann in unserem schwäbischen Dialekt: ‚Es isch oifach schee. Ma ka do, was man will, ond koi omues me.‘ (Hochdeutsch in etwa: Es ist einfach schön. Man kann tun, was man will, und keine Unruhe mehr. ‚Omues‘ ist verwandt mit ‚Muse‘, vgl. auch mittelhochdeutsch ‚onmuoze‘, Mangel an Zeit, Geschäftigkeit, Mühe.)
Ja, es ist schön. Sollen die Jungen sich verlieben, begehren und sonst was treiben. Wir hatten das auch. Und wir können jetzt zusehen, wie unsere Kinder das ganze Spiel mit der Liebe meist viel schlauer, unabhängiger und freier anstellen als wir damals – weil wir sie so erzogen haben, und sie aus unseren Fehlern lernen. Da gibt es nichts zu jammern. Ob man nun bei Männern noch Aufmerksamkeit weckt oder nicht – das ist einfach bloß egal. Wenn man erst mal damit angefangen hat, fällt einem soviel Schönes ein, was man schon immer und ohne schlaues Dreinreden machen wollte. Und frau tut es einfach. Die einzigen Einschränkungen sind finanzieller Art.“

Ein Leserbrief aus Lochau: „Erfreulich ist, dass sich die politischen Parteien wenigstens beim ‚Nein‘ gegen Fracking im Bodenseeraum einig sind und für andere Gebiete zumindest auf Umweltverträglichkeitsgutachten bestehen. Das ist aber zu wenig! Es muss in Europa grundsätzlich ein klares ‚Nein‘ zu diesem Thema geben. Die Probebohrungen in Konstanz und Biberach sind einzustellen. Die nationalen und EU-Politiker wissen genau, dass Fracking allein der Profitgier der ausländischen Konzerne, nicht dem Gemeinwohl dient und der Umwelt großen Schaden zufügt. Die Konzerne machen horrende Gewinne, vergiften die Erde, das Grundwasser, hinterlassen – wie wir es aus Nordamerika kennen – zerstörtes Gebiet, regelrechte Wüsten. Dennoch steigen Politiker wider besseres Wissen für diese zerstörerische Technologie in den Ring. Wirtschaftskammerpräsident Rein meint, man sollte hier Experten zu Rate ziehen. Wofür? Die Umweltbelastung/-zerstörung ist überall sicht- und spürbar. Dann brauchen wir auch Experten um festzustellen, dass man sich auf der heißen Herdplatte verbrennen kann und dass Wasser nass ist.“

Ein Leserbrief aus Baiersbronn: „In fast 40 Jahren ärztlicher Tätigkeit habe ich Hunderte Menschen sterben sehen. Ich habe viele sterbende Menschen begleitet, deren Sterben und Tod in mir ein ähnlich heiliges Gefühl hervorgerufen hat wie das Wunder einer (technisch nicht verfremdeten) Geburt, von denen ich viele in Papua-Neuguinea begleiten durfte. Ich habe auch das Sterben von Menschen über Wochen mit durchlitten, die trotz optimaler und maximaler medizinischer Begleitung buchstäblich eingingen. So beschäftigt mich seit fast vier Jahrzehnten die Frage, wie Sterben so gelingen kann, dass der Sterbende im Frieden geht und sich den Zurückbleibenden das Tor zum Leben öffnet. Meinen ersten Ansatz, dass religiöse Menschen besser sterben, hat die Wirklichkeit widerlegt. Immer wieder stieß ich darauf, dass einzelne Menschen mit einem Leben, das vordergründig jeder Selbstbestimmung spottete, einen geburtsähnlichen Tod hatte, nicht rosarot, nein, als ein basales, elementares Geschehen, das für alle Beteiligten wundersamen Frieden hinterließ. Menschen, die gelernt haben, Brüche, Schmerzen, Leid in ihrem Leben letztlich zu bejahen, deren Selbstbestimmung darin besteht, ihre Situation anzunehmen und darin ihren Weg zu sehen – solche Menschen habe ich gelöst sterben sehen. Ich habe zuerst in Neuguinea, später auch hier erlebt, dass Menschen mit maximaler Schmerztherapie plötzlich ganz oder weitgehend schmerzfrei waren, wenn sie loslassen konnten, ihrem Lebensweg – in ihrem Fall ihrem Sterben – zustimmen konnten. Dann ging das Bedürfnis nach Essen und Trinken zurück, das Befinden wurde besser. Eine Medizin, die als aktive Sterbebehinderung das Sterben als ganz eigenen Lebensabschnitt nicht zulassen will, trägt zu unserer schon fast generalisierten Angst vor Sterben und Tod bei und liegt wie ein Schatten über dem Leben vieler Menschen.“

Ein Leserbrief aus Schwaig: „Der gewaltige Anstieg des Verbrauchs von Ritalin und ähnlichen Medikamenten gibt mir wirklich zu denken. Auch unserem Sohn wurde im Alter von zehn Jahren ADHS bescheinigt, nachdem er durch seine innere Unruhe und Hyperaktivität in der ersten Klasse des Gymnasiums aufgefallen war. Mein Mann und ich haben uns massiv gegen die Wesensbeeinflussung durch medikamentöse Indikation gewehrt und nach Alternativen gesucht, die ihn zu einem inneren Ausgleich führen, so zum Beispiel Sport und Musik. Am Ende waren es das Singen wie auch der Wechsel auf die Realschule, die die Lösung brachten. Im Windsbacher Knabenchor wurde er hervorragend geführt und gefordert. Er konnte sich sprichwörtlich ‚freisingen‘ – auch zu Hause, außerhalb der Choraktivitäten.
Ich bin davon überzeugt, dass es in sehr vielen Fällen die psychosozialen Komponenten sind, wie zum Beispiel der immense Druck durch das G 8 und zu wenig Förderung der individuellen Fähigkeiten, die zu diesen Auffälligkeiten führen und die dann fälschlicherweise mit Medikamenten ‚behandelt‘ werden. Diese Kinder werden ruhiggestellt, statt dass die Probleme bei den Wurzeln ‚gepackt‘ werden. Heute haben wir einen bereits seit Jahren sehr ausgeglichenen, nun 16-jährigen Sohn, der Gott sei Dank vor dieser Ritalin-Droge bewahrt wurde.“

Ein Leserbrief aus Lichterfelde: „An den vergangenen Wochenenden wurden zwei Personen durch Verkehrsunfälle lebensgefährlich verletzt, eine Frau verstarb am Unfallort. Es waren jeweils betrunkene Autofahrer schuldig an den Unfällen. Das hat mich fatal an die Tötung meiner Tochter im Alter von 21 Jahren erinnert. Sie wurde auf der Potsdamer Straße durch einen betrunkenen Autofahrer schwer verletzt, der in der Innenstadt mit Tempo von über 110 km/h das Auto meiner Tochter von hinten rammte, so dass es von der Fahrbahn und gegen eine Laterne geschleudert wurde. Meine Tochter wurde zwei Tage später, weil schwerst hirngeschädigt, für tot erklärt. Der Fahrer saß wegen Fluchtgefahr vier Monate in Untersuchungshaft und wurde in der Revisionsverhandlung wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit vorsätzlichem Vollrausch zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt – die Vollstreckung dieser Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen wurde ihm für drei Jahre entzogen. Es sind 16 Jahre vergangen, und noch immer werden Taten unter Alkoholeinfluss als >Rauschtaten< bagatellisiert. Die Täter gelten als eingeschränkt schuldfähig. In England gibt es eine deutlich andere Rechtsprechung: Dort ist Alkohol am Steuer kein Kavaliersdelikt, jeder kennt die drohenden, sehr harten Gefängnisstrafen. Deshalb ist die Zahl der Verkehrstoten durch Betrunkene in Großbritannien drastisch gesunken.“.

Ein Leserbrief aus Berlin: „Ich halte gar nichts von der Forderung, nun auch die Beamten mit 63 in den Ruhestand gehen zu lassen. Die Äußerungen des Beamtenbundes sind reiner Aktionismus und haben nur das eine Ziel, von den vielen Ungerechtigkeiten in der Beamtenbesoldung in Deutschland abzulenken! Fakt ist doch, dass wir in den einzelnen Bundesländern und beim Bund verschiedene Gehaltszahlungen für gleiche Tätigkeiten bei der Beamtenschaft haben. Diesem Skandal sollte man endlich Einhalt gebieten. Die Gewerkschaften sollten deshalb ihr Augenmerk lieber auf solche Skandale lenken, statt populistische Parolen zu verbreiten.“

Ein Leserbrief aus Karlsruhe: „Als Zwölfjähriger kam ich mit einem schweren Asthmaleiden, welches mich seit meinem vierten Lebensjahr heimsuchte und mir fast den Erstickungstod brachte, in die Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang. Meine Eltern hatten damals, 1981, für eine sechswöchige Kur bei der zunächst ablehnenden Krankenkasse gekämpft – verzweifelt und voller Hoffnung, dass mir dort geholfen würde, nachdem alle herkömmlichen Therapien und ein Aufenthalt an der Nordsee nichts brachten. Als sich nach dem ersten Aufenthalt dort eine deutliche Besserung einstellte, war ich noch ein zweites Mal in Davos. Danach war ich von dem Martyrium befreit – bis heute. Es schien wie ein Wunder. Der Dank gebührt dem Team von Ärzten, Betreuern, Therapeuten und Forschern, die in dem einmaligen Klima dort oben ihre Arbeit tun.
Ich hoffe, dass es eine Rettung, einen Investor gibt, und dass die Genannten nun reagieren, damit die beste Klinik Europas für Allergiker und Asthmatiker weiter bestehen kann und dass die Mitarbeiter, welche Tausenden Patienten geholfen haben, weiterarbeiten und dort forschen können.“

Ein Leserbrief aus Ebersberg: „Sind Sigmar Gabriel und die anderen Mitglieder seiner Partei an den Koalitionsverhandlungen eigentlich schlau oder nur dreist? Wenn ich mit 25 Prozent Rückhalt in der Bevölkerung gegen 42 Prozent was erreichen will, dann gehe ich nicht mit Maximalforderungen an die Öffentlichkeit und setze mit markigen Worten wie ‚Jetzt müssen die liefern‘ meinen Verhandlungspartner unter Druck, es sei denn, ich habe schlichtweg Angst vor den Parteimitgliedern. Scheinbar muss Gabriel dicke Backen machen und sich selbst Mut zusprechen. Ich finde das Verhalten der SPD-Führung beschämend. Sie wurden von ihren Wählern, nicht nur von Parteimitgliedern, gewählt. Meines Erachtens mit dem deutlichen Votum, in eine große Koalition zu gehen. Sie hatten also ein Mandat. Und was machen sie daraus? Absicherung nach allen Seiten, ja keine Verantwortung übernehmen. Geht die Mitgliederbefragung der SPD schief, und es gibt keine große Koalition, dann werde ich mir sicher nicht alleine die Frage stellen, ob es die gewählten Parlamentarier mit ihrem Grundgesetzauftrag, nämlich ‚zum Wohle des deutschen Volkes‘ und nicht nur für ihre Mitglieder zu handeln, noch ernst nehmen.“

Ein Leserbrief aus Braunfels: „Um herauszufinden, ob Bemerkungen von Lehrkräften verletzen können, schlage ich ein einfaches soziales Experiment vor: den Rollentausch. Mit geringen Änderungen lassen sich die Lehrersprüche so formulieren, dass sie sich aus der Sicht eines Schulkinds an die Lehrkraft wenden. In einer Klasse melden sich viele Kinder gleichzeitig oder sprechen den Lehrer direkt an. Der bittet um Ruhe, damit er sich einem Kind direkt widmen kann. Ein anderes kommentiert: >Den Herren der Schöpfung liegt das Multitasking ja nicht.Steh’n Sie nicht rum wie ein Gartenzwerg. Tun Sie was.< Wie fühlt sich das an?“

Ein Leserbrief aus Neuötting: „Ich lese am Morgen des 12. November in der SZ, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wütend reagiert habe, weil er vom Schwabinger Kunstfund aus den Medien erfahren musste. Und am Abend höre ich im Fernsehen seinen Vortrag auf einer Gedenkveranstaltung. Wenn Schäuble sagt, dass die von den Nationalsozialisten eingeführten Gesetze zur Enteignung der Juden in Deutschland zum >größten Raubzug< geführt haben, sollte er trotz seiner Mitgefühle am erlittenen Unrecht der jüdischen Zuhörer und seines Interesses am Schwabinger Kunstfund seine eigene juristische Kunst des Raubens nicht allzu sehr unter den Scheffel stellen. Denn viele Zuhörer könnten vergessen haben, dass es dieser Redner selber war, der mit dem BRD/DDR-Staatsvertrag jene Rechtslage erschaffen hat, die es der ihm unterstellten Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH ermöglicht, durch den Verkauf der von den Kommunisten nach 1945 im Gebiet der DDR geraubten Güter die Staatskasse der Bundesrepublik aufzufüllen.“

Ein Leserbrief aus Köln: „Schon bei den alten Griechen wurde der Überbringer schlechter Nachrichten bestraft, im Mittelalter wurde er geköpft, und bei Konfuzius heißt es: ‚Ein Mann, der die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd.‘ Denn was ihn erwartet, ist alles, nur keine Dankbarkeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Unser gesundes Rechtsempfinden sagt uns zwar, dass ein Mann wie Edward Snowden, der die Wahrheit ans Licht brachte, von den Regierungen dieser Welt geehrt und gefeiert werden sollte dafür, dass er ihnen die Augen öffnete. Und dass gerade die Länder Europas sich eigentlich darum reißen sollten, Edward Snowden zum Dank für seinen Mut Asyl anzubieten. Aber die Regeln des Mittelalters gelten noch immer. Wissen ist Macht, und wer sich erdreistet, Herrschaftswissen unter das Volk zu streuen, gilt den Herrschenden als Verräter. Denn, nicht wahr: Letztendlich haben sie alle mehr oder weniger gemeinsame Leichen im Keller, die nicht geborgen werden wollen. Und die Furcht und Demutshaltung vor dem Großen Bruder Amerika lähmt auch den letzten Aufrechten.
Es darf mit Spannung abgewartet werden, welche Nation am Ende die Souveränität und das Selbstbewusstsein aufbringt, Edward Snowden eine sichere Heimat zu bieten. Deutschland wird es nicht sein.“

Ein Leserbrief aus Bad Homburg: „Die Reaktionen der grünen Parteispitze nach der Wahl empfand ich ein wenig überzogen. Die personellen Maßnahmen, sowie auch die parteiinternen Grundsatzdebatten, wirkten auf mich so, als hätte man nur dieses Wahlergebnis gebraucht, um endlich das zu tun, was man ohnehin vorhatte. Ein Hauch von unproduktiver Hektik ereilte die Grünen nach der Wahl.
Die Grünen möchten sich nun für alle Seiten offen halten. Der Machtoption wegen. Nach dem Motto >ein bisschen Gysi und ein bisschen Seehofer<? Will man nach allen Seiten offen sein, dann dürfte das nur um den Preis möglich sein, für die Mehrheit der Wähler auch nicht mehr deutlich unterscheidbar von den anderen Parteien zu sein. Wer sich alle Optionen offen hält, hat keinen Standpunkt. Betrachtet man den Weg der Grünen von den Anfängen der 80er Jahre zum Heute, dann hat dieser Schritt eine gewisse Konsequenz. Ob diese Strategie aufgeht, werden wir spätestens in vier Jahren sehen. Vielleicht wird man bei den Grünen den phänomenalen Wahlerfolg von Wilfried Kretschmann in Baden-Württemberg eines Tages noch verfluchen.“

Ein Leserbrief aus Stolberg: „Während der Bischof zu Rom, Papst Franziskus,
sich glaubwürdig mit Wort und Tat an die Seite der Hilfsbedürftigen und
Armen stellt, sind die deutschen Bischöfe selbst mittels ihrer (Erz-)Bischöflichen Stühle als Gesellschafter ein nicht unerheblicher Teil eines Menschen verachtenden Zocker- und Turbokapitalismus. Beispielsweise die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH gehört in unterschiedlicher Beteiligung (insgesamt zu 100 Prozent) den (Erz-)Bischöflichen Stühlen zu Köln, Paderborn, Trier, Münster und Aachen. Die >Aachenerhochwertige Top-Immobilien in 1-a-Einzelhandelslagen<. Insgesamt 329 Objekte, unter anderem die Münster-Arkaden, die Anfang 2013 für knappe und schlappe 300 Millionen gekauft wurden (www.aachener-grund.de) Und das ist ja nur ein Beispiel.
Sicher, als Wohlmeinender möchte man nun ganz schnell einwenden, dass die Mittel (durch Profitmaximierung) bekanntlich den guten Zweck (Investitionen in Menschen) heiligen. Leider ist diesbezüglich am Beispiel des Bistums Aachen (mit 8,9 Prozent Eigentum an Aachener SWG) wohl eher weitere Desillusionierung angesagt. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass das Vermögen des Bischöflichen Stuhls zu Aachen in der Finanzkrise ab 2005 nicht einmal dafür genutzt wurde, die Arbeitsstellen der eigenen Mitarbeiter zu sichern, die aufgrund eines strukturellen Haushaltsdefizits (im öffentlichen Haushalt!) betriebsbedingt gekündigt wurden.“

Ein Leserbrief aus Witzenhausen: „Die Politik der Menschenverachtung der EU macht angesichts der Doppelzüngigkeit sprachlos. Man spricht von >humanitären Militäreinsätzen<, verschärfter Küstenüberwachung durch Eurosur und Frontex, um Seenotrettung zu verbessern, wobei es nicht im Geringsten um Lebensrettung, sondern Abschreckung und Verhinderung der Einwanderung geht. Die einzige Antwort auf ein Massensterben an den Mauern der Festung Europa, die den Politikern der EU einfällt, ist das Erhöhen eben dieser Mauern. Nur 1,5 Prozent der Asylantragsteller in Deutschland werden laut UNHCR anerkannt! Und das in einem derart reichen Land. Von den 728.500 Flüchtlingen aus Syrien im Jahr 2012 sind
500 000 im Nachbarland Jordanien, einem Land mit ganz anderen Voraussetzungen als die meisten europäischen Staaten. Wie kann es da sein, dass lächerliche 52 Syrer in deutschen Unterkünften auch noch mit Brandsätzen begrüßt werden? Und das, wo man sich das Elend in vielen Entwicklungsländern und immer mehr auch innerhalb des eigenen Landes und der EU in großem Stil selbst zuschreiben darf?“

Ein Leserbrief aus Worpswede: „Ob Negerkuss, Mohrenkopf oder Zigeunerschnitzel, mir gehen derartige Debatten gehörig auf den Keks. Ich möchte ihnen sogar eine gewisse Verlogenheit unterstellen. Da wird auf randständigen Ebenen laviert, um dem Kern der Themen zu entgehen. Ein Negerkuss ist braun und süß. Ist das negativ? Offensichtlich können Zigeuner eine besonders leckere Soße zum Fleisch zubereiten, sodass sie nach ihnen benannt wird. Kompliment. Jäger übrigens auch, etwas weniger pikant, dafür mit viel Pilzen. Da gibt es noch die Nürnberger Würstchen, klein, dünn und kurz. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt. Die Wienerle haben es besser, sie sind zumindest lang. Und? Wer hat Mitgefühl mit den Nürnbergern oder den Wienern?
Nur um so zu tun, als hätte man eine weiße Weste, wenn man Begriffe ändert, wird man mit seiner Toleranz nicht weit kommen. Die wirkliche Diskriminierung wird nicht beim Namen genannt. Was hat der Roma oder Sinti davon, dass das Schnitzel nun nach Balkanart heißt, er aber immer noch keinen Platz in unserer Gesellschaft bekommt?“

Ein Leserbrief aus Errachidia/ Marokko: „Es ist in fast allen afrikanischen Ländern das gleiche Problem: Einerseits herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit, andererseits ein enormer Mangel an qualifizierten und zuverlässigen Arbeitern. Es sind nicht die Klügsten, Mutigsten und Wendigsten, die sich auf den Weg nach Europa machen, sondern es sind fast immer jene, die keine Arbeitsstelle in ihrem Heimatland bekommen, obwohl dort die Anforderungen weitaus geringer sind als in Europa. Es sind zudem jene, die so realitätsfremde Vorstellungen von Europa haben, dass sie glauben, wenn sie dort angekommen sind, es geschafft zu haben, und dass ihrem nun beginnenden Wohlstand nichts mehr im Weg stünde.
Ich lebe seit 15 Jahren in Marokko, zuvor war ich in Burkina Faso ansässig. Immer und immer wieder werde ich von Einheimischen darauf angesprochen, ihnen zu helfen, nach Europa zu kommen. Sie zahlen dafür geliehenes Geld in Höhe von mehreren Tausend Euro und sind sich sicher, dieses Geld umgehend zurückzahlen zu können, wenn sie in Europa sind und arbeiten. Aber heute ist es selbst als Europäer in Europa mit einer Qualifikation nicht leicht, eine adäquate Arbeitsstelle zu bekommen.“

Ein Leserbrief aus Potsdam: „Können wir uns wirklich wundern, dass keine Partei gern mit der Kanzlerin zusammenarbeiten will? Jede Koalition mit ihr endet katastrophal für die jeweilige Partei. Die FDP, der heiß gewünschte Koalitionspartner, wurde wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Und die SPD erlitt einen Zusammenbruch nach der großen Koalition mit ihr. Dazu erhält sie nur Spott, wenn sie der Kanzlerin aus der Patsche hilft, siehe Eurokrise.
Wenn man zwischen Cholera und Pest (große Koalition oder Neuwahlen) zu entscheiden hat, dann ist es besser, sein Gesicht zu bewahren und in die Opposition zu gehen. Denn eine starke Opposition kann dem Land richtig dienen, indem sie aus dieser Position heraus dem Land eine Orientierung und Vision gibt und uns Wähler behutsam überzeugt, wohin der Weg führen sollte.“

Ein Leserbrief auf Bremen: „Vor knapp 200 Jahren hat eine leicht anders als heute geartete obrigkeitlich-preußische Gesellschaft das Abitur als Beleg für den Abschluss eines privilegierten und natürlich auch privilegierenden Bildungsgangs eingeführt.
Anstatt über Spielarten des Abiturs nachzusinnen, sollte intensiv darüber nachgedacht werden, dieses Fossil endlich abzuschaffen, weil es in einer modernen und manchmal auch egalitären, demokratischen Gesellschaft nichts zu suchen hat. Dieser Einsicht wird allenthalben schon dadurch Rechnung getragen, dass in zunehmendem Maße das Abitur an sich als Qualifizierungsinstrument obsolet wird, die Hochschulen eigene Aufnahmeprüfungen veranstalten oder zunehmend einzelne Noten aus dem Abizeugnis nachfordern, weil sie eine allgemeine Hochschulreife durch das Abitur nicht mehr attestiert finden. Also weg mit dem unsagbar aufgeblähten Wasserkopf des Abiturs, dessen Aussagekraft sich null nähert, und her mit einer engeren Kooperation zwischen Schule und Hochschule und daraus folgernd Aufnahmeprüfungen der Universitäten. Wenn das dann eines fernen Tages Baustein eines neuen, zukunftsorientierten Bildungssystems ist, das beginnend bei den Kitas inklusiv und demokratisch bis zum Eintritt in den Ruhestand reicht, dann hätte Bildungspolitik ihr Reifezeugnis erlangt“.

Ein Leserbrief aus Windischeschenbach: „Seit der Bundestagswahl ist in den Medien der Wunsch nach einer großen Koalition spürbar. Dabei wird besonders auf die SPD Druck ausgeübt. Wissenswert wäre vielmehr, wohin denn die Wahlsieger CDU und CSU steuern. Weder im Wahlkampf noch nach der Wahl ist klar, in welche Richtung der interne Streit der beiden zu gewichtigen Themen führt. Hier sollten die Medien nachhaken, statt ständig von den möglichen Koalitionspartnern Zusagen zu erwarten. Merkel wird als gute Pilotin bezeichnet. Ich vertraue mich aber nur einem Piloten an, wenn ich das Ziel des Fluges kenne.“

Ein Leserbrief aus Steglitz: „Über 90 FDP-Bundestagsabgeordnete werden quasi von heute auf morgen arbeitslos. Darunter sind auch viele akademisch gebildete ‚Leichtmatrosen‘, die noch nie in ihrem Leben richtig gearbeitet haben, sondern von Anfang an in ihrem jungen Berufsleben nur reine Funktionen in einer Funktions-Partei ausgeübt haben.
Als klassisches Beispiel kann man den jungen Johannes Vogel anführen, dessen Lebenslauf vor seinem FDP-Bundestagsmandat zwar nichts mit echter Arbeit zu tun hat, der es aber dennoch zum arbeitspolitischen Sprecher seiner Partei im Bundestag brachte. Auch manche mutmaßliche andere berufliche Karriere vor dem Parlamentsmandat blieb bei den FDP-Leuten bis zum Schluss ihrer politischen Tätigkeit einfach irgendwie zwielichtig. Von dem ‚großen Hoffnungsträger‘ Christian Lindner, der auch schon mit gerade mal 19 Jahren in einem Landesparlament saß, der aber wiederum mit Anfang 20 eine Millionen-Pleite hingelegt hatte, reden wir an dieser Stelle zumindest noch nicht. Da Deutschland aber der ‚Motor Europas‘ ist, weil die Wirtschaft dank der FDP richtig ‚brummt‘, werden die ehemaligen FDP-Abgeordneten sicherlich schnell eine ‚Anschlussverwendung‘ finden und somit richtige ‚Leistungsträger‘ werden.“

Ein Leserbrief aus Landsberg: „Die Grünen hätten vermutlich viel besser abgeschnitten, wenn die Parteispitze sich die Mühe gemacht hätte, das Votum der Basis ernst zu nehmen. Die Grünen haben schließlich im Frühjahr einen bundesweiten Mitgliederentscheid darüber durchgeführt, welche Themen höchste Priorität haben. Heraus kamen neun Top-Themen in drei Politikfeldern. Das Steuerkonzept hat es nicht unter die Top Neun geschafft. Auch einen Veggie-Day sucht man da vergebens. Stattdessen ist die Rede von 100 Prozent erneuerbarer Energien in Bürgerhand, Abschaffung der Massentierhaltung, Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro, Schuldenbremse für Banken, Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin, mehr Kita-Plätze statt Betreuungsgeld. Leider hat die Parteiführung das Votum der Parteimitglieder weitgehend ignoriert und jetzt die Quittung bekommen. Umso wichtiger ist jetzt ein Generationenwechsel.“

Ein Leserbrief aus Spandau: „Im Jahr 1990 – kurz nach der Wende – war ich als Examenskandidat zu einem Symposion in Halle/ Saale eingeladen; man war privat untergebracht. Am Sonntag, dem Tag der Abreise, gab es Mittagessen bei meiner Gastfamilie. Der Hausherr hatte sogar Kuchen für den Nachmittag gebacken. >Sie haben also vorab per Briefwahl gewählt?Dann nehmen wir jetzt Ihre Koffer, und Sie fahren sofort nach Berlin wählen – Kuchen gibt es nicht! Wir haben für freie Wahlen auf Plätzen demonstriert und in Kirchen gebetet, und Sie wagen, auf Ihr Wahlrecht zu verzichten?< Ich fuhr kleinlaut zurück, machte mein Kreuz und bin fortan von der Möglichkeit, nicht-wählender Ignorant zu sein, geheilt.“

Ein Leserbrief aus Wimsheim: „Es ist nicht sinnvoll, ein Kind zu etwas zu zwingen, das es nicht tun möchte. Und es ist auch schwer mit unseren demokratischen Grundwerten in Einklang zu bringen. Solange dadurch kein Schaden entsteht, sollte doch jeder Mensch selbst entscheiden können, was für ihn richtig oder falsch ist. Auch unsere Kinder, denn wie sollen sie sonst zu demokratischen und mündigen Bürgern heranreifen, die für sich selbst und für andere Verantwortung übernehmen können? Mancher mag nun den Einwand bringen, dass diese Kinder von ihren Eltern beeinflusst wären und deshalb zu ihrem >Glück< gezwungen werden müssen. Dem halte ich entgegen, dass wir alle, auch noch als Erwachsene, tagtäglich in unserem Denken beeinflusst werden. Und zwar aus sehr unterschiedlichen Richtungen, nicht nur von unserem Elternhaus. Doch trotz dieser starken Beeinflussung von außen sollten wir als Menschen auch in der Lage sein, eigene selbständige Entscheidungen zu treffen. Ein Kind, das von oben herab diktiert bekommt, was es zu tun, zu lassen und zu denken hat – sei es nun von den eigenen Eltern, der Schule oder wie im Fall des Schwimmunterrichts von der Justiz – , bekommt die in der Gesellschaft vorherrschende Meinung indoktriniert, ohne sich dagegen wehren zu können.“

Ein Leserbrief aus Bad Säckingen: „Die Diskrepanzen zwischen Pensionen und Renten nicht erkennen zu können, bedarf es einer gewissen Blindheit. So beginnt schon der Start in den Ruhestand bei Beamten komfortabel. Mit einer Pension von mehr als 71 Prozent der letzten Bezüge, während bei Renten das Durchschnittseinkommen eines gesamten Arbeitslebens zugrunde gelegt wird. Nur Beamten steht schon nach fünf Dienstjahren eine Mindestpension zu, diese ist zudem höher als eine Durchschnittsrente nach 45 Beitragsjahren. Bei einem vorgezogenen Ruhestand mit 60 werden Renten um 18 Prozent gekürzt, Pensionen lediglich um 10,8 Prozent. Und die laufenden Erhöhungen? Während Pensionen seit jeher in dem Maße ansteigen wie die Bezüge ihrer Kollegen im aktiven Dienst, wurden Rentnern von der Politik zuletzt nur minimale Erhöhungen zugestanden und Nullrunden verordnet.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Warum wird auf dem langen Wahlzettel nicht noch eine weitere Kategorie zum Ankreuzen eingeführt: >Ich fühle mich von keiner der aufgeführten Parteien gut vertreten<? Das ist aussagekräftiger als das Ungültigmachen des Stimmzettels und böte auch unzufriedenen Bürgern, die ansonsten zu Hause blieben, eine Stimmmöglichkeit. Ich habe diesen Vorschlag schon bei der letzten Abgeordnetenhauswahl dem Berliner Petitionsausschuss und dem Wahlleiter vorgelegt, aber nur ignorante, ablehnende Antworten erhalten. Das sei so vom Wahlgesetz nicht vorgesehen. Klar, deshalb sollte es ja geändert werden.“

Ein Leserbrief aus Schmargendorf: „Der erforderliche gesamtgesellschaftliche Konsens in den grundlegenden Fragen der Erziehung ist seit den 1970ern ständig geschwunden und heute kaum noch vorhanden. Jeder, egal ob Staat, Gruppierung oder Individuum, macht auf diesem Gebiet, was er will, keiner macht, was er nach objektiven Maßstäben tun sollte, alle machen das mit, und Schuld sind immer die Umstände oder die anderen. Im Ergebnis haben wir nun die Kinder, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben. Da hilft wohl nur dreierlei: Zurück zum Common Sense. Der mag unbequem sein, ist aber nicht lebensgefährlich. Klare Kante, insbesondere für die männliche Jugend. Und Entlarvung der verbreiteten, alles relativierenden Gutmenschenattitüde als das, was sie ist: hochgefährlich, weil zutiefst verlogen (oder, bei fehlendem Vorsatz, grenzenlos dumm). So lange, bis jeder wieder weiß, was klassischer Common Sense ist, und sich auch so benimmt, braucht man leider das Mehr an Ordnungsmacht, das man in der Vergangenheit glaubte, sparen zu können. Um konsequent und wirksam Grenzverletzungen zu sanktionieren, auf dass sie zukünftig unterbleiben.“

Ein Leserbrief aus München: „Amnesty International hat vor zwei Jahren zum ersten Mal in Deutschland eine Untersuchung gestartet. Zur Polizeigewalt. Das Ergebnis war gar nicht lustig. Interessanterweise stehen meist die Bürger vor Gericht, selbst wenn sie und nicht die Polizisten krankenhausreif geschlagen wurden. Die Verurteilung des Polizisten vor einigen Wochen in München, der einer jungen Frau ins Gesicht geschlagen und ihr das Nasenbein gebrochen hat, war einer der wenigen Fälle, bei dem die Verurteilung durch Berufung auf Notwehr nicht verhindert werden konnte. Das richtige Urteil, das generalpräventive Wirkung gehabt hätte, gab es leider auch hier nicht.
Nicht die Bürger müssen Respekt vor der Polizei haben, sondern umgekehrt. Die Polizisten sind in einem demokratischen Staat Dienstleister des Souveräns, und das sind die Bürger. Dies Bewusstsein fehlt bei der Polizei noch flächendeckend.

Ein Leserbrief aus Gröbenzell: „Die Spirale der Entmenschlichung im Gesundheitswesen wird sich sachzwangartig weiterdrehen, wenn man die Dinge nicht bis zu ihren Wurzeln verfolgt und benennt. Nicht die Controller sind die Bösewichte, sondern diejenigen, die diese mit dem einzigen Ziel der Gewinnabschöpfung in die Kliniken und ins Gesundheitswesen setzen. Hier haben die Medien die Aufgabe, nicht bei den Oberflächenphänomenen stehen zu bleiben, sondern etwas tiefer zu bohren und die größeren Zusammenhänge herzustellen. Das Gesundheitswesen ist tatsächlich ein komplexes System. Das darf aber nicht ein Schutzschirm für Politiker sein, wenn sie ihre Schutzaufgabe für das Gemeinwohl nicht wahrnehmen.“

Ein Leserbrief aus Angermünde: „Die Explosion der Megaställe für Hühner ist nur ein Teil der dramatischen Fehlentwicklung unserer Landwirtschaft. Bei Schweineställen passiert das Gleiche. Gerade wurde in der Uckermark die seit neun Jahren umkämpfte Schweinezucht- und Mastanlage in Haßleben für 37 000 Tierplätze genehmigt. Ohne Rücksicht auf die touristische Entwicklung in dieser traumhaften Region, ohne Berücksichtigung der Altlasten aus DDR-Zeiten mit damals 130 000 Schweinen. Jetzt müssen die Bürger klagen, wegen falscher Grundlagen für die Genehmigung in Bezug auf die Umweltschäden.
Im Ackerbau ist es das Gleiche. Zunehmend werden Flächen von Großinvestoren erworben, die ihre Flächen mit Mais ohne Fruchtwechsel für Biogasanlagen bepflanzen lassen – durch Bauern, die ihre Flächen verkauft haben und zu Lohnunternehmen wurden. Doch der Staat fördert weiter die industrielle Landwirtschaft, ohne Rücksicht auf die sozialen und ökologischen Folgen. Ferien auf dem Bauernhof: ein Auslaufmodell.“
Ein Leserbrief aus Biesenthal: „Es macht mich traurig, wenn ich von den Ängsten der Menschen lese, in deren Wohnnähe ein Heim für Flüchtlinge errichtet werden soll. Und es macht mich sehr wütend, wenn Neonazis gegen diese Heime hetzen. Ich arbeite seit Februar ehrenamtlich im Übergangswohnheim in Wandlitz. Ich führe junge Männer aus Pakistan, Irak, Iran, Kenia, Somalia und dem Tschad in die Grundlagen der deutschen Sprache ein und mache sie mit der deutschen Küche bekannt. Seit ich das tue und zweimal wöchentlich mein Ruhestandsleben in andere Bahnen lenke, bin ich reicher geworden. Nicht nur, weil ich meine Erfahrungen im Unterrichten wieder anwenden kann, sondern weil ich unter jungen Leuten sein kann. Und was für angenehme Menschen das sind! Höflich, hilfsbereit, freundlich, respektvoll und sehr dankbar für Zuwendung.“

Ein Leserbrief aus Xanten: „Es ist schon eine starke Leistung der jetzigen Koalition, dass sich die Bürger innerhalb von zwei Legislaturperioden von der Politik abgewendet haben – und offensichtlich auch keine Erwartungen mehr an selbige haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass immer noch 55 Prozent der Bundesbürger Frau Merkel für die ideale Bundeskanzlerin halten.
Wir Bürger vermissen engagierte und ehrliche Politiker wie Gerhart Baum und Friedrich Merz. Wir zeigen jedoch selbst auch keine Initiative, um die politische Landschaft zu verbessern. Es ist mir nicht ganz klar, ob der Bürger einfach nur seine Ruhe haben will – oder vielmehr frustriert ist und sich daher von der Politik abwendet.“
Ein Leserbrief aus Berlin: „Die Menschen sind prüde, noch heute. Hinter dem Vorhang einer vermeintlich freien Gesellschaft wird auch mir stets erklärt, wie offen und unverklemmt doch heute alles sei. Wer aber als Naturist durch das Leben geht, ist Außenseiter. Ich bin es gerne, nicht nur in dieser Frage. Die Bademode wird lang und länger, schlägt selbst Urgroßvaters Zeiten. Wir Naturisten pflegen oft unser >Geheimnis< zu verschweigen, um Häme, unpassender Schlüpfrigkeit und US-amerikanischer Moral in diesem offenbar 53sten Staat zu entgehen. Die wahre Wertevermittlung im Medium Fernsehen liegt da in ganze Pracht vor einem: Zur besten Abendsendezeit reihen sich Pistolen schwingende Kommissare aneinander, während jede nackte Pobacke aus Jugendschutzgründen bis nach 22 Uhr verbannt wird. Denn lerne: Gerechte Gewalt ist gut und erstrebenswert, nackte Haut aber ist huch!“

Ein Leserbrief aus Gutenstetten: „Ich warne vor der Glorifizierung des Gymnasiums, denn wir brauchen nicht nur Professoren, sondern auch tüchtige Handwerker und Sekretärinnen, die dann aber auch guten Lohn erhalten sollten. Fatal finde ich den Trend, für immer mehr Berufe das Abitur zu verlangen. Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen brauchen eine >soziale Ader<, keine allgemeine Hochschulreife. Dem pädagogischen Personal von der Kindergärtnerin zum Professor kommt aber eine immer wichtigere Aufgabe zu, nämlich den Heranwachsenden Anstand beizubringen. Die rapide Zunahme von Mobbing ist hier ein Alarmzeichen. In immer mehr Familien sind beide Elternteile berufstätig, haben also immer weniger Zeit für die charakterliche Erziehung der Sprösslinge. Natürlich sind die Schulen nicht der Reparaturbetrieb für familiäre und gesellschaftliche Missstände. Es braucht also auch deutlich mehr Sozialpädagogen, eine enge Verzahnung von Schule, Jugendamt und leider auch Polizei.“

Ein Leserbrief aus Grafing: „Ob Weihnachtsliturgie oder Teufelsaustreibung, ob Pontifikalamt oder Autodafé, die katholische Kirche verstand es schon immer, sich beeindruckend in Szene zu setzen; oder anders formuliert: Die Show wird perfekt inszeniert. Insofern war Benedikt eine Fehlbesetzung, dieser immer leicht verschreckt wirkende Papst, der es nie vermochte – zu sehr verliebt in seine Aura als vergeistigter Gelehrter – , den Medienhype auf den Siedepunkt zu bringen.
Ganz anders der Neue: Ob bei den Bootsflüchtlingen auf Lampedusa, ob bei den Massen in Rio, da jubeln die Gazetten, da rockt das Publikum. Nur, was bleibt, wenn man einen Blick hinter die Kulissen wagt? Wie viele Bootsflüchtlinge hat Franziskus in seinem Vatikanstaat aufgenommen? Wofür gibt er die Millionen lieber aus: für die Obdachlosen in den Favelas von Rio oder für die schönen Bilder von einem poppigen Weltjugendtag? Wie viele Asylbewerber finden Unterschlupf in katholischen Heimen, Exerzitienhäusern oder in weithin leer stehenden Klostertrakten?“

Ein Leserbrief aus Stephanskirchen: „Ich weiß nicht, warum wir uns in Bayern so aufregen wegen eines gesamtdeutschen Abiturs und dessen voraussichtlich bedauernswertem Niveau. An bayerischen Gymnasien wird doch acht Jahre nach bayerischem Anspruchsniveau unterrichtet. Daran kann doch ein Blödelabitur, das von allen Bundesländern getragen wird, nichts ändern. Ich würde in Bayern oder Baden-Württemberg weiterhin so unterrichten wie bisher: anspruchsvoll und leistungsorientiert. Dann würde ich meine Schüler auf das allseits gewünschte Berliner, Hamburger Bremer Blödelabitur loslassen und ihnen die Bestnoten gönnen, die sie da bekommen. Dann hätten wenigstens die Schüler aus dem Süden die ihnen zustehenden Chancen bei der Bewerbung um Studienplätze.“

Ein Leserbrief aus Giengen: „Es ist richtig, den vier großen Stromversorgern stehen schwierige Zeiten bevor. Die Ursachen dafür liegen jedoch nicht allein bei diesen Unternehmen. Für die Krise sind hauptsächlich diejenigen verantwortlich, die seit Jahren für die Stromerzeugung aus Fotovoltaik und Windkraftanlagen Preise zugestehen, ohne dass diese für die Netzstabilität Verantwortung tragen müssen. Solange dieser Zustand so bleibt, kann die Versorgungssicherheit auf längere Sicht nur durch den Einsatz konventioneller Kraftwerke geleistet werden. Das führt zu roten Zahlen.
Das Stromnetz gehorcht nicht den Gesetzen des Marktes, sondern nur physikalischen Gesetzen, Bestechen kann man die Natur nicht. Mit ihr kann nicht verhandelt werden. Geld nimmt sie auch nicht. Schlussendlich heißt das: Im Umgang mit der Energieversorgung kann eine >grüne< Ideologie die Fachkompetenz nicht ersetzen.“

Ein Leserbrief aus Oberursel: „Während in den letzten Jahren die Vermögen der reicheren BürgerInnen wuchsen und die Wirtschaft wachsen konnte, sind die Reallöhne gesunken. Besonders alarmierend ist die Beschäftigung von ArbeitnehmerInnen in Jobs für Minilöhne, von denen sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Dass dies in absehbarer Zeit zu Altersarmut führen kann, hat selbst die Bundesministerin für Arbeit, Frau von der Leyen, erkannt. Jedoch die deutsche Kanzlerin erkennt hier wohl kein Problem, schließlich sei Deutschland ja >ein unternehmerfreundliches Land<. Und die Steuern fließen ihrer Meinung nach reichlich, so dass Steuererhöhungen nicht nötig seien. Auch ein allgemeiner Mindestlohn, um Lohndumping zu vermeiden, ist mit ihr nicht zu erwarten.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Zehlendorf: „Vor Jahren war die Krumme Lanke ein guter Tipp, um baden zu gehen! Ich betone: War! Mittlerweile haben wir resigniert, dort ein erfrischendes Bad zu nehmen. Wir haben resigniert, weil oft grölende aggressive Jugendliche, bepackt mit Unmengen von Alkohol, sich an den Badebuchten niederlassen und alles zumüllen. Wie wir seit Jahren beobachten können, wird diese schöne Natur von unzivilisierten Menschenmassen zerstört: Schutzzäune, Pflanzenbewuchs usw. Die Natur hat wohl keine Bedeutung für diese Menschen, die sich an keine Regeln mehr halten – immer nach dem Motto: Was kümmert’s mich, Hauptsache Party! Leider geht es dem Schlachtensee auch nicht viel besser! Und unsere örtlichen Behörden haben wohl auch schon aufgegeben?“

Ein Leserbrief aus Tübingen: „Die BRD unterstützt den Bau eines Braunkohlekraftwerks in Griechenland, Großbritannien will Vorreiter in Gasförderung durch Fracking werden, ab Ende des Jahres Atomstrom stärker fördern als Windstrom, und die EU will Beihilfen für Atomkraft erleichtern, indem sie diese zum Umweltschutz erklärt. Zudem kalkuliert die EU mit zu niedrigen Atomstrompreisen und für die Solarenergie mit zu hohen. Wo bleibt eigentlich der Aufschrei von Rot-Grün? Wie lässt sich die Macht der Energiekonzerne brechen zugunsten einer europäischen dezentralen erneuerbaren Energieversorgung? Diese Frage ist heute entscheidender denn je.“

Ein Leserbrief aus München: „Der unerwartete und völlig abwegige Besuch des neuen Papstes Franziskus auf der Insel Lampedusa ist kein Zeichen der Erneuerung der Kirche. Es ist schlichtweg billiger religiöser Populismus einer Kirche und eines Papstes, die unfähig sind, die dringenden Probleme zu erkennen und zu lösen. Ausgerechnet jetzt, wo ein neuer Finanzskandal aufgekommen ist.
Was mich besonders aufregt, ist, dass die ‚anderen Armen‘, die keine Chance haben, im Boot nach Europa zu kommen, vernachlässigt werden. Zum Beispiel jene in Südamerika: in Bolivien, Ecuador, in den Slums von Argentinien. Was tut Papst Franziskus eigentlich für sie?
Sie stören nicht, sind nicht lästig, sie sind so weit weg, wenn sie schreien, hört sie keiner. Sie liegen nicht in unseren Straßen und veranstalten auch keinen Hungerstreik. Ja, die ‚Globalisierung der Gleichgültigkeit’herrscht auch in Franziskus‘ Kirche.“

Ein Leserbrief aus Kleinmachnow: „Stellen wir uns mal vor, Russland würde alles so ausspähen und mit ihren Drohnen dann Menschen töten, oder Russland hätte Guantanamo oder hätte einen Krieg gegen den Irak mit über 100 000 Toten geführt. Das alles und mehr machen Amerikaner und bilden sich ein, die Größten zu sein und oberhalb des Menschenrechts zu stehen. Auf die anderen, also auch uns Deutsche, sehen sie herab, und Präsidentschaftskandidat McCain nannte 2009 die Obama in Berlin Zujubelnden einen >Haufen unterwürfiger Deutschereine Armee gegen die Sowjets ins Feld zu stellenunseren Freunden< reden und die Russen grundsätzlich negativ beurteilen. Auch jetzt müssen wir den Russen dankbar sein, wenn sie dem Aufklärer Snowden Schutz gewähren.“

Ein Leserbrief aus Herzogenaurach: „Das Betreuungsgeld ist eine Schnapsidee. Aber nicht, weil es, wie gern behauptet wird, Bildung verhindert. Dass manche Eltern lieber das Geld kassieren, als ihr Kind in die Krippe zu schicken, ist ein durch nichts belegter Vorwurf, der zeigt, wie Bessergestellte sich nach unten abgrenzen. Welche Eltern sollen das denn sein, die ihr Kind wegen 100 Euro zu Hause lassen? Hartz-IV-Bezieher, des Bildungsbürgertums liebste Verdächtige, schon mal nicht. Die erhalten kein Betreuungsgeld, egal, wie viele Kinder sie nicht in die Krippe schicken. Und die anderen? Wer Geld verdienen muss, braucht Kinderbetreuung. 100 Euro ersetzen kein Einkommen. Die Herdprämie hat nichts mit Anerkennung der Erziehung in der Familie zu tun. Sie wirkt als Stillhalteprämie für alle, die klagen könnten, weil sie keinen Krippenplatz finden. Wer sein Kind ohnehin zu Hause behalten will, nimmt das Betreuungsgeld als nettes Geschenk. Und das sind genau die, die es am wenigsten brauchen.“

Ein Leserbrief aus Hamburg: „Während des Zweiten Weltkriegs setzte die britische Luftwaffe ‚Windows‘ genannte Stanniolstreifen ein, welche das Radar der deutschen Luftabwehr empfindlich störten, indem sie zahlreiche Radarreflexe hervorriefen und somit die eigentlichen Angreifer unsichtbar machten. Übertragen auf die jetzige Situation: Was würde passieren, wenn im Netz Millionen von Internetteilnehmern E-Mails schrieben oder auf Plattformen wie Facebook Nachrichten posteten, die etwa lauten. ‚Heute Abend großes Sommerfest vor der amerikanischen Botschaft an der Alster. Bringt reichlich Grillkohle und Würstchen mit!‘ Diese Nachrichten müssten auf fantasievolle Weise möglichst amorph und unterschiedlich gestaltet sein.
Ich könnte mir vorstellen, dass dann das amerikanisch-deutsche Spitzelsystem zumindest vorübergehend zusammenbrechen könnte, weil auf der realen Überwachungsebene kaum genügend Kräfte zur Überwachung vorhanden wären. Zudem gibt es keine rechtliche Handhabe dagegen. Wenn dann doch von staatlicher Seite etwas unternommen würde, müsste der Feind seine Deckung verlassen,“

Ein Leserbrief aus Wiesbaden: „Deutschlands Mittelschicht lebt angeblich auf dem Fixkostenberg. Welche Rolle spielen da unsere nicht ganz unbescheidenen materiellen Ansprüche? Die Latte für ein gelungenes Leben hängt hoch: Wir wollen ein Einfamilienhaus, am besten vom Architekten entworfen. Wir wollen eine Wohnung in einem angesagten Berliner Szenebezirk oder in Tübingens Innenstadt. Wir wollen mit der Familie in den Urlaub fliegen nach Kanada, Dubai oder an die US-Ostküste. Wenn für Fernreisen das Geld nicht ausreicht, fahren wir notgedrungen nach Südfrankreich in den Urlaub. Allerdings übernachten wir nicht etwa im Campingzelt, sondern im eigenen VW-Bus, den wir auf Pump für sage und schreibe 20 000 Euro gekauft haben und nun leider abbezahlen müssen. Zur Erinnerung: Es gibt genug Menschen, die aufgrund ihrer beschränkten finanziellen Verhältnisse von Ferien am südfranzösischen Strand – wohlgemerkt im Zelt – nur träumen können.“

Ein Leserbrief aus Großrinderfeld: „Die Aufnahme Kroatiens zum 1. Juli 2013 und das Angebot an Serbien – über Jahrhunderte galt der Balkan als Brandherd Europas – im Hintergrund der große Schatten der Türkei lassen vermuten, dass unsere Politiker aus dem angerichteten Schaden immer noch nicht klug geworden sind oder Scheuklappen aufhaben. Sind nicht schon genug >unreifeAbweichlern< – den Weg Richtung Zusammenbruch mitgehen und bereit sind, wider besseres Wissen jedem Rettungspaket für die uns umgebenden maroden Volkswirtschaften zuzustimmen. Dabei ist auch unser angeblich so florierendes Deutschland selbst mit mehr als zwei Billionen Euro Schulden (= pro Kopf mehr als 25 000 Euro) längst Pleite.“

Ein Leserbrief aus Bielefeld: „Die Datensicherheit auf dem PC beginnt nicht erst mit der Wahl des Browsers, sondern schon mit der Wahl des Betriebsystems. Wer heute noch ein proprietäres Closed-Source-Betriebssystem wie Windows oder MacOS verwendet, gibt die Kontrolle über den eigenen PC an die dahinter stehende Firma ab. Solche Systeme können schon >ab Werk< beliebige im Hintergrund laufende Programme enthalten, von denen der/die BenutzerIn nichts weiß und nichts bemerkt, somit u. a. auch Spähprogramme.“

Ein Leserbrief aus Brokstedt: „Während bundesweit die Verlagshäuser ums Überleben kämpfen, geht es der Bauer Media Group glänzend. Diesen wirtschaftlichen Erfolg schaffte das Hamburger Medienunternehmen durch knallharte Personalpolitik. Durch den Austritt aus dem Verlegerverband zahlt Bauer schon lange keine Tarifgehälter mehr. Das Stammpersonal wird in zahlreiche Tochterfirmen ausgelagert, zu erheblich schlechteren Sozialleistungen. Statt festangestellter Redakteure setzt Bauer in seinen zahlreichen Redaktionen ein Heer von freien Mitarbeitern ein. Betriebsräten wird das Engagement zur Hölle gemacht.
>Man rennt wie an eine Betonwand und holt sich täglich eine blutige Nase<, sagt ein Personalvertreter. Bauer sei das Nordkorea der deutschen Verlagsbranche. Dies ist die Kehrseite des publizistischen Erfolgs“.

Ein Leserbrief aus Falkenberg/Elster: „Da werden wir also systematisch abgehört, ausgespäht und unter Generalverdacht gestellt. Ich fühle mich an die düstere Zeit der an ihrer eigenen Unfähigkeit versunkenen DDR erinnert. Der Staatssicherheitstrakt des Genossen Erich Mielke war ein Staat im Staate. Auch ich wurde seinerzeit systematisch bespitzelt und überwacht, weil ich öffentlich gesagt habe, was ich denke. Auch heute wird das wieder so sein, nur in einer ganz anderen Art und Weise: Viel professioneller, viel perfekter! Aber das wird mich nicht davon abhalten, mich zu äußern, wenn in diesem unseren neuen Staat Missstände anzuprangern sind. Und davon gibt es leider mehr als genug!“

Ein Leserbrief aus Teisnach: „Im Herzen Münchens traten dubiose Asylsuchende in den selbst erfundenen Hungerstreik. Und das, nota bene, inmitten der Stadt. Ich frage mich, wie kann es sein, dass im Zentrum der Landeshauptstadt solche scheinbar hilfebedürftigen Personen über Wochen hinweg kampieren dürfen und somit ein (beabsichtigtes) Riesen-Echo in der Presse erreichen? Unsereins, will er streiken, muss dies, zu Recht, anmelden beim Amt. Unsereins muss, zu Recht, den notwendigen Rechtsweg einhalten, will er was auch immer für einen Antrag stellen. Unsereins darf, zu Recht, kein öffentliches Ärgernis erwecken. Unsereins hat, zu Recht, in jedem Land die Pflicht, sich anständig und gesittet zu verhalten.“

Ein Leserbrief aus Feldkirchen-Westerham: „Bayern hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten aus relativer Armut zu einer der attraktivsten Regionen in ganz Europa entwickelt. Bayern liegt bei den verschiedensten Rankings der 16 Bundesländer fast überall an der Spitze. Das gilt für den Arbeitsmarkt mit geringer
(Jugend-)Arbeitslosigkeit ebenso wie für die Finanzkraft von Staat und Kommunen (mit vergleichsweise geringen Schulden) sowie für die Bereiche >Bildung und ForschungGrundrauschen< ihrer Partei beigetragen.“

Ein Leserbrief aus Mannheim: „Die Menschen auf dem Taksim-Platz stehen im Sinne des Wortes für ihre Rechte, ihre Würde und ihre Verletzlichkeit ein. Mit offenem Gesicht und dem >Personalausweis in der HandPolitik der überfüllten Gefängnisse< von Mahatma Gandhi! Wie sollen die vielen missbrauchten jungen Polizisten begreifen können, dass es bei den Protesten im Kern um die Verwirklichung einer menschengemäßen Gesellschaft geht, wenn nicht durch solche Aktionsformen wie diese hier oder Sitzblockaden oder Die-ins oder Ähnliches. Diese Erkenntnis bleibt ihnen allerdings erspart, wenn sie sich mit einer vermummten und zum aktiven Widerstand bereiten Menge konfrontiert sehen. Wann begreifen der internationale Schwarze Block und ähnliche Revolutionäre, dass sie durch ihre von Hass getriebenen, größenwahnsinnigen Angriffe auf die Marionetten des Systems in beeindruckender Weise dem jeweiligen Staatsschutz dienen?“

Ein Leserbrief aus Erlangen: „Sehr gut, dass die Leute auf die Straße gehen. Sehr gut, dass das Volk merkt, dass man Politikern Grenzen setzen muss. Ich bin froh, dass es wie im April in Porto Alegre auch anderen Städten gelungen ist, dass die Fahrpreise nicht erhöht werden. Es ist ein gutes Signal!
Aber was jetzt? Wohin? Die Ausgaben für die WM wurden schon getätigt, die Fahrpreise wurden schon gesenkt. Man kann nicht für mehr Gesundheit, mehr Sicherheit, bessere Bildung, gegen Korruption, gegen Hunger, für bessere billigere Infrastruktur, gegen Homophobie und Rassismus, gegen Unterdrückung von Armen und Indigenen, gegen hohe Löhne bei Politikern, gegen hohe Steuern, gegen überhöhte Ausgaben für die Fifa, gegen Inflation, für eine differenziertere Medienlandschaft und, und, und demonstrieren und schnelle Taten fordern, und jeder Einzelne will was anderes.
Es braucht klare Forderungen (so wie die Absenkung der Fahrpreise), sonst läuft das Ganze Gefahr, in ein sinnloses und zielloses Chaos zu laufen. Medien und ehemalige Anhänger der Militärdiktatur haben große Macht in Brasilien und viel Erfahrung darin, das Volk zu manipulieren. Ein Machtvakuum kommt ihnen nur gelegen.
Also ja, demonstrieren, aber demonstrieren mit der Forderung des Rücktritts von Menschen wie Marcos Feliciano, der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung ist und derweil ein Gesetz zur >Heilung der Schwulen< entwirft.“

Ein Leserbrief aus München: „Die USA spionieren nicht erst seit den Anschlägen von 2001 das Internet aus Angst vor Terroristen aus. Vielmehr ist es kein Geheimnis, dass die NSA sei Jahrzehnten systematisch den gesamten weltweiten Datenverkehr rund um die Uhr überprüft, egal ob Internet, Fax, Telefon oder SMS. Davon betroffen ist natürlich auch Deutschland mit sämtlichen Telekommunikations-Unternehmen, die von der ehemaligen Siegermacht gezwungen werden, den US-Spionagebehörden Zugang zu ihren Rechnern und Netzen zu gewähren. Das wurde ja inzwischen von deutschen Politikern bestätigt. Und damit sind unsere Grundrechte auf das Brief- und Fernmeldegeheimnis und alle daraus abgeleiteten Gesetze tatsächlich Makulatur, damit werden wir nur für dumm verkauft, denn Vertraulichkeit gibt es schon lange nicht mehr. Leider entspricht es dem Selbstverständnis der USA, sich einfach jedes >Recht< zu nehmen.“

Ein Leserbrief aus Wunstorf: „Jede Gesellschaftsform produziert Randgruppen, zerrüttete Familien, Gewalt in der Familie, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Ursachen dafür sind: Armut durch Kinderkriegen, Arbeitslosigkeit, Spaltung der Gesellschaft in Underdogs und gut situiertes Bürgertum. Die Kinder aus solchen >Verhältnissen< haben keine Lobby und erfahren in unserer Gesellschaft keine Unterstützung. Einrichtungen wie Kindergarten und Schule versagen, weil auf Leistung und Selektion angelegt. Dass Kinder aus schwierigem sozialem Umfeld dann nicht so funktionieren, wie man es von ihnen erwartet, ist ein Aufschrei, ein Hilferuf, an uns alle: Sie wollen einfach nur Mensch sein dürfen und anerkannt werden als solcher. Und als einem der reichsten Länder der Welt fällt uns nichts anderes ein, als diese Kinder wegzusperren und mit kranken pädagogischen Konzepten zu >brechen< oder >umerziehen< zu wollen. Umerziehung gab es vor allem in totalitären Systemen wie dem Dritten Reich und der DDR. Es gab in den 90er Jahren in der BRD viele Projekte, mit >intensivpädagogischen Maßnahmen<, teilweise sogar im Ausland oder auf Schiffen, fernab von dem ursprünglichen sozialen Umfeld diesen jungen Menschen mit einem hohen pädagogischen und persönlichen Einsatz zu helfen, ihren Lebensfaden zu finden. Diese Projekte hatten eine hohe Erfolgsquote, wurden aber nach einer Reihe von populistischen Medienberichten (>Jugendliche Straftäter auf Kosten des Staates auf Reisen!<) und dem allgemeinen Sparzwang von den Jugendämtern systematisch ausgetrocknet. Und so bleibt denen nichts anderes übrig als wegzusperren und wegzuschauen und abzuwarten, bis diese armen Wesen endlich volljährig sind, damit man sich nicht mehr um sie zu kümmern braucht. Dann werden diese schwer traumatisierten Menschen einfach in das >normale Leben< entlassen und gestalten von nun an mit an unseren gesellschaftlichen Verhältnissen.“

Ein Leserbrief aus München: „Am 1. Juni wurde Frankfurt Opfer und Zeuge des größten anzunehmenden Unfalls einer Demokratie: Hundertschaften schwer bewaffneter Polizisten stürmten eine gewaltfreie Blockupy-Demonstration und zertrennten mit Tränengas, Schlagstöcken und Stiefeltritten die Reihen angeblich gewaltbereiter Menschen, die sogar angesichts dieser Provokationen die Stärke hatten, friedlich zu bleiben. Fast tausend Menschen, die tags zuvor in Frankfurt das System eines Raubtierkapitalismus unübersehbar gebrandmarkt hatten, wurden nun über fast zehn Stunden auf engstem Raum eingekesselt, ohne dass auch nur die geringste Straftat vorlag. Wie Verbrecher wurden Männer, Frauen, Jugendliche, alte Menschen einer nach dem anderen, mit auf den Rücken verdrehten Armen am Spalier der Polizisten, Presse und Öffentlichkeit vorbeigeschleift und an die Wand gestellt, wo sie am ganzen Körper abgetastet wurden. Statt Waffen oder Molotowcocktails fand die Polizei nur Utensilien wie für einen Kindergeburtstag: hölzerne Fahnenstangen, Silvesterböller und ein paar Flaschen mit Malerfarbe. Wenn diese Gewalttat gegen Leib und Freiheit seiner Bürger, gegen die Presse und gegen das Recht auf Versammlungsfreiheit keine weithin sichtbaren Konsequenzen hat, dann sitzt ein Stachel im Fleisch dieses Staates, der sich entzünden wird.“

Ein Leserbrief aus Marktoberdorf: „Während meiner Arbeit in einem Pflegeheim als Altentherapeutin habe ich mehrere Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Heimaufsicht mitbekommen. Die Prüfer/innen hielten sich durchweg im Schwesternzimmer auf und durchforsteten dort die Akten und Dokumente. Lediglich Pflegedienstleitung und Wohnbereichsleitung waren dabei. Ich habe nicht einen Prüfer irgendwo sonst im Hause gesehen. Und ich habe auch nicht gesehen, dass ein Prüfer einem alten Menschen in die Windel schaute oder ihm zusehen wollte, wie ihm beim Essen der Bissen wieder aus dem Munde fiel. Die Prüfung bezog sich rein auf die Dokumentation, und diese ist völlig der Gestaltung des Personals unterworfen. Hier dokumentiert jeder nach Gutdünken, Qualifikation, Verantwortungsgefühl und Wahrhaftigkeit. Papier ist geduldig.
Die tatsächliche Leistung mit der Niederschrift in der Akte zu vergleichen, bedürfte strengster Kontrolle. Aber durch wen? Wer soll den ganzen Tag hinter jedem Pfleger oder Betreuer stehen und ihm über die Schulter schauen? Ein Heim allein durch Dokumentation beurteilen zu wollen, kann nicht die Qualität desselben darstellen, die Prüfungen müssen weitreichender und umfassender werden.“

Ein Leserbrief aus Wolfsburg: „Rente-West, Rente-Ost, Divide et impera, teile und herrsche, so haben schon die Römer Politik gemacht und so machen es unsere Politiker noch heute. Sie selbst haben sich eine hervorragende Altersversorgung genehmigt. Um die Höhe dieser Altersversorgung zu erreichen, müsste der Normalverdiener einige hundert Jahre Beiträge in die Rentenversicherung, die in der Vergangenheit oft für Fremdleistungen geplündert wurde, einzahlen. Der Beamte, der nichts in die Rentenkasse zahlt, für dessen Pension der Staat aber keine Rücklagen gebildet hat, erhält 71 Prozent seines letzten Gehalts an Pension vom Steuerzahler. Der Rentner soll demnächst nur noch 40 Prozent seines letzten Einkommens erhalten. Wo bleibt da unsere Solidargemeinschaft? Alle, selbständige Unternehmer, Freiberufliche und Beamte müssen einen bestimmten Prozentsatz ihres zu versteuernden Einkommens in die Rentenkasse zahlen und würden eine entsprechende Rente erhalten.“

Ein Leserbrief aus Magdeburg: „Glücklicherweise zweifeln heute nur noch notorische Machos, ein paar Stammtischbrüder und vielleicht der Papst daran, dass wir Frauen Chefaufgaben genauso gut wahrzunehmen verstehen wie Männer. Eine Erkenntnis, die übrigens vor der Wende in Ostdeutschland bereits deutlich weiter verbreitet war als heute im vereinigten Land. Die eigentliche Frage ist doch, was können wir Frauen an der Spitze von großen Unternehmen besser machen als Männer, insbesondere wenn es um unternehmerische Ethik, Betriebsklima und das soziale Miteinander geht. Seit Jahren werden in der zur Bauer Media Group gehörenden Magdeburger Tageszeitung >Volksstimme< exzessives Outsourcing, systematisches Lohndumping und eine unerträgliche Beschneidung der betrieblichen Mitbestimmung betrieben.An Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teilzeitarbeitsplätze für junge Mütter und Väter sowie Frauen als Geschäftsführer oder Chefredakteur ist überhaupt nicht zu denken. Es wird Zeit, dass sich bei Bauer nach dem Personalwechsel an der Spitze auch die frühkapitalistische Unternehmenskultur ändert. Sollte Frau Bauer dafür streiten, hätte sie nicht nur die Betriebsräte im Konzern ganz gewiss an ihrer Seite.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Als junger argentinischer Rechtsanwalt, der in Buenos Aires geboren wurde und zurzeit mit einem Stipendium in Berlin studiert, möchte ich hervorheben, dass es eine große Ehre ist, insbesondere für das argentinische Volk und im Allgemeinen für das lateinamerikanische Volk, dass der Kardinal Jorge Bergoglio zum neuen Papst gewählt wurde. Denn Jorge Bergoglio hat ganz besondere Eigenschaften. Er versuchte die Armut sichtbar zu machen. Im Kampf der Katholischen Kirche zur Verteidigung der Menschenwürde, ohne jede Unterscheidung, ist Jorge Bergoglio ein herausragender und wahrer Exponent. Als Argentinier fühle ich mich stolz. Denn ich bin mir sicher, dass Bergoglio eine Renovation der Katholischen Kirche zustande bringen wird.“

Ein Leserbrief aus Wunstorf: „Das Rezept ist immer dasselbe: Verdiene gutes Geld, indem du Diktatoren aufbaust und belieferst, und wenn die Zeit reif ist, empöre dich und überziehe das Land mit Krieg. Auch ein gutes Geschäft. Und wenn alles zerstört ist, baue ein bisschen auf, auch ein gutes Geschäft. Danach bedauere, dass das Volk nicht reif ist für Demokratie und Menschenrechte. Und die ganze Welt schaut zu. Als gäbe es nur diese beiden Möglichkeiten: Diktatoren unterstützen und Geschäfte mit ihnen machen, oder Krieg gegen sie zu führen, also wieder Geschäfte machen. Solange sich die Menschen weigern, ihr Gehirn einzuschalten, und den ‚Oberen‘ erlauben, diese grausamen Spiele zu betreiben, wird sich daran nichts ändern.“

Ein Leserbrief aus Ulm: „Hartz IV hat sich zu einer legalisierten Zwangsjacke entwickelt. Mithilfe dieses bürokratischen Monsters werden die Betroffenen in Schach gehalten (unter anderem mit rechtswidrigen Eingliederungsvereinbarungen), gegängelt (ohne Erlaubnis darf man die Stadt nicht verlassen) und schikaniert (Bettlägerigkeitsbescheinigung bei Krankheit), ohne Aussicht, diesem Wahnsinn je auf Dauer zu entkommen. Zumindest nicht, so lange nicht endlich die allfälligen Korrekturen vorgenommen werden und vor allem die bürgerlichen Grundrechte respektiert werden. Leider sind die Jobcenter nicht annähernd so kreativ, wenn es darum geht, den Arbeitssuchenden zu einer Arbeitsstelle zu verhelfen. Die Hartz-Gesetzgebung geht alle an. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die auf eine Hartz-Schicht hinunterschaut? Wo die Angst vor Hartz IV regiert? Armes Deutschland.“

Ein Leserbrief aus Köln: „Jahrelang wurde uns Indien von den Medien als Musterdemokratie vorgegaukelt. Aber was ist daran demokratisch, wenn 300 Millionen Analphabeten ihren Daumendruck dort machen, wo es ihnen der Großgrundbesitzer, der Guru oder der örtliche Politiker mithilfe von ein paar Rupien vorschreiben? Und was nützen alle Gesetze und Beteuerungen, wenn eine in Beton gegossene Bürokratie, ein brutaler Polizeiapparat, korrupte Politiker, ein archaisches Kastensystem und eine zutiefst menschenverachtende Frauendiskriminierung den Alltag bestimmen? Es ist wahr: Die entsetzliche Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin in Delhi hat Indien wachgerüttelt – aber nur für einen Moment. In den Köpfen wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern.“

Ein Leserbrief aus Werther: „Warum sind Unternehmen, die sich ihre Gewinne vom Staat mitfinanzieren lassen durch Löhne, die zum Leben nicht reichen und aufgestockt werden, keine Schuldner gegenüber dem Staat? Sodass der Staat bestimmen kann, dass dort niemand mehr als das – sagen wir – Zehnfache des niedrigsten Stundenlohns verdienen darf und Gewinne zunächst als Rückzahlung an den Staat gehen und dann in einen Fonds, um im Folgejahr angemessenere Löhne zu finanzieren? Warum subventioniert der Staat solche Unternehmen überhaupt? Warum sind Vollzeitstellen aufstockfähig? Damit es keinen Grund für die Leidtragenden gibt, Rabatz zu machen? Ich verstehe auch nicht, warum Leiharbeiter nicht per Gesetz einfach mehr Geld bekommen als die Festangestellten. Dann wäre es doch gleich wahrscheinlicher, dass sie nur in Notfällen einspringen und keine festen Arbeitsplätze verdrängen. Und es wäre ein Ausgleich für den Stress des ständigen Arbeitsplatzwechsels. Ich verstehe auch nicht, warum die Gewerkschaften immer prozentuale Forderungen stellen. Das bringt denen, die es brauchen, fast nichts und steigert die Ungleichheiten exponentiell.“

Der Chefredakteur musste in die Rehaklinik, Einzelheiten tun nichts zur Sache. „Beim Mittagessen trat Frau Pasternak hinter meinen Stuhl und bat um ein Rendezvous. Ich bekam einen Schrecken und phantasierte allerlei – versprach dann aber, nach dem Abendessen auf sie zu warten.
Nachdem sie ihre Mineralwasserflasche auf den Postkästen verstaut hat, gehen wir spazieren (die Mineralwasserflasche: jeder hegt hier seine Vorräte), wie Frau Pasternak vorgeschlagen hatte in ihrem gebrochenen Deutsch: ‚Darf ich Sie zu einem Spaziergang einladen?‘ Also, sie sei sehr krank gewesen, Herzklappenoperation, auch seelisch am Boden, und die Schwestern (und Ärzte) der Station 1 in der Rehaklinik hätten sie ’sehr schön wieder aufgebaut‘.
Insbesondere mit Schwester Elfie wurde sie sehr vertraut und erzählte ihr viel von ihrem Leben – ‚warum schreiben Sie das nicht auf?‘ habe Schwester Elfie immer wieder begeistert gefragt. Und neulich verriet sie: jetzt sei ein Schriftsteller im Haus, und den solle sie, Frau Pasternak, doch mal um Rat bitten… Während des Krankenhausaufenthalts habe sie, Frau Pasternak, die Lebenserinnerungen von Liz Taylor gelesen, auch ein Buch von Lili Palmer, ‚Das ist doch keine Kunst!‘ Freilich sage Liz Taylor selbst, dass sie von Soundso zum Schreiben angehalten wurde, immer wieder; sonst hätte sie das Buch nicht abgeschlossen.
Eine solche Person sucht Frau Pasternak nun anscheinend in mir. Ich soll Schwester Elfies Bemühungen fortsetzen.
…da war zum Beispiel im Bernhardkrankenhaus dieser Arzt, der an ihrem Arm nie die Vene fand. Nach fünf vergeblichen Versuchen spritzte er sie einfach intramuskulär, was furchtbare Schmerzen verursachte und behandlungsbedürftige Einstichstellen hinterließ.
Eines Sonntags nun kommt just dieser Arzt mit dem Spritzbesteck ins Krankenhauszimmer; obwohl, sagt Frau Pasternak, sonntags gar keine Injektionen verabreicht werden. Und er erkannte sie, Frau Pasternak, nicht als diejenige, welche er neulich so gequält hatte.
Bitte, Herr Doktor! sagte Frau Pasternak, heute nicht spritzen, es ist doch Sonntag, da wird nicht gespritzt. – Doch, antwortete der Doktor, diese Spritze müsse sie auch heute bekommen. – Bitte, sagte Frau Pasternak, erst neulich sei sie, weil ihre Venen so schlecht zu finden sind, durch das Spritzen entsetzlich gequält worden. – So? sagt der Doktor, von wem denn? – Aber von Ihnen doch, Herr Doktor! antwortet Frau Pasternak, von Ihnen!
Kurzum, Frau Pasternak verweigert dem Arzt die Injektion. Der Arzt erklärt Frau Pasternak, dass sie wegen Insubordination das Krankenhaus verlassen müsse. Frau Pasternak erklärt sich dazu bereit. Der Arzt holt die Oberschwester, eine strenge Person, wie Nonnen nun mal sind.
Bitte, Herr Doktor! sagt Frau Pasternak, sie habe ihn doch nicht herabsetzen wollen. Es sei doch einfach so, dass ihre Venen so schwer zu finden sind. Und neulich habe der Doktor eben… auf keinen Fall wollte sie ihn beleidigen!
Streng blickt die Oberschwester. Und sagt nach einer Weile: Aber Herr Doktor, es geht doch bloß um eine Vitaminspritze. Wollen wir die Frau Pasternak nicht erlassen? – Warum, sagt Frau Pasternak, sage Schwester Elfie, schreiben Sie diese Geschichte nicht auf? Und jetzt, wo ein Schriftsteller im Haus ist…
Folgen die Geschichten von dem heroischen Jungdoktor, der ihr 1973 zu der ersten Herzklappenoperation verhalf, against all odds. Sowie die Geschichte von einem Kondolenzbrief, den sie einst zu schreiben versuchte und in dem sie unmittelbar ihr Herz sprechen ließ – aber beim Durchlesen hinterher erwies er sich als wüstes Durcheinander. ‚Ich habe einfach keine Disziplin zum Schreiben.’“

Ein Leserbrief aus Ingolstadt: „Der Bundeswehreinsatz in der Türkei ist dazu angetan, Klischees zu bedienen, entbehrt aber auch nicht einer gewissen Komik. Wenn der Zustand von örtlichen Kasernentoiletten zum Gegenstand einer Erklärung des türkischen Generalstabs wird, ist es höchste Zeit, nachdenklich zu werden. Experten weisen sicherheitshalber darauf hin, dass zwei Kulturkreise aufeinander treffen… Man stellt sich daher die Frage, warum in der Planungsphase nicht der Fertigstellungstermin der vorgesehenen Unterkünfte, der Zustand der unzulänglichen Sanitäreinrichtungen, der zweckmäßige Verlauf eines anzubringenden Stacheldrahtzaunes oder, besonders wichtig, der Verlauf einer Joggingstrecke abschließend und zufriedenstellend geregelt wurden. Und was hätte den Wehrbeauftragten daran gehindert, gerade in dieser Phase vor Ort zu sein? Nicht unberechtigt erscheint das Ansinnen – sollten sich türkische Vorbehalte als zutreffend erweisen – nach einer gründlichen Bestandsaufnahme die als bündnistreuen Einsatz deklarierte Mission zu beenden.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Die derzeit mal wieder so lauten Stimmen in der katholischen Kirche in Deutschland, welche die Sedisvakanz unbedingt für den Vortrag der immer gleichen Forderungen nutzen, verdecken mit ihrer Lautstärke nur, dass sie erkennen müssten: Sie sind in Wahrheit irrelevant. 1,2 Milliarden Katholiken weltweit leben und beten in dieser katholischen Kirche, die allermeisten finden die Päpste ganz in Ordnung, folgen ihrem Lehramt, horchen interessiert, wie der Glaube in Rom und von den Bischöfen ausgelegt wird. Das verquaste ‚Parallel-Lehramt‘ deutscher Provenienz liegt den meisten Katholiken doch fern. Sie sehen die Wucht der Säkularisation, die Aggressivität der antichristlichen Kräfte. Hunderttausende von ihnen waren in den vergangenen Jahren nicht als wohlbestallte Ordinariatsräte in deutschen Diözesanverwaltungen mit dem routinierten ‚Herunterdimmen‘ der befreienden Botschaft des Papstes befasst, sondern riskierten ihr Leben als Christen in einer sie verfolgenden Umwelt, viele als Märtyrer in Nordafrika, dem Nahen Osten und Asien. Dies wollen alle, die die katholische Kirche gerne zu einer besseren Filiale der EKD umdeklarieren wollen, nur einfach nicht wahrhaben.“

Ein Leserbrief aus Landsberg: „Depression ist eine schreckliche Erkrankung. In ihrer schweren Erscheinungsform so lebensverunstaltend, dass Betroffene oftmals quälend-kreisende Gedanken entwickeln, durch eigene Hand aus dem Leben zu gehen. Und wie tragisch, wenn dann Medikamente, auf die Tausende verzweifelt ihr Vertrauen und ihre Hoffnung setzen, sich nicht als Hilfe erweisen, sondern die suizidale Handlung erst ermöglichen oder gar befördern. Man muss sich das vor Augen führen: Das Pharmakon, das als angeblich potentes Hilfs- und Heilmittel angepriesen wird, führt (bei manchen Menschen) geradewegs in die schlimmste Komplikation der Depression, den Suizid! Aber schlimmer noch: Die Herstellerfirmen wussten von Beginn an von dieser gar nicht so seltenen >schädlichen Nebenwirkung< ihrer Präparate – verschwiegen sie aber lange Zeit! Entsprechend kennen bis heute viele Hausärzte, die diese Pillen verordnen, entweder die Gefahr nicht oder weisen ihre Patienten nicht darauf hin.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Aus eigener Erfahrung, ich war mal ein stotterndes Kind, war die Sprachheilschule ein Segen. Nach sechs Jahren auf einer normalen Grundschule, auf der ich gehänselt und ausgelacht wurde, fühlte ich mich wie im Paradies. Dort lachte niemand mehr, und ich traute mich, im Unterricht etwas zu sagen. Außerdem gab es Sprachheiltherapie.
Jahrelang war ich im Unterricht verstummt, was man meinen Zensuren auch ansah, und mein Selbstbewusstsein auf dem Nullpunkt. In der Umgebung der Sprachheilschule blühte ich regelrecht auf und wurde Klassenbeste. Deshalb bin ich dafür, die Sprachheilschulen zu erhalten, um anderen Kindern das Elend des Ausgelachtwerdens zu ersparen.“

Ein Leserbrief aus München: „Es stellt sich die Frage: Kann der Waffenspezialist auf dem Bildschirm seiner Fernsteuerung überhaupt erkennen, ob das im Fadenkreuz liegende Ziel militärischer oder ziviler Art ist? Sie darf bezweifelt werden. Er wird, falls er ein feindliches Ziel vermutet, dessen Vernichtung auslösen. Damit verstößt er gegen die gerade für den Krieg geltende Genfer Konvention. Denn die Tötung eines Menschen aufgrund einer reinen Vermutung ist gesetzeswidrig. Hinterher wird eine Tötung von den zuständigen Behörden als bedauerlicher >Kollateralschaden< verkauft. Aber Mord ist und bleibt Mord. Deshalb Finger weg von den bewaffneten Drohnen; sie sind übelste Mordwerkzeuge.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Weil der Berliner Amtsschimmel nicht in der Lage war, mir eine Arbeit in meinem hier gelernten Beruf als Lehrerin zu vermitteln, bin ich 2005 für ein >Praktikum< in den Nordosten von China an eine staatliche Mittelpunkt-Schule mit 4000 Schülern (zwischen 17 und 21 Jahre alt) gegangen, um mit den Chinesen die Aussprache der English language zu üben. In der Kleinstadt Huanren gab es zu Beginn des Praktikums einen offiziellen Empfang mit dem Bürgermeister und dem für den Landkreis verantwortlichen Schulpolitiker. Von Letzterem habe ich noch eine Visitenkarte. An den gedolmetschten Spruch „Bei uns wird alles ex ausgetrunken“ (Bier, Wein, Likör, Schnaps) habe ich mich nicht gehalten, sondern dem Tee gefrönt und als gemäßigte Vegetarierin dem Gemüse und dem Reis. Die in der Region angepriesene Delikatesse Hund habe ich nicht probiert, als sie in mehreren Varianten auf dem round table stand. Stattdessen habe ich Gemüsesorten kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Die gab es auf den örtlichen Märkten der Bauern und in der Mensa des Schulzentrums.“

Ein Leserbrief aus Bruckmühl: „Unsere Zeit hat sich geändert. Neben Frauen mit sehr guter Ausbildung haben wir auch mehr alleinerziehende Mütter. Aber nicht alle wollen Karriere machen. Viele wollen einen sicheren Arbeitsplatz, der ihrer Ausbildung entspricht und in dem sie angemessen honoriert werden. Für Frauen, die Karriere machen wollen, für die Alleinerziehenden und auch sicher für einen Teil der Familien, die lieber arbeiten, als ihre Kindern in den Anfangsjahren ihres Lebens zu Hause betreuen, brauchen wir Tagesstätten und Ganztagsbetreuung. Aber für Frauen, die Jahre mit ihren Kindern zu Hause verbringen wollen, für die Frauen, die mehr als zwei Kinder wollen und über längere Zeit zu Hause bleiben – für diese Frauen brauchen wir mehr Respekt und ein Konzept, dass sie in einen entsprechenden, sicheren Beruf einsteigen können.“

Ein Leserbrief aus Mössingen: „Zwar ist für den korrekten Nachweis zitierter Literatur in erster Linie der Doktorand verantwortlich, auch dafür, dass er alle zitierten und referierten Quellen tatsächlich eingesehen hat und nicht aus Sekundärquellen abschreibt, oder, wie ich das nenne, >aus zweiter Hand zitiert

Ein Leserbrief aus Osnabrück: „Es findet ein Lagerkampf statt. Autofahrer gegen Radfahrer, eine asymmetrische Konkurrenzsituation, die jetzt immer sichtbarer wird, wo immer mehr Menschen auf dem Drahtesel unterwegs sind. Autos und Fahrräder sind in Deutschland keine gleichberechtigten und gleichermaßen geförderten Verkehrsmittel. Sie konkurrieren. Und auf der Straße, wo die Konkurrenten aufeinandertreffen, kann die Konkurrenz dann eben manchmal auch zu einem gefühlten Kampf werden. Beide Verkehrsteilnehmer begegnen sich nicht auf Augenhöhe. Das liegt schon allein am >Blechpanzer<, den der Autofahrer um sich weiß. Das Fahrrad ist chronisch unterlegen, das Auto immer stärker. Diese Asymmetrie versucht der Radfahrer hier und da auszugleichen, zum Beispiel durch die Missachtung von Ampeln oder die Abkürzung über Gehwege. Als Antwort ätzt der Autofahrer im besten Fall oder lässt die Muskeln spielen, indem er Wege eng macht oder beim Überholen zeigt, wer der der Stärkere ist. Die Politik muss jetzt zweierlei tun: Zum einen muss sie den Autofahrern, die es noch nicht verstanden haben, klarmachen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind, auf die es zu achten gilt. Regelkunde wäre hier hilfreich, denn viele wissen einfach nicht, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen, solange kein blaues Schild am Radweg steht. Zum anderen muss die Politik auf die steigende Zahl der Radfahrer reagieren und für eine Infrastruktur sorgen, die ein Gefühl der Sicherheit gibt. Wie diese aussieht, darüber wird auch unter Radfahrern gestritten.“

Der Leserbrief einer Dame aus Dallgow: „Obwohl ich erst 47, bald 48 Jahre alt bin, nervt es mich so, von Männern meines Alters (darunter sowieso und etwas darüber auch noch) dermaßen ignoriert zu werden. Richtig geil finden mich Männer ab 60. Die finden natürlich auch, dass ich im richtigen Alter, also eine standesgemäße Ergänzung für sie bin. Dabei sehe ich richtig gut aus, bin schlank, sportlich, mache mich gern hübsch und trage altersgemäße Klamotten immer mit einem gewissen Sex-Appeal.“

Ein Leserbrief aus Recklinghausen: „Das Problem der unterschiedlichen Bezahlung zwischen Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst mit den gleichen Qualifikationen und Tätigkeiten betrifft keineswegs nur die Lehrerinnen und Lehrer. Betroffen sind auch Hunderttausende Angestellte in den deutschen Amtsstuben, in über 11 000 Kommunalverwaltungen und Tausenden anderen Behörden, Instituten und öffentlichen Einrichtungen. Da sitzen sich Ingenieure, Betriebswirte, Ärzte, Wissenschaftler oder Verwaltungsfachleute am Schreibtisch mit gleichen Aufgaben gegenüber, die einen verbeamtet und die anderen nicht – aus unterschiedlichen Gründen, ob Stellenplan, Befristung oder Altersgrenze. Im höheren Dienst und bei Führungskräften der Gehaltsgruppen 14 und 15 macht das nicht nur 500 Euro Unterschied beim Netto aus, sondern bis zu 1000 Euro. Dabei sollte es Beamte nur im engeren hoheitlichen Bereich geben, also keine fünf Prozent der derzeitigen Beamtinnen und Beamten.“

Ein Leserbrief aus Dorndorf: „Schon die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, bei gleichzeitigem Aufbau eines hocheffizienten Überwachungssystems und einer mit modernster Waffen- und Nachrichtentechnik ausgestatteten Prätorianergarde (SEK, GSG 9, KSK usw.) muss jedem halbwegs phantasievollen Bürger zu denken geben. Wenn jetzt mainstreammedia und die üblichen Betroffenheitsonkels und -tanten faktisch eine Abschaffung des ohnehin eingeschränkten Bürgerrechts, Waffen zu besitzen und sich im Umgang mit ihnen zu üben, fordern, sollten sie sich fragen, wer denn mit welchen Mitteln für ihr Leben, ihre Freiheit, und dieses Gemeinwesen eintreten soll, wenn es mal wieder einem zu allem entschlossenen Psychopathen gelingen sollte, die sogenannten Sicherheitskräfte für seine antidemokratischen Ziele zu instrumentalisieren. Ich persönlich würde mich wohler fühlen, wenn ein paar mehr gestandene Demokraten wüssten, wie man mit einem Sturmgewehr umgeht, zumal der Trend, zunehmend unkontrollierbare Privatarmeen (faktisch Söldnertruppen) mit Hoheitsbefugnissen zu versehen, aus den USA wahrscheinlich früher oder später auch Europa erreichen wird. Dass, ob man es will oder nicht, alle Macht aus den Gewahrläufen kommt, scheinen unsere Vorzeigedemokraten aus dem Berliner Raumschiff, anders als die Jungs von der Wehrsportgruppe, vergessen zu haben.“

Man weiß nicht recht, spottet der Chefredakteur, ob Dorsten das Gold für die grundsolide Basis unten hält – oder für den allesbeherrschenden Geist obendrüber.

Ein Leserbrief aus Dorsten: „Die Währungskrise ist Realität, und die Anzeichen sind offenkundig: Nach Auskunft des Internationalen Währungsfonds kaufen weltweit Notenbanken im großen Stil Gold, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Darunter starke Volkswirtschaften wie Brasilien oder Südkorea. Wenn Gold keine Bedeutung hätte, warum tun sie das? Die Ausweitung der Geldmenge setzt sich unvermindert fort und lässt inflationäre Tendenzen immer wahrscheinlicher werden. Der Anstieg der Immobilienpreise ist eine Flucht von Geld- in Sachwerte. Die Tatsache, dass die EZB Staatsanleihen aufkauft, widerspricht dem Grundsatz des Staatsfinanzierungsverbotes. Diese Tatsachen machen Gold zu einem wichtigen Sicherheitsanker, der Vertrauen schafft und in der Vergangenheit hart erarbeitet wurde.“

Ein Leserbrief aus Marburg/Lahn zur Landtagswahl in Niedersachsen: „Eine hauchdünne Mehrheit für Rot-Grün: Auftakt zur großen Wende? Eigentlicher Wahlgewinner ist doch aufs Neue der Neoliberalismus! Mindestens 92 Prozent der Niedersachsen, die zur Wahl gegangen sind, haben diesem Wirtschafts- und Lebenskonzept ihr Ja-Wort erteilt. Ein bisschen mehr Mindestlohn hier, ein paar Quadratzentimeter mehr in der Schweinefabrik dort; der große Wandel ist kaum zu erwarten. Krise? ‚Wo ist die denn?‘ Große Transformation? ‚Was ist das denn?‘ ‚Hauptsache, meine persönlichen Interessen sind vertreten!‘
Weiter und ganzheitlich Denkende verbergen sich unter den 7,8 Prozent Wählern, deren Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind, oder im ernüchternden Anteil der Nichtwähler (40,6 Prozent), wo sich auch noch die Resignierten tummeln, die sich durch keine Partei repräsentiert fühlen. Da machen die kleinen Parteien was falsch! Traurig, wenn sich daran bis zur Bundestagswahl nichts ändern sollte.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Dahlem: „Alle Menschen, welche Produkte erwerben, die von Menschen unter schlechteren sozialen Bedingungen produziert wurden, machen sich der Ausbeutung schuldig, auch dann, wenn sie selbst Ausgebeutete sind. Diese These ist in ihrer schlichten Wahrheit radikal. Sie spiegelt das Drama unserer Zeit, in der sich niemand darauf ausruhen kann, zu den Besserverdienenden zu gehören und sich von der Schuld >freizukaufen< oder zu den Armen einer reichen Gesellschaft zu gehören. Das Wesen der Ausbeutung ändert sich dadurch nicht.
Es geht eben nicht darum, dass wir Verständnis für die armen Armen entwickeln, sondern dass wir unsere innere Haltung hinterfragen. Dass wir uns anfangen zu fragen, was wir Menschen wirklich brauchen, in materieller, sozialer und geistiger Hinsicht. Erst wenn ich mich selbst auf den Weg aus der Neidgesellschaft mache, aus einer Gesellschaft, die den Menschen nach seinen materiellen Möglichkeiten bewertet, kann ich eigentlich wieder in den Spiegel schauen, unabhängig von meinem Einkommen und meinen Möglichkeiten.“

Ein Leserbrief aus Leipzig: „Ich frage mich, wie Eltern überhaupt in der Lage sein können, Begriffe wie >Neger< ohne Unwohlsein vorzulesen. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Was sich darunter befindet, wurde mir erst im letzten Jahr bewusst, seitdem ich begann, für meinen Sohn Kinderbücher zu suchen, die Diversität auf angemessene Weise widerspiegeln. Es ist unglaublich, wie schwierig es ist, Kinderbücher zu finden, in denen Frauen nicht nur Mütter sind, sondern auch Berufe haben. Noch schwieriger ist es, Kinderbücher mit schwarzen Menschen zu finden. Wenn es überhaupt welche gibt, dann ist das >Schwarzsein< auch gleich Thema des Buchs, und zumeist wird darin die >Andersartigkeit< der schwarzen Familie extrem überbetont und mit vielen Stereotypen genährt. Ich wünschte, ich könnte meinem Kind Bücher präsentieren, in denen sich unter die Baggerfahrer, Tierpfleger, Verkehrspolizisten und Piloten auch Frauen mischen und in denen schwarze Kinder gleichberechtigt zwischen weißen auftreten, ohne dass sie erzählen müssen, woher sie denn kämen, wo sie doch so auffällig anders seien.“

Ein Leserbrief aus Wulkow: „Jeder hier freut sich auf den Tag der Entlassung und auf einen Neubeginn, doch auf Hilfe darf man hier nicht hoffen. So werden die meisten einfach auf die Straße gesetzt, ohne zu wissen, wo sie hin sollen, haben keine Wohnung, wohin sie sich zurückziehen, Ruhe finden und einen Weg ins neue Leben finden können. Es interessiert niemanden, was aus ihnen wird und wie es ihnen geht, so bleibt oft nur der Weg ins alte Umfeld, wo der Rückfall schon vorprogrammiert ist.
So ist es ein Kreislauf: keine Wohnung, keine Meldeadresse, keine Arbeit, keine Chance, sein Leben in den Griff zu bekommen. Auch bekommen nur sehr wenige Ausgang zur Wohnungssuche und zur Erledigung der Behördengänge, und es ist unmöglich, auf dem Postweg Wohnraum zu finden. Die geforderten Ansprüche der Vermieter wie Kaution, Schufa, Mietschuldenfreiheit und vieles mehr sind somit unmöglich zu erbringen, die Probleme werden immer größer und alle guten Vorsätze werden zunichte gemacht. Die Ängste sind dann schon größer als die Freude auf den Tag der Entlassung, der Traum von einem neuen Leben platzt wie eine Seifenblase.
Auch ich musste diese Erfahrung schon machen. In meiner vorigen Haftzeit in Berlin war ich Interessenvertreter der JVA Charlottenburg, habe dort wie auch jetzt diese Erfahrungen gesammelt und auch versucht, Hilfe zu erhalten, jedoch stieß ich auf Desinteresse, oder es wurden mir vonseiten der Anstalt Steine in den Weg gelegt, die nicht zu überwinden waren. Ebenso werden soziale Bindungen zu Freundin, Frau, Familie und Bekannten nicht gefördert, sondern es wurde eher versucht, diese zu zerstören, indem Besuchstermine erschwert wurden, die Post auf eigenartige Weise ewig unterwegs war und die Telefongebühren extrem überteuert sind.
Ich muss nur noch sechs Monate hier verbringen, und von Monat zu Monat wird die Angst größer.“

Ein Leserbrief aus Baienfurt: „Nachdem mir vor ein paar Jahren ein sehr netter und vernünftig erscheinender texanischer Kollege in Houston ernsthaft versichert hat, dass er sofort schießen würde, wenn er jemanden an seinem Pick-up erwische, war mir klar, dass mit diesem Volk nicht zu spaßen ist, wenn sie den Wert eines spritschluckenden Monsters über ein Menschenleben stellen! Gebt ihnen doch so viel Waffen an die Hand wie nur möglich, dann sollen sie sich alle über den Haufen schießen und Ruhe ist! Bewaffnet die Kinder, Frauen und Greise, auf dass sie auf alles schießen können, was sich verdächtig bewegt: Lehrer, Postboten und Pfleger zum Beispiel! Auch ich habe mal einen Selbstverteidigungskurs mitgemacht, damit ich mich wehren kann, auf die Idee, dass es mit Schusswaffe besser funktionieren könnte, bin ich nie gekommen. Wer braucht automatische Waffen, mit denen man hunderte in den Tod schicken kann?“

Ein Leserbrief aus Herne: „Als innerhalb weniger Jahre eine halbe Million Bergleute ihre Arbeit verloren, hat man im Ruhrgebiet andere Industrien angesiedelt. Die Elektronikindustrie geriet aber unvorhersehbar schnell unter den Druck japanischer Unternehmen. Dass dann die Verdichtung der Arbeit und der Einsatz computergesteuerter Maschinen durch die Unternehmen in einem solch massiven Tempo zum Abbau von Arbeitsplätzen führt, hat niemand vorausgesehen. Dass die dann politisch gewollte weltweite Bewegungsfreiheit des Kapitals zu einer fast vollständigen Verlagerung von Industrie- und Handarbeit vor allem nach Asien führte, hat kaum jemand in diesem Ausmaß erwarten können.
Man hat im Ruhrgebiet sehr wohl versucht, immer neue Unternehmen anzusiedeln. Dies ist aber eine Industrieregion mit mehr als 5 Millionen Menschen gewesen, die nicht einfach in ein Dienstleistungszentrum umgewandelt werden kann. Darüber hinaus sind weit mehr Arbeitsplätze in der Produktion vernichtet worden, als neue in anderen Bereichen entstanden. Viele Unternehmen sind schneller verschwunden, als sie gekommen sind; oft mit den Subventionen im Portemonnaie, die sie gern geschluckt haben. Das Ruhrgebiet ist in ganz Deutschland am heftigsten gebeutelt von dem, was verharmlosend als Globalisierung bezeichnet wird.“

Ein Leserbrief aus München: „Es ist nicht verwunderlich, dass soziale Unterschiede weiterhin eine große Rolle spielen beim Schulerfolg – haben doch gerade Geringverdienende und Migranten häufig keine Zeit oder nicht die entsprechenden Sprachkenntnisse, um ihre Kleinen zu Hause bei den Hausaufgaben zu unterstützen. Das aber wird immer notwendiger: theoretische Grammatikbegriffe in Deutsch lernen, Lernwörter üben, Diktate schreiben, täglich lesen, Englischwörter lernen, Inhalte für die Heimat- und Sachkunde-Probe pauken und so weiter. Manchmal frage ich mich, wozu ich meinen Sohn – der eigentlich ziemlich fit ist – noch in die Schule schicke, wenn so viel von den Eltern zu Hause an Mitarbeit verlangt wird. Dazu sind Mittelschichtler sowie Akademiker jedoch meist eher bereit.“

Ein Leserbrief as Burladingen: „Hurra rufen die Genmonsterkolosse! Wir werden Eigentümer aller Pflanzen, Lebensmittel und Lebewesen! Hurra ruft ihnen der Dukatenscheißer zu, hurra! Endlich zwingen wir die kleinkarierten Klein- und Alternativbauern in die Knie. Das wäre ja noch schöner, wenn jeder anpflanzen und züchten könnte, was er wollte. Hurra, es lebe das Einheitshuhn, die Einheitskuh sowie das Monoschaf! Hurra, Menschen freuen sich jetzt auf neue, ganz unbekannte, tolle Risiken wie Stoffwechselkrankheiten, Fettleibigkeit oder interessante Krebsvarianten. Weiter so, das ist ein nächster Schritt in Richtung Bevölkerungsreduktion! Hurra, es lebe hoch die Einfalt der Manager und Politiker! Die meisten werden wohl wissen, was sie uns, unseren Kindern und Enkeln und sich selber mit dem neuen Patentrecht antun. Hurra, ständig mahlt der Lobbyismus und schmiert das Konto.“

Ein Leserbrief aus Berlin-Wilmersdorf: „Wenn sich Innensenator Frank Henkel wegen eines totalen Waffenverbots skeptisch zeigt und meint, ein solches Verbot ließe sich nicht durchsetzen, dann frage ich mich, ob von ihm nicht die Grundlagen unserer rechtsstaatlichen Demokratie verlassen werden. Die Grundlage ist doch, dass der Staat allein das Gewaltmonopol hat, und dieses muss er im Interesse aller Bürger durchsetzen. Dazu gehören besonders an Brennpunkten polizeiliche Kontrollen. Ansonsten werden sich mehr und mehr Bürger bewaffnen, um in der Öffentlichkeit nicht denen wehrlos ausgesetzt zu sein, denen unsere rechtsstaatliche Ordnung egal zu sein scheint. Der zunehmende Gebrauch von Stichwaffen zur Konfliktlösung ist ein Hinweis auf die fortgeschrittene Bewaffnung, vor allem Jugendlicher. Diese Entwicklung kann doch niemand wollen, auch Herr Henkel nicht.“

Ein Leserbrief aus Unterhaching: „Die Frage, warum sich in der Bevölkerung nicht mehr Widerstand gegen die Griechenland-Hilfen regt, ist leicht zu beantworten. Die Menschen haben diese Herum-Eierei der Politiker, die Lachnummern von roten Linien und das unverfrorene Fürdumm-Verkaufen gründlich satt. Aber sie müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass sie daran nichts ändern können: Die Politiker fast aller Parteien haben in seltener Einmütigkeit beschlossen, sich ihre verkorkste Europa-Vision nicht kaputt machen zu lassen, da kann die Verschleuderung von Steuergeld und die Enteignung der Sparer noch so groß sein. Das Spiel läuft wohl so lange ungefährdet, wie die gute Konjunktur anhält und die Deutschen die Folgen der Milliarden-Verschiebereien nicht unmittelbar spüren. Die bittere Rechnung wird aber nicht lange auf sich warten lassen.“

Ein Leserbrief aus Mannheim: „Auch mein Sohn, Grundschüler in einer Innenstadtschule in Mannheim, bringt seine Träume mit zur Schule. Heute Morgen habe ich einseitig bedrucktes Papier in den Schulhort mitgebracht, damit er und seine Freundinnen dort zeichnen können. Das Toilettenpapier wird hier von den Lehrerinnen verteilt, weil es aus Kostengründen keinen Hausmeister mehr im Schulgebäude gibt. Pädagogisch geleitete Ausflüge, sofern es sie gäbe, werden hier auch von den Eltern getragen, im Zweifelsfall über Spenden an den Förderverein der Schule.“

Ein Leserbrief aus Frankfurt am Main:„Den Klimawandel kann man sich vorstellen als die chaotisierende Revolte der kohlenstoffhaltigen >Energiesklaven

Ein Leserbrief aus Großkrotzenburg: „Seit der Privatisierung sind Hunderte Milliarden Euro aus der Infrastruktur der Elektrizitätsversorgung abgezogen (privatisiert) worden. Gigantische Einnahmen haben Manager, Zocker und Fonds so an sich gerissen, die ein Industrieland wie Deutschland so dringend benötigt!
Ziel der Energieversorger ist eine Verknappung der Kapazitäten, um die Preise und so die Gewinne auf ein Maximum zu treiben. Nebenbei wurden noch über 100 000 gut bezahlte Jobs in der Energiewirtschaft abgebaut und den Sozialkassen und dem Markt Leistung und Kaufkraft entzogen.
Frau Merkel wird erkennen, dass die Rettung des Euro wie ein kleiner Schnupfen für dieses Land war, wenn die Infrastruktur des Staates mal völlig zerstört ist. Licht aus und Ende Deutschland!“

Ein Leserbrief aus Kronberg: „Die Einführung der Subventionierung von Biosprit war, ebenso wie in den USA, ein Kotau der europäischen Politiker vor den Lobbyisten der Automobilindustrie und der Landwirtschaft. Die Folgen: Steigende Lebensmittelpreise und Millionen hungernder Menschen. Da kann von Nachhaltigkeit keine Rede sein, obwohl die Politiker sie unentwegt bemühen.
Kein Politiker kann garantieren, dass die Spekulation mit Lebensmitteln aufhört, wenn das Angebot wegen des immer weiter steigenden Bedarfs an Brennstoffen verknappt wird. Ob andere Pflanzen für deren Herstellung zur Verfügung stehen, hängt von den künftigen Niederschlagsmengen nach dem Klimawandel ab. Bis jetzt sind es die Wüsten, die sich am schnellsten ausbreiten.“

Ein Leserbrief aus Bochum: „Wie sehr setzen die Herren gerade der Führungstroika der SPD darauf, dass die >kleinen Leute< vergessen, wer für die heutige Misere der Altersarmut, des Lohndumpings, der Niedriglöhne verbunden mit Niedrigrenten, dem unkontrollierten Zocken der Banken verantwortlich ist. Waren das nicht gerade die Herren Schröder, Müntefering, Steinbrück, Steinmeier? Und wird nicht der Mahner Lafontaine immer wieder abgestraft?
Es sind doch immer noch dieselben Persönlichkeiten, die nach wie vor für all das stehen, es nach wie vor als richtig verteidigen und nur rudimentär zugeben, dass hier >kleine Fehler< gemacht wurden, die man nur dann korrigieren kann, wenn man wieder an die Macht kommt. Wer soll das denn noch glauben? Und vor allen Dingen, wer soll das glauben, wenn noch nicht einmal deutlich gesagt wird, was falsch war/ist und vor allem, wie es korrigiert werden soll? Wer soll daran glauben, dass gerade die, die dem Neokapitalismus Tür und Tor geöffnet haben, es jetzt anders machen wollen?“

Ein Leserbrief aus Ilsede: „Sicherlich verdient die Ausübung der Tätigkeit einer Sexarbeiterin Respekt, und eine Frau, die damit ihren Lebensunterhalt sichert, darf nicht gesellschaftlich geächtet werden. Leider arbeitet aber nicht jede Frau freiwillig in diesem Arbeitsfeld. Wenn wir nur über Frauen reden, die selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Geld damit verdienen, Männer zu befriedigen, und dabei klar ihre eigenen Spielregeln festlegen und durchsetzen, dann idealisieren wir das Bild der Prostituierten. In der Realität wird der >Beruf< oft von Mädchen und Frauen ausgeübt, die keine andere Wahl haben oder sogar dazu gezwungen werden. Und es geht um Macht, Geld (das dann in die Taschen anderer, vornehmlich Männer, wandert) und Unterdrückung. Und leider auch um Zwangsprostitution. Alle Frauen verdienen Respekt und die Freiheit der unabhängigen Wahl ihrer Ausbildung und ihres Berufs zur Lebenssicherung! Dazu gehört Recht auf Bildung, Sicherung der Grundexistenz und Selbstbestimmtheit.“

Ein Leserbrief aus Ilsede: „Kann man jemals wieder eine Partei wählen, die vermutlich so abgrundtief in illegale Waffengeschäfte und damit in Blut und Tod verwickelt ist und die unvorstellbar viel unternommen hat, um zu verhindern, dass Licht in dies Dunkel kommt?
Darf man die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, die Stasi-Akte Kohls geheim zu halten, als verkommen, dekadent und für die Demokratie verheerend bezeichnen? Und die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter, die den Inhalt dieser Akte kennen? Sind sie alle – unter welchen Umständen auch immer – inzwischen verstorben oder halten sie monatlich für ihr Schweigen die Hand auf?
Und wie lässt sich im Zusammenhang mit diesem Sumpf die Verhinderung des Anti-Korruptionsgesetzes für Abgeordnete deuten? Die polizeiliche beziehungsweise militärische Unterstützung undemokratischer Regime von Weißrussland bis Saudi-Arabien? Die Unzulänglichkeit von Schäubles Steuerabkommen mit der Schweiz, das Verbrecher nach wie vor begünstigt?
Und stimmen wir Dickhäuter nicht alle mehr oder weniger schweigend diesen sich überlappenden Wohlstand-Deals zu? Allein Hannelore Kohl, die hinter der starren Maske eine hypersensible Person war, signalisierte mit ihrem Freitod, dass dies alles ohne Illusionspanzer im Grunde nicht mehr auszuhalten ist.“

Ein Leserbrief aus Grafing: „Die Olympiasportler unter Medaillendruck zu setzen, ist eine gute Methode, ihnen die Freude am Sport zu nehmen. Man denkt an verantwortungsvolle Eltern, die ihre Kinder unter Schulleistungsdruck setzen und bei einer Drei im Rechnen unter freundlichem Gebrüll und mit dem Hinweis ‚Es geht um deine Zukunft!‘ eine Woche Hausarrest verordnen. Aber verständlich ist es schon. Man will ja was haben von dem Geld, das man in diese Leute steckt. Es muss ja doch irgendeine Form von Rendite herauskommen dabei, sonst wäre ja alles umsonst gewesen! Da haben wir es! Das mechanische Denken, das Denken in berechenbarem Aufwand und Ertrag. Keine Spur mehr von Freude, Freiheit und Kreativität! Nur noch Muss und Heller und Pfennig. Alles wird nur noch mit Geld geregelt und allem, was damit zusammenhängt. Und wenn man sich die Mensch-Maschinen anschaut aus den erfolgreichen Ländern: Soll man darauf stolz sein?“

Ein Leserbrief aus Berlin-Lichtenrade: „Ein indonesisches Sprichwort sagt: >Wer die Tiefe nicht kennt, der kann die Höhe nicht schätzen.< Einmal im Jahr sollen durch den Fastenmonat Ramadan die Religionsanhänger des Islam durch den Selbstzwang zum Fasten eine Art Verzichtsdisziplin üben. Schafft man diese Übung, hat man zu Recht das Gefühl, nicht schwach zu sein. Als Abschluss feiert man nicht mit Sauferei, sondern mit Geschenken und Wohltaten für die Schwächeren.
Das Fasten mag auf Außenstehende als eine physische Belastung wirken, aber psychisch bringt es dem Fastenden eine Stärkung, somit einen Gewinn.“

Ein Leserbrief aus Neuwied: „Ich erinnere mich noch gut an den August 1992 mit seinen Pogromen gegen Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen und auch an die Schandtaten in Mölln und Solingen. Ich bin der festen Überzeugung, dass jene, die behaupten, 20 Jahre später wäre so etwas in dieser Republik nicht mehr vorstellbar, entweder bewusst verharmlosen oder aber einem gewaltigen Irrtum unterliegen. Dies wird auch von den gegen Rechts agierenden zivilgesellschaftlichen Initiativen so gesehen.
Nein, dieses Land bleibt gefährlich für Asylbewerber, Flüchtlinge, Fremde und alle, die irgendwie anders sind. So ist es leider. Wer das für übertrieben hält, sollte sich mal an deutschen Stammtischen umhören oder in Springers Boulevardblatt schauen, um es sich vor Augen zu führen.“

Ein Leserbrief aus Zornheim: „Wenn das so weiter geht, haben wir bald chinesische Verhältnisse. Wer sich beschwert oder gar gegen Polizisten eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Innenminister einreicht, ist selber schuld. Er wird dafür in Deutschland zwar noch nicht körperlich misshandelt, aber die Unverletzlichkeit seiner Wohnung kann er zumindest vergessen.
Wenn die Justiz nach einem sogenannten ‚Geheimnisverräter‘ sucht, spielt das Grundgesetz offensichtlich keine Rolle mehr. Hausdurchsuchung und die Mitnahme von Computern durch die Polizei in Abwesenheit des Wohnungsinhabers sind da noch harmlos. Was wohl passiert wäre, wenn der pensionierte Richter Dieter Reicherter zu Hause gewesen wäre? Er hätte vielleicht an einen schlechten Film geglaubt und hätte sich womöglich sogar zur Wehr gesetzt. Dann hätte er auch noch ein Verfahren am Hals gehabt wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt.“

Ein Leserbrief aus Bad Feilnbach: „Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gibt es in Deutschland kein gültiges Wahlrecht für den Bundestag mehr. Es muss also auf die Schnelle ein neues her. Da bestünde doch die Möglichkeit, auch mit der größten Ungerechtigkeit des jetzigen Wahlrechts aufzuräumen – der Missachtung der Meinung der größten Partei. Und die ist bekanntlich die der Nichtwähler! Wegen des mittlerweile dargebotenen politischen Einheitsbreis ist es für viele, durchaus politisch interessierte Staatsbürger die einzige Möglichkeit, ihren Unwillen mit dem, was uns die Parlamente so vorsetzen und zumuten, zu zeigen, dass sie die Wahl boykottieren. Aber das entlockt unseren >Volksvertretern< nur ein müdes Lächeln. Unabhängig von der Wahlbeteiligung und nach Abzug der >Restposten< unter fünf Prozent, wird das Endergebnis auf 100 Prozent hochgerechnet, und die Pfründen werden auf die etablierten Parteien verteilt. Manch ein Bürgermeister, der mit 50,1 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt wurde, vertritt bei einer Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent 25 Prozent der Bürger, trägt aber mit Stolz seine Amtskette und fühlt sich als >Vertreter< aller Bürger seiner Stadt oder Gemeinde.“

Ein Leserbrief aus Mülheim an der Ruhr: „Es gibt nur noch zwei Auswege aus dieser fundamentalen Krise, in die die Staaten Europas allesamt kommen werden, Deutschland eingeschlossen: entweder die Schulden durch eine hohe Inflation >billiger< machen, also einfach die Geldpresse anwerfen, oder aber: die vorhandenen Vermögen für den Ausgleich der Schulden einsetzen. Es ist ja nämlich nicht so, dass Griechenland, Spanien oder Italien arm wären. Nur die Vermögen sind extrem ungleich verteilt. Die Schulden des Staates sind die Vermögen ganz weniger Personen, die diese sich im Selbstbedienungsladen neoliberaler Politik anhäufen konnten oder über Generationen aus welchen Quellen auch immer zusammengeklaubt wurden.
Wozu jemand ein Milliardenvermögen braucht, außer undemokratischen Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen, die eigentlich alle Bürger angehen, ist eine Frage, die viel zu selten gestellt wird. Sinnvoll wäre es, diese gigantischen Vermögen zum Ausgleich der Staatsschulden zu nehmen – und den jetzigen Eigentümern immer soviel zurückzugeben, wie derzeit als Zinslast zu bezahlen ist. Dann wäre es keine Enteignung, sondern nur ein solidarischer Beitrag zum Erhalt unserer westlichen Demokratien. Die gehen nämlich unter, wenn wir weiter versuchen, alle Kosten auf die Schultern des >kleinen Mannes< zu legen.“

Ein Leserbrief aus Mannheim: „Das Krebsgeschwür der Überschuldung bildet immer mehr Metastasen in Europa. Der zügellose Finanzmarkt und die Gier einer Gruppe skrupelloser Banken und Milliardäre, die zwar keine Steuern zahlen wollen, aber gerne am Aktien- und Finanzmarkt zocken, verlangt immer mehr Geld und Solidarität von Deutschland. Erstaunlich ist, dass sich die Bundesregierung, bestehend aus CDU/CSU und FDP, die Meinung zu eigen macht, dass man nur den Geldhahn weit genug aufdrehen muss, dann wird der Patient schon gesunden. Bei den Schlecker-Frauen war man nicht bereit, das kapitalistische Prinzip, wer Gewinne macht, muss auch Verluste tragen, infrage zu stellen. Man könnte meinen, CDU/CSU und FDP würden einen Sozialismus für Reiche propagieren.
Es widerspricht den Kerngedanken des Grundgesetzes, spanische Banken und griechische Milliardäre, die keine Steuern zahlen wollen, auf Kosten deutscher Steuerzahler zu finanzieren und damit Generationen von Menschen zu verschulden.“

Ein Leserbrief aus Lenggries: „Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bleibt eigentlich ganz auf der Linie seiner Vorgänger Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber. In Berlin stimmt die CSU in Fraktion und Plenum den Vorhaben und Gesetzen kritiklos zu, bearbeitet sie sogar federführend. Wenn aber dann in der Bevölkerung Kritik aufkommt, ist Seehofer sofort wieder gegen das Gesetz, war es eigentlich schon immer, setzt martialisch rote Linien und droht mit gewaltigen Sanktionen. Das ändert zwar nichts an Inhalten und Folgen der Gesetze, soll ja auch nur die vermeintlichen Wähler in Bayern bei der Stange halten. Mein Vorschlag: Seehofer kündigt in Berlin die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf und tritt mit seiner CSU bei der nächsten Wahl im gesamten Bundesgebiet an, natürlich auch in den Ländern, denen er jetzt die finanziellen Mittel kürzen will. Im Gegenzug tritt die CDU auch in Bayern an und nimmt sicher nicht ohne Erfolg an den Wahlen teil.“

Ein Leserbrief aus Unterhaching: „Man fragt sich, wann wir Deutsche endlich zur Vernunft kommen und unsere vom Europa-Wahn besessenen Abgeordneten zum Teufel jagen. Leider jedoch verhindert die undemokratische Fünf-Prozent-Klausel des (übrigens ja nie dem deutschen Volk vorgelegten und von ihm daher auch nie gebilligten) Grundgesetzes die Entstehung neuer politischer Gruppierungen. Und dass die Piraten-Partei da zum Retter Deutschlands werden könnte (oder auch nur wollte), ist eher zu bezweifeln. Nein, dieser 29. Juni wird als einer der schwärzesten Tage Deutschlands in die Geschichte eingehen. Und wenn unser Land dann am Abgrund steht und die junge Generation für die Leichtfertigkeit der Altvorderen die Quittung präsentiert bekommt, dann werden all die heutigen Minister und Abgeordneten von Bund und Ländern ihren Ruhestand genießen und fette Pensionen einstreichen. Armes Deutschland! Armes deutsches Volk!“

Ein Leserbrief aus Herrsching: „Seit Jahren ist nicht nur die Krebsgefahr bekannt, die durch Einatmen des Diesel-Rußes besteht, sondern auch, dass Diesel-Ruß den Herzinfarkt fördert. Die Autoindustrie in Deutschland hat aber immer wieder solche Forschungsergebnisse erfolgreich vor der Öffentlichkeit verheimlicht. Auch hat die Kfz-Industrie lange Lobbyarbeit bei der Bundesregierung betrieben, was dadurch deutlich wird, dass heute immer noch der Dieselmotor mit Steuergeld subventioniert wird, was sich in geringerer Mineralölsteuer und Vergünstigungen bei Rußfiltern niederschlägt. Dabei ist Fachleuten lange bekannt, dass der beste Rußfilter im Alltagsbetrieb nur einen Wirkungsgrad von 60 Prozent erzielt, seit die neue Commonrail-Einspritzung Standard bei den Dieselmotoren geworden ist. Der Vorteil der neuen Technik ist geringerer Verbrauch, der Nachteil sind sehr kleine Rußpartikel, die sich kaum ausfiltern lassen.
Schlussendlich hat sich das Märchen bis heute am Leben gehalten, dass der Dieselmotor weniger verbraucht als der Ottomotor. In der Realität braucht ein vergleichbarer Dieselmotor fast exakt so viel Kilogramm Diesel, wie der Ottomotor Benzin verbraucht. Die Frechheit ist, dass die Kfz-Lobby es durchgesetzt hat, dass Dieselfahrzeuge die grüne Umweltplakette erhalten. Eine bessere Lobbyarbeit gegen den Umweltschutz und die Gesundheit gibt es nicht.“

Ein Leserbrief aus Berlin: „Unglaublich. Die Bundesregierung hat nach jahrzehntelangen täglichen Brutalitäten nun doch noch gemerkt, wie grausam es in den Schlachthöfen zugeht und dass dort bei weitem nicht alle Tiere betäubt sind, bevor sie von osteuropäischen Niedrigstlöhnern im Akkordtempo aufgehängt, aufgeschlitzt und verbrüht werden. Und der Schlachthof ist ja nur der Schlusspunkt eines nicht lebenswerten Lebens voller Schmerzen, Freiheits- und Kindesentzug, betäubungslosen Eingriffen und qualvoll enger Gefangenhaltung. Milliarden unschuldige und wundervolle Tiere müssen täglich leiden, damit gedankenlose Menschen stets ihr billiges und komplett unnötiges Fleisch auf dem Teller haben können.“

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