Organisch oder anorganisch V

Sandra Kellein

Die erste Gruppe schien zunächst pan-asiatisch daher zu kommen. Die Frauen lachsfarben verschleiert, elfenbeinfarbig, die zarte Robe der Braut. Die dazugehörigen, zierlichen Männer wirkten in ihren Anzügen zunächst steif, eher deutschen Krähen ähnelnd und nur wegen der Hochzeitsfotos weniger beweglich. Eine Heirat weiter folgten zwei Schornsteinfeger, die für den Fotografen das deutsch-afrikanische Brautpaar einrahmten. Der Bräutigam: ein nordischer oder deutscher Europäer, die Braut optisch aus Afrika stammend. Eine der Brautjungfern war ganz in schwarz und mit ihrem Blumenkorb sehr gewichtig, fast wie die drei anderen Männer zusammen. Vielleicht eine der heimlichen Mütter von allem. Rundherum aufgemischt von buntbedruckten afrikanischen Stoffen, auch einige bunte Turbane darunter. Also einmal wieder schönstes Gewoge von Ethnien, die derzeitige Herkunft aller völlig unbestimmt, ein friedliches High Noon von Kulturen, samstags vorm Standesamt Schöneberg.
Und schön, dass Bräute nicht mehr blond sein müssen, dachte sich Autorin K., oder etwa Hochzeits-Torten weiter aus Marzipan. Und grübelte dann weiter, ob der Efeu auf der Grünfläche nebenan vielleicht echt wäre. Einen Schattenwurf entfernt hatte die Hochzeits-Dekorationsware des Monats ihr Dasein fast schon wieder beendet. Nur ein massentauglich und millionenfach ausgestanzter Schmetterling mehr. Ein Fleck, unter dem vielen rund herum. Der würde bald neben dem Stein und einer typischen Friedhofspflanze verrotten, sofern der Wind nicht wieder drehte.

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