Organisch oder anorganisch III

Sandra Kellein

Ein mikroskopisch kleiner Auswurf von Insekten – so was scheint neuerdings manche Hochzeitsgesellschaft am Rathaus Schöneberg beim Posieren zu lockern. Freude und Heiterkeit inbegriffen. Statt wie früher das Wort „Spaghetti“ auf Aufforderung auszurufen, was in vielen Gesichtern für einen breiten Mund und ein eher gequältes Lächeln sorgte, verlangen nun einige Fotografinnen und Fotografen „Ameisenscheisse!“. Champagner oder Sekt und Freude dabei oft inklusive. Biologisch fällt beim Abbau von Champagner-Korken später wenig ins Gewicht, bei Flaschenverschlüssen, Altglas und pfandpflichtigen Prosecco-Dosen, die sich semiprofessionel Sammelnde für ihr Zubrot holen, weitaus mehr. Und wie erst würde wohl, fragte sich Autorin K. angesichts eines Samstagnachmittags unterschiedlicher Hochzeitsgruppierungen, so ein Wort wie „Ameisenscheisse“ den weiteren Abend düngen, ihn lebendiger machen. Solange sich keiner dabei wundert, dass Ameisen ihre Nester sauber halten und Ausscheidungen zur Wegmarkierung oder als Baumaterial verwenden. Gut, wenn sich die Forschung darüber nicht einig werden wird.

skell

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