Dort geträumt, hier aufgeschrieben: Über das Internet

Kathrin Passig

10. Januar 2013
Ich soll dem Supatopcheckerbunny das Programmieren erklären. Zwar sind mehrere Männer anwesend, die das auch könnten, aber die haben zu tun. Ich glaube, sie erklären sich erst mal gegenseitig, was sie dem Bunny erklären sollen. Ich fange damit an, dass die verschiedenen Fenster im Editor des Bunnys (der noch am ehesten NoteTab ähnelt) nichts Unterschiedliches bewirken, sondern nur verschiedene Sichtweisen auf den Code darstellen. Das Supatopcheckerbunny sagt, das sei ihm selbstverständlich bewusst. Ich versichere eilig, ich hätte nicht unterstellen wollen, es sei etwa in so elementaren Dingen schlecht informiert, und verhasple mich in Erklärungs-Erklärungen.

27. April 2012
Ein großer Chor singt im Michael-Nyman- oder Philip-Glass-Stil ein Werk, dessen einziger Text „Google“ lautet. Es klingt sehr gut, ich hätte gern länger zugehört, aber da endet es schon auf „G-g-g-g“.

26. Februar 2012
Ein Café irgendwo in der Schweiz, vielleicht in Zürich. Etwas zu bestellen, ist nicht einfach, obwohl das Personal sehr nett ist. Ich will eigentlich nur ein Eis, aber es gibt nur lauter schlecht beschriftete, mit Lebensmitteln (z.B. einer Art Möhrenkuchen) bebilderte Sorten. Den Bestellungen der einheimischen Gäste kann man entnehmen, dass fast jede Eissorte hier ganz anders heißt als in Deutschland. Am Ende schaffe ich es mit viel Mühe, eine Kugel Mango und eine Kugel Erdbeer in einer Waffel zu bekommen, aber als ich wieder am Tisch ankomme, ist mein Eis schon weg. Habe ich es am Tresen zurückgelassen oder schon aufgegessen? Ich denke nach, aber im Traum ist die Vorstellung, ein Eis gegessen zu haben, identisch mit der Erinnerung daran, tatsächlich eines gegessen zu haben, das Nachdenken hilft mir also nicht weiter. Zum Schluss erfahre ich noch, dass man dem Fax in der Schweiz „Gugli“ sagt, ich wundere mich zum einen darüber, dass das keineswegs, wie ich zuerst dachte, halt so ein mittelalterlicher Schweizer Begriff ist, „neinnein, wir nennen das erst so, seit es Google gibt“, und zum anderen darüber, dass Faxgeräte dort noch eine wichtige Rolle zu spielen scheinen. Vielleicht ist wegen der Berge das Internet nicht so gut, denke ich.

6. Oktober 2008
Ich sitze vor einer Landkarte, aber die Gegend, die mich interessiert, ist auf der Karte nicht mehr drauf. (Es geht wohl um das, was unten rechts vom Bodensee ist.) Ich tippe mit dem Finger auf die Städte am Rand der Karte. Nichts. Ich kratze knapp neben der Karte mit dem Fingernagel. Immer noch nichts. Irgendwie muss man doch in den nächsten Quadranten scrollen können. Ich folge den Straßen bis zur Kartenkante mit dem Finger und warte.

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