Kunst oder Leben I

Sandra Kellein

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Dieses Objekt, ein Urinal mit einer akkurat darüber geklebten Spitzendecke, fällt in einer italienischen Bar an der Riviera in gewillte Augen. In einem Hinterzimmer – oder vielmehr im Vorzimmer, sonst nach herkömmlichen Geschlechtern voneinander getrennten Toiletten.
Ob es sich wohl um eine ungenutzte Vorrichtung für Priester handelt? Laut katholischer Kirche neigen einige ihrer Körpersäfte zur Verflüchtigung. Und auch der allererste Eindruck von Autorin K., in der Provinz auf eine Arbeit von David Lynchs Szenebildnern gestoßen zu sein, soll erwähnt werden. Oder handelt es sich um einen skurril verpackten Hinterschinken? Da in dieser Bar, außer Getränken, nur noch Anchovispizza serviert wird, verbietet sich so ein fleischhaltiger Gedanke eher. Irritierend bleibt die Existenz zweier verwaister Spielautomaten neben der auf dem Foto abgebildeten Monstrosität und ein mitten im Weg stehender, im übrigen arg schiefer Campingtisch. Der ganze Raum, einem typischen Berliner Zimmer der Neunziger Jahre mit entsprechend mieser Beleuchtung und fehlender Besonnung nicht unähnlich, drängt sich als frisch vorgefundenes Ready-made auf. Was zu dem dringenden Wunsch verleitet, das Leben draußen zu suchen und weitere Rätsel im Licht und am Meer bei aufschäumenden Wolken besser sein zu lassen.

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