Köttelbecke

Ulrike Schlue

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Dies ist die Köttelbecke in Gelsenkirchen, genauer: Gelsenkirchen-Bulmke. So sah diese Stelle schon vor 50 Jahren aus, daran erinnere ich mich genau. Nur das Schild gab es noch nicht. Es warnt davor, was passiert, wenn man von oben nach unten fällt: Scharfkantige Wellen werden dich aufspießen! Wir hatten eher Respekt vor den weichen Rückständen in dem Rinnsal mit dem vielsagenden Namen, und wären nie auf die Idee gekommen, da reinzufallen.

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Wo wir schon dabei sind:

Vor 50 Jahren bestaunte ich als Kind das Glas-Mosaik im Gelsenkirchener Hauptbahnhof – ich schaute von unten nach oben, das Licht fiel hindurch, und ich buchstabierte die Quellen des bescheidenen Wohlstands: Chemie – Glas – Kohle – Stahl – Bekleidung.

Irgendwie machte mich das stolz. Der Gründerzeit-Bahnhof hat einem Einkaufs-Center mit zwei Bahngleisen Platz gemacht; immerhin spiegelt sich in seinen Fenstern die Alte Post, die von traditionsbewussten Bürgern vor dem Abriss bewahrt wurde und heute als Verwaltungsgericht fungiert. Das Glas-Mosaik wurde auch gerettet; aber es fällt kein Licht mehr hindurch, weil es die Fassade eines alten Kaufhauses verblendet; hier erhält man heute die Produkte einer Backwaren-Kette.

Einst regte ich mich darüber auf. Heute denke ich: Macht doch, was ihr wollt. Die Welt ist groß, und Gelsenkirchen nicht ihr Nabel.

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