Kraft durch Bosheit

Ulrike Schlue

Oben und unten, Weißclown und August, Schäuble und Offer

Über das tagespolitische Interesse hinaus, regt die bei „youtube“ dokumentierte Bosheit des Ministers Schäuble seinem Untergebenen Offer gegenüber die Assoziations-Lust des Beobachters auf angenehmste Weise an –

ich erinnere mich an einen kürzlich wiedergesehenen Film von Fellini: „I Clowns“, ein Dokumentarfilm, der anknüpft an Fellinis Kindheits-Sehnsüchte, die sich mit dem Zirkus und seinen Clowns verbanden, und einen Bogen schlägt zu den wirklich Großen ihrer Zunft – und, das ist eine der interessantesten Passagen des Films, darüber nachdenkt, woher die großen Clowns ihre Inspiration nahmen: Nicht vom technisch-akrobatischen Training, von der Beherrschung der Instrumente, vom gekonnten Umgang mit den Reaktionen des Publikums – nein, das alles waren selbstverständliche Voraussetzungen. Die wahre Inspiration kam von der Straße, und Fellini zeigt uns die Typen – hier ein unbedingt sehenswerter Ausschnitt aus dem Film:

Der Vagabund, die Betschwester, die Eckensteher, der übrig gebliebene Partisan, der aufgeblasene Bahnhofsvorsteher, der Schöne und auch der Böse in Gestalt des örtlichen Faschistenführers – jeder einzelne verdichtet sich in einem Clowns-Typus. Die klassische Paarung ist: Weißclown und August, und da haben wir sie: Der vornehme Weißclown, humorlos und arrogant, Ohrfeigen verteilend und sich mit dem Publikum in schadenfrohem Gelächter verbündend – und der immer neu abgewatschte Dumme August, der nach jeder Ohrfeige, nach jedem Fußtritt, aufsteht, tief Luft holt, sich wehren will, es aber nicht schafft und wieder in die Fresse kriegt –

Ja, da sehen wir sie, Weißclown Schäuble und August Offer, und natürlich ist das zum Brüllen komisch.

Man braucht sich seines Gelächters nicht zu schämen, so funktioniert Komik, so funktioniert die Arena – „Kraft durch Bosheit“ (Leo Bassi, italienischer Komiker).

Der Clown ist nicht tot, wie es der Schluss des Films fellinimäßiger Sentimentalität nahe legt (er war ein Genie, er darf sentimental sein) – nein, der Clown lebt, nur nicht in seiner verkitschten ewigen Seifenblasen-Nummer im Weihnachts-Zirkus, sondern in der rauen Realität. Man muss nur genau hinsehen.

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