Die Bauruine

Ulrike Schlue

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Seit 20 Jahren wartet der Rohbau auf seine Bestimmung. Einst, zu Ost-Zeiten, enthielt er Zukunft: Einmal sollte er ein „Ferien-Objekt“ sein. Kleine Wohn-Einheiten im Souterrain, ein großer Speisesaal darüber. An einem märkischen See gelegen, umgeben von Wald und viel Luft.

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Die Verheißung einer Erholungsstätte der Werktätigen wurde nicht realisiert, (niemanden interessiert noch ernsthaft, warum das so ist), und so entsteht Raum für ein neues „Einst“, in die Zukunft gerichtet: „Einst wird dieser Rohbau eine Kunsthalle sein, ein Ort für zeitgenössische Kunst…“ – so die Pläne des unermüdlichen Ermöglichers in dem kleinen märkischen Ort Lehnin.

Jetzt wird zwischengenutzt –

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Der nie realisierte Speisesaal: Eine surrealistische Installation. In einer Endlosschleife, musikalisch untermalt, greifen die barock anmutenden Gäste unter dem Kronleuchter nach den Speisen, die ihnen anmutig, endlos und unerreichbar von der Dienerschaft dargeboten werden – (auch hier interessiert niemanden, warum das so ist).

Und im Souterrain schaut der Bewohner, schweigend, umgeben von Monitoren, die Fernbedienung in der Hand, durch die nicht vorhandenen Fenster in die Wildnis nach draußen.

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Man möchte lyrisch werden und eine „Ode an den Verfall“ dichten, der so viele Freiheiten und Phantasien … Aber man kann es auch lassen.

Und ein Photo so bearbeiten, dass es das Jetzt dieses Sommertags mit dem Einst des Sepia-Farbtons koloriert. Hier sieht man die Darsteller, bis jetzt in den Kunstwerken gefangen, in die Freiheit des märkischen Sees springen.

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