Schimis Geist

Dirk Glücksberg

Der Duisburger Tatort mit Horst Schimanski (1981 – 1991) zeigte das Ruhrgebiet von seiner schäbigen und schönsten Seite. Eine Spurensuche nach dem, was davon übrig blieb.

Zu Beginn meiner Radreportage rolle ich gegen eine Wand aus Seewind. Über Dorsten kreisen Segler. Ich freue mich auf den Rhein, aber bis dahin sind es noch 50 Kilometer.

Zwischen Marl und Polsum liegt ein Herr im Gras und schläft. Ein ranziger Lederrucksack schläft daneben. Die Mittagssonne brennt.

In Scholven lodert auf dem Werksgelände des arabischen Chemieriesen Sabic eine Abfackelflamme unauffällig im viel zu weißen Licht der Mittagssonne. Direkt gegenüber sonnt sich ein Plakat der rechtsradikalen Partei Pro NRW.

flamme

pro

Vor Buer biege ich rechts nach Gladbeck ab. Also geht es nicht über Gelsenkirchen-Horst nach Duisburg. Hier irrte ich beim letzten Mal.

In Gladbeck frage ich mich am Ortseingang, warum die Stadt zum Kreis Recklinghausen gehört: Denn Gladbeck ist eine Träne, die von Dorsten aus an einer Wange herunterläuft, die Gelsenkirchen heißt.

Dieser Umstand zieht es nach sich, dass Udo Surmann auch hier als Landrat kandidiert. Als Beweis seiner Verbundenheit zum Kreis hat er sich in jeder der dazugehörigen Städte fotografieren lassen.

udo

In Bottrop ist Udo hingegen nicht präsent. Also staune ich stattdessen über die Häuser, die zunächst alle gleich aussehen. Heute sind es bewohnbare Denkmäler, einst waren es beliebige Häuserreihen des Zechenzeitalters.

An einer Ampel steht ein langer Smart, darin sitzt ein Herr, der tief in der Nase bohrt. Er sucht nach alternativen Kraftstoffen für seinen großen Kleinwagen.

Ein paar Meter weiter rotzt und raucht ein junges Mädchen an einer Bushaltestelle herum. Raucher sollen ja momentan auf dem Rückzug sein. Angeblich wird nur noch im Osten gequalmt: Arbeitslose und Kinder.

Ich schmunzele über ein Symbol auf einem Verkehrsschild, das auf die Skihalle Bottrop hinweist. So alpin, wie der symbolische Skifahrer anmutet, ist das Alpincenter allerdings kaum. Es befindet sich daher auch seit der Fertigstellung auf einer Talfahrt im Sulz.

Im Bottroper Zentrum gewinne ich den Eindruck, dass die Stadt attraktiver werden möchte. Größere Bauvorhaben prägen das Straßenbild.

Zwei harte Jungs mit neucoolen Vokuhilas und Glitzershirts flanieren durch die Baustelle. Ich frage mich, ob sie zu einem späteren Zeitpunkt über sich lachen werden.

Menschen hängen in einem Käfig, der an einem Kran hängt, über der Stadt. Sie schauen nach Gladbeck, woher ich komme, und nach Oberhausen, wohin ich fahre.

Zu meiner Rechten liegt nun das Solbad Vonderort, dann das Freibad, dann die Eishalle. Also erst in die heiße Sole, dann ins kühle Nass – und dann aufs Eis.

Im Solebad sind vor allem ältere Frauen zu sehen, das Freibad kreischt wie üblich, vor der Eishalle steht ein dürrer Typ und raucht hastige Züge.

Drei türkische Jungs schlendern zum Freibad. Der eine demonstriert einen freien und gestählten Oberkörper. Er provoziert den Titel für eine Sozialstudie: „Die Zusammenhänge zwischen gestählten Körpern und Migrationshintergründen“.

Nun bin ich durstig und fahre zur nächsten Tanke. Ich greife in den Kühlschrank, nehme ein Cab für den schnellen Durst und ein Köpi, weil es nach Duisburg schmeckt. Ich erinnere mich an das Schwarzkopf & Schwarzkopf-Buch über Schimanski, worin die Autoren schreiben, dass Schimi kein Alkoholiker, sondern ein Trinker gewesen sei. Jeder möchte lieber Trinker als Alkoholiker sein.

An der Kasse sage ich: „Einmal die beiden.“

Der Tankwart, ein älterer Herr, der schwer atmet, fragt freundlich:

„Wat is’ dat denn für ’ne Mischung?“

Ich lache laut: „Dat weiß ich selbst nich’ so genau.“

Ich haste das Cab im Schatten von Alleebäumen herunter. Wespen fliegen geschäftig in die Flasche hinein und heraus. Ich klappe den Kronkorken auf den Flaschenhals.

Gegenüber steht ein Gitterzaun. Daran schildert jemand, dass Plakatieren verboten sei. Ich kleistere in Gedanken Plakate an den Zaun und habe Schwierigkeiten dabei.

Nach einem prüfenden Blick auf das Rad – dabei enddecke ich einen kleinen Gast – fahre ich weiter.

gast

Schon bald erreiche ich das Gasometer Oberhausen und anschließend das Einkaufsungeheuer Centro. Viele Leute sind hier heute unterwegs. Ich lasse das Centro schnell hinter mir, schließlich hat es das alte Oberhausen zerstört.

Warum sterben Karstädte eigentlich, wohingegen Riesenmalls wie giftige Pilze aus dem Boden schießen? In Essen steht ein weiteres Ungeheuer am Limbecker Platz – und auch Recklinghausen zieht nach. Dafür reißen die Recklinghäuser übrigens eine kleinere Mall aus dem nicht ganz so größenwahnsinnigen Einst ab.

Es folgen Wahlplakate. Auf den großen Wänden diskutieren Politiker relativ häufig mit Gesprächspartnern: demonstrative Bürgernähe, die nur auf Plakaten möglich ist.

Auch die Bürger suchen Nähe zu den Plakaten. Wie hier in Duisburg, wo das Gesicht des SPD-Kandidaten mit einem Hitlerschnäuzer verfeinert wurde. Ausgleichende Gerechtigkeit: Schließlich heißt der CDU-Kandidat Adolf.

hitler

Ich möchte Duisburg von Norden aus nach maroden Orten abgrasen, die vielleicht an die Schimi-Zeit erinnern könnten – und werde zuerst das Kraft- und Bergwerk Alt-Walsum ansteuern. Also folge ich dem Hitlerschnäuzer nach rechts und fahre über einen Arm des Ruhrorter Innenhafens.

Der erste Schimi-Tatort hieß „Duisburg Ruhrort“. Ruhig ist hier aber nicht. Menschen feiern am Hafenbecken, schwimmen und rudern. Oldies schallen aufs Wasser und von dort aus direkt in mein Ohr.

Kurz darauf bleibe ich an einem Schaufenster hängen. Darin stehen Mollen und Pokale. Das Ladenlokal eines Motorsport-Matadors?

motor

unbekannt

Ich passiere Hamborn und hoffe, Alt-Walsum zu erreichen, indem ich immer weiter geradeaus fahre. Die Landkarte liegt provisorisch in meinem Kopf, der Google-Maps-Ausdruck in der Tasche wurde an Alt-Walsum vorbeigedruckt.

In der Einbuchtung eines Ladenlokals sitzt eine Frau und trinkt Bier. Als ich vorbeirolle, ruft sie: „Das Wetter ist heute schön.“ „Auf jeden Fall“, antworte ich im Vorbeifahren. Kurz darauf bleibe ich stehen, um einen Kühlturm am Horizont des Straßenzugs zu fotografieren.

Dann beschließe ich, zurück zu der Frau zu fahren. „Wollen Sie mir eine Geschichte erzählen?“, frage ich sie im nächsten Moment, woraufhin ich mich setzen darf und sie ihre Geschichte erzählt.

Sie geht auf die Fünfzig zu, hat drei Kinder und kommt aus Ostdeutschland. Heute trinkt sie, sonst nicht. Nein, sie singt gerne und tanzt gerne und mag Spaß.

Vor zwei Jahrzehnten kam sie aus dem Osten hierher. Dort hatte sie Arbeit, hier hat sie keine. Ihr Mann war auch lange arbeitslos. Und der Sohn drohte, es ebenfalls zu werden. Sie hat deswegen viel geweint. Einst war sie schön, jetzt weint sie viel.

Zum Glück hat die Tochter schnell Arbeit gefunden. Beide haben seit Jahren keinen Kontakt mehr. Der Freund sei viel zu hässlich für die schöne Tochter. Wenn sie von der Tochter spricht, glänzen ihre Augen.

Leer blickt sie hingegen, wenn sie von der Ehe spricht. Von Liebe sei keine Spur mehr. Von Zuneigung auch nicht. Von Sex schon gar nicht. Sie macht Essen und sorgt für den Haushalt. Sie muss sich um den Jüngsten kümmern – jetzt, wo die Schule wieder beginnt.

Zwanzig Euro für zwei Schulbücher, das ist viel Geld, sagt sie. Oft reicht das Geld nicht einmal für neue Klamotten. Sie kauft bei Kik.

Wenn die Kinder krank sind, dann ist sie auch krank. Sie erinnert sich daran, dass ihr Sohn mit 17 auf dem Spielplatz Wodka trank. Er raucht und trinkt nicht, aber an diesem Tag war er so betrunken, dass Mama alarmiert wurde.

Erst hat sie gelacht, als sie auf den Spielplatz kam. Aber ihr Junge lag regungslos mit ausgebreiteten Armen auf der Bank – wie ein Engel. Sie habe ihn gestreichelt, habe versucht, ihn zu erreichen. Aber es ging nicht. Mein Kind ist tot, hat sie zur Nachbarin gesagt.

Dann kam er zu sich. Sie nahm ihn erst in den Arm, dann unter den Arm und hievte ihn nach Hause. Ohne Freunde. Ohne Nachbarn. Ohne Polizei, die alarmiert wurde.

Mama, ich liebe dich, hat er gesagt.

Sie ihn auch. Sie mag Kinder und Jugendliche. Mit denen singt und tanzt sie auf der Straße.

Ihr Mann wollte sie schlagen. Der Sohn ging dazwischen und drohte mit der Polizei. Der Mann sei ein Scheißkerl, sagt sie.

Auch die Zeit sei Scheiße. Die Politiker müssten was für die Jugendlichen tun: Die brauchen Perspektiven. Die brauchen Arbeit. Die wollen Spaß.

Sie wird ernster und steigert sich in die Themen hinein: Arbeitslose, Säufer, Türken mit den dicken Karren. Keine Arbeit, aber dicke Karren, sagt sie. Während wir reden, düsen dicke Karren an uns vorbei.

Einer hat sie beleidigt. Sie ging über die Ampel. Er hupte. Sie sagte was. Er rief: Blas mir einen! Sie rief: Setz deine Sonnenbrille ab, guck nach vorne und fahr weiter!

In Ostdeutschland sei es besser gewesen. Da hatte sie Arbeit, hatte Freundinnen, hatte Spaß. Heute weint sie viel und spaziert durch ganz Hamborn, wenn es ihr zu viel wird.

Am liebsten würde sie alles hinter sich lassen. Aber die Kinder brauchen sie.

Reden hilft. Sie wäre glücklich, wenn ihr Mann zuhören könnte. Aber er kann es nicht. Und er wird sich nicht ändern.

Ich sage, dass er einsehen wird, was er an ihr hat; dass bessere Zeiten kommen werden; dass sie ihre Tochter wiedersehen wird. Dann verabschieden wir uns.

Während ich weiterrolle, bin ich durcheinander. Ich wollte nach Alt-Walsum. Soweit ich mich erinnere, liegt es rechtsrheinisch wie die Duisburger Innenstadt. Also weiter geradeaus.

Plötzlich bin ich an Alt-Walsum schon lange vorbei und lande in einem Stadtteil von Dinslaken. Also zurück.

Ich biege nach Alt-Walsum ab und erreiche den Kühlturm, den ich vor Stunden am Horizont sah. Dieser ist nagelneu und gehört zum Evonik-Kraftwerk neben der Zeche Walsum.

turm

Kurz darauf komme ich an einen Aussichtspunkt am Rhein. Die Sonne steht tief über dem Wasser. Ein paar Meter weiter legt in diesem Augenblick eine kleine Fähre an.

Ich frage eine junge radelnde Migrantin, ob sie mir sagen kann, wie ich schnell zur Innenstadt komme. Sie sagt, dass sie gerade von der Arbeit kommt und dass ihr Freund auf sie wartet. Sie müsse kochen, aufräumen und waschen. Ihr Freund sei ein fauler Sack.

Dann sagt sie, dass es weit ist. Sie würde daher die Fähre nehmen. Daraus schließe ich, dass es auch für mich mit der Fähre schneller geht und vergesse, auf welcher Seite des Rheins ich mich befinde.

Rhein

Fähre

Die Fahrt kostet 2 Euro. Das Kleingeld reicht. Auf der anderen Seite freue ich mich, dass es nun nicht mehr ganz so weit zur Innenstadt ist.

Nachdem ich ein paar Meter gerollt bin, lande ich in einem Stadtteil von Rheinberg. Seit Stunden suche ich nun das verqualmte Duisburg aus der Schimi-Zeit und finde stattdessen doch nur ein bäuerliches Idyll?

Meinte die Radlerin mit ihrer „Innenstadt“ vielleicht Rheinberg? Ich fahre jetzt nach Schildern und stelle auf einem öffentlichen Stadtplan fest, dass ich mich ganz oben links des Rheins befinde – und nun ganz weit nach unten fahren muss.

[…]

Schließlich lande ich auf den Rheinwiesen. Gegenüber liegt Duisburg-Ruhrort. Soweit ich mich erinnere, wurde hier eine Schimi-Szene gedreht. Ein Taucher wurde tot aus dem Rhein gefischt. Endlich habe ich den Tatort betreten. Es dämmert.

Eine kleine Bucht liegt vor mir. Ich setzte mich an den Kies-Strand und mache Notizen. Dabei stelle ich fest, dass die Schimi-Geschichte nach hinten losgegangen ist. Aber was hatte ich erwartet? Das Einst zu finden? Das alte Ruhrgebiet? Schimis Geist?

Nein. Alles hat sich geändert. Geblieben sind nur die Menschen. Wie die Frau, die gerne tanzt und singt – und heute trank. Schimi hätte sich um sie gekümmert. Sie hätte nicht auf der Straße trinken müssen. Und wenn doch, dann hätte Schimi mit ihr getrunken.

Ich blicke auf die Rheinbucht. Das Wasser ist glatt. Fische machen Ringe. Ab und an schieben große Frachter seichte Wellen an den kleinen Strand.

Eine Frau mit Hunden und Kindern spaziert in der Nähe. Die Akustik ist gut, ich höre jedes Wort. Die Frau ruft nach den Hunden und Kindern, aber niemand reagiert. Schließlich kommt die Gruppe vollständig in meine Richtung und verschwindet als Silhouette am Horizont.

Strand

Silhouette

Direkt im Anschluss nähern sich erneut Stimmen: ein türkisches Pärchen Anfang dreißig. Der Mann sagt: „Wie Miami Beach!“ Sie laufen vorüber und reden dabei einen Mischmasch aus Deutsch und Türkisch.

Zwei Frauen mit drei kleinen Mädchen und zwei Hunden kommen in die Bucht. Die Mutter weist darauf hin, dass man Handtücher mitgenommen habe. Eine indirekte Aufforderung zum Schwimmen. Es düstert.

Die Mädchen tapsen in Badeanzügen an der Wasserkante entlang und lassen Steine springen. Die Hunde springen kleinen Bällen ins Wasser hinterher, die Mädchen nicht.

Zu einer anderen Zeit wäre ich auch noch ins Wasser gesprungen. Dabei erinnere ich mich noch gut an den Film über der Sandoz-Katastrophe, den der Erdkundelehrer einmal zeigte. Giftige Chemie, das war das Einst. Jetzt ist der Rhein so sauber, dass Lachse wieder bis nach Basel schwimmen.

Der gleiche Erdkundelehrer erzählte uns übrigens auch immer wieder von einem anderen Film: Darin seien Forscher in einem Gummiboot durch die Arktis gefahren – dort, wo früher dichtes Eis war! Heute wird man sich vielleicht schon gar nicht mehr daran erinnern, dass dort jemals Eis war.

Eines der Mädchen ruft plötzlich: „Eine Sternschnuppe!“ Ich schaue hinter mich und sehe den Feuerball, der ungewöhnlich lange am Firmament entlangfliegt. Ich beschließe, den Mädchen zuzurufen, dass es ein Meteorit war. Nun muss die Mutter wiederum erklären, was ein Meteorit ist.

Anschließend rolle ich weiter und überquere den Rhein an der Friedrich-Ebert-Brücke. Endlich erreiche ich Duisburg-Ruhrort, stockdüster. Finstere Gestalten sind hier aber nicht unterwegs.

An einem Kreisverkehr steht ein frisch abgewrackter Kleinwagen am Rand. Jugendliche sitzen davor auf dem Asphalt wie Bud Spencer in „Zwei wie Pech und Schwefel“, nachdem der Buggy in Flammen aufging.

Ich frage, ob sie Hilfe benötigen. Alles in Ordnung. Die Fahrerin sei einfach in den Verkehr geschossen und habe einen Geländewagen-Panzer übersehen, der wenig später mit kleinen Kratzern davongebraust sei.

Die Fahrerin des Totalschadenwagens ist völlig entspannt. Ich spreche ihr meine Verwunderung aus. Sie lacht.

Also fahre ich weiter. Ich nehme am Kreisverkehr die falsche Abzweigung und befinde mich plötzlich in der Nähe der „Stahlinsel“. Klingt nach Schimi, ist aber zu spät. Eine Dame zeigt mir den Weg zurück und bedankt sich dafür, dass ich mich freundlich bedanke.

Schließlich erreiche ich die Innenstadt und fahre in Richtung Bahnhof. Der Niky de Saint Phalle-Brunnen ist abgebaut und der Bahnhof ist nur von der Rückseite zugänglich – also von dort, wo der italienische Restaurantbesitzer von Mafiakillern erschossen wurde.

Am Fahrkartenschalter werde ich sehr wütend, denn die Rückfahrt soll 10,90 Euro kosten – plus 2,40 Euro für das Radticket. Würde ich nun in Mönchengladbach ein Ticket lösen, dann müsste ich dasselbe bezahlen – für die doppelte Entfernung!

Mit dieser Tarifpolitik wird der VRR sämtliche Fahrgäste vergraulen. Und das ist denkbar ungünstig – in Zeiten der knappen Ressourcen. Man sollte sich öffentlich schwarzärgern. Oder schwarzfahren.

Nachdem ich etwas länger am Bahnsteig gewartet habe, kommt der Doppeldecker-Zug, der in Wanne-Eickel halten wird. Dort muss ich nach Recklinghausen umsteigen.

Spinne

Familie

Ich stelle mich mit dem Rad in den Türbereich und beobachte die anderen Fahrgäste. Drei Migrantinnen, die wie Drillinge aussehen, fahren ebenfalls nach Wanne. Alle drei sind überschminkt, reden arges Zeug und fotografieren sich dauerhaft mit Handykameras.

Eine Mutter und ihr Sohn, die vermutlich vom Flughafen mit Koffern nach Hause fahren – blond und braungebrannt – wirken genervt. Sie sehen aus, als hätten sie drei Wochen Kanaren hinter sich. Nun müssen sie sich akklimatisieren. Die Drillinge sind offensichtlich kein guter Start.