Zoo in Sankt Petersburg

Ulrike Schlue

Rabe

Das freie Tier im Zoo ist der Rabe auf einem der  Dächer. Oben. Unter ihm zwei Eisbären, jeder in einem kleinen Käfig; ein Uhu auf dem Rasen, an der Leine, und nahezu alles, was die exotische Fauna zu bieten hat, auch eine Giraffe.

Eine junge Frau auf hohen Hacken, mit riesigen Brüsten (Weihnachtsgeschenk ihres  Begleiters?) und riesigen Lippen (Geburtstagsgeschenk?) auf dem Weg in die Abteilung „Streichelzoo“. Ihr Begleiter wirkt deutlich kleiner, unter dem Busengebirge, so scheint es.

Am Nachmittag die Performance einer Theatergruppe, eingeschlossen in einem ansonsten leeren Käfig, in schwarz-weißer Kleidung, grell schwarz-weiß-grau geschminkt, mit haarigen Flügeln auf dem Rücken, agieren sie ohne Worte, strecken die Hände durch die Gitter, lassen sich streicheln, bewegen sich anmutig – und unheimlich.

Der Rabe sitzt immer noch oben. Ob er sich das Schauspiel da unten anschaut, wir wissen es nicht.

Schauspiel

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