Bipolar-Expeditionen

Hilmar Schmundt

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, oben und unten. Ein Schema also. Und siehe, aus dem Wechsel zwischen Oben und Unten ergab sich sogleich das Auf und Ab, das Rauf und Runter.

Der Patient M. kennt dies Rauf und Runter. M. leidet an Stimmungsumschwüngen. Jahrelang war er schwer aufgekratzt, schon morgens um neun war er am Himmelhochjauchzen. Seit einer Weile ist er schwer verstimmt. Die besten Chefärzte bemühen sich, ihn aufzuheitern, Tag und Nacht ersinnen sie neue Arzneien und Anwendungen. Doch M. ist renitent, widerwillig lehnt sie alle Hilfsangebote ab.

M. heißt mit vollem Namen Marktwirschaft. Wenn er eine Person wäre und bei einem Psychologen auf der Couch läge, wäre klar: Die Weltwirtschaft ist manisch-depressiv.

Weder oben noch unten, sondern auf und ab fast als Selbstzweck, diesem Schema folgen die Börsen. Geht es an der Börse mal nicht auf und ab, dann sprechen Kenner von „lustloser Seitwärtsbewegung“. Mit den Börsen schwankt auch die Stimmung vieler Menschen, die um Jobs und Erspartes bangen. Oder ist es vielleicht anders herum? Bringen die Stimmungen die Börsen zum schwanken? Längst haben sich die Börsenkurse abgekoppelt von den zugrundeliegenden Fundamentalwerten, schießen mal phantasievoll in euphorische Höhen wie einst im fernen Jahr 2000, nur um dann abzustürzen in depressive Verstimmungstiefs, dann schoss der Dax wieder himmelhochjauchzend hoch, nur um wieder abzustürzen in die derzeitige Depression.

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Der Markt als personifizierte Stimmungsschwankung, dieser Topos ist beliebt. Schon 1934 erfand der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham eine fiktive Person namens „Mister Market“ in seinem Buch „The Intelligent Investor“. Seitdem wird Mister Market routinemäßig in den Medien auf die Couch gelegt, zum Beispiel von James Grant, der früher sein Geld mit Spekulation verdiente. Er schreibt von den „mood swings of Mr. Market, the personification of all investors – a manic-depressive who gets wildly excited about stocks one day and deeply pessimistic the next.“

Die Heilkunst kennt viele Rezepte für derlei Unpässlichkeiten. Barack Obama zum Beispiel versucht, die Auf- und Abschwünge der Finanzmärkte durch neue Regeln abzufedern. Der US-Präsident scheint dafür prädestiniert zu sein, webt er doch selber fleißig am Selbstbild als „No Drama Obama“ und sagt von sich selbst: „I don’t get too high when I’m high. I don’t get too low when I’m low. That, I think, is a temperamental strength.“ Doch Mister Market protestiert vehement gegen die Eingriffe. Wie ist es zu erklären, dass sich der Patient M. so ungern helfen lässt, und dass er sich sogar aktiv gegen die verschriebene Therapie ihrer Stimmungsschwankungen sträubt?

An dieser Stelle gilt es, eine Sicherheitsklausel einzufügen, denn es ist Sitte und Brauch in der einschlägigen Literatur, das Selbstverständliche noch einmal zu betonen, sicher ist sicher, und Patientenverbände verstehen keinen Spaß. Erstens: Die manische Depression ist eine ernsthafte und schmerzhafte Erkrankung, die zwischen ein und zwei Prozent der Bevölkerung betrifft. Doch es soll hier nicht um die Krankheit gehen, sondern um das Krankheitsbild als Denkfigur. Zweitens ist die Begrifflichkeit schnell wechselnden Moden unterworfen. Was man früher manische Depression nannte, wird heute von der Mehrheit als „bipolare Störung“ bezeichnet. Dieser Konvention kann man sich anschließen, muss man aber nicht. Mehr dazu später.

Krankheiten haben ihre eigene Kulturgeschichte, und darum soll es hier gehen. „Bipolar Expeditions“ nennt die Ethnologin Emily Martin ihre Erkundungsreisen durch Zeit und Raum und diverse Bipolar-Kulturen. Die Princeton-Forscherin besuchte Selbsthilfegruppen, da sie selber manisch-depressiv ist. Parallel dazu erkundete sie die Metaphernwelt der Stimmungs-Schwankung durch mehrere Jahrhunderte.

Im antiken Griechenland galten geistig-seelische Krankheiten als ein Ungleichgewicht der Körperflüssigkeiten, eine Störung des Temperaments. Man beschrieb die Melancholie als „Schwarze Galle“, das Wort Humor verweist auf Flüssigkeiten, die Einfluss nehmen auf Charakter und Laune.

Mit der Aufklärung rückte die Vernunft in den Vordergrund: Ich denke, also bin ich. Geisteskranke galten als irrational, und damit setzte eine Abwertung des nicht normgerechten Verhaltens ein. Reste dieser cartesianischen Stigmatisierung wirken bis heute fort, davon berichten viele manisch-depressive Autoren. Immer noch kostet ihr  „Coming out“ viel Überwindung.

Das erste Welle des Coming out setzte mit der Romantik ein – damals gehörten Wahn und Genie zusammen, nicht nur bei Hölderlin. Gerade emotionale Berg- und Talfahrten galten nun als Zutat für besondere Höhenflüge und Tiefblicke in der kulturellen Produktion, besonders Nietzsche zelebrierte in seinen philosophischen Hochtouren das Zusammengehen von Scharfsinn und Manie.

Auch in der Medizin fand darauf eine Umwertung vieler Werte statt. Um 1900 entwickelte der Berliner Arzt Emil Kraepelin sein Konzept des „manisch-depressiven Irreseins“. Mit großer Geste sortierte er in einer neuen Synthese tausende von psychiatrischen Fällen nach einem völlig neuen Schema, das bis heute gilt: Die Störungen des Intellekts auf der einen Seite, die affektiven Störungen auf der anderen Seite. Mit dieser Entkoppelung war der Weg frei zu der Einsicht: Auch Schlaue können an Stimmungsschwankungen leiden. Aber Kraepelins Schema des Oben und Unten ging noch weiter: Erstmalig fasste er die scheinbar gegensätzlichen „Stimmungsfärbungen“ von Melancholie und Manie unter ein gemeinsames Krankheitsbild zusammen: das „periodische und zirkuläre Irresein“. Während der melancholischen Phase war es gekennzeichnet von „trauriger oder ängstlicher Verstimmung“, während der Manie von „Ideenflucht, der gehobenen Stimmung und des Betätigungsdranges“. Oben und unten ergaben zusammen ein Drittes: Das Rauf und Runter. Diese Achterbahnfahrt versetzt die Patienten in eine besondere Verfassung, stellte Kraepelin fest, die geradezu als Inbegriff der Romantik gelten kann. Er zitiert einen Patienten: „Alles ist verzaubert“.

Sigmund Freud dagegen interpretierte das zirkuläre Irresein als ein Aufbegehren des Ich gegen sein Über-Ich: Mal versumpft das geknechtete Ego in Trübsal, mal bäumt es sich gegen seinen „Tyrannen“ auf mit einer Manie.

Die neuen Schemata von Kraepelin und Freud entwickelten ein Eigenleben: Manisch-Depressive galten nun nicht mehr als Idioten, sondern als komplex, empfindlich, aufsässig und intelligent. Das Rauf und Runter bekam etwas Erhabenes, die emotionale Achterbahnfahrt wurde mit Angstlust aufgeladen. Bis in die vierziger Jahre tauchten Manisch-Depressive in der Populärkultur oft als gefährliche Killer auf, als „Maniacs“, schreibt Emily Martin: „News stories about people with manic depression described uncontrollable impulses that led to violence or self-destruction.“

Mit Ende der Dreißiger verebbten die Horror-Stories von mordenden Maniacs, denn nun tauchten die ersten Medikamente zur Behandlung der manischen Depression auf. Fortan wurden Maniker nicht mehr als Aggressoren beschrieben, sondern als Leidende: „From the 1940s to the 1960s, the tone in descriptions of manic depressions is tinged with sorrow“, schreibt Emily Martin.

Den Betroffenen wurde nun empfohlen, statt gegen die Verhältnisse oder ihr Über-Ich zu rebellieren, sich bescheiden anzupassen, und alles würde gut. Manisch-depressiven Kriegsheimkehrern zum Beispiel empfahlen Krankenschwestern des Roten Kreuzes in New York City, doch bitte schön ihre exzessive Energie zu bremsen: „To tone down their excessive energy and to give some of it to the enjoyment fo simple human pleasures.“ Das Schema vom Rauf und Runter erschien nun als etwas fast Hochnäsiges, als Medikament wurde verschrieben: Moralinsäure.

Derlei betuliche Ratschläge wirkten nur bedingt. Dann kam die chemische Wende, Flugzeugpiloten, Militärkliniken und Hippies experimentierten mit psychedelischen Drogen, und seit den Siebzigern wurde bei manischer Depression Lithiumpräparate verschrieben. Die Fernsehserie „Maude“ machte das Thema allgemein bekannt. Plötzlich erschien die Krankheit als alltäglich und behandelbar, und die Stigmatisierung ließ nach. Eine Flut von Autobiographien erschien.

Mit der chemischen Wende ging wiederum eine radikale Umbewertung einher: Je mehr Patienten sich zu ihrer Krankheit bekannten, desto mehr Belege schien es zu geben für den sogenannten „Midas-Effekt“, wie es damals hieß. Emily Martin fasst diese Annahme so  zusammen: „The ability of a manic person to take creative risks, work with enormous energy, and sweep others up along the way often leads to his economic success.“

Nun galt die manische Depression nicht mehr als mangelnde Anpassung an die Umstände – sondern geradezu als Ausdruck und Inbegriff von kreativem Individualismus, und damit fast als Inbegriff kapitalistischer Tugenden. Natürlich galten die extremeren Formen der bipolaren Störung weiterhin als krankhaft, aber zumindest die abgeschwächte Form der sogenannten Hypomanie erschien in milderem Licht: Wo Kraepelin vor Ideenflucht gewarnt hatte, sah man nun Einfallsreichtum. Wo Freud einen Kampf gegen einen Tyrannen sah, erkannten Beobachter Vorteile im Konkurrenzkampf aufgrund einer ungebändigten, produktiven Arbeitswut.

Ist Mister Market manisch-depressiv? Zumindest für den Kunstmarkt schien diese Diagnose immer plausibler. Immer mehr Bipolarforscher brachen auf in das neue Fachgebiet der manisch-depressiven Kulturgeschichte. Der unbestrittene Star des Genres ist Kay Redfield Jamison, eine anerkannte Psychologin. In ihrem Buch „Touched with Fire“ fuhr sie ein Pantheon der Geistesgrößen auf, denen sie rückblickend eine bipolare Störung unterstellt: Walt Whitman, Vincent van Gogh, Virginia Woolf, Anne Sexton, Edgar Allen Poe und rund 200 weitere Promis. Das Buch traf einen Nerv. Das manisch-depressive Irresein galt nun als Eintrittskarte auf den literarischen Olymp – Siechtum als Sonderbegabung.

Dann setzte Kay Redfield Jamison noch einen drauf. In ihrem Buch „My Unquiet Mind“ (1995) hatte sie selbst ihr Coming out. Die Expertin für medizinische und kulturelle Bipolar-Expeditionen litt selbst an der Krankheit, die sie so brilliant beschrieb. War das nicht ein weiterer Beweis für die Nähe von Genie und Wahnsinn? Jamison organisierte sogar manisch-depressive Konzerte mit Musik von angeblich bipolaren Komponisten wie Händel, Schumann, Haydn, Mahler, Berlioz. In ihrem Buch „A Brilliant Madness“ erzählt die manisch-Depressive Autorin Patty Duke von einem wahren Erweckungserlebnis, als sie einem Bipolar-Konzert in Washington beiwohnte. Jedes der Musikstücke wurde eingeleitet von einem medizinisch-biografischen Kurzvortrag, dessen Grundtenor die Veranstalterin Jamison zu zusammenfasst: „These full human beings, who suffered enormously, but gave enormously too. They are not just people off on a back ward somewhere.“ Leicht lässt sich die Liste der Bipolarkomponisten in die Gegenwart verlängern, mit angeblich bipolaren Stars wie Sting oder Kurt Cobain.  Bipolar ist Pop.

Ein neues Schema hatte sich herausgebildet. Auf der einen Seite die Ottonormalbürger, auf der anderen Seite die manisch-depressiven Genies, die zwar einen hohen Preis zahlen, aber dafür selbstlos die Kulturgeschichte bereichern zur Freude der emotionalen Normalos. Auch die Sprachregelung änderte sich. Der Begriff „manisch-depressiv“ klingt heute für viele altmodisch und verletzend. Wer die Sprache der Political Correctness spricht, sagt: bipolar. Das klingt moderner, frischer, und irgendwie klinisch rein.

Das neue Schema scheint gleich mehrere Bedürfnisse zu befriedigen. Die Patienten fühlen sich nicht mehr diskriminiert, sondern gleichsam als Teil einer Elite. Der Pharmaindustrie eröffnet der Wegfall der Tabus neue Marketingmöglichkeiten, in den USA schwollen die Verschreibungen für Psychopharmaka allein in den Neunziger Jahren um den Faktor 2,5 an. Und in Japan wirbt die Industrie verharmlosend für Medikamente gegen die „Erkältung für die Seele.“ Auch auf der narrativen Ebene hat die Entstigmatisierung einen großen Mehrwert, denn die Öffentlichkeit bekommt  durch die Hintertür eine aktualisierte Form des Geniekults, der auskommt ohne Rekurs auf göttliche Inspiration, sondern allein auf klinischen Fakten zu fußen scheint. Was einst als marginal, bedauerlich, krank und gefährlich galt, steht nun im Zentrum der Kulturindustrie.

Doch die Verharmlosung der bipolar „erkälteten Seele“ geht mittlerweile sogar einigen Betroffenen zu weit. Weder Kay Redfield Jamison noch die Bipolarforscherin Emily Martin schließen sich der neuen Sprachregelung an, sondern verwenden den älteren Terminus manische Depression. Das hat zwei Vorteile. Zum einen klingt dieser Begriff drastischer. Zum anderen hat er ein weiteres Bedeutungsspektrum jenseits der rein medizinischen Indikation: „In this book I prefer the more old-fashioned term ‚manic depression'“, schreibt Emily Martin, „because it leaves open the question whether the condition is to be understood only as an illness or also as a psychological style.“

Immer wieder predigt Jamison in ihren Büchern, wie wichtig die Lithium-Therapie ist, und erzählt von ihren Abstürzen, wenn sie die Einnahme unterbrach. Ihre Botschaft bleibt jedoch ambivalent. Sie sehnt sich nach den unbändigen Höhenflügen der Manie, den durchwachten Nächten, der wilden Gedankenflucht, in der die Seele ihre Flügel ausspannt, als flöge sie nach Haus.Trotzig bekennt Jamison sich zu ihrer Krankheit: „I long ago abandoned the notion of a life without storms, or a world without dry and killing seasons. Life is too complicated, too constantly changing, to be anything but what it is. And I am, by nature, too mercurial to be anything but deeply wary of the grave unnaturalness involved in any attempt to exert too much control over essentially uncontrollable forces.“

Diese Ambivalenz ist heute ein Leitmotiv geworden. Die Popmusik ist voll von Lithium-Songs von Sting, Nirvana und zig anderen Bands. Auffällig oft sprechen die Titel von einer Hassliebe der Medizin gegenüber: „Lithium overdose“, „Bipolar on Lithium“, „Lithium Jaws“. Der Tenor der Kritik: Lithium nimmt nicht nur die Krankheitssymptome, sondern auch die Kreativität. Denn das neue, positivere Schema der Krankheit hat etliche Risiken und Nebenwirkungen: Die manische Depression erscheint im neuen Kontext fast als eine Art natürliches Doping, das nicht durch die Einnahme von Medikamenten erzielt wird – sondern durch den Verzicht darauf.

Diese Ambivalenz erreicht nun auch die Wirtschaftswissenschaft, die sich derzeit abwendet von der Annahme des rational agierenden Homo oeconomicus. Doch der wirtschaftenden Mensch handelt oft nicht logisch – legendär geworden ist die „Money Illusion“ – die Unfähigkeit der meisten Menschen, die Inflation zu verstehen und bei Anschaffungen mit einzubeziehen. Grob gesagt funktioniert die Money Illusion so: Investoren erinnern sich gut an den Preis ihres Hauses, und dass der nominelle Wert erheblich gestiegen ist über die Jahre. Dass aber auch ein Pfund Butter derselben Inflation unterliegt, wird vergessen und verdrängt. Diese Money Illusion befeuerte auch die Immobilienblase in den USA – die fehlerhafte Annahme, dass Hauspreise weiter ins Unermessliche steigen würden. Derzeit geht ein Nobelpreis nach dem anderen an Wirtschaftswissenschaftler aus dem jungen Gebiet der „Behavioral Finance“, die versucht, die irrationalen Stimmungsumschwünge des Markts mit psychologischen Methoden zu ergründen.

„Irrational Exuberance“ ist eines der Schlagworte, welches das manisch-depressive Irresein der Märkte beschreibt, angetrieben durch „Animal Spirits“, durch schwer durchschaubare Triebe wie Gier und Angst, ein antiquierter Begriff, den der Ökonom John Maynard Keynes einst gern verwendete. Die Resultate der neuen Verhaltensökonomie sind erstaunlich. Die einzigen Menschen, die sich nicht von der Geldillusion foppen lassen, und Geldanlagen strickt ökonomisch bewerten sind Patienten mit Autismus, berichtet die Zeitschrift „Scientific American“ in der aktuellen Ausgabe. Das Fazit des Verhaltensforschers Colin F. Camerer von der Caltech-Universität: „Adhering to logical, rational principles of ideal economic choice may be biologically unnatural.“

Mister Market mag bipolar sein. Doch sein bipolarer Zyklus von Boom und Bust, von Blase und Depression gilt eben heute nicht mehr als Abweichung, sondern als Norm.

Wenn also das Finanzsystem ein Patient wäre, bliebe unklar, ob eine Stabilisierung der Stimmungsumschwünge möglich ist – oder überhaupt wünschenswert.  „Ein perfektes vollkommen krisensicheres Finanzsystem ist unmöglich zu erreichen“, heißt es im Jahresbericht der Bank für Internainoalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel. Die Experten bedienen sich sogar der Sprache der Medizin: „Wie bei der kontrollierten Abgabe von Medikamenten wären die sichersten Wertpapiere analog zu den rezeptfreien Medikamenten für jedermann frei erhältlich“, skizzieren sie in einem Lösungsvorschlag zur Stabilisierung der bipolaren Patienten M.: „Finanzinstrumente der nächsten Stufe dürften, analog zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, nur von dazu berechtigten Anlegern erworben werden.“

Was Mister Market von derlei Verschreibungen hält, wird sich zeigen. Aber aus der Kulturgeschichte der manischen Depression lassen sich schon jetzt ein paar Hypothesen ableiten: Wahrscheinlich wird Mister Market schon bald die stabilisierenden Lithium-Medikamente heimlich absetzen, die ihm Doktor Obama verschrieben hat. Mister Market wird sich wieder lustvoll ins manisch-depressive Irresein zu stürzen, ins Auf und Ab der Börsen. Schon jetzt begehren immer mehr Banker lauthals auf gegen die Tyrannei des Superego, als die sie Obamas Bankregulierungen empfinden.

Mister Market dürfte schon bald seine Pillen aus dem Fenster werfen, triumphal wie Kay Redfield Jamison: „Deeply wary of the grave unnaturalness involved in any attempt to exert too much control over essentially uncontrollable forces.“

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