Das akademische Tagesgeschäft III

Brigitte Aabach

MACH, die neue Prüfungs- und Veranstaltungsverwaltungssoftware, ist freigeschaltet.  (Sie nimmt uns die bürokratische Arbeit ab.)
Sehr geehrter Frau Prof. A,
ich besuche ihr Einführungsseminar zur Xwissenschaft freitags und möchte ihnen kurz meinen Unmut an den Scheinvoraussetzungen für mich, der das Fach als DGS-Fach studiert, aussprechen. Ich hatte leider keine Möglichkeit das Seminar mittwochs zu besuchen, da ich meinen Stundenplan schon komplett fertig gestellt hatte, als ich erfuhr, dass der Mittwoch- Termin extra für uns DGS- Leute eingerichtet wurde. Dies finde ich eine sehr gute Idee ihrerseits, auch ihr Engagement, noch ein Seminar zu leiten, finde ich bewundernswert.

Mein Unmut an der ganzen Geschichte ist der, dass die Studenten aus der Mittwochssitzung ein Referat halten müssen und dadurch ihren DGS- Schein erwerben. Ich als DGS- Student aus der Freitagssitzung bin zu jeder Sitzung anwesend, um den Stoff für den Test mitzukommen. Weiterhin habe ich die Hausaufgabe bearbeitet und auch unser AG- Thema als Referat mit 3 anderen Kommilitonen vorgestellt, weil sich keiner der anderen Fachstudenten aus unserer Gruppe von 12 Personen dafür bereiterklärt hat. Und dann muss ich noch den Test schreiben.
Dies soll keineswegs eine Kritik an ihrer Veranstaltung sein, da ich schon einmal an einer Einführung teilgenommen habe, kann ich sagen, dass ich Ihre Veranstaltung sehr interessant und wohl strukturiert bewerte.
Doch hätte ich gewusst, was an Arbeit für einen DGS-Schein auf mich zu kommt, hätte ich den Kurs lieber im nächsten Semester noch einmal gewählt und mir beide Termine für die Sitzung freigehalten, da mir vorher ja leider nicht bekannt war, dass der Mittwochstermin speziell für DGS-Studenten eingerichtet wurde. Vielleicht könnte man es ja für die nächsten Studierenden so machen, dass schon bei der Wahl des Kurses für alle zu erkennen ist, dass ein Kurs für Fach-, der andere Kurs für DGS- Studenten angelegt ist. Dies war bei der Vormerkung für dieses Seminar in diesem Semester nämlich aus dem Anmeldetext im Internet nicht zu entnehmen.
Trotzdem bin ich ein wenig enttäuscht, da ich sicher mindestens genau so viel Arbeit in das Seminar gesteckt habe wie die DGS- Studenten aus der Mittwochssitzung, jetzt aber trotzdem noch den Test schreiben muss, um den DGS- Schein zu erhalten.
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– Sehr geehrte Damen und Herren, wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie sich noch bis zum …. für die Studentische Veranstaltungskritik in diesem Sommersemester anmelden können. Im Anhang finden Sie dazu den Anmeldebogen und die Fragebögen für Vorlesung, Seminar und Übung. Falls Sie noch weitere Informationen benötigen, können Sie sich gerne bei mir melden: Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung. Mit freundlichen Grüßen…
– Frau Herr mahnt ihre Wiederholungsklausur an. Prof. A setzt einen Termin für die Klausur fest.
– Ein Fachkollege bietet an, einen Vortrag von A, von dem er gehört hat, in eine Datenbank, die er im Internet zum Thema seines Projekts aufbaut, einzustellen. A sagt zu und erhält ‚postwendend’ folgende E-Mail: Toll!
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Die Kulturpolitische Gesellschaft in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung sowie dem Kulturwissenschaftlichen Institut in E und gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien veranstaltet im Juni d.J. in Berlin den 5. Kulturpolitischen Bundeskongress zu einem Thema, das auch für Mitglieder Ihrer Fakultät von Interesse sein könnte. Wären Sie bitte so freundlich, das anhängende Programm in Ihrer Fakultät weiterzuleiten. Wenn gewünscht, schicken wir Ihnen auch gerne gedruckte Exemplare des Programms zu.
Mit dieser E-Mail möchte ich Sie kurz an den Vortrag von Josef H (Studienseminar S) zum Thema „Digitale Medien im Referendariat“ erinnern. Er findet morgen, Donnerstag, den x.y., um 18.15 Uhr in der Medienwerkstatt (SA 27.88) statt.
Einladung des Fachverbands.

Alle Studierende müssen sich bis zum Stichtag in MACH anmelden.
Cindy Herr meldet sich krank, Frau A setzt einen neuen Termin an.
Im Postfach wieder ein Stapel Staatsexamensklausuren (Zweitgutachten).
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Sie erhalten diesen Infobrief als Mitglied des DD-Verteilers „Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit“. Wenn Sie den Infobrief nicht mehr erhalten (oder in den Verteiler aufgenommen werden) möchten, wenden Sie sich bitte per Email an…
Durch den Infobrief „Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit“ informieren wir Sie über Hintergründe, Wissenswertes und Neuigkeiten rund um den Wettbewerb.
Die Themen dieses Infobriefs:
1. Call for Proposal: Die englische Ausschreibung ist ab jetzt online abrufbar
2. Die wichtigsten Termine der Antragsphase
3. FAQs: Häufig gestellte Fragen zum Programm „Hochschulexzellenz in
der Entwicklungszusammenarbeit“
Die englische Fassung der Ausschreibung ist online erhältlich. Der Call for Proposal ist insbesondere als Anhaltspunkt und Orientierungshilfe für die Erstellung der englischsprachigen Anträge und für die internationalen Partner der Hochschulen gedacht.
Der Call for Proposal steht zum Download bereit unter: … Die häufigsten Fragen zum Programm werden derzeit gesammelt. Ausführlich beantwortet werden diese in den nächsten Tagen als Frequently Asked Questions (FAQs) allen Bewerbern online zugänglich gemacht. Wenden Sie sich mit Ihren Fragen an uns!
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Rundbrief von MACH: Die Studierenden müssen sich anmelden, für Sie (uns, die Dozenten) sind die generierten Listen aber nicht verbindlich. Angemeldet ist nur, wer von Ihnen (uns) zugelassen wird zur Prüfung (zum HS). (Soso.)
Eine Studentin, die im 2. Semester zu ihrem Wunschstudium Grundschullehramt zugelassen wurde (NC 3,0), möchte den Teilnahmenachweis, den sie in der Einführung ‚absolviert’ hat, in der sie nun einen Leistungsnachweis erwerben muss, umwandeln in einen TN für ein PS, da sie mit dem TN nichts mehr anfangen kann. (Leider können in einer Veranstaltung nicht zwei Nachweise erworben werden, schreibt Frau Prof. Dr. A. zurück, auch wenn sie zweimal besucht wird: Warum schrieb sie nicht die Klausur mit, denkt A., wenn sie sich bereits für den Studiengang beworben hat, zu dem der TN nicht reicht?)
Der Dekan gibt den Abschluss des Promotionsverfahrens von F. O. (Fach M) bekannt.
Ein neuer, junger Kollege (aus Studiengebühren für zwei Jahre finanziert) möchte sich über ‚zeitnahe’ Möglichkeiten zur Habilitation informieren. A bietet ihm einen Termin an.
Der Institutsdirektor teilt den Tod eines Kollegen mit.
Das Fach legt ein Kondolenzbuch aus.
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Zum zweiten Termin erscheint Frau Herr. Frau A wertet die Klausur nun als bestanden, lädt zu einem Gespräch ein.
Der Nachwuchswissenschaftler hat erst zum Semesterende Zeit zu seinem gewünschten Gespräch (Auf A wirkt diese Mail, als habe sie ihn um einen Termin gebeten.)
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Während der Institutskonferenz – der Direktor berichtet, dass es trotz der Überlast (ca. 150 %) nicht zu verhindern war, alle Zugangsbeschränkungen aufzuheben, das Rektorat betreibe diese Politik und habe dafür nicht weniger als zwei volle Stellen für Lehrkräfte für besondere Aufgaben und sogar die vorzeitige (also doppelte) Besetzung von zwei Professorenstellen fest zugesagt, da es sich die Hochschule nicht leisten könne, angesichts einiger Fächern mit stagnierenden Zahlen, in unserem Fach Bewerber abzulehnen – während dieser Rede erinnerte sich Prof. A, genau diesen Ausbau der Kapazität bereits vor 3 Jahren angeregt zu haben, worauf sie jener Direktor ausgelacht hatte: wir haben alles versucht, vom Rektorat bekommen wir kein zusätzliches Geld. Im letzten Semester war die Bewerberzahl sechsmal so hoch wie die Plätze: fast tausend für 150. Aber – beschwichtigte er – die schreiben sich bestimmt nicht alle ein, weil sie sich alle an mehreren Universitäten bewerben. (Dieses Chaos ist die Folge des Rechts für die Unis, sich ihre Studenten selbst auszusuchen.) Immerhin eine klare Ansage: diese Provinzuni nimmt in Zukunft alle – und gleichzeitig arbeiten Kollegen an Exzellenzanträgen für das Eliteuniföderprogramm.
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MACH produziert auch Teilnehmerlisten, die zur Anwesenheitskontrolle verwendet werden können.
Ein Kollege bittet um einen Zeitschriftenbeitrag und ein Student schreibt:
Mein Name ist Hans-Bodo M und ich beabsichtige nach dem SS meine Zwischenprüfung im Modul L zu absolvieren. Da ich in diesem Modul allerdings schon alle Veranstaltungen mit Teilnahmescheinen abgeschlossen habe, meine Frage: Kann ich nach dem SS auch in einer Veranstaltung meine Zwischenprüfung machen, die ich im WS belegt und mit einem TN abgeschlossen habe? Meine zweite Frage: Kann ich im SS schon Veranstaltungen des Hauptstudiums belegen und wenn ja unter welchen Voraussetzungen (evtl nur TN´s?).
Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.
Prof. A geht im Kopf ihre Schublade durch, während sie tippt: Erste Frage ja, zweite nein. Sie hat noch einen unveröffentlichten Vortrag.
Der Nominierungsbogen der Studienstiftung des deutschen Volkes: ein Vorschlag pro angefangene 20 Vorexamensabsolventen im angegebenen Zeitraum. Die Vorgeschlagenen müssen auch im mehrjährigen Vergleich zur Spitzengruppe zählen!
Durch ‚Zufall bin ich auf Sie gestoßen’ – Anfrage wg. Dissertationsbetreuung – , dass Sie sich schon mit diesen Themen beschäftigt haben. (Hätte er nicht durch systematisches Literaturstudium …)
Es können Staatsexamensarbeiten (mit ‚Praxisbezug’) für den Preis des CLB vorgeschlagen werden.
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Cindy Herr in der mündlichen Prüfung: sie ist sehr interessiert, hat aber wie erwartet kein fundiertes Wissen. Sie will sehr gern Lehrerin werden, sogar in der Hauptschule. Sie wird zum Studium zugelassen.
Eine Studentin möchte einen Schein, erworben im Modul A, für das Modul B umgeschrieben haben, weil sie einen anderen Nachweis bereits hat für das Modul A, wogegen ihr im Modul B noch einer fehlt. Und dann wäre sie ‚scheinfrei’. Könne sich zur Prüfung melden. (Übrigens bekommt die Hochschule extra Prämien für alle Studierenden, die in der Regelstudienzeit ihren Abschluss machen, die Prämie erhöht sich, wenn die Note gut ist.)
Einladung zur Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Fakultät an einen ehemaligen Ministerpräsidenten (Aus einem anderen Bundesland, A hat bisher nichts von diesem Vorgang gewusst, ominös!)
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Posterausstellung im Foyer der UB zur ‚Frauen in der Forschung’- Aktionswoche. (außerdem: Info-Markt, Podiumsdiskussion, Fortbildungsangebote (hochschuldidaktische), Erfahrungen)
Als Prof. A mal wieder in der Mensa isst – das Essen, was kein Außenstehender glaubt, schmeckt ausgezeichnet – denkt sie an die Sprüche ihres Mannes: In jedem Stand oder in jeder Firma findest du Unfähige, die sich oft noch besonders wichtig machen, überall – nicht nur bei den Politikern oder Managern, auch unter Professoren oder Handwerkern – ist der Prozentsatz der Versager gleich groß, aber auf der anderen Seite, sagt er immer dazu, das sollte man nie vergessen, gibt es auch immer ein paar wirklich gute Leute, die sich auskennen und ihre Arbeit geradezu bewundernswert machen. Sie sah sich um, wusste aber nicht mehr, bei welchem Gesicht sie die Berufserfahrung ihres Mannes assoziiert hatte.
Prüfungsliste Lehramt: 41 Staatsexamensklausuren, 22 mündliche Prüfungen (je 45 min), jeweils mit einem Kollegen zusammen. (Inzwischen prüfen einige einfach alleine und lassen ihren Assistenten protokollieren.)
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Sehr geehrte Frau Professor, ich musste gerade feststellen, dass ich den Test nicht bestanden haben soll. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Können Sie mir bitte Ihre nächste Sprechstunde mitteilen…
Jener Referendar möchte sein Promotionsprojekt persönlich vorstellen. (Kurze Fortpflanzungs- und Wirkungsfantasie, endlich der Schüler, arbeitet sich ein in Forschungsschwerpunkt, promoviert, habilitiert, Ruf, Nachfolge A, die Forschungsrichtung macht doch noch Schule, der Kronprinz! Statt der wissenschaftlichen Hunde, die man zum Jagen tragen muss, die nicht einmal die Mindestqualifikation zusammenbringen für eine Stelle an der Hochschule. Fantasie kippt abrupt: in Erinnerung an seine Vorgänger wird sie ihm mehr als zurückhaltend begegnen.)
Cindy Herr meldet sich wieder. Es fehlt ihr die zum Lehramtsstudium erforderliche zweite Fremdsprache. Sie weiß aber, dass das Ministerium auf Antrag diese Qualifikation erlassen kann.
Die Anmeldelisten von MACH können von den Lehrenden nicht den wirklichen Teilnehmern angepasst werden, die Studierenden müssen sich selbst abmelden, wenn sie nicht teilnehmen. Ist dies nicht der Fall, kann nur der Lehrveranstaltungsmanager die Liste verändern.
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Sprechstunde gegen Ende der Vorlesungszeit, warum plötzlich dieser Andrang? Ob sie den Teilnahmeschein heute schon haben könne, zur letzten Seminarsitzung könne sie nicht (oder: auf dem Formular müsse auch noch ein Kollege ein anderes Seminar bestätigen und sie müsse es sofort beim Prüfungsamt abgeben usw.). Aber heute kommen auch Studierende, die im letzten, vorletzten Semester ihre Scheine nicht abgeholt haben. Haben Sie meine Hausarbeit bereits gelesen (für LN)? Wir müssen unsere Scheine umschreiben lassen, weil es falsche (alte) Formulare sind? (Wie kommen Sie auf diese Idee? Es geht aus Ihrem Schein genau hervor, welche Studienleistung Sie erbracht haben! Finden wir auch, aber es wurde uns gesagt, sicherer sei es…..) Ich möchte Ihnen meine Krankschreibung zeigen, weil ich öfter fehlte. Sie sind mir als Zweitprüfer zugewiesen worden für das mündliche Staatsexamen. (Mehrere: Themen für Prüfung besprechen, Missverständnisse klarstellen: Frau A prüft korrekt, wie es die Prüfungsordnung vorsieht, egal wie Kollegen verfahren. Damit haben Sie nicht gerechnet?)
Welches meiner HS besuchten Sie? Keines? In wessen HS waren Sie? Worüber wollen Sie geprüft werden? Viele haben sich ihren Wissensschwerpunkt noch nicht überlegt: Wann haben Sie in den Ferien Sprechstunde? Ich würde dann gern kommen und alles mit Ihnen besprechen. Dann zum Test, die Ergebnisse stehen zwar seit gestern im Netz, die Scheine werden ab morgen ausgegeben: Können Sie meinen nicht eben unterschreiben? Mir fehlt nur ein Punkt, können Sie da nicht noch einen geben? Dann kommen zwei zusammen herein: Ich habe so viel gelernt, ich habe bei jeder Frage etwas gewusst. So etwas ist mir noch nie passiert. Ich hatte auch ein gutes Gefühl. Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Bei mir ist es dasselbe. (Sehen wir uns Ihre Antworten an, immerhin fehlen Ihnen 5 Punkte, sie haben nur 10 von 40 möglichen, hier bei der ersten Frage, hätten Sie nur folgende drei Begriffe nennen müssen, aber sie schreiben etwas ganz anderes…) Aber das kommt später noch, was Sie als richtig ansehen, ich habe es nur anders umschrieben, muss ich das denn gleich im ersten Satz richtig sagen? (Wie Sie etwas ausdrücken ist allerdings auch stellenweise problematisch, z. B. wenn sie richtige und falsche Aussagen so mischen, dass Sie das Zutreffende selbst dementieren.) Das möchte ich aber jetzt erklärt haben! Ich habe alles gründlich gelernt wie es im Reader stand. Ja, das kann ich bestätigen, ruft die zweite dazwischen. (Sehen Sie, nehmen wir das Beispiel, ‚Fixiertheit’, also die Schriftform, ist ein Merkmal der Literatur „Schreib ich doch, hier steht doch ‚Fixiertheit’, jetzt hören Sie doch bitte mal zu, ich will es Ihnen doch erklären, Sie schreiben nämlich ‚Fixiertheit auf ein Thema’ und das ist kein Merkmal von Literatur, das ist so unsinnig, dass man Ihnen fast einen Punkt dafür abziehen müsste!) Das habe ich so gemeint, wie es richtig ist. Ich habe den richtigen Begriff genannt! (Ich bespreche den Test mit Ihnen, damit sie sich in Zukunft genauer vorbereiten können und damit Ihre Antworten korrekter werden.) Okay! Okay! Und was ist mit der nächsten Frage, warum habe ich da nur einen Punkt bekommen?…. (Sie haben einen recht frechen Ton drauf.) Das hat noch nie jemand zu mir gesagt. Ich will doch nur verstehen, warum ich den Test nicht bestanden habe. Das ist doch mein Recht! (Eine zukünftige Lehrerin!)
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In unserem Fach wäre ich der Veranstaltungsmanager, schreibt Kollege S, und damit für 178 Listen zuständig. Ich kann also nur in ganz zwingenden Fällen aktiv werden. Solche Fälle sollte es meiner Ansicht nach nicht geben, weil die Listen ohnehin nicht verbindlich sind.
Eine Studentin beschwert sich: sie hatte erwartet, nur der von ihr vorgeschlagene Erstprüfer
stelle Fragen.
Da sie bereits über dreijährige Berufserfahrung verfüge, beantragt Frau Cindy Herr, diese als Praktikum anzuerkennen. Für diese Frage ist das Centrum für Lehrerbildung zuständig, kann A replizieren.
Abfragen laufen ein: Erklärung zu Nebentätigkeiten (Beamtenrecht) sollen abgegeben werden (Fehlanzeige!). Angaben für den Forschungsbericht. Auflistung der internationalen Kontakte. Nachweis der erbrachten Lehre. Zwischenbericht zur Zielvereinbarung. Ankündigung der Lehrveranstaltungen für das kommende Semester (mit der neuen Software, die aber noch nicht funktioniert) (Ist es noch Bürokratie oder ist es schon Irrsinn?)
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Im Internet ist ein Buch des Kollegen V angezeigt zu einem Thema, zu dem A ebenfalls gearbeitet hat, im Verlag r. Vor inzwischen vielen Jahren, als die Sache sehr aktuell war, hat sie demselben Verlag einen entsprechenden Band vorgeschlagen. ‚Passt leider nicht in unser Verlagsprogramm’. Sie hat, fällt ihr ein, sogar ihre Antrittsvorlesung zu diesem Komplex gehalten. Sehr wahrscheinlich hörte der damalige Mitarbeiter sich den Vortrag sogar an. Wirkungsgeschichte, denkt A, einmal darf man sich über die Ablehnung ärgern und dann – es war ihr noch mal passiert, als sie die Neuherausgabe einer historischen Quelle vorschlug, die dann einige Zeit später mit anderem Herausgeber in demselben Verlag ‚eine Entdeckung’ erschien – zum andern…. A erwähnt er nicht. (Hauptsache, dass man in der Sache bestätigt wird. Passiert Prof. A nicht so selten. Zuerst schütteln die Kollegen ihr weises Haupt, die Verlagslektoren sind sich des fehlenden Marktes sicher, und plötzlich haben sie selbst die Einsicht. Vermutlich ist es ihnen tatsächlich nicht bewusst, wer sie drauf gebracht hat.)
Hochschule in Bewegung: Uni-Gesundheitstage: Prävention und Gesundheitsförderung auch am Arbeitsplatz: Schnupper-Massage, Shiatsu Kurzbehandlung, Herzscreening, Antistress, Ergonomie, Körperfettmessung, Sehtest, Hörtest, ‚Juckt die Nase?’, Selbsthilfe-Kontakte… (Dafür ist Geld da, für angemessene Arbeitsbedingungen nicht.)
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Der Dekan fordert die Fächer auf, die Studien- und Prüfungsordnungen dem neuen Lehrerbildungsgesetz anzupassen. Alle Studiengänge sollen ab WS 11/12 den BA (6 Semester) und den MA (4 Semester) absolvieren. Für Grundschullehrer verlängert sich so das Studium von 6 bzw. 7 Semestern auf 10 Semester! Alle sind dafür (Baumert-Kommission, Lehrerverbände, Hochschulen, Regierung, Opposition). Und doch ist es ein Schwachsinn, sagt A. Vielleicht werden die Studierenden dagegen sein, wenn es zu spät ist. (Als nächstes müssen die Kindergärtnerinnen Abitur haben und wenigstens 6 Semester studieren.)
Heute möchte ich Ihnen in Form unseres traditionellen Informationsblattes das Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz-Management vorstellen. In den nächsten Tagen werden auch einige Exemplare in Druckform an die Dekanate, Dezernate und zentrale Einrichtungen gehen, so dass Sie bei Bedarf diese dort erhalten. Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
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Prof. A rechnet im Kopf zusammen: in diesem Semester hat sie ca. 320 Studierende zu betreuen. Früher waren es 80 – 100. Vor drei Semestern einmal über 500. Als sie es dem Direktor vortrug, meinte er, es gäbe Kollegen, die hätten noch mehr. 300, 500 oder 700 – und dann noch Frau Herr.
Die Kommentare zu den Lehrveranstaltungen für das kommende Semester sind in die von MACH vorgesehene Schablone einzugeben. Anleitung siehe Anlage.
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Der Rektor verkündet einen neuen Einschreibungsrekord.
Ja, das gibt es auch: Guten Tag Frau Prof. A, ich möchte mich bei Ihnen bedanken für die gute Betreuung in der Prüfungszeit. Sie haben mir sehr geholfen und ich glaube, dass ich auch viel gelernt habe. Ich wünsche Ihnen eine schöne vorlesungsfreie Zeit. Mit freundlichen Grüßen…Zu selten, murmelt Prof. A unzufrieden gerührt. Obwohl – einmal hat sie ein Kollege angesprochen, ein Student habe geradezu geschwärmt von ihren Veranstaltungen und wie sie auf jede Frage eingehe – aber wahrscheinlich war es doch nur Frotzelei.
Und eine ‚ihrer’ Studentinnen hatte doch sogar den Preis für die beste Abschlussarbeit (der gesamten Uni) bekommen, da hatten doch einige Kollegen auch ihr gratuliert – allerdings die aus dem eigenen Fach nicht. Und der Ordinarius überging es, als wisse er nichts davon, dass in diesem Semester der Preis ins Fach vergeben wurde, aber sein Gesichtsausdruck beanspruchte alle Auszeichnungen für sich und sein Klientel.
Zahlreiche Prüfungsanfragen (Stichtag des Prüfungsamts in Sichtweite).
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Student bittet um Verlängerung der Frist für seine Seminararbeit.
Bitte, Unterlagen nachreichen zu dürfen.
Studentin von NN Universität in X fragt, ob ihre Module bei Uni-Wechsel anerkannt werden.
In der Personalstelle, liest Frau A, wird ein Herr Herr zum Dezernenten befördert.
Einladung zur ‚akademischen Trauerfeier‘ im ‚Pavillon‘.
Studierende wollen Teilnehmerliste (MACH) einsehen, weil sie sich nicht sicher sind, ob ihre Anmeldung klappte. A druckt die Listen aus. Einige sind elektronisch erfasst und auch anwesend. Andere sind in der Liste, aber nicht da. Viele sind erschienen, ohne gespeichert zu sein. (Werde in Zukunft nicht mehr widersprechen, wenn sich jemand über das Chaos an der Uni empört.)
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Sehr geehrte Damen und Herren, die Verwaltung hat soeben mitgeteilt, dass sie am Montag, x. y. .2009, ab 9.00 Uhr ganztägig mit den Inventurarbeiten für die Fakultät im M-Gebäude beginnen möchte. Um die Inventur durchführen zu können, ist der Zugang zu allen Räumen in Ihren Bereichen notwendig! Eventuell sind deshalb Büroschlüssel bei KollegInnen zu hinterlegen oder über Dez. 3 (Herr Z) Gruppenschlüssel auszuleihen. Die Zugangsmöglichkeiten sind von Ihnen zu organisieren! Da zurzeit noch nicht eingeschätzt werden kann, wie lange die Erfassung der einzelnen Gegenstände in den jeweiligen Räumen dauert, kann leider keine genauere Zeitangabe gemacht werden. Der Dekan bittet Sie, die Inventarisierungsarbeiten offensiv zu unterstützen. Mit Dank und freundlichen Grüßen…
Der ‚Förderverein der Universität’ bittet um Werbung neuer Mitglieder.
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Jede Woche unterschreibt der Prüfungsvorsitzende des Fachs 20 Zeugnisse (Die Meldungen über einen Lehrermangel glaubt A nicht mehr.)
UB-Korrespondenz: Fernleihe liegt 7 Tage ab Datum dieser E-Mail zur Abholung bereit, vorbestelltes Buch, Leihfrist abgelaufen…
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Wichtigkeit: Hoch. Die Inventurarbeiten gestalten sich schwieriger als erwartet. Heute konnten nur wenige Räume erfasst werden. Die Fortsetzung findet am Donnerstag (ganztätig) statt. Mit freundlichen Grüßen (Dekanat an alle, d. h. zu dieser kurzen E-Mail gehört eine lange Liste mit E-Mail-Adressen (ausgedruckt wären es zwei Seiten): jedes Mal wird ein vollständiges Personalverzeichnis mit gesandt).
Außer Thunderbird ist selbstverständlich noch der altbewährte Hausbriefkasten zu leeren (Seminararbeiten, Verlagswerbung, Post vom Prüfungsamt, Brief von außen), die Prüfungsurkunden zum Unterschreiben und die (schriftlichen) Mitteilungen der Zentralverwaltung legt die Hauspost ins Eingangsfach). (Zweifellos dürfen Kulturkritiker über Informationsflut klagen, nur: die wichtigen Informationen sind nicht dabei, die muss jeder mündlich-persönlich ermitteln.) Die alten Kanäle überleben: ‚Im Dekanat kann eingesehen werden:’ Ausschreibung des Stifterverband-Fellowship Wissenschaftsmanagement, PAD aktuell der Kultusministerkonferenz, Förderprogramm DAAD (Broschüre) usw. (Erstaunlich dass auch heute noch Studierende – trotz Internet – handschriftlich Closprüche anbringen.)
Gerne möchten wir Ihnen das zentrale Jobportal an der Universität N vorstellen. Unter …de finden Sie das Portal für Stellenangebote. Die technische Bereitstellung und Unterstützung wird durch die NNService GmbH – ein Spin-off unserer Uni – gewährleistet. Sie haben folgende Möglichkeiten, die Vorteile des Jobportals für sich zu nutzen: Veröffentlichen Sie Stellenvakanzen Ihres Lehrstuhls kostenfrei und komfortabel. Schicken Sie hierzu eine E-Mail an …
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Der ‚akademische Golfclub’ lädt zu einem Golferlebnistag ein. (Putten und Schwingen unter Anleitung von Lizenztrainern)
An: Alle Fakultäten, Alle Mitarbeiter der Verwaltung, Alle Institute, Personalrat, Frauenbeauftragte, Justitiar, Rechenzentrum, Medienzentrum, CLB, ASFiCo, UB. Betrifft: Altaktenvernichtung: Wie jedes Jahr wird auch in diesem Jahr wieder eine Vernichtung von ausgesonderten Akten vertraulichen Inhalts, die nicht dem Staatsarchiv zur dauernden Aufbewahrung übergeben werden müssen, stattfinden. (Ort, Zeit) Ich darf Sie bitten, an dieser Entsorgungsaktion teilzunehmen, damit die in unserer Hochschule knapp bemessenen Stauräume so weit als möglich entlastet werden.

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