Ostafrika, oben und unten, Juni 2008

Falko Hennig

Oben. Ich habe mir mein Leben nicht wirklich geplant, aber doch relativ systematisch zu einer Existenz als Schriftsteller und Vortragsreisender ausgebaut. Im Juni 2008, als die Fußball-Europameisterschaft ihren Höhepunkten zustrebte, konnte ich nach Nairobi in Kenia und Dar Es Salaam fliegen, um dort Workshops über Lesebühnen und Literaturmarketing zu halten.

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Unten. Schon im Februar 2007 in Riga bin ich von jemandem mit Namensschild abgeholt worden, diesmal also wieder, mein erster Besuch in Schwarzafrika.

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Mein erster Spaziergang durch Nairobi führte mich an diesem schönen Plakat vorbei, das Flugzeug fliegt unten, die Fauna kreucht oben.

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Unten. Vor der Gründung der Bahnstation Nairobi gab es hier nichts außer fauligem Wasser des Uaso-en-Airobe, Massai für „Fluss kalten Wassers“. Ich ging immer noch spazieren zum Nationalmuseum und blickte auf den Fluss, wo sich hiesige Obdachlose säuberten.

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Von unten nach oben. Afrika und besonders Kenia sieht sich nicht nur als Heimat des nächsten US-Präsidenten Obama Barack, seine Oma lebt hier auf einem Dorf, sondern auch als Wiege der Menschheit und anthropologisch ist da was dran. Ich vermute, dass dieses ganze Streben nach Höherem, auf Bäume klettern, fliegen, in den Weltraumreisen mit dieser Aufrichtung des Homo Sapiens zu tun hat.

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Oben oder unten. Ich bin ein Mensch von erschreckenden Bildungslücken, so dass mir die Bezeichnung „Intellektueller“ oft sehr unangemessen vorkommt. Wie zum Beispiel E-Mails ihren Weg finden durch die unterirdischen Kabel oder per Funk über Satellit ist mir eigentlich schleierhaft geblieben. Umso sympathischer, weil nachvollziehbarer, ist mir die Zustellung der Elektropost per Motorrad, wie sie in Nairobi betrieben wird.

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Von oben nach unten. Am Bahnhof von Nairobi befindet sich diese Brücke, ich habe Dauerlauf getrieben.

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Oben. Dann flog ich nach Dar Es Salaam, Tansania, aus dem Suaheli „Ban-dari ya Salama“, oder dem arabischen „Bandr-ul-Salaam“ ab, was „Hafen des Friedens“ bedeutet und also mit Salami nichts zu tun hat. Ulrike Schwerdtfeger ist wahrscheinlich die einzige Leiterin eines Goethe-Instituts, die wirklich vom echten Goethe abstammt. Sie nahm mich mit zu Fußballkucken, Deutschland gegen Polen, Jakub Blaszczykowksi fiel wegen hamstring injury aus, Hamsterring? Bänderdenhung? Hier ist ein Tor für Deutschland gefallen, wir fühlen uns ganz weit oben.

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Dieser Mann auf der Fähre von Dar Es Salaam nach Sansibar liegt unten.

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Mit meiner Reservierung hatte was nicht geklappt, so musste ich ins Hotel Kiponda, das nur die Hälfte kostete und oben zum Frühstück diese schöne Terrasse bot.

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Auch in der Dhow Countries Music Academy am Hafen von Sansibar war das Streben nach Höherem nicht nur zu Hören sondern auch zu sehen.

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Für David Livingstone führte seine lange Reise nach Hause letztlich unter die Erde, also nach unten. In London habe ich einmal den Special-Effekt-Pionier Ray Harryhausen getroffen, der mit einer Ururur-Enkelin oder so von Livingstone verheiratet war und auch ein Denkmal von ihm und einem angreifenden Löwen in Bronze geschaffen hat.

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Dieser Mann leuchtet ziemlich weit unten gegen den längsten Stromausfall in der Geschichte Sansibars an, siehe auch: weltwohnen

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Im Sultanspalast von Sansibar steht oben dieses einzigartige, in Deutschland gefertigte Wasserklosett, das ins Schlafzimmer gerollt werden konnte, wenn der Sultan oder die Sultanin krank waren, der Eimer, der zu dem Möbelstück gehört, wird vermisst.

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Wieder oben in der Luft beim Flug von Dar Es Salaam zurück nach Nairobi, man sieht sehr deutlich, dass mein Nachbar die Armstütze, die wir uns doch teilen müssten, für sich in Beschlag genommen hat. Inzwischen ist es wohl zu spät, Kenya Airways um eine Rückzahlung eines angemessenen Teils des Flugpreises anzugehen.

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Wieder zurück in Nairobi war ich im Hotel Africana und oben lockte mich ein vielversprechendes Schild.

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Und wirklich wurden es dann unvergessliche Abende, es war immer noch Europameisterschaft.

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Auf dem Weg in einen Slum von Nairobi ging es durch eine Art Talkessel aus dunklen Säcken und obwohl das Bild verwackelt ist, bin ich von der Komposition recht zufrieden.

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Dieser kenianische Hiphopper trotzt der Schwerkraft, um Afrika ist mir nicht bange.

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Der älteste Schüler der Welt braucht in der Pause nicht mit den anderen Schülern auf dem Hof Gummihopse spielen, sondern darf ins Zimmer des Direktors nach oben und kann mit ihm Tee trinken. Siehe auch spiegel.de

20.

Kein Bild von meiner Reise kann die verblüffenden Verbindungen zwischen oben und unten besser aufzeigen als dieses hier.

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