Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Gröbenzell: „Wir Kleinrentner brauchen wirklich eine Revolution, nicht nur für uns, sondern auch für die nachfolgende Generation von Armutsopfern. Wo steht geschrieben, dass bei den immer steigenden Steuereinnahmen des Staates nicht ein Teil der Finanzierung für eine Steigerung der Kleinstrenten verwendet werden kann? Bevor Grundsicherung mit viel Bürokratie und Verwaltungskosten beantragt werden muss. Der Prozentsatz für die gerade groß angekündigte größte Rentenerhöhung aller Zeiten gilt für kleinste und größte Renten gleichermaßen. Hätte man das nicht staffeln können?
Nach lebenslanger Arbeitszeit, 25 Jahre davon selbständig mit kleinem Geschäft, konnte ich mir die Beiträge für die staatliche Rente nur unter Mühen leisten. Somit fehlt der Arbeitgeberanteil. Jetzt bekomme ich 754,89 Euro Rente. Gottseidank war ich freiwillig bei der AOK versichert, sonst würde ich nun eine private Krankenversicherung zahlen müssen.
In München ist es unmöglich, mit diesen Einkünften sozial, geschweige denn kulturell nicht zu vereinsamen. Alleine die Münchner Verkehrsbetriebe, Ihre Zeitung oder mal einen Espresso im Café kann man sich davon unmöglich leisten.“

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Hier und dort

Michael Rutschky

Donnerstag, 11. August 16
Gestern entschied das Landgericht Potsdam, berichtet Katrin Bischoff in der Berliner Zeitung, dass die Dackelhündin, die von ihren Haltern in Bayern Lullu genannt wurde, an ihre ursprünglichen Besitzer in Ferch/ Mittelmark, wo sie Bonnie hieß, zurückgegeben werden muss. Im April 2012 entwischte die Welpe aus dem Auto ihres Besitzers, des Försters Manfred Kühl, als der im Spargelhof Klaistow die Tür öffnete. Anna K. aus Bayern, die ihre Familie in Glindow besucht hatte, fand das Tier an einer Autobahnauffahrt herumirren und nahm es mit. Sie wollte sich dann neue Papiere für den Dackel ausstellen lassen; so wurde dessen Chip gelesen, und die Familie Kühl erschien mit ihrem Besitzrecht. Sie wollte, trotz der vergangenen Jahre, in denen Lullu sich in Bayern eingelebt hatte, den Dackel zurück; keine Einigung möglich. So kam es zum Prozess. Allerdings muss Ferch an Bayern eine Aufwandsentschädigung von über 3000 Euro zahlen.

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Schein und Wirklichkeit

Michael Rutschky

Mittwoch, 27. Juli 16
Ein 17-jähriger Tschetschene, der in Kyritz, Brandenburg lebt – meldet der epd – gab bei der Polizei, die nach ihm gefahndet hatte, zu Protokoll, dass er das Video, in dem er sich mit Selbstmordabsichten präsentiert, nur aus Jux und Langeweile produziert und veröffentlicht habe. Seine Pistole, im Rucksack verwahrt, erwies sich als Spielzeug.

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Einst und jetzt

Michael Rutschky

Freitag, 22. Juli 16
Ralf Irmscher, 59, arbeitet als Unternehmensberater und als ehrenamtlicher Bürgermeister des brandenburgischen Dorfes Münchehofe, berichtet Torsten Müller in der Berliner Zeitung. Vor 50 Jahren schmuggelte sein Vater für ihn ein Asterix-Heft aus Westberlin nach Pankow, und seitdem arbeitet sich Ralf Irmscher fleißig und umsichtig in die Rolle eines antiken Römers ein. Er verzehrt dessen Speisen und Getränke; er studiert die römische Geschichte und Literatur; er ließ sich eine Tunika schneidern, fabrizierte eigenhändig die Herrschaftszeichen eines römischen Legaten und erzählt so bei entsprechenden Veranstaltungen im slawisch-germanischen Brandenburg vom antiken Rom.

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Oben und unten

Michael Rutschky

Mittwoch, 20. Juli 16
Das Wetter ist oben, die Menschen sind unten. Laut einer Allensbach-Umfrage von 2013, berichtet Andreas Oswald im Tagesspiegel, sind 50 Prozent der Deutschen der Überzeugung, dass das Wetter irgendwie ihre Allgemeinbefinden beeinflusse, vor allem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen. Inzwischen gibt es Medizinmeteorologen; sie sprechen von Wetterfühligkeit, die beispielsweise auf den Aufzug/Abzug eines Hochdruck/Tiefdruckgebietes reagiere. Sich selbst positionieren kann man unter www.dwd.de7gesundheit.
Zugleich ein Beitrag zum Kapitel gesund oder krank.

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