Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Marktheidenfeld: „Josef Ratzinger war seit 1981 zunächst als Vorsitzender der Glaubenskongregation und seit 2005 als Papst umfassend über die weltweiten Sexualverbrechen katholischer Priester informiert. Er hat aufgrund dieser Informationen gehandelt, indem er Schweigegebote erließ, Verfahren an sich zog oder verfahren stoppte, Urteile unterer Instanzen aufhob und die Versetzung von straffällig gewordenen Priestern in andere Pfarreien und andere Länder billigte.
Dadurch hat er dafür gesorgt, dass die Sexualverbrechen nicht bei den staatlichen Strafverfolgungsbehörden angezeigt wurden. Er hat zunächst keinerlei wirksame Maßnahme gegen die Fortsetzung der ausgedehnten Sexualverbrechen seiner Priester eingeleitet, sondern rechtlich und faktisch eine Situation geschaffen, in der es Priestern leichtfiel Kinder zu missbrauchen, denn sie mussten keine ernsthafte Bestrafung erwarten. Diese Situation hielt er jahrelang auch als Papst aufrecht und begünstigte dadurch neue Sexualverbrechen, die weiter vertuscht wurden und entweder überhaupt nicht oder erst am Sankt Nimmerleinstag aufgeklärt werden.“

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Einst und jetzt

Michael Rutschky

Freitag, 23. September 16
Vor zwei Jahren triumphierte der IS, als er das Dorf Dabiq im Norden Syriens erobert hatte, berichtet Moritz Baumstieger in der SZ. Denn unter den Verlautbarungen des Propheten Mohammed findet sich eine, die dieses Dorf zum Austragungsort der Entscheidungsschlacht zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen erklärt, eine Schlacht, mit der die Zeit endet. „Sie werden sich gegen euch unter 80 Flaggen vereinen, und unter jeder Flagge sind 12000.“ Zwar werde während des Kampfes ein Drittel der Muslime fliehen, ein zweites Drittel getötet, aber dann erringen die Gläubigen einen strahlenden Sieg, der die Apokalypse einleitet. Eine entsprechend gloriose Bedeutung maß die IS-Propaganda Dabiq zu. Als Jihadi John vor laufender Kamera den Entwicklungshelfer Peter Abdul-Rahman Kassig enthauptete, verkündete er: „Heute beerdigen wir den ersten amerikanischen Kreuzritter in Dabiq. Wir warten sehnsüchtig auf das Eintreffen des Restes eurer Armeen.“
Jetzt stehen in der Tat Armeen vor Dabiq, um das Dorf vom IS zurückzuerobern, muslimische Truppen, türkische und Soldaten der Freien Syrischen Armee.

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Gesund oder krank

Michael Rutschky

Freitag, 9- September 16
Während die eigentlichen Sommermonate in puncto Wetter durchwachsen waren, berichtet Ralf Nestler im Tagesspiegel, imponiert der September durch Sonne, schöne Wärme, Trockenheit, was die Bürger genießen. (Das Foto zeigt einen Mann im Park, der genießerisch seinen nackten Oberkörper der Sonne darbietet.) Noch kann man nicht sagen, dass dieser September der wärmste der aufgezeichneten Wettergeschichte sei; am 3. September 1911 maß man in Jena 36,5 Grad, und auch in den Jahren 1947, 1949 und 1953 herrschten im September Sommertemperaturen.
Aber die Hitze in diesem Jahr macht bereits der Landwirtschaft zu schaffen; die Ernte beginnt früher, und die Erträge schrumpfen. Die Elbe musste an verschiedenen Stellen für den Güterverkehr gesperrt werden wegen allzu niedriger Wasserstände. In Brandenburg und in Sachsen-Anhalt drohen Waldbrände.

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