Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Berlin: „Eigentlich ist es doch ganz einfach: Solange es nicht allen Menschen auf der Welt annähernd ähnlich gut geht, nicht die Grundrechte aller Menschen geachtet und Vergehen gegen diese geahndet werden, nicht alle Menschen sauberes Trinkwasser, Nahrung, sicheren Wohnraum, Zugang zu Bildung, Selbstverwirklichung und Gesundheit, Recht auf Selbstbestimmung ihrer Identität, Liebe und Sexualität haben, ja, so lange gibt es auch keine Sicherheit. Weder hier in unserer schönen BRD noch sonst irgendwo. Denn mit der Globalisierung des Neuliberalismus, der Ausbeutung und der grenzenlosen Geldströme ist auch die Unsicherheit global geworden und grenzenlos. Eigentlich auch nur ‚gerecht‘.
Und wer dann postkoloniale Strukturen aufrechterhält und wer dann Waffen exportiert und wer dann unter dem Deckmantel von Geheimdienst und Sicherheit und schlecht gemeinter oder gemachter ‚Entwicklungshilfe‘ Regionen und ganze Kontinente destabilisiert, mit Krieg, Waffen, Terror und willkürlicher und kurzsichtiger Unterstützung von radikalen Akteur:innen und Regimen, um damit eigenen nationalen und wirtschaftlichen Interessen unter dem Deckmantel der Humanität nachzukommen, und wer dann noch nach Sicherheit und Überwachung schreit: Der ist ein Heuchler, ein Hetzer und ein Spalter. Der ist dann einer der größten Gefährder dieser Erde.“

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Hier und dort

Michael Rutschky

Sonntag, 13. November 16
In der Brandenburger Niederlausitz leben ungefähr 20 000 Sorben, berichtet Sandra Dassler im Tagesspiegel, die sich auch Wenden nennen. In der sächsischen Niederlausitz sind es dagegen ungefähr 40 000 – eine Volkszählung, die genaue Zahlen ergäbe, verbietet sich von selbst, Erinnerung an den Völkermord. Aber es gibt eine Initiative für ein sorbisch-wendisches Lokalparlament, den Serbski Sejm. Doch steht die Domowina, der Dachverband der sorbisch-wendischen Institutionen, der Idee skeptisch gegenüber; er hat ca. 7300 Mitglieder. Wenn man bedenkt, wie viele deutsche Bürger sorbisch-wendische Wurzeln haben, kommt man auf Hunderttausende. Allerdings sind sie in der deutschen Bevölkerung gleichsam verschwunden; dass Namen wie Wendt, Wende, Windisch, Wünsche, Konzack oder Noack diese Herkunft aufbewahren, weiß kaum jemand.

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