Hier und dort

Michael Rutschky

Donnerstag, 11. August 16
Gestern entschied das Landgericht Potsdam, berichtet Katrin Bischoff in der Berliner Zeitung, dass die Dackelhündin, die von ihren Haltern in Bayern Lullu genannt wurde, an ihre ursprünglichen Besitzer in Ferch/ Mittelmark, wo sie Bonnie hieß, zurückgegeben werden muss. Im April 2012 entwischte die Welpe aus dem Auto ihres Besitzers, des Försters Manfred Kühl, als der im Spargelhof Klaistow die Tür öffnete. Anna K. aus Bayern, die ihre Familie in Glindow besucht hatte, fand das Tier an einer Autobahnauffahrt herumirren und nahm es mit. Sie wollte sich dann neue Papiere für den Dackel ausstellen lassen; so wurde dessen Chip gelesen, und die Familie Kühl erschien mit ihrem Besitzrecht. Sie wollte, trotz der vergangenen Jahre, in denen Lullu sich in Bayern eingelebt hatte, den Dackel zurück; keine Einigung möglich. So kam es zum Prozess. Allerdings muss Ferch an Bayern eine Aufwandsentschädigung von über 3000 Euro zahlen.

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Obenuntentagebuch

Yvonne Zeich

Ein Leserbrief aus Rietberg: „Jammern bringt nichts, aber einen ehrlichen Umgang haben die Menschen, die ihr Auskommen aus der Landwirtschaft erzielen müssen, schon verdient. Für manch einen Betrieb geht es mittlerweile um die Existenz.
Die Errichtung von Produktionseinheiten als Familienkolchose in Bankbesitz mit zwei statt mit 20 Mitarbeitern läuft schon seit Gründung der EWG, heute EU. Unternehmerisches Verhalten ist gefragt, wird den Bauern suggeriert, aber Rechnungen schreiben traut man den Bauern nicht zu, und die Vorgaben, wie sie zu wirtschaften haben, sind immens und werden immer größer. Sie dürfen nur abliefern. Dies ist Verstaatlichung einer anderen Art. Der internationale Casino-Kapitalismus versklavt die Bauern. Die Vergabe neuer Kredite als Hilfsmaßnahme zu erklären, ist eine Sprachverdrehung par excellence. Das führt nur zur Ausplünderung landwirtschaftlicher Betriebe. Betriebserweiterungen jeder Art und viele Alternativen führen zu einer starken Verschuldung.
Diese Entwicklung geht in die Richtung fremdkapitalfinanzierter, bankgesteuerter, großkapitalhöriger Landbewirtschaftung. Wo dann ehemalige Bauern oder günstige Zeitarbeiter die Arbeiten als Tagelöhner verrichten. Nach amerikanischem Vorbild. Weiter lassen sich bei dieser Entwicklung die Eigentumsflächen im landwirtschaftlichen Bereich einfacher und entschädigungslos überplanen und günstiger erwerben und gehen ins Eigentum der öffentlichen Hand und des Kapitals über.
An die Landwirte gerichtet, vielleicht doch nicht jede ‚empfohlene‘ Entwicklung seines Betriebes mitmachen, sondern schon nüchtern abwägen, was unter den jetzigen und zukünftigen Rahmenbedingungen geht oder nicht geht. Um nicht unnötig später benötigtes Eigenkapital zu verspielen und nicht in den beschriebenen Kreislauf der Belastungen zu kommen.“

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Schein und Wirklichkeit

Michael Rutschky

Mittwoch, 27. Juli 16
Ein 17-jähriger Tschetschene, der in Kyritz, Brandenburg lebt – meldet der epd – gab bei der Polizei, die nach ihm gefahndet hatte, zu Protokoll, dass er das Video, in dem er sich mit Selbstmordabsichten präsentiert, nur aus Jux und Langeweile produziert und veröffentlicht habe. Seine Pistole, im Rucksack verwahrt, erwies sich als Spielzeug.

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Einst und jetzt

Michael Rutschky

Freitag, 22. Juli 16
Ralf Irmscher, 59, arbeitet als Unternehmensberater und als ehrenamtlicher Bürgermeister des brandenburgischen Dorfes Münchehofe, berichtet Torsten Müller in der Berliner Zeitung. Vor 50 Jahren schmuggelte sein Vater für ihn ein Asterix-Heft aus Westberlin nach Pankow, und seitdem arbeitet sich Ralf Irmscher fleißig und umsichtig in die Rolle eines antiken Römers ein. Er verzehrt dessen Speisen und Getränke; er studiert die römische Geschichte und Literatur; er ließ sich eine Tunika schneidern, fabrizierte eigenhändig die Herrschaftszeichen eines römischen Legaten und erzählt so bei entsprechenden Veranstaltungen im slawisch-germanischen Brandenburg vom antiken Rom.

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Oben und unten

Michael Rutschky

Mittwoch, 20. Juli 16
Das Wetter ist oben, die Menschen sind unten. Laut einer Allensbach-Umfrage von 2013, berichtet Andreas Oswald im Tagesspiegel, sind 50 Prozent der Deutschen der Überzeugung, dass das Wetter irgendwie ihre Allgemeinbefinden beeinflusse, vor allem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Schlafstörungen. Inzwischen gibt es Medizinmeteorologen; sie sprechen von Wetterfühligkeit, die beispielsweise auf den Aufzug/Abzug eines Hochdruck/Tiefdruckgebietes reagiere. Sich selbst positionieren kann man unter www.dwd.de7gesundheit.
Zugleich ein Beitrag zum Kapitel gesund oder krank.

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